Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Delmira Agustini: Por tu musa
#1
Uruguay 
Delmira Agustini

Por tu musa


Cuando derrama en los hombros puros
de tu musa la túnica de nieve,
yo concentro mis pétalos oscuros
y soy el lirio de alabastro leve.

Para tu musa en rosa, me abro en rosa;
mi corazón es miel, perfume y fuego,
y vivo y muero de una sed gloriosa:
tu sangre viva debe ser mi riego.

Cuando velada con un tul de luna
bebe calma y azur en la laguna,
yo soy el cisne que soñando vuela;

y si en luto magnífico la vistes
para vagar por los senderos tristes,
soy la luz o la sombra de una estela.


An deine Muse

Willst du die Schultern deiner Muse schmücken
mit einer Robe ganz von reinem Schnee,
werd ich die dunklen Blütenblätter pflücken
und bin die Alabaster-Lilie.

Für deine Rosen-Muse bin ich Rose;
mein Herz ist Honigduft und Feuerglut.
Ich lebe, sterbe, dürste glorios:
Als Wasser netze mich dein Lebensblut.

Wenn eingehüllt in einen Lichtflor Lunas
das Blau sinkt in die ruhige Lagune,
bin ich die träumerische Schwanenseele.

Willst du sie in gemessne Trauer kleiden,
die trüben Pfade mit ihr zu beschreiten,
bin ich das Licht und Schatten einer Stele.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
#2
Mich würde interessieren ob jemand eine Interpretation zu diesem Gedicht hat ?
Welche Rolle spielt das Symbol des modernistischen Schwans ?

Jemand eine Idee?


Lieben Gruß
Marlen
Zitieren
#3
Hallo Marlen,


wenn du Romanistik studierst, wie dein Profil verrät, hast vermutlich mehr Hintergrundwissen als ich, aber wenn ich schon gefragt werde, gebe ich gerne auch meine laienhaften Gedanken zum Besten.

Da ist zunächst das generelle Vogelmotiv, das für Leichtigkeit und Sehnsucht steht (Zugvogel) als weißer Vogel auch für Reinheit und Unschuld, speziell der Schwan auch für Anmut.
Aber das sind meine spontanen Assoziationen zum Schwan. Zur Unschuld des Schwans hat Charles Lamb ein schönes Sonett geschrieben:


(28.01.2007, 11:14)ZaunköniG schrieb: Charles Lamb
1775-1834

On the Sight of Swans in Kensington Garden

Queen-bird, that sittest on thy shining nest
And thy young cygnets without sorrow hatchest,
And thou, thou other royal bird, that watchest
Lest the white mother wandering feet molest:

Shrined are your offspring in a crystal cradle,
Brighter than Helen's ere she yet had burst
Her shelly prison. They shall be born at first
Strong, active, graceful, perfect, swan-like, able

To tread the land or waters with security,
Unlike poor human births, conceived in sin,
In grief brought forth, both outwardly and in
Confessing weakness, error, and impurity.

Did heavenly creatures own succession's line,
The births of heaven like to yours would shine.



Die Schwäne in Kensington Garden
Ü: ZaunköniG

Du Königin, die thront auf ihrem Nest,
umhegst ganz schmerzlos deine junge Brut;
Und du, ihr König, ständig auf der Hut
daß fremdes Volk dein Weib in Ruhe läßt:

Kristall die Wiege, die den Nachwuchs barg,
noch heller als die Helena's! - Sie birst.
Die Jungen sprengen ihr Gefängnis erst
ganz schwanenhaft: graziös, agil und stark,

bereit das Land und Wasser zu begehen.
Nicht wie ein Menschenkind, gezeugt in Sünde
und in Schmerzen ausgetragen, nur bestimmt
um für die alte Erbschuld einzustehen.

Ihr seid aus andrer Linie begründet,
die ihr auf Meer- und Himmelswellen schwimmt!



Diese Unschuld, die keine Keuschheit ist, sondern eher eine natürliche Ursprünglichkeit dürfte auch Delmiras Motiv sein. Wenn ich mir ihre übrige Lyrik ansehe dann sehe ich da eine schier überbordende Lebenslust, oft erotisch, aber nie frivol, bzw. eine Sehnsucht danach, die zu ihrer Zeit in einem katholischen Umfeld mit einem eifersüchtigen Ehemann wohl nur eingeschränkt gelebt werden konnte.

Kulturgeschichtlich fällt mir natürlich noch Leda und der Schwan ein, was nun keine Geschichte von Unschuld ist, aber immerhin göttlich....



Liebe Grüße

ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste