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Charles Lamb: On the Sight of Swans in Kensington Garden
#1
GB 
Charles Lamb
1775-1834

On the Sight of Swans in Kensington Garden

Queen-bird, that sittest on thy shining nest
And thy young cygnets without sorrow hatchest,
And thou, thou other royal bird, that watchest
Lest the white mother wandering feet molest:

Shrined are your offspring in a crystal cradle,
Brighter than Helen's ere she yet had burst
Her shelly prison. They shall be born at first
Strong, active, graceful, perfect, swan-like, able

To tread the land or waters with security,
Unlike poor human births, conceived in sin,
In grief brought forth, both outwardly and in
Confessing weakness, error, and impurity.

Did heavenly creatures own succession's line,
The births of heaven like to yours would shine.



Die Schwäne in Kensington Garden
Ü: ZaunköniG

Du Königin, die thront auf ihrem Nest,
umhegst ganz schmerzlos deine junge Brut;
Und du, ihr König, ständig auf der Hut
daß fremdes Volk dein Weib in Ruhe läßt:

Kristall die Wiege, die den Nachwuchs barg,
noch heller als die Helena's! - Sie birst.
Die Jungen sprengen ihr Gefängnis erst
ganz schwanenhaft: graziös, agil und stark,

bereit das Land und Wasser zu begehen.
Nicht wie ein Menschenkind, gezeugt in Sünde
und in Schmerzen ausgetragen, nur bestimmt
um für die alte Erbschuld einzustehen.

Ihr seid aus andrer Linie begründet,
die ihr auf Meer- und Himmelswellen schwimmt!
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#2
Hallo Zaunkönig,

nach unserer Lesung kam ich mit einem der Zuhörer über das Schwanen-Gedicht ins Gespräch. (Der Betreffende ist Pfarrer, weshalb ihm wahrscheinlich eine Zeile dieses Gedichts mit der Erbschuld besonders "haften" geblieben ist). Das war für mich Anlass, mir deine Übersetzung noch einmal anzusehen und auch selbst den Text zu übertragen.
Folgendes habe ich an Kritikpunkten: 1. in Vers 11 sollte das "und" gestrichen werden.
2. Das berstende Ei im Original ist nicht das eines Schwanenjungen, sondern es ist das Ei aus dem Helena, die Tochter Ledas entsprungen ist. Leda, ihre Mutter wurde ja von Zeus in Gestalt eines Schwans begattet.
3. Der Paarreim der letzten Verse ist von dir aufgegeben worden, obwohl du das Verspaar im Druckbild absetzt. Und tatsächlich enthält es ja auch einen ganz neuen Gedanken, nämlich den, der Himmelswesen, die keinen Nachwuchs haben. Wenn sie einen hätten, wäre der den Schwänen ähnlich ... In deiner Version kommen die Himmelswesen nicht vor und alles bezieht sich nur wieder auf die Schwäne, die "auf Meer- und Himmelswellen schwimmen". Das tun Schwäne zwar beides, aber der eigentliche Clou, der Vergleich mit den Geisteswesen, den Engeln, ist völlig weggefallen.

Mein Versuch:

Charles Lamb

Beim Anblick von Schwänen in Kensington Garden

Du, Schwänin, die jetzt königlich geruht,
Fürsorglich ihre Jungen auszubrüten,
Um dich kreist, deine Mutterschaft zu hüten,
Der andre weiße König, achtet gut
Auf euren Nachwuchs in kristall’nen Wiegen,
Die heller schimmern als die Helenas,
Bevor sie Ledas Ei zerbrach wie Glas.
Geboren werdet ihr, bereit zum Siegen
Auf See und Land, unnahbar-anmutig;
Nicht wie ein Menschenkind in Schuld empfangen,
Daran sich Leid und Schwäche angehangen,
Im Irrtum lebend, krank und unreinlich.
Wenn Himmelswesen eigne Kinder hätten,
Dann glichen deren Wiegen euren Stätten.
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#3
Hallo Josef,

Es lohnt doch immer wieder, sich auch ältere Texte anzusehen.
Drei mal Ja!
Besonders irritierend das "und" in der 11 Zeile. Dass ich mich bei den Silben verzähle, sollte nicht mehr vorkommen.
Bei den anderen Punkten gibt es wohl keine schnelle Lösung, aber ich gehe da nochmal ran.

In deiner Version störe ich mich an den Reimen anmutig/unreinlich, die eigentlich Daktylen sind, also ab der drittletzten Silbe reimen müssten.
Im Schlusscouplet hast du statt des Nachwuchses nur ihre Wiegen verglichen, aber das hast du vermutlich selbst gesehen.
Hier sehe ich aber einen Widerspruch im Original selbst, denn die antiken Götter hatten ja durchaus Nachwuchs und Lamb nennt mit Helena sogar ein konkretes Beispiel. warum also der Konjunktiv in den Schlusszeilen? "Engel" jedenfalls tauchen im Text nicht auf.
Eingangs wird betont, dass das Schwanenei heller/strahlender wäre als das Helenas, wohl weil jene mit Leda eine halbmenschliche Mutter hat. Die Gleichsetzung in der Schlußzeile bezieht sich also auf einen den Vergleich mit Himmelswesen die rein-himmlischer/göttlicher Abkunft sind. Ich würde hier aber in der griechischen Mythologie bleiben und keine Engel bemühen, auch wenn die Flügel solche Assoziationen nahelegen.

Etwas schmunzeln muß ich immer über die Stelle, wo der Schwanennachwuchs so anmutig beschrieben wird. Ich muss da immer an das hässliche Entlein denken...
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#4
Ein neuer Versuch.

Die Zeile 6 lasse ich mal so. Du hast zwar recht, dass im Original das Ei Helenas birst, aber da ja beide Eier bersten und der Vergleich nicht verfälscht wird, halte ich das für legitim. Bei größeren Umbauten fällt sonst sicher ein anderer Aspekt hinten runter.
Umgebaut habe ich allerdings den unteren Teil:




Du Königin, die thront auf ihrem Nest,
umhegst ganz schmerzlos deine junge Brut;
Und du, ihr König, ständig auf der Hut
daß fremdes Volk dein Weib in Ruhe läßt:

Kristall die Wiege, die den Nachwuchs barg,
noch heller als die Helena's! - Sie birst.
Die Jungen sprengen ihr Gefängnis erst
ganz schwanenhaft: graziös, agil und stark,

bereit das Land und Wasser zu begehen.
Nicht wie ein Menschenkind, gezeugt in Schande,
in Schmerzen ausgetragen, hierzulande
für eine
alte Erbschuld einzustehen.

Wenn's Nachwuchs gäbe in den Himmelreichen:
Die Götterkinder würden euren gleichen!



Inhaltlich näher, aber irgendwie finde ich meine erste Version poetischer....
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#5
Hallo ZaunköniG,

die neue Fassung gefällt mir schon besser. Jetzt hast Du auch das Endreimpaar drin.
Mir war der Zusammenhang mit Helena und den Schwänen auch zuerst nicht klar, denn dass Helena die Tochter Ledas war und somit Zeus (in Schwanengestalt!) zum Vater hat, steht so nicht in Gustav Schwabs "Sagen des Klassischen Altertums".
Aber durch ihre Schwanenverwandschaft wird der Vergleich ihrer Wiege mit dem Gelege natürlich motiviert und klingt auch nicht so weit "hergeholt", jedenfalls, wenn man die ganze Familiengeschichte kennt. Um diese anzudeuten, habe ich den Namen LEDA hineingeschrieben, weil ich annehme, dass dieser Teil der Geschichte noch ein wenig durch die vielen üppigen Bilder von LEDA MIT DEM SCHWAN bekannt ist.
Es gibt da ja auch das tiefsinnige Rilke-Sonett LEDA, das die Verwandlung des Gottes in das Tier beschreibt.
Du hast recht, wenn Du sagst, die antiken Götter hatten Nachwuchs; aber ich denke, die letzten Zeilen beziehen sich auf nachantike, "christliche" Geisteswesen. Durch den Vergleich mit ihnen werden die Schwäne noch einmal als edler als die Menschen gepriesen. Da vorher von Sünde im Zusammenhang mit der Menschheit die Rede ist, darf man annehmen, dass sich Lamb jetzt in modernen Zeiten aufhält.
Er war ja nicht gerade einer der stärksten Sonettisten oder Lyriker und hat hauptsächlich Essays und andere Prosa verfasst. Das merkt man an der Zeile: TO TREAD THE LAND OR WATERS WITH SECURITY.(!) Ich denke manchmal, dass eins, zwei Gedichte von ihm (meistens THE OLD FAMILIAR FACES), nur deshalb noch in Anthologien stehen, damit sein Name auch dabei ist und erinnert bleibt, denn wie gesagt, als Essayist genießt er wohl noch hohes Ansehen.
Das Schwanengedicht ist trotzdem reizvoll, weil es so schöne Bilder enthält und weil es in einer offensichtlich langen Tradition von Schwanen-Poesie steht, die noch mindestens bis Rilke und wohl auch noch weiter reichte.
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#6
Hallo Josef,

Über das Wesen der Engel wurde viel spekuliert. Für die einen sind sie geschlechtslos und unmittelbar von Gott erschaffen, für andere die Seelen Verstorbener. Aber Nachwuchs ist in Christentum oder Judentum nicht vorgesehen. Ich sehe auch nicht, warum Lamb plötzlich den Mythos wechseln sollte. Ich denke, der Konjunktiv bezieht sich nicht nur auf den Nachwuchs sonder auf die die Himmelswesen insgesamt:

Falls es Himmelswesen gibt, dann glichen deren Kinder den euren.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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