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Rilke Remix: Sonette an Orpheus XXVIII
#1
Du bist bloß auf den ersten Blick noch Kind,
komm zeigs, mach mit mir die Figur im Tanzen,
die andern Jungs sind für den Kick noch blind,
uns eint im Beat Struktur: Natur im Ganzen

steht wie ein Baum, will sich im Club betragen,
als sei sie starr; bleibt wenn ich red nur stumm:
stop motion will der Blick der Truppe klagen,
bleibt sich im Smalltalk fremd und steht nur rum.

Du kennst die Punchline schon: One time, two wrongs,
hast jede Schwingung, heiß wie kühl, vernommen,
bis du den Text in ihrer Mitte schreist.

Versuchst fast kaum noch schöne Schritte: Meist
bist du schon längst wie mein Vinyl, verkommen,
drehst dich zu mir, mein Freund: One Rhyme, two tongues.


Sonette an Orpheus XXVIII

O komm und geh. Du, fast noch Kind, ergänze
für einen Augenblick die Tanzfigur
zum reinen Sternbild einer jener Tänze,
darin wir die dumpf ordnende Natur

vergänglich übertreffen. Denn sie regte
sich völlig hörend nur, da Orpheus sang.
Du warst noch die von damals her Bewegte
und leicht befremdet, wenn ein Baum sich lang

besann, mit dir nach dem Gehör zu gehn.
Du wußtest noch die Stelle, wo die Leier
sich tönend hob –; die unerhörte Mitte.

Für sie versuchtest du die schönen Schritte
und hofftest, einmal zu der heilen Feier
des Freundes Gang und Antlitz hinzudrehn.
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