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Sonnets 018
#1
William Shakespeare
1564 – 1616 England



XVIII.

Shall I compare thee to a summer's day?
Thou art more lovely and more temperate:
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer's lease hath all too short a date:
Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimm'd;
And every fair from fair sometime declines,
By chance or nature's changing course untrimm'd;
But thy eternal summer shall not fade
Nor lose possession of that fair thou owest;
Nor shall Death brag thou wander'st in his shade,
When in eternal lines to time thou growest:
So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this and this gives life to thee.


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#2
Übersetzung von

Terese Robinson

1873 – 1933


XVIII.

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen,
Der du viel lieblicher und sanfter bist?
Durch Maienblüten rauhe Winde streichen,
Und Sommers Pracht hat allzu kurze Frist.
Oft fühlst zu heiß des Himmels Aug' du brennen,
Oft hüllt zu dunkler Schleier sein Azur,
Und stets muß Schönes sich vom Schönen trennen
Durch Zufall oder Wandel der Natur.
Doch deines Sommers Glanz wird nie ermatten,
Nie von dir fallen deine Herrlichkeit,
Nie wirst du wandeln in des Todes Schatten,
In ewigen Reimen strahlst du durch die Zeit.
So lange Menschen atmen, Augen sehn,
Wird dies mein Lied, wirst du in ihm bestehn.


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#3
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis



XVIII.

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?
Anmutiger, gemäßigter bist du.
Des Maies Lieblinge jagt Sturmwind von den Zweigen,
Und nur zu früh gehn Sommers Pforten zu.

Bald scheint zu heiß des Himmels Auge, bald
Umdunkelt sich sein goldner Kreis; es weilet
Das Schöne nie in seiner Wohlgestalt,
vom Zufall, vom Naturlauf übereilet.

Du aber sollst in ew'gem Sommer blühn,
Nie deiner Schönheit Eigentum veralten;
Nie soll dich Tod in seine Schatten ziehn,
Wenn ew'ge Zeilen dich der Zeit erhalten.

Solange Menschen atmen, Augen sehen,
So lang lebt dies, und heißt dich fortbestehn.


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#4
Übersetzung von
Max Josef Wolff




XVIII

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?
Er ist wie du so lieblich nicht und lind;
Nach kurzer Dauer muß sein Glanz verbleichen,
Und selbst in Maienknospen tobt der Wind.

Oft blickt zu heiß des Himmels Auge nieder,
Oft ist verdunkelt seine goldne Bahn,
Denn alle Schönheit blüht und schwindet wieder,
Ist wechselndem Geschicke untertan.

Dein ew'ger Sommer doch soll nie verrinnen,
Nie fliehn die Schönheit, die dir eigen ist,
Nie kann der Tod Macht über dich gewinnen,
Wenn du in meinem Lied unsterblich bist!

Solange Menschen atmen, Augen sehn,
Lebt mein Gesang und schützt dich vor Vergehn!


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#5
In Übersetzung von
Emil Wagner
1810 - 1889
(eigentlich: Ludwig Reinhold Walesrode)


XVIII.

Soll ich vergleichen dich dem Sommertag?
Nein, nicht so lieblich ist er und so mild;
Wie oft der Sturm des Frühlings Knospen brach,
Und Sommer weilt nur flüchtig im Gefild!

Oft scheint des Himmels goldnes Aug’ zu heiß,
Oft trübet sich sein strahlend Angesicht,
Und wie oft schwindet seiner Schönheit Preis,
Wenn Zufall oder die Natur sie bricht!

Doch nie ein Ende deinem Sommer droht,
Verlust des Schönen nie, was dir gehört;
Dich zu umschatten, rühmt sich nie der Tod,
Wenn du in ew’gen Liedern wirst verklärt;

So lang ein Athem weht, ein Auge sieht,
Lebt und verleiht dir Leben dieses Lied.


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#6
In Übersetzungen von
Otto Gildemeister



XVIII.

Vergleich ich dich mit einem Sommertage?
Er ist so lieblich nicht und so gelind;
Der Sturm zerzaust des Maien Blütenhage
Und allzubald des Sommers Pracht verrinnt,

Oft strahlt zu heiß des Himmels Aug hernieder,
Und manchmal ist sein Goldblick trübe nur,
Und jede Schönheit weicht vom Schönsten wieder
Durch Zufall oder Wandel der Natur.

Nie aber wird dein ew’ger Sommer schwinden,
Noch jene Schönheit missen, die du hast;
Nie wird der Tod im Schattenreich dich finden,
Wann dich die Zeit in ew’ge Verse faßt.

Solang noch Menschen atmen, Augen sehn,
Lebt dies und gibt dir Leben und Bestehn.


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#7
In Übersetzung von
Karl Kraus

1874 – 1936


XVIII

Soll ich denn einen Sommertag dich nennen,
dich, der an Herrlichkeit ihn überglänzt?
Dem Mai will Sturm die Blütenpracht nicht gönnen,
und Sommers Herrschaft ist so eng begrenzt.

Oft leuchten seines Blickes Feuerfarben,
doch bald auch hört das goldne Glänzen auf,
bis seine allerletzten Spuren starben
in Wechsel und natürlichem Verlauf.

Dir aber soll der Sommer niemals scheiden,
die Zeit sei fern, daß Schönheit dir verdirbt.
Des Todes gier'ger Blick weiß dich zu meiden:
mein Wort verhütet, daß dein Wesen stirbt.

Solange Ohren hören, Augen sehn,
besteht mein Lied, wirst du im Lied bestehn!

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#8
In Übersetzung von
Dorothea Tieck

1799 - 1841


18

Vergleich' ich Dich dem Tag im holden Lenze?
Du bist weit süßer, bist Dir immer gleich:
Der Sturm zerreißt des Mayen Blüthen-Kränze,
Und kurze Zeit nur steht des Frühlings Reich.

Bald scheint zu heiß herab des Himmels Licht,
Bald hüllt in Wolken sich die goldne Spur.
Kein Schönes, dem nicht Schönheit oft gebricht,
Des Schmuck's beraubt durch Zufall und Natur.

Jedoch Dein ew'ger Lenz soll nie verblühn;
Nichts diese Zierde, die Dir eigen, kränken;
Der Tod nie prahlend in sein Reich dich ziehn,
Da ew'ge Zeilen ew'ge Dauer schenken.

So lang', als Augen sehn und Menschen leben,
Lebt dies, um ew'ge Jugend Dir zu geben.



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#9
Übersetzung von
Alexander Neidhardt

1819-1908


XVIII.

Soll ich vergleichen dich dem Sommertag,
Da du doch holder und beständ'ger bist?
Der Sturm entblättert oft die Blüth' im Hag,
Der Sommer selbst hat allzu kurze Frist,

Zu heiß oft scheint das Äug' am Himmelszelt,
Verdüstert oft sein liebliches Azur —
Sieh wie das Sch8ne oft vom Schönen fällt
Durch Zufall oder Wechsel der Natur!

Dein ew'ger Sommer aber welke nie,
Nie fallend von der Schönheit, die dein Theil;
Tod prahle nicht: sein Schatten bleiche sie —
Lebst du in meinem Lied doch jederweil!

Solang ein Herz noch schlägt, ein Auge sieht,
Leb' auch, dir Leben gebend, dies mein Lied!


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#10
In Übersetzung von
Benno Tschischwitz
1828 – 1890



18.

Soll ich dich einem Sommertage gleichen?
Maßvoller bist und holder du von Sinn.
Maiknöspchen kann der rauhe Sturm erreichen,
Und Sommerfreuden fliehen bald dahin.

Des Himmels Strahlenaug, oft glüht’s zu heiß,
Oft ist sein golden Angesicht umnachtet;
Was schön, entsinkt des Schönen Zauberkreis,
Weil Zufall und Natur nach Wechsel trachtet.

Dein Sommer soll einst ohne Wechsel dauern,
Der Schönheit Recht dir nie verloren sein,
Nie wandeln sollst du in des Todes Schauern,
Der Ewigkeit wird dieses Lied dich weihn.

So lang ein Mensch noch lebt, ein Auge sieht,
So lang lebt dies, und du in diesem Lied.


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#11
In Übersetzung von
Ferdinand Adolph Gelbcke



XXIII. (18)

Vergleich ich Dich mit einem Sommertage?
O, der ist nicht so lieb und mild wie Du.
In Stürmen schwankt die Maienros’ am Hage,
Dem frühen Ende eilt der Sommer zu.

Oft glüht zu heiß des Himmels Auge droben,
Noch öfter ist getrübt sein goldnes Licht:
Und alle Schönheit ist so zart gewoben,
Der Zeit, dem Zufall widersteht sie nicht.

Dein Sommer aber, ewig soll er dauern
Mit aller Schönheit, die Du ihm verdankst;
Tod sich nicht blähn, Du gingst in seinen Schauern,
Wenn du auf Liedern in die Zukunft rankst.

So lange Menschen leben, Augen schaun,
So lang lebt dies und gibt Dir Leben, traun!


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#12
In Übertragung von
Stefan George



XVIII

Soll ich vergleichen einem Sommertage
Dich der du lieblicher und milder bist?
Des Maien teure Knospen drehn im Schlage
Des Sturms und allzukurz ist Sommers Frist.

Des Himmels Aug scheint manchmal bis zum Brennen,
Trägt goldne Farbe die sich oft verliert,
Jed Schön will sich vom Schönen manchmal trennen
Durch Zufall oder Wechsels Lauf entziert.

Doch soll dein ewiger Sommer nie ermatten:
Dein Schönes sei vor dem Verlust gefeit.
Nie prahle Tod, du gingst in seinem Schatten . . .
In ewigen Reimen ragst du in die Zeit.

Solang als Menschen atmen, Augen sehn
Wird dies und du der darin lebt bestehn.


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#13
In Übersetzung von
Friedrich Bodenstedt.



114. (18)

Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen?
Nein, Du bist lieblicher und frischer weit —
Durch Maienblüthen rauhe Winde streichen
Und kurz nur währt des Sommers Herrlichkeit.

Zu feurig oft läßt er sein Auge glühen,
Oft auch verhüllt sich seine goldne Spur,
Und seiner Schönheit Fülle muß verblühen
Im nimmerruh'nden Wechsel der Natur.

Nie aber soll Dein ewiger Sommer schwinden,
Die Zeit wird Deiner Schönheit nicht verderblich,
Nie soll des neidischen Todes Blick Dich, finden,
Denn fort lebst Du in meinem Lied unsterblich.

So lange Menschen athmen, Augen sehn,
Wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.


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#14
In Übertragung von
Hermann Freiherr von Friesen

1802 - 1882


Darf ich mit Sommers Tagen dich vergleichen?
Du bist weit lieblicher und milder auch;
Des Maien Knospe bricht des Windes Hauch,
Und Sommers Zeiten, ach, zu schnell verstreichen.

Bald will zu heiss des Himmels Aug' uns dünken,
Bald ist sein goldner Blick trüb' und bedrückt,
Und Schönes muss herab von Schönheit sinken,
Wenn's die Natur und Zufallslaun' entschmückt.

Dich aber soll ein ew'ger Sommer zieren,
Nicht Schönheit dir als flücht'ges Erb' entfliehn,
Nicht stolzer Tod als Schatten dich entführen,
Denn in den ew'gen Zeilen sollst du blühn.

So lang' als Athem weht und Augen sehn,
Lebt diess, worin dein Leben soll bestehn.


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#15
In Übersetzung
von Ludwig Fulda

1862 - 1939


18

Ob ich dich einem Sommertag vergleiche,
Der Du viel Lieblicher und milder bist ?
Sturm droht des Maien trautem Blütenreiche,
Und Sommer weilt nur allzu kurze Frist.

Des Himmels Aug’ strahlt manchmal allzuwarm,
Oft ist sein goldnes Antlitz trüb umrändert,
Und alles Schöne wird oft schönheitsarm,
Wenn Zufall, wenn Naturlauf es verändert.

Doch dauern soll dein Sommer ewiglich,
Dein Reiz nicht fliehn; auch soll sich nicht erkühnen
Der Tod, zu prahlen, er umschatte dich,
Wenn du in ewigem Lied wirst weitergrünen.

Solang noch Menschen atmen, Augen sehn,
Lebt dies und läßt Dein Leben nicht vergehn.


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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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