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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Oscar Linke ]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 07:07:15 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Nach dem Gewitter]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31639</link>
			<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 10:50:21 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31639</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nach dem Gewitter</span><br />
<br />
Des Himmels Stirn entwölkt sich.  Klare Bläue<br />
Verscheucht der Wolken blasses Grau. Die Flur,<br />
Sie athmet wieder auf, als ob Natur<br />
Auch wie das Menschenherz des Lichts sich freue.<br />
<br />
Die Heerde, schüchtern harrend, wagt auf’s neue,<br />
Zu suchen frischer Gräser duft’ge Spur;<br />
Auch naht der Hirt sich. O wo blieb er nur?<br />
Er barg sich in der Nähe tief im Heue.<br />
<br />
Die Heerde wandelt, und die Glöckchen klingen,<br />
Indeß der Hirt grauwoll’ne Strümpfe strickt<br />
Und heimlich einen Blick zum Himmel schickt.<br />
<br />
Und trillernd wieder sich die Lerchen schwingen<br />
Zum Aeher, und das alte Jubellied<br />
Des frohen Lebens auf zur Sonne zieht.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nach dem Gewitter</span><br />
<br />
Des Himmels Stirn entwölkt sich.  Klare Bläue<br />
Verscheucht der Wolken blasses Grau. Die Flur,<br />
Sie athmet wieder auf, als ob Natur<br />
Auch wie das Menschenherz des Lichts sich freue.<br />
<br />
Die Heerde, schüchtern harrend, wagt auf’s neue,<br />
Zu suchen frischer Gräser duft’ge Spur;<br />
Auch naht der Hirt sich. O wo blieb er nur?<br />
Er barg sich in der Nähe tief im Heue.<br />
<br />
Die Heerde wandelt, und die Glöckchen klingen,<br />
Indeß der Hirt grauwoll’ne Strümpfe strickt<br />
Und heimlich einen Blick zum Himmel schickt.<br />
<br />
Und trillernd wieder sich die Lerchen schwingen<br />
Zum Aeher, und das alte Jubellied<br />
Des frohen Lebens auf zur Sonne zieht.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Im Thiergarten]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31638</link>
			<pubDate>Wed, 25 Dec 2024 06:09:45 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31638</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Im Thiergarten<br />
 zu Berlin</span><br />
<br />
Gern wandl’ ich, wenn es dämmert, hier im Hain,<br />
Deß Wipfel Streifen Sonnengolds umkrönen;<br />
Mag ihn der Schüler Bädekers verhöhnen,<br />
Mir soll er theu’rer als die anders sein.<br />
<br />
Hier singt der Wald dieselben Melodei’n,<br />
Die in gerühmten Fernen hold ertönen,<br />
Hier Blumen auch das frische Gras verschönen,<br />
Aus Dunkel blickt der Büsten weißer Stein.<br />
<br />
Ist auch der Meister dort von Stein, Apoll,<br />
Durch Staub und Sturm ein wenig schon ergraut,<br />
Weiß ich auch nicht mehr, ob in Dur, ob Moll<br />
<br />
Ertönte seiner Sandsteinharfe Laut –<br />
was kümmert’s mich? Doch hör’ ich noch, wie voll<br />
Und schmelzend weich dein Lied klingt, Rosenbraut!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Im Thiergarten<br />
 zu Berlin</span><br />
<br />
Gern wandl’ ich, wenn es dämmert, hier im Hain,<br />
Deß Wipfel Streifen Sonnengolds umkrönen;<br />
Mag ihn der Schüler Bädekers verhöhnen,<br />
Mir soll er theu’rer als die anders sein.<br />
<br />
Hier singt der Wald dieselben Melodei’n,<br />
Die in gerühmten Fernen hold ertönen,<br />
Hier Blumen auch das frische Gras verschönen,<br />
Aus Dunkel blickt der Büsten weißer Stein.<br />
<br />
Ist auch der Meister dort von Stein, Apoll,<br />
Durch Staub und Sturm ein wenig schon ergraut,<br />
Weiß ich auch nicht mehr, ob in Dur, ob Moll<br />
<br />
Ertönte seiner Sandsteinharfe Laut –<br />
was kümmert’s mich? Doch hör’ ich noch, wie voll<br />
Und schmelzend weich dein Lied klingt, Rosenbraut!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ein Wunder]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31637</link>
			<pubDate>Thu, 07 Nov 2024 09:40:09 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31637</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ein Wunder</span><br />
<br />
„Das ist ein Wunder!“ – Welch ein Zauberspruch<br />
Für alle Kinder und für alle Frommen;<br />
Auch unsern Heiden bleib’ er unbenommen,<br />
Nur jenen Dummen nicht, die allzu klug!<br />
<br />
Wir haben Wunder mit so manchem Buch<br />
Voll Gift und voller Heilung überkommen;<br />
Sie alle sind in’s Träumereich verschwommen,<br />
Sie alle sind nicht wundersam genug.<br />
<br />
Dies dünket mir das größte großer Wunder:<br />
Die Sprache mit nur vierundzwanzig Lettern –<br />
Bei Licht besehn, welch armer Geistesplunder!<br />
<br />
Doch wenn wir in dem Riesenbuche blättern,<br />
Geschichte, finden wir die That in runder<br />
Gesammtzahl: Sie erbauen und zerschmettern!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ein Wunder</span><br />
<br />
„Das ist ein Wunder!“ – Welch ein Zauberspruch<br />
Für alle Kinder und für alle Frommen;<br />
Auch unsern Heiden bleib’ er unbenommen,<br />
Nur jenen Dummen nicht, die allzu klug!<br />
<br />
Wir haben Wunder mit so manchem Buch<br />
Voll Gift und voller Heilung überkommen;<br />
Sie alle sind in’s Träumereich verschwommen,<br />
Sie alle sind nicht wundersam genug.<br />
<br />
Dies dünket mir das größte großer Wunder:<br />
Die Sprache mit nur vierundzwanzig Lettern –<br />
Bei Licht besehn, welch armer Geistesplunder!<br />
<br />
Doch wenn wir in dem Riesenbuche blättern,<br />
Geschichte, finden wir die That in runder<br />
Gesammtzahl: Sie erbauen und zerschmettern!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Im Walde]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31636</link>
			<pubDate>Tue, 05 Nov 2024 16:35:45 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31636</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Im Walde<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">An Rudolf Crisolli</span></span><br />
<br />
<br />
Nacht war’s. Des Mondes weiße Schimmer woben<br />
Sich um die grauen Häupter hoher Nüstern;<br />
Bald im Halbschatten ging ich, bald im Düstern –<br />
Ja, Freund, man soll die Schauernacht nicht loben!<br />
<br />
Hat dort sich nicht im tiefsten Schwarz erhoben<br />
Hohnsummend laut und lauter heis’res Flüstern?<br />
Schon seh’ ich Flammen aus der Rosse Nüstern,<br />
Da, horch ... wie still. – Der wache Traum zerstoben!<br />
<br />
„Freisinnig“ nennen mich die dummen Leute.<br />
Den haß’ ich, der recht stolz auf diesen Namen<br />
Sich wie ein Hund meist nur des Lebens freute!<br />
<br />
O glaube mir: Sie alle, die entstammen<br />
Dem Mutterschoße, sind die leichte Beute<br />
Des Graun’s, weil fremd sie auf die Erde kamen.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Im Walde<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">An Rudolf Crisolli</span></span><br />
<br />
<br />
Nacht war’s. Des Mondes weiße Schimmer woben<br />
Sich um die grauen Häupter hoher Nüstern;<br />
Bald im Halbschatten ging ich, bald im Düstern –<br />
Ja, Freund, man soll die Schauernacht nicht loben!<br />
<br />
Hat dort sich nicht im tiefsten Schwarz erhoben<br />
Hohnsummend laut und lauter heis’res Flüstern?<br />
Schon seh’ ich Flammen aus der Rosse Nüstern,<br />
Da, horch ... wie still. – Der wache Traum zerstoben!<br />
<br />
„Freisinnig“ nennen mich die dummen Leute.<br />
Den haß’ ich, der recht stolz auf diesen Namen<br />
Sich wie ein Hund meist nur des Lebens freute!<br />
<br />
O glaube mir: Sie alle, die entstammen<br />
Dem Mutterschoße, sind die leichte Beute<br />
Des Graun’s, weil fremd sie auf die Erde kamen.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Hen kai pan]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31635</link>
			<pubDate>Sat, 02 Nov 2024 23:21:58 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31635</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Hen kai pan</span><br />
<br />
Sie nannten mich den stolzen, kalten Heiden,<br />
Sie, die sich nicht aus Geistesdämmerungen<br />
Zu des Gedankens Sonnenhöh’ geschwungen,<br />
Die nie gewußt von Zweifeln und von Leiden!<br />
<br />
Mag mich die glaubensdumpfe Sippe meiden! –<br />
Dir, dunkel Schicksal, ist mein Lied erklungen,<br />
Du hast allein den wilden Geist bezwungen,<br />
Dir beugt der trotzige sich sanft bescheiden.<br />
<br />
Die Juden mögen dich Jehova nennen,<br />
Die Griechen mochten Zeus aus dir sich machen,<br />
Die Indier dich als Brama tief erkennen;<br />
<br />
Die frommen Christen mögest Du bewachen<br />
Als Vater, Sohn und Geist, die nicht zu trennen: -<br />
Du bleibst dir gleich in allen Menschensprachen!<br />
<br />
<br />
-]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Hen kai pan</span><br />
<br />
Sie nannten mich den stolzen, kalten Heiden,<br />
Sie, die sich nicht aus Geistesdämmerungen<br />
Zu des Gedankens Sonnenhöh’ geschwungen,<br />
Die nie gewußt von Zweifeln und von Leiden!<br />
<br />
Mag mich die glaubensdumpfe Sippe meiden! –<br />
Dir, dunkel Schicksal, ist mein Lied erklungen,<br />
Du hast allein den wilden Geist bezwungen,<br />
Dir beugt der trotzige sich sanft bescheiden.<br />
<br />
Die Juden mögen dich Jehova nennen,<br />
Die Griechen mochten Zeus aus dir sich machen,<br />
Die Indier dich als Brama tief erkennen;<br />
<br />
Die frommen Christen mögest Du bewachen<br />
Als Vater, Sohn und Geist, die nicht zu trennen: -<br />
Du bleibst dir gleich in allen Menschensprachen!<br />
<br />
<br />
-]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An mein Herz]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31640</link>
			<pubDate>Wed, 30 Oct 2024 10:51:54 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31640</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An mein Herz</span><br />
<br />
Was soll, o Herz, dein pochend wildes Schlagen?<br />
Ach, daß ich trage dich noch unter’m Kleide,<br />
Ein feurig schwert in einer rost’gen Scheide! –<br />
Ich mußt’ es oft, ach oft, sehr oft beklagen!<br />
<br />
Wann wirst du je der Hoffnung dich entschlagen,<br />
Die wie der Stern auf eine trübe Haide<br />
Hinabblickt, ewig fern? O schwelg’ im Leide,<br />
Das Alter predigt: Schön sei das Entsagen!<br />
<br />
„Noch ist’s so jung!“ – spricht des Verstandes Zunge,<br />
Wenn das wir Jugend, Götterjugend nennen,<br />
Wo Löwenkraft sich eint mit Adlerschwunge.<br />
<br />
Doch ewig auf und ab im Käfig rennen,<br />
Nie heben dürfen sich zum Riesensprunge –<br />
Da mußt du, Herz, langsam und still verbrennen!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An mein Herz</span><br />
<br />
Was soll, o Herz, dein pochend wildes Schlagen?<br />
Ach, daß ich trage dich noch unter’m Kleide,<br />
Ein feurig schwert in einer rost’gen Scheide! –<br />
Ich mußt’ es oft, ach oft, sehr oft beklagen!<br />
<br />
Wann wirst du je der Hoffnung dich entschlagen,<br />
Die wie der Stern auf eine trübe Haide<br />
Hinabblickt, ewig fern? O schwelg’ im Leide,<br />
Das Alter predigt: Schön sei das Entsagen!<br />
<br />
„Noch ist’s so jung!“ – spricht des Verstandes Zunge,<br />
Wenn das wir Jugend, Götterjugend nennen,<br />
Wo Löwenkraft sich eint mit Adlerschwunge.<br />
<br />
Doch ewig auf und ab im Käfig rennen,<br />
Nie heben dürfen sich zum Riesensprunge –<br />
Da mußt du, Herz, langsam und still verbrennen!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Nachtgedanken]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31634</link>
			<pubDate>Mon, 28 Oct 2024 08:26:58 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31634</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nachtgedanken</span><br />
<br />
Oft wohl in schweigsam heller Nacht durchschauert<br />
Der kühle Sturm mich der Vergänglichkeit;<br />
Mein Geist dem Schattenwesen Odem leiht,<br />
Das unsichtbar noch in der Ferne lauert.<br />
<br />
O Tod, der ewig fern im Dunkel kauert,<br />
So lange lebst du noch als lebt die Zeit,<br />
Graunvolles wesen voll erhabenheit,<br />
Hast du jemals gelächelt, je getrauert? –<br />
<br />
Nachtträume! Mit dem Monde sie versprühen.<br />
Am Tage klingt das alte Hoffnungslied:<br />
O sieh die Blumen jeden Lenz erblühen.<br />
<br />
Und wenn auch diese mit dem Lenze flieht<br />
Und eine and’re siehst im nächsten glühen;<br />
Die Blume bleibt, solang der Lenz sie sieht!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nachtgedanken</span><br />
<br />
Oft wohl in schweigsam heller Nacht durchschauert<br />
Der kühle Sturm mich der Vergänglichkeit;<br />
Mein Geist dem Schattenwesen Odem leiht,<br />
Das unsichtbar noch in der Ferne lauert.<br />
<br />
O Tod, der ewig fern im Dunkel kauert,<br />
So lange lebst du noch als lebt die Zeit,<br />
Graunvolles wesen voll erhabenheit,<br />
Hast du jemals gelächelt, je getrauert? –<br />
<br />
Nachtträume! Mit dem Monde sie versprühen.<br />
Am Tage klingt das alte Hoffnungslied:<br />
O sieh die Blumen jeden Lenz erblühen.<br />
<br />
Und wenn auch diese mit dem Lenze flieht<br />
Und eine and’re siehst im nächsten glühen;<br />
Die Blume bleibt, solang der Lenz sie sieht!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Maria]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31633</link>
			<pubDate>Sat, 26 Oct 2024 06:10:39 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31633</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Maria</span><br />
<br />
Es bleibt das Weib des Lebens Edelstein,<br />
Ist Schwachheit auch des Leibes Rosenschrift,<br />
Kam jeder Blick, der dich unsagbar trifft,<br />
Auch nur aus eines klein’ren Hirnes Schrein.<br />
<br />
Und wenn auch schwach der Leib, die Stirne klein,<br />
Ward darum eine kleinere Mitgift<br />
Dem Weib vom Schicksal? Lies des Lebens Schrift,<br />
Streich’ aus den Namen Weib: weiß wird sie sein!<br />
<br />
Welch Weltgeheimniß hier den Blick  umhüllt!<br />
Und doch welch Thor wird mürrisch grübelnd fragen,<br />
Wenn ihn zu einem Weibe Lieb’ erfüllt?<br />
<br />
Ihr seid, o Frauenblumen, die ihr blüht<br />
Wie Rosen, die ein hold Geheimniß tragen,<br />
Die Gottheit dem poetischen Gemüth!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Maria</span><br />
<br />
Es bleibt das Weib des Lebens Edelstein,<br />
Ist Schwachheit auch des Leibes Rosenschrift,<br />
Kam jeder Blick, der dich unsagbar trifft,<br />
Auch nur aus eines klein’ren Hirnes Schrein.<br />
<br />
Und wenn auch schwach der Leib, die Stirne klein,<br />
Ward darum eine kleinere Mitgift<br />
Dem Weib vom Schicksal? Lies des Lebens Schrift,<br />
Streich’ aus den Namen Weib: weiß wird sie sein!<br />
<br />
Welch Weltgeheimniß hier den Blick  umhüllt!<br />
Und doch welch Thor wird mürrisch grübelnd fragen,<br />
Wenn ihn zu einem Weibe Lieb’ erfüllt?<br />
<br />
Ihr seid, o Frauenblumen, die ihr blüht<br />
Wie Rosen, die ein hold Geheimniß tragen,<br />
Die Gottheit dem poetischen Gemüth!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Appassionata]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31632</link>
			<pubDate>Tue, 22 Oct 2024 08:45:01 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31632</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Appassionata</span><br />
<br />
Gewiß, der Glaube ist für mich verstaubt.<br />
Von Göttlichkeit und andern Wunderdingen,<br />
Die, denk’ ich nach, um den Verstand mich bringen,<br />
Hab’ ich mich zu befreien mir erlaubt.<br />
<br />
Doch glauben Sie – bei Ihrem Lockenhaupt,<br />
Bei allen Freuden, die uns Schmerzen bringen,<br />
Bei all dem schmerzdurchwühlten Menschenringen –<br />
Ich habe mehr als mancher Christ geglaubt!<br />
<br />
Zwei Räthsel kenn’ ich: Liebe wie Musik;<br />
Sie durften nur dem Herzen angehören,<br />
Nie sah dies Traumreich des Verstandes Blick!<br />
<br />
Wie gern mein Geist sich hier beschränkt erkannte,<br />
Er mocht’ auch nie die fromme Seele stören –<br />
O spielen Sie noch einmal das Andante!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Appassionata</span><br />
<br />
Gewiß, der Glaube ist für mich verstaubt.<br />
Von Göttlichkeit und andern Wunderdingen,<br />
Die, denk’ ich nach, um den Verstand mich bringen,<br />
Hab’ ich mich zu befreien mir erlaubt.<br />
<br />
Doch glauben Sie – bei Ihrem Lockenhaupt,<br />
Bei allen Freuden, die uns Schmerzen bringen,<br />
Bei all dem schmerzdurchwühlten Menschenringen –<br />
Ich habe mehr als mancher Christ geglaubt!<br />
<br />
Zwei Räthsel kenn’ ich: Liebe wie Musik;<br />
Sie durften nur dem Herzen angehören,<br />
Nie sah dies Traumreich des Verstandes Blick!<br />
<br />
Wie gern mein Geist sich hier beschränkt erkannte,<br />
Er mocht’ auch nie die fromme Seele stören –<br />
O spielen Sie noch einmal das Andante!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Schönheit]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31631</link>
			<pubDate>Fri, 18 Oct 2024 08:42:59 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31631</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Schönheit</span><br />
<br />
Wär’ ich ein Maler, wollt’ ich zaudernd malen<br />
Dich, selt’ne Wunderblume, Schönheitsblüte;<br />
Und all den Reiz, der dir, o Weib, entsprühte,<br />
Die Farben schöner sollten wiederstrahlen.<br />
<br />
Wär’ ich Bildhauer, aus dem Stein, dem kahlen,<br />
Karrara’s dich zu locken ich mich mühte,<br />
Daß schöner noch dein Reiz im Stein erglühte –<br />
Ach unbeschwingte Wünsche, lahmes Prahlen!<br />
<br />
Denn nicht Bildhauer, noch ein Maler bin ich,<br />
Nur ein zu Fuße wandelnder Poet,<br />
Der sich auf’s Wort nur, Duft und Hauch, versteht.<br />
<br />
Und wenn ich einfach sage, still und sinnig:<br />
Du bist so schön, daß neidisch wird die Rose,<br />
Dankst du mir solch ein schmeichelhaft Gekose?<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Schönheit</span><br />
<br />
Wär’ ich ein Maler, wollt’ ich zaudernd malen<br />
Dich, selt’ne Wunderblume, Schönheitsblüte;<br />
Und all den Reiz, der dir, o Weib, entsprühte,<br />
Die Farben schöner sollten wiederstrahlen.<br />
<br />
Wär’ ich Bildhauer, aus dem Stein, dem kahlen,<br />
Karrara’s dich zu locken ich mich mühte,<br />
Daß schöner noch dein Reiz im Stein erglühte –<br />
Ach unbeschwingte Wünsche, lahmes Prahlen!<br />
<br />
Denn nicht Bildhauer, noch ein Maler bin ich,<br />
Nur ein zu Fuße wandelnder Poet,<br />
Der sich auf’s Wort nur, Duft und Hauch, versteht.<br />
<br />
Und wenn ich einfach sage, still und sinnig:<br />
Du bist so schön, daß neidisch wird die Rose,<br />
Dankst du mir solch ein schmeichelhaft Gekose?<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Prometheus]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31630</link>
			<pubDate>Mon, 14 Oct 2024 08:49:07 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31630</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Prometheus</span><br />
<br />
Noch steh’ ich an die Meereswand geschmiedet,<br />
Starb Zeus auch längst und seiner Blitze Strahl;<br />
Nicht hat der neue Gott sich meiner Qual<br />
Erbarmt, wie zeus von Selbstsucht nur umfriedet!<br />
<br />
Nenn’ ich’s noch Qual, wenn heiß das Herz mir siedet,<br />
Drin täglich hält der Geier noch sein Mahl? –<br />
Gestürmt wird auch der neue Gottessaal,<br />
Verlassen, wie ihr von den alten schiedet!<br />
<br />
Ihr Götter! Ich nur bleibe trotz der Leiden,<br />
Ihr wähnt, noch hab’ ich nicht genug gebüßet?<br />
Ho! die Gewohnheit hat mein Leid versüßet!<br />
<br />
Wer von uns beiden ist wohl zu beneiden? –<br />
Doch will ich noch die Hoffnungsblume tragen,<br />
Daß einst ein mild’rer wird mein Joch zerschlagen!“<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Prometheus</span><br />
<br />
Noch steh’ ich an die Meereswand geschmiedet,<br />
Starb Zeus auch längst und seiner Blitze Strahl;<br />
Nicht hat der neue Gott sich meiner Qual<br />
Erbarmt, wie zeus von Selbstsucht nur umfriedet!<br />
<br />
Nenn’ ich’s noch Qual, wenn heiß das Herz mir siedet,<br />
Drin täglich hält der Geier noch sein Mahl? –<br />
Gestürmt wird auch der neue Gottessaal,<br />
Verlassen, wie ihr von den alten schiedet!<br />
<br />
Ihr Götter! Ich nur bleibe trotz der Leiden,<br />
Ihr wähnt, noch hab’ ich nicht genug gebüßet?<br />
Ho! die Gewohnheit hat mein Leid versüßet!<br />
<br />
Wer von uns beiden ist wohl zu beneiden? –<br />
Doch will ich noch die Hoffnungsblume tragen,<br />
Daß einst ein mild’rer wird mein Joch zerschlagen!“<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Mais oú sont les neiges d’antan?]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31660</link>
			<pubDate>Mon, 29 Apr 2024 08:35:40 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=31660</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Mais oú sont les neiges d’antan?</span><br />
<br />
Die schönen Rosen sind verblüht<br />
Gleichwie die erste Liebesluft,<br />
Und leerer fühlet sich die Brust,<br />
Zu Asche bald die Glut verglüht.<br />
<br />
Das arme, menschliche Gemüth!<br />
Das Wort, ach, daß du scheiden mußt<br />
Von dem, was du dir lieb gewußt,<br />
Nie wie der Rosen Duft versprüht!<br />
<br />
Wohl! Auch im nächsten Lenz erwachen<br />
Mit glühem Roth, reizvollem Lachen<br />
Viel viele neue, and’re Rosen.<br />
<br />
Doch and’re Rosen sind es eben.<br />
Die süßen nicht mehr, die voll Leben<br />
Wir schalkhaft durften einst umkosen.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Mais oú sont les neiges d’antan?</span><br />
<br />
Die schönen Rosen sind verblüht<br />
Gleichwie die erste Liebesluft,<br />
Und leerer fühlet sich die Brust,<br />
Zu Asche bald die Glut verglüht.<br />
<br />
Das arme, menschliche Gemüth!<br />
Das Wort, ach, daß du scheiden mußt<br />
Von dem, was du dir lieb gewußt,<br />
Nie wie der Rosen Duft versprüht!<br />
<br />
Wohl! Auch im nächsten Lenz erwachen<br />
Mit glühem Roth, reizvollem Lachen<br />
Viel viele neue, and’re Rosen.<br />
<br />
Doch and’re Rosen sind es eben.<br />
Die süßen nicht mehr, die voll Leben<br />
Wir schalkhaft durften einst umkosen.<br />
<br />
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.]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>