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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Georg Herwegh]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 16:07:45 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[O heiß mich nicht von deinem Antlitz fliehn,]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27187</link>
			<pubDate>Fri, 12 Jan 2024 08:08:24 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27187</guid>
			<description><![CDATA[O heiß mich nicht von deinem Antlitz fliehn,                                                  <br />
Auf dem der Liebe heilige Gedanken<br />
Gleich goldnen Sternen auf- und niederschwanken,<br />
Die still und furchenlos am Himmel ziehn!<br />
<br />
Hier ist mein Tempel und hier will ich knie’n,<br />
Um diesen Altar meine Arme ranken,<br />
In diesen Armen meinen meinen Göttern danken,<br />
Daß sie mir ihre Seligkeit verlieh’n!<br />
<br />
Bist du, mein Herz, selbst wider dich im Bunde?<br />
Was soll der volle schäumende Pokal,<br />
Was die Unendlichkeit dem Mann der Stunde?<br />
<br />
Begehre nicht die Herrlichkeit zumal!<br />
Bitt’ um Ein Wort nur aus dem lieben Munde,<br />
Ein halbes Lächeln, Einen Sonnenstrahl!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[O heiß mich nicht von deinem Antlitz fliehn,                                                  <br />
Auf dem der Liebe heilige Gedanken<br />
Gleich goldnen Sternen auf- und niederschwanken,<br />
Die still und furchenlos am Himmel ziehn!<br />
<br />
Hier ist mein Tempel und hier will ich knie’n,<br />
Um diesen Altar meine Arme ranken,<br />
In diesen Armen meinen meinen Göttern danken,<br />
Daß sie mir ihre Seligkeit verlieh’n!<br />
<br />
Bist du, mein Herz, selbst wider dich im Bunde?<br />
Was soll der volle schäumende Pokal,<br />
Was die Unendlichkeit dem Mann der Stunde?<br />
<br />
Begehre nicht die Herrlichkeit zumal!<br />
Bitt’ um Ein Wort nur aus dem lieben Munde,<br />
Ein halbes Lächeln, Einen Sonnenstrahl!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Freiheit Priester, der Vasall des Schönen,]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27185</link>
			<pubDate>Wed, 10 Jan 2024 07:22:33 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27185</guid>
			<description><![CDATA[Der Freiheit Priester, der Vasall des Schönen,<br />
So wird der Dichter in die Welt gesandt;<br />
Ein Troubadour zieh er von Land zu Land,<br />
Das Herrlichste mit seinem Lied zu krönen.<br />
<br />
Die Heldentat gewinn in seinen Tönen<br />
Für alle Zeiten sicheren Bestand,<br />
Den eignen Kummer schreib er in den Sand,<br />
des eignen Herzens mög er sich entwöhnen.<br />
<br />
Ein Gärtner, dem der Garten nur gegeben,<br />
Für fremde Busen Blumen draus zu pflücken,<br />
Ein Winzer, der für Frembe baut die Reben –<br />
<br />
Sei all sein Trost, nur andre zu beglücken;<br />
Dem armen Taucher gleich, wag er das Leben,<br />
Mit seltnen Perlen seine Zeit zu schmücken.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Freiheit Priester, der Vasall des Schönen,<br />
So wird der Dichter in die Welt gesandt;<br />
Ein Troubadour zieh er von Land zu Land,<br />
Das Herrlichste mit seinem Lied zu krönen.<br />
<br />
Die Heldentat gewinn in seinen Tönen<br />
Für alle Zeiten sicheren Bestand,<br />
Den eignen Kummer schreib er in den Sand,<br />
des eignen Herzens mög er sich entwöhnen.<br />
<br />
Ein Gärtner, dem der Garten nur gegeben,<br />
Für fremde Busen Blumen draus zu pflücken,<br />
Ein Winzer, der für Frembe baut die Reben –<br />
<br />
Sei all sein Trost, nur andre zu beglücken;<br />
Dem armen Taucher gleich, wag er das Leben,<br />
Mit seltnen Perlen seine Zeit zu schmücken.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dem Glanz der Throne bin ich wohl entronnen,]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27184</link>
			<pubDate>Mon, 08 Jan 2024 08:22:56 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27184</guid>
			<description><![CDATA[Dem Glanz der Throne bin ich wohl entronnen,<br />
Und niemand sucht mich in den Schmeichlerchören,<br />
Der bunte Tand, er kann mich nicht betören,<br />
Um keine kreis ich eurer Tagessonnen.<br />
<br />
Doch hab ich wenig oder nichts gewonnen:<br />
Nur allen kann die Freiheit angehören,<br />
Die ganze Welt muß sich mit dir empören –<br />
Sonst hast du nur ein eitles Werk gesponnen.<br />
<br />
Ich fühl es tief: ich bin kein freier Mann!<br />
Und ob ich keines Fürsten Joch mehr schleppe,<br />
So bleibt doch jeder Sklave mein Tyrann.<br />
<br />
Ich flieh umsonst Palast und Marmortreppe,<br />
Und alls, was ich mir erobern kann,<br />
Ist Einsamkeit in dieser Menschensteppe.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Dem Glanz der Throne bin ich wohl entronnen,<br />
Und niemand sucht mich in den Schmeichlerchören,<br />
Der bunte Tand, er kann mich nicht betören,<br />
Um keine kreis ich eurer Tagessonnen.<br />
<br />
Doch hab ich wenig oder nichts gewonnen:<br />
Nur allen kann die Freiheit angehören,<br />
Die ganze Welt muß sich mit dir empören –<br />
Sonst hast du nur ein eitles Werk gesponnen.<br />
<br />
Ich fühl es tief: ich bin kein freier Mann!<br />
Und ob ich keines Fürsten Joch mehr schleppe,<br />
So bleibt doch jeder Sklave mein Tyrann.<br />
<br />
Ich flieh umsonst Palast und Marmortreppe,<br />
Und alls, was ich mir erobern kann,<br />
Ist Einsamkeit in dieser Menschensteppe.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Aus der Schweiz]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27183</link>
			<pubDate>Sat, 06 Jan 2024 00:55:31 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27183</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Aus der Schweiz</span><br />
<br />
Ich habe nun ein freies Land gefunden;<br />
Doch nirgends wird auf Rosen uns gebettet,<br />
Und ist der Leib nicht eben angekettet,<br />
Bleibt ewig uns die Seele doch gebunden.<br />
<br />
Ich fühl es heiß in meinen schönsten Stunden:<br />
Eit mein grollend Herz zu viel verwettet,<br />
Ich habe nur die Liebe mir gerettet,<br />
Der Haß ist an der Grenze längst entschwunden.<br />
<br />
O tretet ein in diesen kleinen Erker,<br />
Ihr alle, die noch unversöhnt geblieben,<br />
Und lernet wieder eure Heimat lieben.<br />
<br />
Hier schmacht ich wie Kolumbus in dem Kerker,<br />
Ich habe hundert Segel vor den Blicken<br />
Und muß die Lust zum Steuern wohl ersticken!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Aus der Schweiz</span><br />
<br />
Ich habe nun ein freies Land gefunden;<br />
Doch nirgends wird auf Rosen uns gebettet,<br />
Und ist der Leib nicht eben angekettet,<br />
Bleibt ewig uns die Seele doch gebunden.<br />
<br />
Ich fühl es heiß in meinen schönsten Stunden:<br />
Eit mein grollend Herz zu viel verwettet,<br />
Ich habe nur die Liebe mir gerettet,<br />
Der Haß ist an der Grenze längst entschwunden.<br />
<br />
O tretet ein in diesen kleinen Erker,<br />
Ihr alle, die noch unversöhnt geblieben,<br />
Und lernet wieder eure Heimat lieben.<br />
<br />
Hier schmacht ich wie Kolumbus in dem Kerker,<br />
Ich habe hundert Segel vor den Blicken<br />
Und muß die Lust zum Steuern wohl ersticken!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Abends]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27182</link>
			<pubDate>Thu, 04 Jan 2024 10:03:36 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27182</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Abends</span><br />
<br />
Du siehst den Himmel sich mit Purpur schmücken,<br />
Doch alsbald, wie herauf die Sterne steigen,<br />
Sich hinterm Berg hinab den Purpur neigen,<br />
Denn er verschmäht’s, mit ihnen sich zu sticken.<br />
<br />
Soll ich das Herz mit seinem Haupte flicken? –<br />
Wenn abends stolz sich die Gedanken zeigen,<br />
Dann wird das Herz, krank, müd und todwundt, schweigen,<br />
Sein flammend Mal entziehn den Zweifelblicken.<br />
<br />
Nacht ist’s, ob tausend Stern am Himmel stehen,<br />
nacht, trotz des Hauptes blitzenden Gedanken,<br />
Tag, wenn vorm Frühlicht beide erst vergehen,<br />
<br />
Wenn in des Morgens Purpur sie ertranken,<br />
Das Herz läßt seine roten Fahnen wehen<br />
Und in ihm unter die Gedanken sanken.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Abends</span><br />
<br />
Du siehst den Himmel sich mit Purpur schmücken,<br />
Doch alsbald, wie herauf die Sterne steigen,<br />
Sich hinterm Berg hinab den Purpur neigen,<br />
Denn er verschmäht’s, mit ihnen sich zu sticken.<br />
<br />
Soll ich das Herz mit seinem Haupte flicken? –<br />
Wenn abends stolz sich die Gedanken zeigen,<br />
Dann wird das Herz, krank, müd und todwundt, schweigen,<br />
Sein flammend Mal entziehn den Zweifelblicken.<br />
<br />
Nacht ist’s, ob tausend Stern am Himmel stehen,<br />
nacht, trotz des Hauptes blitzenden Gedanken,<br />
Tag, wenn vorm Frühlicht beide erst vergehen,<br />
<br />
Wenn in des Morgens Purpur sie ertranken,<br />
Das Herz läßt seine roten Fahnen wehen<br />
Und in ihm unter die Gedanken sanken.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sonett II]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27181</link>
			<pubDate>Tue, 02 Jan 2024 07:55:30 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27181</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Sonett II</span><br />
<br />
Ja, ich bekenn's, die Stimme Gottes ist<br />
Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,<br />
Der hat sein Haus auf Felsen sich gebaut,<br />
Indes der Zorn des Herrn die Frevler frißt.<br />
<br />
Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,<br />
Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge taut,<br />
Der nicht im eignen Jammer sich beschaut<br />
Und selbstgefällig seine Sünden mißt!<br />
<br />
Doch sollt' er drum nur  W a f f e n t r ä g e r  sein,<br />
Der  d i e n e n d  hinter seinem Heere steht<br />
Und, wenn es not tut, reicht ein Schwert hinein.<br />
<br />
Der nicht  v o r a n  ein Feuerzeichen, geht,<br />
Und  S e h e r  ist wie sonst? Ich rufe: Nein!<br />
Und dreimal: Nein! und stimme für  P r o p h e t !<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Sonett II</span><br />
<br />
Ja, ich bekenn's, die Stimme Gottes ist<br />
Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,<br />
Der hat sein Haus auf Felsen sich gebaut,<br />
Indes der Zorn des Herrn die Frevler frißt.<br />
<br />
Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,<br />
Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge taut,<br />
Der nicht im eignen Jammer sich beschaut<br />
Und selbstgefällig seine Sünden mißt!<br />
<br />
Doch sollt' er drum nur  W a f f e n t r ä g e r  sein,<br />
Der  d i e n e n d  hinter seinem Heere steht<br />
Und, wenn es not tut, reicht ein Schwert hinein.<br />
<br />
Der nicht  v o r a n  ein Feuerzeichen, geht,<br />
Und  S e h e r  ist wie sonst? Ich rufe: Nein!<br />
Und dreimal: Nein! und stimme für  P r o p h e t !<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[1841. 1843.]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27180</link>
			<pubDate>Fri, 29 Dec 2023 07:48:25 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27180</guid>
			<description><![CDATA[1841. 1843.<br />
<br />
<br />
Die Lust war groß, drum ist das Leid unsäglich;<br />
Ganz Deutschland sprang begeistert auf vom Sitze<br />
Und grüßte träumend seiner Schwerter Spitze:<br />
Das Wort klang prächtig, doch die Tat blieb kläglich.<br />
<br />
Was bargen jene Wolken, die sich täglich<br />
Zu Wettern ballten bei der jähen Hitze?<br />
Für Knaben windige Theaterblitze -<br />
Pfui! die Komödie wird unerträglich.<br />
<br />
Von alten Heiligen ein kleines Rudel -<br />
Und darum die Berliner gar so kindisch?<br />
Und darum so viel Wochenblattsgesudel?<br />
<br />
Ein bißchen Griechisch und ein bißchen Indisch -<br />
O schöner Kern von einem solchen Pudel! -<br />
Ich dacht' es gleich; er wedelte so hündisch.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[1841. 1843.<br />
<br />
<br />
Die Lust war groß, drum ist das Leid unsäglich;<br />
Ganz Deutschland sprang begeistert auf vom Sitze<br />
Und grüßte träumend seiner Schwerter Spitze:<br />
Das Wort klang prächtig, doch die Tat blieb kläglich.<br />
<br />
Was bargen jene Wolken, die sich täglich<br />
Zu Wettern ballten bei der jähen Hitze?<br />
Für Knaben windige Theaterblitze -<br />
Pfui! die Komödie wird unerträglich.<br />
<br />
Von alten Heiligen ein kleines Rudel -<br />
Und darum die Berliner gar so kindisch?<br />
Und darum so viel Wochenblattsgesudel?<br />
<br />
Ein bißchen Griechisch und ein bißchen Indisch -<br />
O schöner Kern von einem solchen Pudel! -<br />
Ich dacht' es gleich; er wedelte so hündisch.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Unseren Künstlern (2)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27186</link>
			<pubDate>Tue, 26 Dec 2023 00:42:27 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27186</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Unseren Künstlern<br />
<br />
<br />
I. Bei einem Gemälde von Cornelius.</span><br />
<br />
Die Zeit ist die Madonna der Poeten,<br />
Die Mater dolorosa, die gebären<br />
Den Heiland soll. Drum halt die Zeit in Ehren:<br />
Du kannst nichts Höheres, denn sie, vertreten.<br />
<br />
Hat deine Zeit einmal nicht Luft zum Beten,<br />
Du wirst sie keines Besseren belehren!<br />
Warum die Augen ewig rückwärts kehren?<br />
Im eigenen Jahrhundert dich verspäten?<br />
<br />
Ich achte all dies strahlende Gelichter<br />
Und deinen ganzen Himmel nicht sehr teuer,<br />
Obschon du höflichst drein gesetzt den Dichter.<br />
<br />
Nimm einen Lorbeer für die Ungeheuer<br />
Und für die kolossalen Bösewichter,<br />
Doch deine Heiligen – die wirf ins Feuer!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">II.</span><br />
<br />
Die Blume überwuchern unsre Saaten,<br />
Drum fehlet uns ein Held von echtem Korne,<br />
Der tief getrunken aus der Mannheit Borne<br />
Und helfen kann, wo Tausende nur raten;<br />
<br />
Der sich versteht auf hohe freie Taten,<br />
Des Auge flammt in hellem Liebeszorne,<br />
Der die Tyrannen peitschet mit dem Dorne<br />
Von jeder Rose, so sie uns zertraten.<br />
<br />
Ein Held, des Worte leuchten in die Runde,<br />
Der unsres Vaterlands zersprengte Teile<br />
Zusammenzaubern kann zu neuem Bunde;<br />
<br />
Ein Held, der, wo die Not erheischet Eile,<br />
Die Waffen in der Hand trägt, statt im Munde,<br />
Zum Schwert greift, statt nach Pinsel oder Feile.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Unseren Künstlern<br />
<br />
<br />
I. Bei einem Gemälde von Cornelius.</span><br />
<br />
Die Zeit ist die Madonna der Poeten,<br />
Die Mater dolorosa, die gebären<br />
Den Heiland soll. Drum halt die Zeit in Ehren:<br />
Du kannst nichts Höheres, denn sie, vertreten.<br />
<br />
Hat deine Zeit einmal nicht Luft zum Beten,<br />
Du wirst sie keines Besseren belehren!<br />
Warum die Augen ewig rückwärts kehren?<br />
Im eigenen Jahrhundert dich verspäten?<br />
<br />
Ich achte all dies strahlende Gelichter<br />
Und deinen ganzen Himmel nicht sehr teuer,<br />
Obschon du höflichst drein gesetzt den Dichter.<br />
<br />
Nimm einen Lorbeer für die Ungeheuer<br />
Und für die kolossalen Bösewichter,<br />
Doch deine Heiligen – die wirf ins Feuer!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">II.</span><br />
<br />
Die Blume überwuchern unsre Saaten,<br />
Drum fehlet uns ein Held von echtem Korne,<br />
Der tief getrunken aus der Mannheit Borne<br />
Und helfen kann, wo Tausende nur raten;<br />
<br />
Der sich versteht auf hohe freie Taten,<br />
Des Auge flammt in hellem Liebeszorne,<br />
Der die Tyrannen peitschet mit dem Dorne<br />
Von jeder Rose, so sie uns zertraten.<br />
<br />
Ein Held, des Worte leuchten in die Runde,<br />
Der unsres Vaterlands zersprengte Teile<br />
Zusammenzaubern kann zu neuem Bunde;<br />
<br />
Ein Held, der, wo die Not erheischet Eile,<br />
Die Waffen in der Hand trägt, statt im Munde,<br />
Zum Schwert greift, statt nach Pinsel oder Feile.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dissonanzen (52)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27178</link>
			<pubDate>Sat, 23 Dec 2023 08:54:43 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27178</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Dissonanzen<br />
<br />
I.</span><br />
<br />
Was schmerzlich oft die Seele mir durchwühlte<br />
Und drin in stillen Nächten sich bewegte,<br />
Wie meine Mutter mich, die Zeit, erregte,<br />
Was ich für sie, was ihr zum Trotz ich fühlte –<br />
<br />
Hier ist es, wie ich’s aus der Brust mir spülte,<br />
Wie ich’s in scharfgeschliffne Formen legte,<br />
Vor roher Hand mit einem Zaun umhegte,<br />
Beglückt, daß ich das Herz mir endlich kühlte.<br />
<br />
Doch schaudert mich, so wild sind meine Musen,<br />
Ein toll Geschlecht, gleich jener Rotte Kora,<br />
Abscheuliche, versteinernde Medusen –<br />
<br />
Allein nur zu – periculum in mora –<br />
Fort mit den Ungeheuern aus dem Busen,<br />
Und aufgetan die Büchse der Pandora!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">II.</span><br />
<br />
Ja, ich bekenn’s, die Stimme Gottes ist<br />
Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,<br />
Der hat sein Haus auf Felsen sich gebaut,<br />
Indes der Zorn des Herrn die Frevler frißt.<br />
<br />
Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,<br />
Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge taut,<br />
Der nicht im eignen Jammer sich beschaut<br />
Und selbstgefällig seine Silben mißt!<br />
<br />
Doch sollt’ er drum nur Waffenträger sein,<br />
Der dienend hinter seinem Heere steht<br />
Und, wenn es not tut, reicht ein Schwert hinein?<br />
<br />
Der nicht voran, ein Feuerzeichen, geht,<br />
Und Seher ist wie sonst? Ich rufe: Nein!<br />
Und dreimal: Nein! und stimme für Prophet!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">III.</span><br />
<br />
Der Gott des Friedens will uns nimmer segnen,<br />
Den Ölzweig weinend auf die Seite legen;<br />
Vom Nil zum Tajo höret man schon regen<br />
Die Kriegsdämonen sich, die wildverwegnen.<br />
<br />
Und mancher sieht im Geist nur Helden regnen,<br />
Die sollen auf den Spitzen ihrer Degen<br />
Der Völker künftige Geschichte wägen<br />
Und so dem Sturme stürmisch auch begegnen.<br />
<br />
Der Dichter aber denkt man nicht, der stillen,<br />
Wenn blutig weithin sich die Felder röten<br />
Und Unheil alle finstern Mächte brauen.<br />
<br />
Und doch – nur sie verstehn der Gottheit Willen;<br />
Jetzt, eben jetzt sind Seher uns vonnöten,<br />
Den Flug der Adler wieder zu beschauen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IV. An A. A. L. Follen in Zürich,<br />
    <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">als er nach Deutschland übersiedeln wollte</span>.</span>  <br />
<br />
Manch böser Geist haust in Helvetiens Schlünden,<br />
Manch schlimmer Pfaffe keucht den Berg hinan,<br />
Der Teufel bricht sich mit dem Kreuze Bahn,<br />
Der Teufel in den frommen Talesgründen.<br />
<br />
Doch lieb’ ich sie mit allen ihren Sünden.<br />
Ha! klebt nicht Winkelriedens Blut daran?<br />
Hier ist die Wüste und das Kanaan,<br />
Um ein Prophet der Welt das Heil zu künden.<br />
<br />
Hier fliegen noch die Adler, mein Follen –<br />
Hier rauschen sie noch über deinem Haupte –<br />
Was willst du tot sie und gefangen sehn?<br />
<br />
O laß den Traum, an den der Jüngling glaubte,<br />
Vergiß, wo frische Alpenrosen stehn,<br />
Der deutschen Freiheit Rose, die bestaubte!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">V.</span><br />
<br />
Wer etwas auf dem Herzen hat, der eile,<br />
Es noch beizeiten vor sein Volk zu bringen;<br />
Schon rührt der Hader seine schwarzen Schwingen,<br />
Schon liegt das Haupt des Friedens unterm Beile.<br />
<br />
Der Henker harrt, daß er’s vom Rumpfe teile,<br />
Bald wird der Blutstrahl in die Lüfte dringen,<br />
Verharschte Wunden werden wieder springen,<br />
Und fehlen wird der Arzt dann, der sie heile.<br />
<br />
Schon hör’ ich ferne die Kanonen brummen,<br />
Die Säbel klirren und die Trommeln schallen,<br />
Kein Vogel will im Wald sein Lied mehr summen.<br />
<br />
Noch eine Nacht – die Würfel müssen fallen;<br />
Dann gibt’s ein trübes, trauriges Verstummen,<br />
Des Hahnen Ruf verscheucht die Nachtigallen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VI.</span><br />
<br />
Ich zähle gerne mit bei guten Christen<br />
Und streite ritterlich und ohne Wanken,<br />
Wenn sie und wollen das Gemüt abdanken,<br />
Die unausstehlich pfiffigen Sophisten.<br />
<br />
Doch hass’ ich das Gemüt der Pietisten,<br />
Das, frech getreten aus des Anstands Schranken,<br />
Uns möcht’ die reinsten himmlischen Gedanken<br />
Mit seinen Nebelworten überlisten.<br />
<br />
Auch mir hat sich das Aug’ schon oft genetzt,<br />
Sah ich das Herz mißhandelt und zerschlagen<br />
Und von den Rüden des Verstands gehetzt.<br />
<br />
Es darf das Herz wohl auch ein Wörtchen sagen;<br />
Doch ward es weislich in die Brust gesetzt,<br />
Daß man’s so hoch nicht wie den Kopf soll tragen<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VII.</span><br />
<br />
Nie wurden noch der Silben mehr gemessen,<br />
Und glaubt man unserm kritischen Gelichter,<br />
So wäre schier der dritte Mann ein Dichter<br />
Von Thule bis zum Lande der Tscherkessen.<br />
<br />
Und alle nur auf eitel Ruhm versessen,<br />
Ein jeglicher Poet begehret, spricht er<br />
Zwei Verse nur, gleich Publikum und Richter,<br />
Und würd’ sein Pfeifen anders bald vergessen.<br />
<br />
Doch mir deucht nur ein Dichter, der noch sänge,<br />
Der seinen Wohllaut noch verstömen müßte,<br />
Wo keines Menschen Stimme zu ihm dränge:<br />
<br />
In stillen Meer an unwirtbarer Küste –<br />
Zuhörer nur die wilden Felsenhänge –<br />
Und in Arabiens grauenvoller Wüste.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VIII.</span><br />
<br />
Von Büchern liegt vor mir ein Perserheer,<br />
Doch keins kann mir den Unmut ganz verwischen;<br />
Der will den Geist auf Reisen sich erfrischen,<br />
Der holt sich seinen Helden über Meer.<br />
<br />
Unwillig schwingt der Kritiker den Speer:<br />
Warum die fremde Kost auf unsern Tischen?<br />
Warum nach Gold in fremden Flüssen fischen?<br />
Ist unsre Heimat, unser Herz so leer?<br />
<br />
Geh wieder in dein Kämmerlein und dichte!<br />
Brauchst keinen Turban, keine welschen Blusen;<br />
Zund deinen Zunder an am eignen Lichte!<br />
<br />
Greif, Sänger, wieder in den eignen Busen,<br />
In deines eignen teuern Volks Geschichte!<br />
Da oder nirgens wohnen deine Musen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IX. Den Naturdichtern</span><br />
<br />
Titan und Zwerg, das Große wie das Kleine,<br />
Ist Poesie, und Poesie im Halme,<br />
Wie in des Orientes stolzer Palme,<br />
Und Poesie noch in der Weisen Steine;<br />
<br />
Und Poesie die Mück’ im Sonnenscheine,<br />
Und Poesie in eines Dampfschiffs Qualme,<br />
Und Poesie auf einer Schweizeralme,<br />
Und Poesie vor allem auch im Weine.<br />
<br />
Wo euch des Himmels heil’ge Luft umweht,<br />
Da rauscht die Poesie mit ihren Schwingen;<br />
Sie sehlet nie, oft fehlt nur der Poet.<br />
<br />
Wie Gott, ist sie zuletzt in allen Dingen:<br />
Doch wenn einmal ein Löwe vor euch steht,<br />
Sollt ihr nicht das Insekt auf ihm besingen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">X.</span><br />
<br />
Ein Glück, ihr Götter, oder nur ein Leiden,<br />
Ein himmlisch würdig Leiden eurem Sohne!<br />
Im Grunde ist es doch die Dornenkrone,<br />
Um die wir eure Lieblinge beneiden.<br />
<br />
Ich kann das Glück mit stummem Lächeln meiden –<br />
Naht’ ich mich je, ein Sklave, seinem Throne? –<br />
Nur eines wünsch’ ich, daß ich einst nicht ohne<br />
Des Unglücks Weihe mög’ von hinnen scheiden.<br />
<br />
Ich bin entsagend gern zurückgeblieben,<br />
Wenn blühendrot das Volk sich auf den Straßen,<br />
Mit seinen Dirnen schäkernd, umgetrieben;<br />
<br />
Doch manch ein stilles Antlitz von den blassen,<br />
War’s auch nur um ein unglückselig Lieben,<br />
Es mußte sich von mir beneiden lassen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XI. Shelley</span><br />
<br />
Um seinen Gott sich doppelt schmerzlich mühend,<br />
War er ihm, selbsterrungen, doppelt teuer,<br />
Dem Ewigen war keine Seele treuer,<br />
Kein Glaube je so ungeschwächt und blühend.<br />
<br />
Mit allen Pulsen für die Menschheit glühend,<br />
Saß immer mit der Hoffnung er am Steuer,<br />
Wenn er auch zürnte, seines Zornes Feuer<br />
Nur gegen Sklaven und Tyrannen sprühend.<br />
<br />
Ein Elfengeist in einem Menschenleibe,<br />
Von der Natur Altar ein reiner Funken,<br />
Und drum für Englands Pöbelsinn die Scheibe;<br />
<br />
Ein Herz, vom süßen Duft des Himmels trunken,<br />
Verflucht vom Vater und geliebt vom Weibe,<br />
Zuletzt ein Stern im wilden Meer versunken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XII.</span><br />
<br />
Die ihr voll Mut zu schleudern euch nicht scheuet<br />
Ein blitzend Wort in unsres Lebens Schwüle,<br />
O Glück, wenn ihr euch auf dem Sterbepfühle<br />
Vom Neid zerstückter Kränze noch erfreuet!<br />
<br />
Wie haben Ruhm in Scheffeln sich erbeutet,<br />
Die ruhig trabten ihren Weg zur Mühle<br />
Und immer hübsch die trunkensten Gefühle<br />
Gleich tauben Blüten aus dem Korn gereutet!<br />
<br />
Brauch deine Hand, die ist der Welt genug,<br />
Und Kopf und Herz sind beide überflüssig;<br />
Man will den Flaum vom Vogel, nicht den Flug.<br />
<br />
Kannst du nur dichten, gege lieber müßig;<br />
Die Welt, die stets das Ungereimte trug,<br />
Ist des Gereimten schnell sehr überdrüssig.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XIII.</span><br />
<br />
O lobt euch nur des Westes Schmeichelwehen,<br />
Wenn träufelnd er ob blauen Flächen zittert<br />
Und kaum dem Schilf ein welkes blatt zerknittert –<br />
Ihr stillen Seelen, mög’s euch wohl ergehen!<br />
<br />
Ich aber muß das Meer im Sturme sehen,<br />
Wenn Segel reißen, wenn der Mast zersplittert,<br />
Wenn’s in mir, um mich, über mir gewittert,<br />
Wenn Luft und Wasser hell im Brande stehen.<br />
<br />
Ihr mögt ein ungleich größer Glück erfahren,<br />
Daß eure Gluten lange schon verlodert,<br />
Eh’ euer Leib im Schoß der Erde modert.<br />
<br />
Ich werd’ nun einmal wilder mit den Jahren,<br />
Die Leidenschaft ist mein Eliaswagen,<br />
Und Feuer nur kann mich zum Himmel tragen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XIV.</span><br />
<br />
Auch ich wär’ nach der süßen Ruhe lüstern,<br />
Auch ich möcht’ unter Blütenbäumen liegen,<br />
Ein treues Liebchen in den Armen wiegen,<br />
Statt also mir das Leben zu verdüstern!<br />
<br />
Ließ nur, wie sonst, der Lorbeer sich erflüstern,<br />
Ließ nur, wie sonst, die Palme sich ersiegen,<br />
Das Musenpferd muß jetzt zum Ziele fliegen<br />
Mit wildem Hufschlag, flammensprühnden Nüstern.<br />
<br />
Die große Zeit zertrümmerte die Flöte,<br />
Sie braucht Posaunen und den tiefsten Basso,<br />
Und schwarze Nacht statt milder Abendröte.<br />
<br />
Die Losung ist nun Dante und nicht Tasso.<br />
Was sollen uns noch Schiller oder Goethe?<br />
Was soll uns gar der Pascha Semilasso?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XV.</span><br />
<br />
Wie blinkend sie von eurem Ruder triefe,<br />
Die Perle stammt doch oft aus dunkler Quelle,<br />
Klar scheint in flacher Hand so manche Welle,<br />
Die doch geschöpft aus grauenvoller Tiefe.<br />
<br />
Schließt, wie’s auch einer Welt zuwiderliefe,<br />
Aufs heiligtum nie von der blanken Schwelle,<br />
Das Einzelwort mag fasslich sein und helle,<br />
Der ganze Geist bleibt eine Hieroglyphe.<br />
<br />
O denket immer bei des Dichters Pracht,<br />
Bei allen seinen funkelnden Gesteinen,<br />
Daß ihre Mutter ist die heil’ge Nacht!<br />
<br />
Sein Rauschen mögt ihr zu verstehen meinen;<br />
Er selbst birgt sich ein See im Felsenschacht,<br />
Der ewig sieht des Himmels Sterne scheinen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XVI.</span><br />
<br />
Ich kann oft stundenlang im Strome stehen,<br />
Wenn ich entflohen aus der Menschen Bann;<br />
Er plaudert hier wie ein erfahrener Mann,<br />
Der in der Welt sich tüchtig umgesehen.<br />
<br />
Da schildert er mir seiner Jugend Wehen,<br />
Wie er den Weg durch Klippen erst gewann,<br />
Ermattet drauf im Sande schier verrann,<br />
Und jedes Wort fühl’ ich zum Herzen gehen.<br />
<br />
Wie wallt er doch so sicher seine Bahn!<br />
Bei allem Plänkeln, Hin- und Wiederstreifen<br />
Vergißt er nie: „Ich muß zum Ozean!“<br />
<br />
Du, Seele, nur willst in der Irre schweifen?<br />
O tritt, ein Kind, doch zur Natur heran,<br />
Und lern die Weisheit aus den Wassern greifen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XVII.</span><br />
<br />
Die uns als wilde, rohe Zweifler hassen,<br />
Und drob manch derben Fluch uns schon gespendet,<br />
Die frommen Leute – wie sind sie verblendet;<br />
Der Glauben ist’s, von dem wir nimmer lassen.<br />
<br />
Zieht erst der Frühling jubelnd durch die Straßen,<br />
Wie wird des Herzens eitler Trotz gewendet,<br />
Daß sich’s mit jedem Strauch nach oben wendet,<br />
Ein Stück des schönen Himmels zu erfassen!<br />
<br />
Ja, naht des Jahres Fürst mit seinem Hof,<br />
Und jauchzt der Lenz auf Bergen und in Klüften,<br />
Wo klagend kaum der Nebel niedertroff –<br />
<br />
Schlief auch sein Glaube dann in Todesgrüften,<br />
Der ew’ge Faust, der stolze Philosoph,<br />
Er hascht ihn wieder aus den blauen Lüften.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XVIII.</span><br />
<br />
Der Tod, ihr Freunde, ja, der Tod soll leben !<br />
Ich hab’ ein glühend Lied in tiefster Nacht<br />
Dem treusten Freund der Erde angefacht;<br />
Die Toten will ich und den Tod erheben!<br />
<br />
Wir sind nur Kinder, die mit Widerstreben,<br />
Gleich Tropfen von dem Meer, sich losgemacht,<br />
Und die vom Tode werden heimgebracht<br />
Und liebend an das All zurückgegeben.<br />
<br />
Vernichtung dünkt euch eine herbe Pille?<br />
Doch – heischt’ das Element nicht diesen Zoll,<br />
Das Sterben würde unser eigner Wille.<br />
<br />
Das Sterben macht das Leben ganz und voll;<br />
Erst sei das Herz in unsrem Busen stille,<br />
Wenn’s in der Brust der Menschheit schlagen soll.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XIX. Die Alpen</span><br />
<br />
Von Hermelin den Mantel umgeschlagen,<br />
Das trunkne Haupt weit über mir im Blauen,<br />
Die Alpen – wie so stolz darein sie schauen,<br />
Als wüßten sie, daß sie den Himmel tragen!<br />
<br />
Gleich leichtbeschwingten Liebesboten jagen<br />
Die Silberströme hin durch Nacht und Grauen,<br />
Dem Ozeane von den hohen Frauen<br />
Manch einen sehnsuchtsvollen Gruß zu sagen.<br />
<br />
Die Herden läuten und die Adler fliegen,<br />
Das ist ein ewig Rauschen, ewig Rinnen,<br />
Als könnt’ das Leben nimmer hier versiegen.<br />
<br />
Läßt sich ein schöner, schöner Bild ersinnen?<br />
Und doch hab’ ich das Schönste noch verschwiegen:<br />
Den frommen, stillen Friedhof mitten drinnen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XX.</span><br />
<br />
Der Freiheit Priester, der Vasall des Schönen,<br />
So wird der Dichter in die Welt gesandt;<br />
Ein Troubadour zieh’ er von Land zu Land,<br />
Das Herrlichste mit seinem Lied zu krönen.<br />
<br />
Die Heldentat gewinn’ in seinen Tönen<br />
Für alle Zeiten sicheren Bestand,<br />
Den eignen Kummer schreib’ er in den Sand,<br />
Des eignen Herzens mög’ er sich entwöhnen.<br />
<br />
Ein Gärtner, dem der Garten nur gegeben,<br />
Für fremde Busen Blumen draus zu pflücken,<br />
Ein Winzer, der für Fremde baut die Reben –<br />
<br />
Sei all sein Trost, nur andre zu beglücken;<br />
Dem armen Taucher gleich, wag’ er das Leben,<br />
Mit seltnen Perlen seine Zeit zu schmücken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXI.</span><br />
<br />
O Freiheit, Freiheit ! Nicht wo Hymnen schallen,<br />
In reichgeschmückten fürstlichen Arkaden –<br />
Freiheit! Du wohnst an einsamen Gestaden,<br />
Und liebst die Stille, wie die Nachtigallen.<br />
<br />
Du fliehest das Geräusch der Marmorhallen,<br />
Wo trunkne Schlemmer sich im Weine baden,<br />
Du läßt in Hütten dich zu Gaste laden,<br />
Wo Tränen in die leeren Becher fallen.<br />
<br />
Ein Engel nahst du bei verschloßnen Türen,<br />
Stellst lächelnd dich an deiner Treuen Bette,<br />
Und horchst der himmlischen Musik der Kette.<br />
<br />
Nicht stolze Tempel wollen dir gebühren,<br />
Drin wir als Opfer unsern Stolz dir bieten –<br />
Wärst du die Freiheit, wenn wir vor dir knieten?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXII. Die Geschäftigen</span><br />
<br />
Nicht einen Hauch vergeuden sie, nicht einen,<br />
Nein, alles wird gleich für den Markt geboren,<br />
Kein Herzensschlag geht ohne Zins verloren,<br />
Die Herren machen Brot aus ihren Steinen.<br />
<br />
Sie machen Brot aus Lachen und aus Weinen –<br />
Ich hab mir die Beschaulichkeit erkoren,<br />
Und niemals streng gerechnet mit den Horen,<br />
Ich denke fromm: „Gott gibt’s im Schlaf den Seinen!“<br />
<br />
Ich kann des Lebens banggeschäftig Rauschen,<br />
Dies laute Tun und Treiben nicht verstehn,<br />
Und möcht’ mein einsam Glück nicht drum vertauschen.<br />
<br />
Laßt mich die stillen Pfade weitergehn,<br />
Der Wolken und der Sterne Zug belauschen,<br />
Und schönen Kindern in die Augen sehn!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXIII.</span><br />
<br />
Sei mir gesegnet, frommes Volk der Alten,<br />
Dem unglückselig sein hieß: selig sein,<br />
Das jedes Haus, in das der Blitz schlug ein,<br />
Für ein dem zeus geweihtes gehalten!<br />
<br />
Du fühltest wohl, des Himmels heimlich walten<br />
Enthüll’ sich den Geschlagenen allein,<br />
Und da leucht’ erst der Wahrheit voller Schein,<br />
Wo sich das Herz, der Wolke gleich gespalten.<br />
<br />
O sprecht, war’s nicht zumeist des Unglücks Stunde,<br />
Die euch hinan zum Ewigen gehoben,<br />
Der Himmelsoffenbarung klang vom Munde?<br />
<br />
Der Frieden nicht, der Sturm trägt uns nach oben,<br />
Die höchsten Freuden sind auf dunklem Grunde,<br />
Gleichwie des Äthers Sterne, eingewoben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXIV.</span><br />
<br />
Nimm nicht als Himmel an die Wolkenschichte,<br />
Erprobe selbst dein jugendlich Gefieder,<br />
Wirf mutig in die schwanken Schalen nieder<br />
Des Zweifels deine eigenen Gewichte!<br />
<br />
Erwärm den Geist am selbstgeschaffnen Lichte,<br />
Und forsche heut und forsche morgen wieder,<br />
Senk nie zufrieden deine Augenlider,<br />
Ruf deinen Glauben täglich zu Gerichte!<br />
<br />
Doch was du immer wagest, o beschönig’s<br />
Nie vor den Menschen durch ein zaghaft Schweigen,<br />
Bekenn es mit dem Freimut eines Königs!<br />
<br />
Ob sie dir flammend auch den Holzstoß zeigen;<br />
Mit Flammen tauft der Ewige den Phönix,<br />
Der stolz soll über ihre Wasser steigen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXV.</span><br />
<br />
Am schönsten Tag um einen Wunsch betrogen,<br />
Und eine Niete jede, jede Karte,<br />
An meinem Schwerte Scharte nur an Scharte,<br />
Wenn einmal aus der Scheide ich’s gezogen.<br />
<br />
Doch halt’ ich mutig über allen Wogen<br />
Die Poesie, die leuchtende Standarte,<br />
Durch sie versöhn’ ich mein Geschick, das harte,<br />
Den rauhsten Sturm mit ihrem Regenbogen.<br />
<br />
Nie tönte meiner Leier Tod und Fluch,<br />
Nie schnitt ich aus des Hyperioniden<br />
Purpur ein traurig-düstres Leichentuch;<br />
<br />
Der Herr hat mir ein frommes Herz beschieden,<br />
Die Welt ist mir ein heilig, heilig Buch,<br />
Drin alle Blätter flüstern: Frieden! Frieden!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXVI.</span><br />
<br />
Wir haben, was auch eine Sage schreibe,<br />
Den Funken des Prometheus nicht gepachtet;<br />
So tief wir unter uns das Weib geachtet,<br />
Die reinste Flamme wohnt in seinem Leibe.<br />
<br />
Und wer dem selbstisch frostigen Getreibe,<br />
Das ihm des Herzens liebste Kinder schlachtet,<br />
Wer dieser Kälte zu entrinnen trachtet,<br />
Wo flöh’ er hin, als zu dem treuen Weibe?<br />
<br />
Ein Felsen ist der Mann, der nur erglüht,<br />
Wenn trotzig er gen Himmel sich erhoben,<br />
Zurück ihm schleudernd seiner Sonne Strahlen;<br />
<br />
Ein stiller See des Weibes weich Gemüt,<br />
Das fromm in sich empfängt das Licht von oben,<br />
Drin sich die Himmel himmlischer noch malen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXVII.</span><br />
<br />
Tot ist die Freundschaft ! wer mag sie noch singen?<br />
Mit manchen Göttern ward in unsern Tagen<br />
Auch diese Göttin von dem Volk erschlagen,<br />
Und niemand will ihr mehr ein Opfer bringen.<br />
<br />
Allein mußt du entfalten deine Schwingen,<br />
Allein nach deinen Idealen jagen,<br />
Allein dich auf die See des Lebens wagen,<br />
Allein, allein nach deinem Himmel ringen.<br />
<br />
Der Alten denkt man wohl in manchen Stunden,<br />
und auch ihr Geist, so gern man sich’s erhehlte,<br />
Ist aus der Jugend noch nicht ganz verschwunden;<br />
<br />
Doch hin das Herrlichste, was sie beseelte;<br />
Würd’ ein Aristogiton heut gefunden,<br />
Ich glaube, daß ihm der Harmodius fehlte.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXVIII.</span><br />
<br />
Du willst den Lorbeer auf die Locken drücken,<br />
Nicht einsam mehr in stillen Nächten beten,<br />
Hin auf den Markt mit deinen Tränen treten,<br />
Ein müßig Volk mit deinem Schmerz beglücken?<br />
<br />
Nur Rosen sollten deine Stirne schmücken,<br />
Und nicht die Martyrkrone des Poeten,<br />
Das ist fürwahr der Mund nicht zum Propheten,<br />
Und würd’ mit Küssen leichter uns entzücken.<br />
<br />
Daß meine Naschtigall im Dunkeln bliebe!<br />
Schwer wird die Höh’, nach der du strebst, erklommen,<br />
Wär’s auch, daß dich ein starker Genius triebe.<br />
<br />
Nur Hekatomben werden angenommen<br />
Auf dem Altar des Ruhms, auf dem der Liebe –<br />
- O liebe! – ist ein Scherflein auch willkommen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXIX.</span><br />
<br />
Tief, tief im Meere sprach einst eine Welle :<br />
Wie glücklich müssen meine Schwestern leben,<br />
Die droben strahlend auf und nieder schweben;<br />
O dürft ich einmal an des Tages Helle!<br />
<br />
Wie sie gebeten, so geschah ihr schnelle,<br />
Sie durfte aus dem dunklen Schoß sich heben;<br />
Doch kaum war ihr ein Sonnenstrahl gegeben,<br />
Lag sie schon sterbend an des Ufers Schwelle.<br />
<br />
O mögen alle doch ihr Schicksal loben,<br />
Die still geheim des Lebens Kreis beschreiben<br />
Und nie die Wut der offnen See erproben.<br />
<br />
O mögen sie in tiefer Nacht verbleiben,<br />
Und ihrer keiner streben je nach oben,<br />
Um mit den Winden auf den Sand zu treiben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXX. Freiligrath</span><br />
<br />
Der Himmel fing von neuem an zu blauen,<br />
Der Winter sich zum Abmarsch anzuschicken, -<br />
Die Erde sich mit jungem Grün zu sticken –<br />
Ich nahm dein Buch, recht tief darein zu schauen.<br />
<br />
Und mich erfaßt ein heimlich lüstern Grauen;<br />
Ich seh’ die alten Straußenfedern nicken,<br />
Und glaub’ in Tausend eine Nacht zu blicken –<br />
Hier, denk’ ich, wären so für mich die Frauen!<br />
<br />
Da bringt mein Mädchen mir die ersten Veilchen,<br />
Im blauen Schal, im leichten Rosakleide,<br />
Die weiche Hand das einzige von Seide.<br />
<br />
Dein Orient ruht wieder auf ein Weilchen;<br />
Mein Herz, kaum nach der Fremde so begehrlich,<br />
Bleibt gern im lande nun und nährt sich ehrlich.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXI. Unseren Künstlern</span><br />
<br />
Das Leben hat am Ende doch gewonnen,<br />
Und all die überhimmlischen Gestalten,<br />
Verklrten Leiber und verklärten Falten,<br />
Die schattenhaft durchsichtigen Madonnen,<br />
<br />
Aus Ätherduft und Veilchenblau gesponnen,<br />
Die nur auf Rosen und auf Lilien wallten –<br />
Sie konnten sich nicht mehr zusammenhalten<br />
Und sind in Andacht gottvollst nun zerronnen.<br />
<br />
Doch, liebe Künstler, drum kein Klaggestöhn!<br />
Die Erde mag noch viel des Guten treiben,<br />
Verlasset nur die schroffen, kühlen Höhn;<br />
<br />
Sucht wieder Gott der Welt einzuverleiben!<br />
Das Heilige gelingt so selten schön,<br />
Das Schöne nur wird ewig heilig bleiben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXII.</span><br />
<br />
Wie Jakob hab ich oft mit Gott gerungen,<br />
Oft fühlt’ ich meinen Glauben zweifelnd stocken,<br />
Und oftmals haben eure Kirchenglocken,<br />
Ich leugn’ es nicht, verdrießlich mir geklungen.<br />
<br />
Ich habe gern mein eigen Lied gesungen,<br />
Gesponnen gern von meinem eignen Rocken,<br />
Bin nie nach eines Priesters schmalen Brocken,<br />
Ein hungeriger Zionsheld, gesprungen.<br />
<br />
Doch scheint auch ihr mir nicht vom besten Stempel,<br />
Und so verschmerz’ ich euer pfäffisch Schnauben<br />
Und euere für mich verschloßnen Tempel.<br />
<br />
Wär’ ich wie Schlangen klug und fromm wie Tauben,<br />
Würd’ ich ein Heiliger gar zum Exempel –<br />
Ihr steinigtet mich wohl um meinen Glauben!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXIII. Russophobie</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Einen:</span></span><br />
<br />
Wie gehet ihr nur so verkehrte Bahnen!<br />
Ihr hättet besser ewig sie gemieden,<br />
Euch gänzlich von der Politik geschieden,<br />
Ihr Geisterseher, ihr Baschkiromanen!<br />
<br />
Ihr möchtet gern Europas Zukunft ahnen?<br />
Ich sag’ euch, unsre Freiheit wird hienieden<br />
Kein Zar an seinen Kaukasus je schmieden,<br />
Ihr Geisterseher, ihr Baschkiromanen!<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Andern:</span></span><br />
<br />
Ihr werdet sie zu frühe nur verlieren,<br />
Und neuer Spott wird in sich selbst zunichte,<br />
Denn alles, alles deutet auf Baschkiren.<br />
<br />
Reißt man sich nicht um russische Gedichte?<br />
Wird Raupach wohl umsonst dramatisieren<br />
Schon jetzt die ganze russische Geschichte?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXIV. Pferdeausfuhrverbot</span><br />
<br />
Wir müssen uns beizeiten tüchtig rühren,<br />
Und können drum, trotz manchem schönen Gulden,<br />
Getreue Untertanen, nimmer dulden,<br />
Daß Franken eure Pferde uns entführen.<br />
<br />
Wir wollen nicht zu früh das Feuer schüren,<br />
Wir tun nur, was wir unsern Lieben schulden,<br />
Beschlossen demgemäß in allen Hulden,<br />
Also zu steuern solchen Ungebühren:<br />
<br />
Habt uns ein Aug’ auf jede Mäklerschar,<br />
Daß sie uns keinen Huf konterbandieren,<br />
Vom Karrengaule bis zum Bairaktar!<br />
<br />
Doch naht sich eins von unsern Flügeltieren,<br />
Die sind zum Kriegsdienst völlig unbrauchbar –<br />
Laßt sie die Grenzen immerhin passieren!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXV. Franz Dingelstedts Jordanslied.</span><br />
<br />
Die Nachtigall hat für den Aar gesungen,<br />
Der, fortgeflogen aus dem Alpenlande,<br />
Verschmachtend lag in unserm deutschen Sande,<br />
Weil er sich hatt’ zu hoch hinangeschwungen.<br />
<br />
Wem wäre nicht ihr Lied ans Herz gedrungen,<br />
Ihr grollend, rührend Lied von unsrer Schande?<br />
Doch sprecht, wann sind bei uns des Freien Bande<br />
Von eines Sängers Liede je gesprungen?<br />
<br />
Du sankest, schier ein Knecht, am Throne nieder,<br />
Damit der Freie bälder auferstände;<br />
Geh hin, mein Freund, und frag nach Jahren wieder!<br />
<br />
Statt seiner Alpen bleiben ihm vier Wände;<br />
Die Macht, sie lächelt über deine Lieder,<br />
Und wäscht noch, ein Pilatus, sich die Hände.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXVI. Ludwig Uhland</span><br />
<br />
Nur selten noch, fast graut’s mir, es zu sagen,<br />
Nehm’ ich der Freiheit Evangelium,<br />
Den Schatz von Minne und von Rittertum<br />
Zur Hand in unsern hartbedrängten Tagen.<br />
<br />
Wie hab’ ich einst so heiß dafür geschlagen!<br />
Wie hastig dreht’ ich Blatt um Blatt herum!<br />
Ich kann nicht mehr – ich kann nicht – sei es drum!<br />
Es soll doch niemand mich zu schelten wagen.<br />
<br />
Ein ander Hassen und ein ander Lieben<br />
Ist in die Welt gekommen, und von allen<br />
Sind wenig Herzen nur sich gleich geblieben.<br />
<br />
So sind auch deine Lieder mir entfallen;<br />
Ein einziges steht fest in mir geschrieben;<br />
Kennst du das Lied: „Weh euch, ihr stolzen Hallen!“<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXVII. Deutsche und französische Dichter</span><br />
<br />
Gemälde, Spiegel, Uhren und Tapeten,<br />
Und rings, wie bei dem türkischen Sultane,<br />
Von Samt und Seide strotzende Diwane,<br />
Auch Kruzifixe, nie davor zu beten.<br />
<br />
So lieben’s überm Rheine die Poeten;<br />
Ums Haupt gewunden farbige Turbane,<br />
Durch Wolken Weihrauchs rauschend im Kaftane –<br />
Sind das noch Dichter, noch Anachoreten?<br />
<br />
Hoch über meinem Volk, in der Mansarde,<br />
Umduftet von des Gartens blühndem Flieder,<br />
Am Hut von Rosen eine Festkokarde,<br />
<br />
Indes die jungen Spatzen auf und nieder<br />
Vorm Fenster schildern, eine Ehrengarde –<br />
So schreib’ ich für mein deutsches Mädchen Lieder.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXVIII.</span><br />
<br />
O hätten sie mir doch ihr Ohr geliehen<br />
In jenen ersten unglücksel’gen Stunden,<br />
Da ich die Spur der Herrlichen gefunden,<br />
Und sprach: Ihr Freunde, laßt mich weiterziehen!<br />
<br />
Sie lachten aber meiner nur und schrieen:<br />
Pah! ein paar kleine, leichte Liebeswunden?<br />
Der Vogel ist nun einmal festgebunden<br />
Und soll sobald nicht wieder uns entfliehen.<br />
<br />
Jetzt wollen alle die Gefahr erkennen;<br />
Sie führen mir den Engel aus dem Haus,<br />
Da mir die Kraft versagt, um mich zu trennen.<br />
<br />
Läuft darauf alle Weisheit denn hinaus?<br />
Ihr laßt den Schmetterling getrost verbrennen,<br />
Und löscht voll Mitleid dann die Kerzen aus!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXIX.</span><br />
<br />
O heiß’ mich nicht von deinem Antlitz fliehn,<br />
Auf dem der Liebe heilige Gedanken<br />
Gleich goldnen Sternen auf und nieder schwanken,<br />
Die still und furchenlos am Himmel ziehn!<br />
<br />
Hier ist mein Tempel und hier will ich knier,<br />
Um diesen Altar meine Arme ranken,<br />
In diesen Armen meinen Göttern danken,<br />
Daß sie mir ihre Seligkeit verliehn!<br />
<br />
Bist du, mein Herz, selbst wider dich im Bunde?<br />
Was soll der volle schäumende Pokal,<br />
Was die Unendlichkeit dem Mann der Stunde?<br />
<br />
Begehre nicht die Herrlichkeit zumal!<br />
Bitt’ um ein Wort nur aus dem lieben Munde,<br />
Ein halbes Lächeln, einen Sonnenstrahl!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XL.</span><br />
<br />
Ob die Locken eine Glorie quellen<br />
Um dein Antlitz und du himmlisch mild<br />
Auf mich blickst, ein stumm Marienbild,<br />
Das zwei blaue Sterne fromm erhellen,<br />
<br />
Ob dein Haar in ungebundenen Wellen<br />
Um den Nacken flutet, stolz und wild,<br />
Und deine Aug’ ein harter Demantschild,<br />
Dran die kühnsten Wünsche jach zerschellen;<br />
<br />
Ob ich sehe mit dem Heil’genscheine<br />
Dich, ob mit des Unmuts düstrer Falte,<br />
Ewig, ewig fleh’ ich nur das eine:<br />
<br />
Daß dein schöner Mund doch nie erkalte,<br />
Daß dein schönes Auge niemals weine,<br />
Und mir Gott dein schönes Herz erhalte.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLI.</span><br />
<br />
„Eins – zwei – drei- vier – nun eine hübsche Schar!<br />
Mein guter Freund, Ihr treibt das Ding ins Große;<br />
Heut ist es diese, morgen jene Rose:<br />
Mit Eurem Herzen steht es sonderbar.“<br />
<br />
Der Dichter ist der Sultan Scheriar<br />
Und liebt, wie dieser Herr, das Grandiose;<br />
Der ruht’ auch zweimal nie im selben Schoße,<br />
Bis er Scheherazaden ward gewahr.<br />
<br />
Ich sah wohl manch ein schönes Angesicht,<br />
Das ich besungen und belobt; nur schade,<br />
Das, was ich suchte, war es immer nicht.<br />
<br />
Und alles, alles mord’ ich ohne Gnade,<br />
Was meinem Ideale widerspricht:<br />
Wann kommst du endlich, o Scheherazade?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLII.</span><br />
<br />
Ich tue jedermänniglich zu wissen,<br />
Daß ich den finstern Unmut sehr bereue<br />
Und mich von Herzen meines Lebens freue,<br />
Daß ich erlöst von allen Kümmernissen.<br />
<br />
Mein liebes Fischchen hat nun angebissen<br />
Und schwört mir über alle Maßen Treue,<br />
Es herzt und herzt und herzt mich stetz aufs neue<br />
Und drückt mich schmeichelnd in die Sofakissen.<br />
<br />
Ich lad’ euch, meine Freunde, sämtlich ein,<br />
Mir eine frohe Stunde mal zu schenken;<br />
Doch laßt mir dann die tolle Frage sein:<br />
<br />
Wann wir uns wohl zu eh’lichen gedenken?<br />
Solange noch der ganze Himmel mein,<br />
Will ich mich nicht auf Haus und Hof beschränken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLIII. Zwei Glocken</span><br />
<br />
Ich stand auf einem Berg, da hört’ ich singen<br />
Zur Linken plötzlich ernste, trübe Lieder;<br />
Ein Opfer war es für die Erde wieder,<br />
Ich kannte wohl der Glocken dumpfes Klingen.<br />
<br />
Zur Rechten sah ich einen Sugling bringen;<br />
Wie eines Schmetterlinges bunt Gefieder,<br />
Viel lust’ge Bänder wehten auf und nieder,<br />
Ein Glöckchen wollt’ vor Freude schier zerspringen.<br />
<br />
Die Andacht wagt’ kein Wesen rings zu stören:<br />
Die Herden hielten still auf ihren Weiden,<br />
Wie fromme Beter flüsterten die Föhren.<br />
<br />
Als ob die Glocken sich umarmt, die beiden,<br />
Konnt’ ich bald einen süßen Klang nur hören<br />
Und Tod und Leben nicht mehr unterscheiden.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLIV.</span><br />
<br />
Erreichbar nur dem Sturm und Sonnenbrand,<br />
Von keines Wandrers Fuße umgebogen,<br />
In scheuen Kreisen nur vom Aar umflogen,<br />
Wie ein Johannes in der Wüste, stand<br />
<br />
Ein Blümchen einst auf kahler Alpenwand;<br />
Der Himmel hatte, doppelt ihm gewogen,<br />
Es seinem Herzen näher auferzogen,<br />
Doch nur mit Klagen schaut’ es in das Land.<br />
<br />
„Warum, o Gott, in eines Felsen Schoß?<br />
Warum o Gott, mir solch ein einsam Los?<br />
Was sterb’ ich nicht in holder Schwestern Mitten?“<br />
<br />
Still meine Blume still! Was klagst du noch?<br />
Wohl bist du einsam, aber sicher doch<br />
Vor Menschenhänden und vor Menschentritten.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLV. Der Gefangene</span><br />
<br />
Der uns die Freiheit einst so kühn gelehret,<br />
Hört ihr ihn hinter jenem Gitter wohl,<br />
Dran spottend noch des Glaubens rauh Symbol,<br />
Manch eisern Kreuz, das ihm die Flucht verwehret?<br />
<br />
Das also ist der Lohn, der ihm bescheret<br />
Ward von dem angebeteten Idol?<br />
Die Wangen blaß, die Augen trüb und hohl,<br />
Die Augen, die er – nicht zum Himmel kehret.<br />
<br />
Seit Jahren sah er keine Wolke schweben,<br />
Seit Jahren kein Gestirn in blauer Ferne<br />
Die goldne, taubeglänzte Schwinge heben.<br />
<br />
Die Erde – ach! er ließ’ sie euch so gerne;<br />
Doch sprecht, ihr Herrn, wer hat euch Macht gegeben,<br />
Die Hand zu legen auf des Himmels Sterne?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLVI. Einem Schauspieler</span><br />
<br />
Ja, ich will Kugeln gießen aus den Lettern,<br />
Hör’ ich die Stunde der Erlösung schlagen,<br />
Und du auch wirst in solchen großen Tagen<br />
Die Welt nicht suchen mehr auf deinen Brettern.<br />
<br />
Gilt es, der Erde Götzen zu zerschmettern,<br />
Ich kenne dich, du wirst dein Leben wagen.<br />
Wer unsers Friedens drückend Joch getragen,<br />
Dem graut auch wahrlich nicht vor Sturm und Wettern.<br />
<br />
Bis dahin aber opfere dem Schönen<br />
So treu, wie jetzt, und heiße nicht despotisch<br />
Dein Herz zu früh desselben sich entwöhnen.<br />
<br />
So manche macht die Freiheit jetzt zelotisch,<br />
Daß sie, Barbaren gleich, die Kunst verhöhnen;<br />
Sei lieber goethisch, teurer Freund, als gotisch!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLVII.</span><br />
<br />
Nach langem Ringen ist der Tag gewichen;<br />
Ein reizend Weib im leichten Silberflor,<br />
Tritt Luna hinter dem Gebirge vor,<br />
Der Ostwind ist ihr neckend nachgestrichen.<br />
<br />
Und eine bunte Schar von wunderlichen<br />
Gestalten taucht vor meinem Blick empor,<br />
Sie kommen zaghaft, wie ein Mädchenchor,<br />
Und wie auf Zehen zu mir angeschlichen.<br />
<br />
Ein Rauschen naht von tausend, tausend Schwingen,<br />
Ich fühl’, wie Geister meine Stirne küssen<br />
Und mir die Hände legen auf das Haupt.<br />
<br />
Ich hör’ die Sterne aus den Lüften singen:<br />
„Wohl dem, den wir noch wachen Augs begrüßen,<br />
Der an die Nacht, die heilige, noch glaubt!“<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLVIII.  Hölderlin</span><br />
<br />
Den Klugen leiten sicher stets die Horen,<br />
Nur mit dem Genius spielen oft die Winde;<br />
Daß er, so Glück wie Unglück, früher finde,<br />
Wird er mit Schwingen in die Welt geboren.<br />
<br />
Doch bleibt ihm treu die Gottheit zugeschworen;<br />
Sie legt am bösen Tag dem armen Kinde<br />
Mit weicher Hand ums Aug des Wahnsinns Binde,<br />
Daß es nie sehe, was das Herz verloren.<br />
<br />
Die Götter haben freundlich dein gedacht,<br />
Die du so fromm gehalten einst in Ehren,<br />
Und lebend schon dich aus der Welt gebracht.<br />
<br />
Nichts Irdisches kann fürder dich versehren,<br />
Und reiner, denn ein Stern zum Schoß der Nacht,<br />
Wirst du zurück zur großen Mutter kehren.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IL.</span><br />
<br />
Trüg’ ich ein Schwert als Krieger um die Lenden,<br />
Ging’ ich als Landmann hinter einem Pfluge,<br />
Dann säß ich abends froh bei meinem Kruge,<br />
Um mit dem Tag mein Tagewerk zu enden.<br />
<br />
So aber, wenn sie sich zur ruhe wenden,<br />
Schweift mein Geist noch auf irrem Wanderzuge,<br />
Und meine Seele kreist in stetem Fluge,<br />
Ihr will kein Abend seinen Frieden spenden.<br />
<br />
Dem Himmlischen erbaun wir keine Schranken,<br />
Es folgt uns nach ins laute Weltgetriebe<br />
Und wird im Schlummer auch nicht von uns wanken.<br />
<br />
Kein Ort – daß ich vor ihnen sicher bliebe!<br />
Gleich Blitzen zücken um mich die Gedanken<br />
Und treffen mich selbst in dem Arm der Liebe.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">L.</span><br />
<br />
So redet nur! Ihr sollt mich nicht bekehren.<br />
Er ist in eurer Hütte nie gestanden,<br />
War euch nie weihend, segnend nie zuhanden,<br />
Mein Genius – ergab euch niemals Lehren.<br />
<br />
Was man nicht kennt, das mag man leicht entbehren.<br />
Doch mir geht ohne ihn mein Werk zuschanden,<br />
Indes die Nüchternen in allen Landen,<br />
Die Gottentfremdeten, die Schätze mehren.<br />
<br />
Behagt euch wohl im friedlichen Genuß,<br />
Das bißchen Witz, es bleib’ euch unbenommen,<br />
Das auf die Frone wie ein Sklave muß.<br />
<br />
Mir aber mag nur Zeus, der Donnrer, frommen,<br />
Zu meinem Werke muß ein Himmelsgruß,<br />
Ein heil’ger Sturm mein Herz erst überkommen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">LI. Byrons Sonett an Chillon</span><br />
(Bekanntlich haßte B. das Sonett.)<br />
<br />
Dein himmlisch Lied – Es hat schon manche Labe<br />
In schwarzen düstern Stunden mir bereitet,<br />
Und wie den Jüngling treulich du begleitet,<br />
So freute dein sich schon der wilde Knabe.<br />
<br />
Die Besten haben über deinem Grabe<br />
Wetteifernd Lorbeerkränze hingebreitet,<br />
Ach! wo ein Lob das andre niederstreitet,<br />
Wie wenig ist’s, was ich zu bieten habe!<br />
<br />
Wenn ich mich zu Sonettendichtern wende,<br />
Die auch die Reime sträubend nur verschlungen,<br />
Seh’ ich vor allem Goethes kleine Spende;<br />
<br />
Doch hat er nicht, wie du, den Groll bezwungen,<br />
Der seines Liedbes Anfang noch und Ende,<br />
Der noch die Freiheit im Sonett besungen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">LII. Grabschrift</span><br />
<br />
Sein oder Nichtsein ist hier keine Frage;<br />
Ich bin gewesen, was ich konnte sein.<br />
Kein Schelm und Schuft, bei Gott! ein Narr allein,<br />
Der auch sein Lämpchen brannt’ am hellen Tage.<br />
<br />
Kein Turner, aber doch von deutschem Schlage;<br />
Und wär’ mein Vers wie meine Hände, rein,<br />
So ruhete dies dichterlich Gebein<br />
Dereinst in einem stolzen Sarkophage.<br />
<br />
Ich nahm das Leben für ein Würfelspiel,<br />
Das keinem seine stete Gunst geschworen,<br />
Doch oft hatt’ ich der Augen noch zuviel;<br />
<br />
Ich trieb’s, ein Tor, wie tausend andre Toren,<br />
Und, glücklicher als weiland Freund Schlemihl,<br />
Hab’ niemals meinen Schatten ich verloren.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Dissonanzen<br />
<br />
I.</span><br />
<br />
Was schmerzlich oft die Seele mir durchwühlte<br />
Und drin in stillen Nächten sich bewegte,<br />
Wie meine Mutter mich, die Zeit, erregte,<br />
Was ich für sie, was ihr zum Trotz ich fühlte –<br />
<br />
Hier ist es, wie ich’s aus der Brust mir spülte,<br />
Wie ich’s in scharfgeschliffne Formen legte,<br />
Vor roher Hand mit einem Zaun umhegte,<br />
Beglückt, daß ich das Herz mir endlich kühlte.<br />
<br />
Doch schaudert mich, so wild sind meine Musen,<br />
Ein toll Geschlecht, gleich jener Rotte Kora,<br />
Abscheuliche, versteinernde Medusen –<br />
<br />
Allein nur zu – periculum in mora –<br />
Fort mit den Ungeheuern aus dem Busen,<br />
Und aufgetan die Büchse der Pandora!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">II.</span><br />
<br />
Ja, ich bekenn’s, die Stimme Gottes ist<br />
Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,<br />
Der hat sein Haus auf Felsen sich gebaut,<br />
Indes der Zorn des Herrn die Frevler frißt.<br />
<br />
Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,<br />
Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge taut,<br />
Der nicht im eignen Jammer sich beschaut<br />
Und selbstgefällig seine Silben mißt!<br />
<br />
Doch sollt’ er drum nur Waffenträger sein,<br />
Der dienend hinter seinem Heere steht<br />
Und, wenn es not tut, reicht ein Schwert hinein?<br />
<br />
Der nicht voran, ein Feuerzeichen, geht,<br />
Und Seher ist wie sonst? Ich rufe: Nein!<br />
Und dreimal: Nein! und stimme für Prophet!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">III.</span><br />
<br />
Der Gott des Friedens will uns nimmer segnen,<br />
Den Ölzweig weinend auf die Seite legen;<br />
Vom Nil zum Tajo höret man schon regen<br />
Die Kriegsdämonen sich, die wildverwegnen.<br />
<br />
Und mancher sieht im Geist nur Helden regnen,<br />
Die sollen auf den Spitzen ihrer Degen<br />
Der Völker künftige Geschichte wägen<br />
Und so dem Sturme stürmisch auch begegnen.<br />
<br />
Der Dichter aber denkt man nicht, der stillen,<br />
Wenn blutig weithin sich die Felder röten<br />
Und Unheil alle finstern Mächte brauen.<br />
<br />
Und doch – nur sie verstehn der Gottheit Willen;<br />
Jetzt, eben jetzt sind Seher uns vonnöten,<br />
Den Flug der Adler wieder zu beschauen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IV. An A. A. L. Follen in Zürich,<br />
    <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">als er nach Deutschland übersiedeln wollte</span>.</span>  <br />
<br />
Manch böser Geist haust in Helvetiens Schlünden,<br />
Manch schlimmer Pfaffe keucht den Berg hinan,<br />
Der Teufel bricht sich mit dem Kreuze Bahn,<br />
Der Teufel in den frommen Talesgründen.<br />
<br />
Doch lieb’ ich sie mit allen ihren Sünden.<br />
Ha! klebt nicht Winkelriedens Blut daran?<br />
Hier ist die Wüste und das Kanaan,<br />
Um ein Prophet der Welt das Heil zu künden.<br />
<br />
Hier fliegen noch die Adler, mein Follen –<br />
Hier rauschen sie noch über deinem Haupte –<br />
Was willst du tot sie und gefangen sehn?<br />
<br />
O laß den Traum, an den der Jüngling glaubte,<br />
Vergiß, wo frische Alpenrosen stehn,<br />
Der deutschen Freiheit Rose, die bestaubte!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">V.</span><br />
<br />
Wer etwas auf dem Herzen hat, der eile,<br />
Es noch beizeiten vor sein Volk zu bringen;<br />
Schon rührt der Hader seine schwarzen Schwingen,<br />
Schon liegt das Haupt des Friedens unterm Beile.<br />
<br />
Der Henker harrt, daß er’s vom Rumpfe teile,<br />
Bald wird der Blutstrahl in die Lüfte dringen,<br />
Verharschte Wunden werden wieder springen,<br />
Und fehlen wird der Arzt dann, der sie heile.<br />
<br />
Schon hör’ ich ferne die Kanonen brummen,<br />
Die Säbel klirren und die Trommeln schallen,<br />
Kein Vogel will im Wald sein Lied mehr summen.<br />
<br />
Noch eine Nacht – die Würfel müssen fallen;<br />
Dann gibt’s ein trübes, trauriges Verstummen,<br />
Des Hahnen Ruf verscheucht die Nachtigallen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VI.</span><br />
<br />
Ich zähle gerne mit bei guten Christen<br />
Und streite ritterlich und ohne Wanken,<br />
Wenn sie und wollen das Gemüt abdanken,<br />
Die unausstehlich pfiffigen Sophisten.<br />
<br />
Doch hass’ ich das Gemüt der Pietisten,<br />
Das, frech getreten aus des Anstands Schranken,<br />
Uns möcht’ die reinsten himmlischen Gedanken<br />
Mit seinen Nebelworten überlisten.<br />
<br />
Auch mir hat sich das Aug’ schon oft genetzt,<br />
Sah ich das Herz mißhandelt und zerschlagen<br />
Und von den Rüden des Verstands gehetzt.<br />
<br />
Es darf das Herz wohl auch ein Wörtchen sagen;<br />
Doch ward es weislich in die Brust gesetzt,<br />
Daß man’s so hoch nicht wie den Kopf soll tragen<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VII.</span><br />
<br />
Nie wurden noch der Silben mehr gemessen,<br />
Und glaubt man unserm kritischen Gelichter,<br />
So wäre schier der dritte Mann ein Dichter<br />
Von Thule bis zum Lande der Tscherkessen.<br />
<br />
Und alle nur auf eitel Ruhm versessen,<br />
Ein jeglicher Poet begehret, spricht er<br />
Zwei Verse nur, gleich Publikum und Richter,<br />
Und würd’ sein Pfeifen anders bald vergessen.<br />
<br />
Doch mir deucht nur ein Dichter, der noch sänge,<br />
Der seinen Wohllaut noch verstömen müßte,<br />
Wo keines Menschen Stimme zu ihm dränge:<br />
<br />
In stillen Meer an unwirtbarer Küste –<br />
Zuhörer nur die wilden Felsenhänge –<br />
Und in Arabiens grauenvoller Wüste.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VIII.</span><br />
<br />
Von Büchern liegt vor mir ein Perserheer,<br />
Doch keins kann mir den Unmut ganz verwischen;<br />
Der will den Geist auf Reisen sich erfrischen,<br />
Der holt sich seinen Helden über Meer.<br />
<br />
Unwillig schwingt der Kritiker den Speer:<br />
Warum die fremde Kost auf unsern Tischen?<br />
Warum nach Gold in fremden Flüssen fischen?<br />
Ist unsre Heimat, unser Herz so leer?<br />
<br />
Geh wieder in dein Kämmerlein und dichte!<br />
Brauchst keinen Turban, keine welschen Blusen;<br />
Zund deinen Zunder an am eignen Lichte!<br />
<br />
Greif, Sänger, wieder in den eignen Busen,<br />
In deines eignen teuern Volks Geschichte!<br />
Da oder nirgens wohnen deine Musen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IX. Den Naturdichtern</span><br />
<br />
Titan und Zwerg, das Große wie das Kleine,<br />
Ist Poesie, und Poesie im Halme,<br />
Wie in des Orientes stolzer Palme,<br />
Und Poesie noch in der Weisen Steine;<br />
<br />
Und Poesie die Mück’ im Sonnenscheine,<br />
Und Poesie in eines Dampfschiffs Qualme,<br />
Und Poesie auf einer Schweizeralme,<br />
Und Poesie vor allem auch im Weine.<br />
<br />
Wo euch des Himmels heil’ge Luft umweht,<br />
Da rauscht die Poesie mit ihren Schwingen;<br />
Sie sehlet nie, oft fehlt nur der Poet.<br />
<br />
Wie Gott, ist sie zuletzt in allen Dingen:<br />
Doch wenn einmal ein Löwe vor euch steht,<br />
Sollt ihr nicht das Insekt auf ihm besingen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">X.</span><br />
<br />
Ein Glück, ihr Götter, oder nur ein Leiden,<br />
Ein himmlisch würdig Leiden eurem Sohne!<br />
Im Grunde ist es doch die Dornenkrone,<br />
Um die wir eure Lieblinge beneiden.<br />
<br />
Ich kann das Glück mit stummem Lächeln meiden –<br />
Naht’ ich mich je, ein Sklave, seinem Throne? –<br />
Nur eines wünsch’ ich, daß ich einst nicht ohne<br />
Des Unglücks Weihe mög’ von hinnen scheiden.<br />
<br />
Ich bin entsagend gern zurückgeblieben,<br />
Wenn blühendrot das Volk sich auf den Straßen,<br />
Mit seinen Dirnen schäkernd, umgetrieben;<br />
<br />
Doch manch ein stilles Antlitz von den blassen,<br />
War’s auch nur um ein unglückselig Lieben,<br />
Es mußte sich von mir beneiden lassen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XI. Shelley</span><br />
<br />
Um seinen Gott sich doppelt schmerzlich mühend,<br />
War er ihm, selbsterrungen, doppelt teuer,<br />
Dem Ewigen war keine Seele treuer,<br />
Kein Glaube je so ungeschwächt und blühend.<br />
<br />
Mit allen Pulsen für die Menschheit glühend,<br />
Saß immer mit der Hoffnung er am Steuer,<br />
Wenn er auch zürnte, seines Zornes Feuer<br />
Nur gegen Sklaven und Tyrannen sprühend.<br />
<br />
Ein Elfengeist in einem Menschenleibe,<br />
Von der Natur Altar ein reiner Funken,<br />
Und drum für Englands Pöbelsinn die Scheibe;<br />
<br />
Ein Herz, vom süßen Duft des Himmels trunken,<br />
Verflucht vom Vater und geliebt vom Weibe,<br />
Zuletzt ein Stern im wilden Meer versunken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XII.</span><br />
<br />
Die ihr voll Mut zu schleudern euch nicht scheuet<br />
Ein blitzend Wort in unsres Lebens Schwüle,<br />
O Glück, wenn ihr euch auf dem Sterbepfühle<br />
Vom Neid zerstückter Kränze noch erfreuet!<br />
<br />
Wie haben Ruhm in Scheffeln sich erbeutet,<br />
Die ruhig trabten ihren Weg zur Mühle<br />
Und immer hübsch die trunkensten Gefühle<br />
Gleich tauben Blüten aus dem Korn gereutet!<br />
<br />
Brauch deine Hand, die ist der Welt genug,<br />
Und Kopf und Herz sind beide überflüssig;<br />
Man will den Flaum vom Vogel, nicht den Flug.<br />
<br />
Kannst du nur dichten, gege lieber müßig;<br />
Die Welt, die stets das Ungereimte trug,<br />
Ist des Gereimten schnell sehr überdrüssig.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XIII.</span><br />
<br />
O lobt euch nur des Westes Schmeichelwehen,<br />
Wenn träufelnd er ob blauen Flächen zittert<br />
Und kaum dem Schilf ein welkes blatt zerknittert –<br />
Ihr stillen Seelen, mög’s euch wohl ergehen!<br />
<br />
Ich aber muß das Meer im Sturme sehen,<br />
Wenn Segel reißen, wenn der Mast zersplittert,<br />
Wenn’s in mir, um mich, über mir gewittert,<br />
Wenn Luft und Wasser hell im Brande stehen.<br />
<br />
Ihr mögt ein ungleich größer Glück erfahren,<br />
Daß eure Gluten lange schon verlodert,<br />
Eh’ euer Leib im Schoß der Erde modert.<br />
<br />
Ich werd’ nun einmal wilder mit den Jahren,<br />
Die Leidenschaft ist mein Eliaswagen,<br />
Und Feuer nur kann mich zum Himmel tragen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XIV.</span><br />
<br />
Auch ich wär’ nach der süßen Ruhe lüstern,<br />
Auch ich möcht’ unter Blütenbäumen liegen,<br />
Ein treues Liebchen in den Armen wiegen,<br />
Statt also mir das Leben zu verdüstern!<br />
<br />
Ließ nur, wie sonst, der Lorbeer sich erflüstern,<br />
Ließ nur, wie sonst, die Palme sich ersiegen,<br />
Das Musenpferd muß jetzt zum Ziele fliegen<br />
Mit wildem Hufschlag, flammensprühnden Nüstern.<br />
<br />
Die große Zeit zertrümmerte die Flöte,<br />
Sie braucht Posaunen und den tiefsten Basso,<br />
Und schwarze Nacht statt milder Abendröte.<br />
<br />
Die Losung ist nun Dante und nicht Tasso.<br />
Was sollen uns noch Schiller oder Goethe?<br />
Was soll uns gar der Pascha Semilasso?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XV.</span><br />
<br />
Wie blinkend sie von eurem Ruder triefe,<br />
Die Perle stammt doch oft aus dunkler Quelle,<br />
Klar scheint in flacher Hand so manche Welle,<br />
Die doch geschöpft aus grauenvoller Tiefe.<br />
<br />
Schließt, wie’s auch einer Welt zuwiderliefe,<br />
Aufs heiligtum nie von der blanken Schwelle,<br />
Das Einzelwort mag fasslich sein und helle,<br />
Der ganze Geist bleibt eine Hieroglyphe.<br />
<br />
O denket immer bei des Dichters Pracht,<br />
Bei allen seinen funkelnden Gesteinen,<br />
Daß ihre Mutter ist die heil’ge Nacht!<br />
<br />
Sein Rauschen mögt ihr zu verstehen meinen;<br />
Er selbst birgt sich ein See im Felsenschacht,<br />
Der ewig sieht des Himmels Sterne scheinen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XVI.</span><br />
<br />
Ich kann oft stundenlang im Strome stehen,<br />
Wenn ich entflohen aus der Menschen Bann;<br />
Er plaudert hier wie ein erfahrener Mann,<br />
Der in der Welt sich tüchtig umgesehen.<br />
<br />
Da schildert er mir seiner Jugend Wehen,<br />
Wie er den Weg durch Klippen erst gewann,<br />
Ermattet drauf im Sande schier verrann,<br />
Und jedes Wort fühl’ ich zum Herzen gehen.<br />
<br />
Wie wallt er doch so sicher seine Bahn!<br />
Bei allem Plänkeln, Hin- und Wiederstreifen<br />
Vergißt er nie: „Ich muß zum Ozean!“<br />
<br />
Du, Seele, nur willst in der Irre schweifen?<br />
O tritt, ein Kind, doch zur Natur heran,<br />
Und lern die Weisheit aus den Wassern greifen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XVII.</span><br />
<br />
Die uns als wilde, rohe Zweifler hassen,<br />
Und drob manch derben Fluch uns schon gespendet,<br />
Die frommen Leute – wie sind sie verblendet;<br />
Der Glauben ist’s, von dem wir nimmer lassen.<br />
<br />
Zieht erst der Frühling jubelnd durch die Straßen,<br />
Wie wird des Herzens eitler Trotz gewendet,<br />
Daß sich’s mit jedem Strauch nach oben wendet,<br />
Ein Stück des schönen Himmels zu erfassen!<br />
<br />
Ja, naht des Jahres Fürst mit seinem Hof,<br />
Und jauchzt der Lenz auf Bergen und in Klüften,<br />
Wo klagend kaum der Nebel niedertroff –<br />
<br />
Schlief auch sein Glaube dann in Todesgrüften,<br />
Der ew’ge Faust, der stolze Philosoph,<br />
Er hascht ihn wieder aus den blauen Lüften.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XVIII.</span><br />
<br />
Der Tod, ihr Freunde, ja, der Tod soll leben !<br />
Ich hab’ ein glühend Lied in tiefster Nacht<br />
Dem treusten Freund der Erde angefacht;<br />
Die Toten will ich und den Tod erheben!<br />
<br />
Wir sind nur Kinder, die mit Widerstreben,<br />
Gleich Tropfen von dem Meer, sich losgemacht,<br />
Und die vom Tode werden heimgebracht<br />
Und liebend an das All zurückgegeben.<br />
<br />
Vernichtung dünkt euch eine herbe Pille?<br />
Doch – heischt’ das Element nicht diesen Zoll,<br />
Das Sterben würde unser eigner Wille.<br />
<br />
Das Sterben macht das Leben ganz und voll;<br />
Erst sei das Herz in unsrem Busen stille,<br />
Wenn’s in der Brust der Menschheit schlagen soll.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XIX. Die Alpen</span><br />
<br />
Von Hermelin den Mantel umgeschlagen,<br />
Das trunkne Haupt weit über mir im Blauen,<br />
Die Alpen – wie so stolz darein sie schauen,<br />
Als wüßten sie, daß sie den Himmel tragen!<br />
<br />
Gleich leichtbeschwingten Liebesboten jagen<br />
Die Silberströme hin durch Nacht und Grauen,<br />
Dem Ozeane von den hohen Frauen<br />
Manch einen sehnsuchtsvollen Gruß zu sagen.<br />
<br />
Die Herden läuten und die Adler fliegen,<br />
Das ist ein ewig Rauschen, ewig Rinnen,<br />
Als könnt’ das Leben nimmer hier versiegen.<br />
<br />
Läßt sich ein schöner, schöner Bild ersinnen?<br />
Und doch hab’ ich das Schönste noch verschwiegen:<br />
Den frommen, stillen Friedhof mitten drinnen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XX.</span><br />
<br />
Der Freiheit Priester, der Vasall des Schönen,<br />
So wird der Dichter in die Welt gesandt;<br />
Ein Troubadour zieh’ er von Land zu Land,<br />
Das Herrlichste mit seinem Lied zu krönen.<br />
<br />
Die Heldentat gewinn’ in seinen Tönen<br />
Für alle Zeiten sicheren Bestand,<br />
Den eignen Kummer schreib’ er in den Sand,<br />
Des eignen Herzens mög’ er sich entwöhnen.<br />
<br />
Ein Gärtner, dem der Garten nur gegeben,<br />
Für fremde Busen Blumen draus zu pflücken,<br />
Ein Winzer, der für Fremde baut die Reben –<br />
<br />
Sei all sein Trost, nur andre zu beglücken;<br />
Dem armen Taucher gleich, wag’ er das Leben,<br />
Mit seltnen Perlen seine Zeit zu schmücken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXI.</span><br />
<br />
O Freiheit, Freiheit ! Nicht wo Hymnen schallen,<br />
In reichgeschmückten fürstlichen Arkaden –<br />
Freiheit! Du wohnst an einsamen Gestaden,<br />
Und liebst die Stille, wie die Nachtigallen.<br />
<br />
Du fliehest das Geräusch der Marmorhallen,<br />
Wo trunkne Schlemmer sich im Weine baden,<br />
Du läßt in Hütten dich zu Gaste laden,<br />
Wo Tränen in die leeren Becher fallen.<br />
<br />
Ein Engel nahst du bei verschloßnen Türen,<br />
Stellst lächelnd dich an deiner Treuen Bette,<br />
Und horchst der himmlischen Musik der Kette.<br />
<br />
Nicht stolze Tempel wollen dir gebühren,<br />
Drin wir als Opfer unsern Stolz dir bieten –<br />
Wärst du die Freiheit, wenn wir vor dir knieten?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXII. Die Geschäftigen</span><br />
<br />
Nicht einen Hauch vergeuden sie, nicht einen,<br />
Nein, alles wird gleich für den Markt geboren,<br />
Kein Herzensschlag geht ohne Zins verloren,<br />
Die Herren machen Brot aus ihren Steinen.<br />
<br />
Sie machen Brot aus Lachen und aus Weinen –<br />
Ich hab mir die Beschaulichkeit erkoren,<br />
Und niemals streng gerechnet mit den Horen,<br />
Ich denke fromm: „Gott gibt’s im Schlaf den Seinen!“<br />
<br />
Ich kann des Lebens banggeschäftig Rauschen,<br />
Dies laute Tun und Treiben nicht verstehn,<br />
Und möcht’ mein einsam Glück nicht drum vertauschen.<br />
<br />
Laßt mich die stillen Pfade weitergehn,<br />
Der Wolken und der Sterne Zug belauschen,<br />
Und schönen Kindern in die Augen sehn!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXIII.</span><br />
<br />
Sei mir gesegnet, frommes Volk der Alten,<br />
Dem unglückselig sein hieß: selig sein,<br />
Das jedes Haus, in das der Blitz schlug ein,<br />
Für ein dem zeus geweihtes gehalten!<br />
<br />
Du fühltest wohl, des Himmels heimlich walten<br />
Enthüll’ sich den Geschlagenen allein,<br />
Und da leucht’ erst der Wahrheit voller Schein,<br />
Wo sich das Herz, der Wolke gleich gespalten.<br />
<br />
O sprecht, war’s nicht zumeist des Unglücks Stunde,<br />
Die euch hinan zum Ewigen gehoben,<br />
Der Himmelsoffenbarung klang vom Munde?<br />
<br />
Der Frieden nicht, der Sturm trägt uns nach oben,<br />
Die höchsten Freuden sind auf dunklem Grunde,<br />
Gleichwie des Äthers Sterne, eingewoben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXIV.</span><br />
<br />
Nimm nicht als Himmel an die Wolkenschichte,<br />
Erprobe selbst dein jugendlich Gefieder,<br />
Wirf mutig in die schwanken Schalen nieder<br />
Des Zweifels deine eigenen Gewichte!<br />
<br />
Erwärm den Geist am selbstgeschaffnen Lichte,<br />
Und forsche heut und forsche morgen wieder,<br />
Senk nie zufrieden deine Augenlider,<br />
Ruf deinen Glauben täglich zu Gerichte!<br />
<br />
Doch was du immer wagest, o beschönig’s<br />
Nie vor den Menschen durch ein zaghaft Schweigen,<br />
Bekenn es mit dem Freimut eines Königs!<br />
<br />
Ob sie dir flammend auch den Holzstoß zeigen;<br />
Mit Flammen tauft der Ewige den Phönix,<br />
Der stolz soll über ihre Wasser steigen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXV.</span><br />
<br />
Am schönsten Tag um einen Wunsch betrogen,<br />
Und eine Niete jede, jede Karte,<br />
An meinem Schwerte Scharte nur an Scharte,<br />
Wenn einmal aus der Scheide ich’s gezogen.<br />
<br />
Doch halt’ ich mutig über allen Wogen<br />
Die Poesie, die leuchtende Standarte,<br />
Durch sie versöhn’ ich mein Geschick, das harte,<br />
Den rauhsten Sturm mit ihrem Regenbogen.<br />
<br />
Nie tönte meiner Leier Tod und Fluch,<br />
Nie schnitt ich aus des Hyperioniden<br />
Purpur ein traurig-düstres Leichentuch;<br />
<br />
Der Herr hat mir ein frommes Herz beschieden,<br />
Die Welt ist mir ein heilig, heilig Buch,<br />
Drin alle Blätter flüstern: Frieden! Frieden!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXVI.</span><br />
<br />
Wir haben, was auch eine Sage schreibe,<br />
Den Funken des Prometheus nicht gepachtet;<br />
So tief wir unter uns das Weib geachtet,<br />
Die reinste Flamme wohnt in seinem Leibe.<br />
<br />
Und wer dem selbstisch frostigen Getreibe,<br />
Das ihm des Herzens liebste Kinder schlachtet,<br />
Wer dieser Kälte zu entrinnen trachtet,<br />
Wo flöh’ er hin, als zu dem treuen Weibe?<br />
<br />
Ein Felsen ist der Mann, der nur erglüht,<br />
Wenn trotzig er gen Himmel sich erhoben,<br />
Zurück ihm schleudernd seiner Sonne Strahlen;<br />
<br />
Ein stiller See des Weibes weich Gemüt,<br />
Das fromm in sich empfängt das Licht von oben,<br />
Drin sich die Himmel himmlischer noch malen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXVII.</span><br />
<br />
Tot ist die Freundschaft ! wer mag sie noch singen?<br />
Mit manchen Göttern ward in unsern Tagen<br />
Auch diese Göttin von dem Volk erschlagen,<br />
Und niemand will ihr mehr ein Opfer bringen.<br />
<br />
Allein mußt du entfalten deine Schwingen,<br />
Allein nach deinen Idealen jagen,<br />
Allein dich auf die See des Lebens wagen,<br />
Allein, allein nach deinem Himmel ringen.<br />
<br />
Der Alten denkt man wohl in manchen Stunden,<br />
und auch ihr Geist, so gern man sich’s erhehlte,<br />
Ist aus der Jugend noch nicht ganz verschwunden;<br />
<br />
Doch hin das Herrlichste, was sie beseelte;<br />
Würd’ ein Aristogiton heut gefunden,<br />
Ich glaube, daß ihm der Harmodius fehlte.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXVIII.</span><br />
<br />
Du willst den Lorbeer auf die Locken drücken,<br />
Nicht einsam mehr in stillen Nächten beten,<br />
Hin auf den Markt mit deinen Tränen treten,<br />
Ein müßig Volk mit deinem Schmerz beglücken?<br />
<br />
Nur Rosen sollten deine Stirne schmücken,<br />
Und nicht die Martyrkrone des Poeten,<br />
Das ist fürwahr der Mund nicht zum Propheten,<br />
Und würd’ mit Küssen leichter uns entzücken.<br />
<br />
Daß meine Naschtigall im Dunkeln bliebe!<br />
Schwer wird die Höh’, nach der du strebst, erklommen,<br />
Wär’s auch, daß dich ein starker Genius triebe.<br />
<br />
Nur Hekatomben werden angenommen<br />
Auf dem Altar des Ruhms, auf dem der Liebe –<br />
- O liebe! – ist ein Scherflein auch willkommen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXIX.</span><br />
<br />
Tief, tief im Meere sprach einst eine Welle :<br />
Wie glücklich müssen meine Schwestern leben,<br />
Die droben strahlend auf und nieder schweben;<br />
O dürft ich einmal an des Tages Helle!<br />
<br />
Wie sie gebeten, so geschah ihr schnelle,<br />
Sie durfte aus dem dunklen Schoß sich heben;<br />
Doch kaum war ihr ein Sonnenstrahl gegeben,<br />
Lag sie schon sterbend an des Ufers Schwelle.<br />
<br />
O mögen alle doch ihr Schicksal loben,<br />
Die still geheim des Lebens Kreis beschreiben<br />
Und nie die Wut der offnen See erproben.<br />
<br />
O mögen sie in tiefer Nacht verbleiben,<br />
Und ihrer keiner streben je nach oben,<br />
Um mit den Winden auf den Sand zu treiben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXX. Freiligrath</span><br />
<br />
Der Himmel fing von neuem an zu blauen,<br />
Der Winter sich zum Abmarsch anzuschicken, -<br />
Die Erde sich mit jungem Grün zu sticken –<br />
Ich nahm dein Buch, recht tief darein zu schauen.<br />
<br />
Und mich erfaßt ein heimlich lüstern Grauen;<br />
Ich seh’ die alten Straußenfedern nicken,<br />
Und glaub’ in Tausend eine Nacht zu blicken –<br />
Hier, denk’ ich, wären so für mich die Frauen!<br />
<br />
Da bringt mein Mädchen mir die ersten Veilchen,<br />
Im blauen Schal, im leichten Rosakleide,<br />
Die weiche Hand das einzige von Seide.<br />
<br />
Dein Orient ruht wieder auf ein Weilchen;<br />
Mein Herz, kaum nach der Fremde so begehrlich,<br />
Bleibt gern im lande nun und nährt sich ehrlich.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXI. Unseren Künstlern</span><br />
<br />
Das Leben hat am Ende doch gewonnen,<br />
Und all die überhimmlischen Gestalten,<br />
Verklrten Leiber und verklärten Falten,<br />
Die schattenhaft durchsichtigen Madonnen,<br />
<br />
Aus Ätherduft und Veilchenblau gesponnen,<br />
Die nur auf Rosen und auf Lilien wallten –<br />
Sie konnten sich nicht mehr zusammenhalten<br />
Und sind in Andacht gottvollst nun zerronnen.<br />
<br />
Doch, liebe Künstler, drum kein Klaggestöhn!<br />
Die Erde mag noch viel des Guten treiben,<br />
Verlasset nur die schroffen, kühlen Höhn;<br />
<br />
Sucht wieder Gott der Welt einzuverleiben!<br />
Das Heilige gelingt so selten schön,<br />
Das Schöne nur wird ewig heilig bleiben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXII.</span><br />
<br />
Wie Jakob hab ich oft mit Gott gerungen,<br />
Oft fühlt’ ich meinen Glauben zweifelnd stocken,<br />
Und oftmals haben eure Kirchenglocken,<br />
Ich leugn’ es nicht, verdrießlich mir geklungen.<br />
<br />
Ich habe gern mein eigen Lied gesungen,<br />
Gesponnen gern von meinem eignen Rocken,<br />
Bin nie nach eines Priesters schmalen Brocken,<br />
Ein hungeriger Zionsheld, gesprungen.<br />
<br />
Doch scheint auch ihr mir nicht vom besten Stempel,<br />
Und so verschmerz’ ich euer pfäffisch Schnauben<br />
Und euere für mich verschloßnen Tempel.<br />
<br />
Wär’ ich wie Schlangen klug und fromm wie Tauben,<br />
Würd’ ich ein Heiliger gar zum Exempel –<br />
Ihr steinigtet mich wohl um meinen Glauben!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXIII. Russophobie</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Einen:</span></span><br />
<br />
Wie gehet ihr nur so verkehrte Bahnen!<br />
Ihr hättet besser ewig sie gemieden,<br />
Euch gänzlich von der Politik geschieden,<br />
Ihr Geisterseher, ihr Baschkiromanen!<br />
<br />
Ihr möchtet gern Europas Zukunft ahnen?<br />
Ich sag’ euch, unsre Freiheit wird hienieden<br />
Kein Zar an seinen Kaukasus je schmieden,<br />
Ihr Geisterseher, ihr Baschkiromanen!<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Andern:</span></span><br />
<br />
Ihr werdet sie zu frühe nur verlieren,<br />
Und neuer Spott wird in sich selbst zunichte,<br />
Denn alles, alles deutet auf Baschkiren.<br />
<br />
Reißt man sich nicht um russische Gedichte?<br />
Wird Raupach wohl umsonst dramatisieren<br />
Schon jetzt die ganze russische Geschichte?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXIV. Pferdeausfuhrverbot</span><br />
<br />
Wir müssen uns beizeiten tüchtig rühren,<br />
Und können drum, trotz manchem schönen Gulden,<br />
Getreue Untertanen, nimmer dulden,<br />
Daß Franken eure Pferde uns entführen.<br />
<br />
Wir wollen nicht zu früh das Feuer schüren,<br />
Wir tun nur, was wir unsern Lieben schulden,<br />
Beschlossen demgemäß in allen Hulden,<br />
Also zu steuern solchen Ungebühren:<br />
<br />
Habt uns ein Aug’ auf jede Mäklerschar,<br />
Daß sie uns keinen Huf konterbandieren,<br />
Vom Karrengaule bis zum Bairaktar!<br />
<br />
Doch naht sich eins von unsern Flügeltieren,<br />
Die sind zum Kriegsdienst völlig unbrauchbar –<br />
Laßt sie die Grenzen immerhin passieren!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXV. Franz Dingelstedts Jordanslied.</span><br />
<br />
Die Nachtigall hat für den Aar gesungen,<br />
Der, fortgeflogen aus dem Alpenlande,<br />
Verschmachtend lag in unserm deutschen Sande,<br />
Weil er sich hatt’ zu hoch hinangeschwungen.<br />
<br />
Wem wäre nicht ihr Lied ans Herz gedrungen,<br />
Ihr grollend, rührend Lied von unsrer Schande?<br />
Doch sprecht, wann sind bei uns des Freien Bande<br />
Von eines Sängers Liede je gesprungen?<br />
<br />
Du sankest, schier ein Knecht, am Throne nieder,<br />
Damit der Freie bälder auferstände;<br />
Geh hin, mein Freund, und frag nach Jahren wieder!<br />
<br />
Statt seiner Alpen bleiben ihm vier Wände;<br />
Die Macht, sie lächelt über deine Lieder,<br />
Und wäscht noch, ein Pilatus, sich die Hände.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXVI. Ludwig Uhland</span><br />
<br />
Nur selten noch, fast graut’s mir, es zu sagen,<br />
Nehm’ ich der Freiheit Evangelium,<br />
Den Schatz von Minne und von Rittertum<br />
Zur Hand in unsern hartbedrängten Tagen.<br />
<br />
Wie hab’ ich einst so heiß dafür geschlagen!<br />
Wie hastig dreht’ ich Blatt um Blatt herum!<br />
Ich kann nicht mehr – ich kann nicht – sei es drum!<br />
Es soll doch niemand mich zu schelten wagen.<br />
<br />
Ein ander Hassen und ein ander Lieben<br />
Ist in die Welt gekommen, und von allen<br />
Sind wenig Herzen nur sich gleich geblieben.<br />
<br />
So sind auch deine Lieder mir entfallen;<br />
Ein einziges steht fest in mir geschrieben;<br />
Kennst du das Lied: „Weh euch, ihr stolzen Hallen!“<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXVII. Deutsche und französische Dichter</span><br />
<br />
Gemälde, Spiegel, Uhren und Tapeten,<br />
Und rings, wie bei dem türkischen Sultane,<br />
Von Samt und Seide strotzende Diwane,<br />
Auch Kruzifixe, nie davor zu beten.<br />
<br />
So lieben’s überm Rheine die Poeten;<br />
Ums Haupt gewunden farbige Turbane,<br />
Durch Wolken Weihrauchs rauschend im Kaftane –<br />
Sind das noch Dichter, noch Anachoreten?<br />
<br />
Hoch über meinem Volk, in der Mansarde,<br />
Umduftet von des Gartens blühndem Flieder,<br />
Am Hut von Rosen eine Festkokarde,<br />
<br />
Indes die jungen Spatzen auf und nieder<br />
Vorm Fenster schildern, eine Ehrengarde –<br />
So schreib’ ich für mein deutsches Mädchen Lieder.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXVIII.</span><br />
<br />
O hätten sie mir doch ihr Ohr geliehen<br />
In jenen ersten unglücksel’gen Stunden,<br />
Da ich die Spur der Herrlichen gefunden,<br />
Und sprach: Ihr Freunde, laßt mich weiterziehen!<br />
<br />
Sie lachten aber meiner nur und schrieen:<br />
Pah! ein paar kleine, leichte Liebeswunden?<br />
Der Vogel ist nun einmal festgebunden<br />
Und soll sobald nicht wieder uns entfliehen.<br />
<br />
Jetzt wollen alle die Gefahr erkennen;<br />
Sie führen mir den Engel aus dem Haus,<br />
Da mir die Kraft versagt, um mich zu trennen.<br />
<br />
Läuft darauf alle Weisheit denn hinaus?<br />
Ihr laßt den Schmetterling getrost verbrennen,<br />
Und löscht voll Mitleid dann die Kerzen aus!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XXXIX.</span><br />
<br />
O heiß’ mich nicht von deinem Antlitz fliehn,<br />
Auf dem der Liebe heilige Gedanken<br />
Gleich goldnen Sternen auf und nieder schwanken,<br />
Die still und furchenlos am Himmel ziehn!<br />
<br />
Hier ist mein Tempel und hier will ich knier,<br />
Um diesen Altar meine Arme ranken,<br />
In diesen Armen meinen Göttern danken,<br />
Daß sie mir ihre Seligkeit verliehn!<br />
<br />
Bist du, mein Herz, selbst wider dich im Bunde?<br />
Was soll der volle schäumende Pokal,<br />
Was die Unendlichkeit dem Mann der Stunde?<br />
<br />
Begehre nicht die Herrlichkeit zumal!<br />
Bitt’ um ein Wort nur aus dem lieben Munde,<br />
Ein halbes Lächeln, einen Sonnenstrahl!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XL.</span><br />
<br />
Ob die Locken eine Glorie quellen<br />
Um dein Antlitz und du himmlisch mild<br />
Auf mich blickst, ein stumm Marienbild,<br />
Das zwei blaue Sterne fromm erhellen,<br />
<br />
Ob dein Haar in ungebundenen Wellen<br />
Um den Nacken flutet, stolz und wild,<br />
Und deine Aug’ ein harter Demantschild,<br />
Dran die kühnsten Wünsche jach zerschellen;<br />
<br />
Ob ich sehe mit dem Heil’genscheine<br />
Dich, ob mit des Unmuts düstrer Falte,<br />
Ewig, ewig fleh’ ich nur das eine:<br />
<br />
Daß dein schöner Mund doch nie erkalte,<br />
Daß dein schönes Auge niemals weine,<br />
Und mir Gott dein schönes Herz erhalte.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLI.</span><br />
<br />
„Eins – zwei – drei- vier – nun eine hübsche Schar!<br />
Mein guter Freund, Ihr treibt das Ding ins Große;<br />
Heut ist es diese, morgen jene Rose:<br />
Mit Eurem Herzen steht es sonderbar.“<br />
<br />
Der Dichter ist der Sultan Scheriar<br />
Und liebt, wie dieser Herr, das Grandiose;<br />
Der ruht’ auch zweimal nie im selben Schoße,<br />
Bis er Scheherazaden ward gewahr.<br />
<br />
Ich sah wohl manch ein schönes Angesicht,<br />
Das ich besungen und belobt; nur schade,<br />
Das, was ich suchte, war es immer nicht.<br />
<br />
Und alles, alles mord’ ich ohne Gnade,<br />
Was meinem Ideale widerspricht:<br />
Wann kommst du endlich, o Scheherazade?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLII.</span><br />
<br />
Ich tue jedermänniglich zu wissen,<br />
Daß ich den finstern Unmut sehr bereue<br />
Und mich von Herzen meines Lebens freue,<br />
Daß ich erlöst von allen Kümmernissen.<br />
<br />
Mein liebes Fischchen hat nun angebissen<br />
Und schwört mir über alle Maßen Treue,<br />
Es herzt und herzt und herzt mich stetz aufs neue<br />
Und drückt mich schmeichelnd in die Sofakissen.<br />
<br />
Ich lad’ euch, meine Freunde, sämtlich ein,<br />
Mir eine frohe Stunde mal zu schenken;<br />
Doch laßt mir dann die tolle Frage sein:<br />
<br />
Wann wir uns wohl zu eh’lichen gedenken?<br />
Solange noch der ganze Himmel mein,<br />
Will ich mich nicht auf Haus und Hof beschränken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLIII. Zwei Glocken</span><br />
<br />
Ich stand auf einem Berg, da hört’ ich singen<br />
Zur Linken plötzlich ernste, trübe Lieder;<br />
Ein Opfer war es für die Erde wieder,<br />
Ich kannte wohl der Glocken dumpfes Klingen.<br />
<br />
Zur Rechten sah ich einen Sugling bringen;<br />
Wie eines Schmetterlinges bunt Gefieder,<br />
Viel lust’ge Bänder wehten auf und nieder,<br />
Ein Glöckchen wollt’ vor Freude schier zerspringen.<br />
<br />
Die Andacht wagt’ kein Wesen rings zu stören:<br />
Die Herden hielten still auf ihren Weiden,<br />
Wie fromme Beter flüsterten die Föhren.<br />
<br />
Als ob die Glocken sich umarmt, die beiden,<br />
Konnt’ ich bald einen süßen Klang nur hören<br />
Und Tod und Leben nicht mehr unterscheiden.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLIV.</span><br />
<br />
Erreichbar nur dem Sturm und Sonnenbrand,<br />
Von keines Wandrers Fuße umgebogen,<br />
In scheuen Kreisen nur vom Aar umflogen,<br />
Wie ein Johannes in der Wüste, stand<br />
<br />
Ein Blümchen einst auf kahler Alpenwand;<br />
Der Himmel hatte, doppelt ihm gewogen,<br />
Es seinem Herzen näher auferzogen,<br />
Doch nur mit Klagen schaut’ es in das Land.<br />
<br />
„Warum, o Gott, in eines Felsen Schoß?<br />
Warum o Gott, mir solch ein einsam Los?<br />
Was sterb’ ich nicht in holder Schwestern Mitten?“<br />
<br />
Still meine Blume still! Was klagst du noch?<br />
Wohl bist du einsam, aber sicher doch<br />
Vor Menschenhänden und vor Menschentritten.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLV. Der Gefangene</span><br />
<br />
Der uns die Freiheit einst so kühn gelehret,<br />
Hört ihr ihn hinter jenem Gitter wohl,<br />
Dran spottend noch des Glaubens rauh Symbol,<br />
Manch eisern Kreuz, das ihm die Flucht verwehret?<br />
<br />
Das also ist der Lohn, der ihm bescheret<br />
Ward von dem angebeteten Idol?<br />
Die Wangen blaß, die Augen trüb und hohl,<br />
Die Augen, die er – nicht zum Himmel kehret.<br />
<br />
Seit Jahren sah er keine Wolke schweben,<br />
Seit Jahren kein Gestirn in blauer Ferne<br />
Die goldne, taubeglänzte Schwinge heben.<br />
<br />
Die Erde – ach! er ließ’ sie euch so gerne;<br />
Doch sprecht, ihr Herrn, wer hat euch Macht gegeben,<br />
Die Hand zu legen auf des Himmels Sterne?<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLVI. Einem Schauspieler</span><br />
<br />
Ja, ich will Kugeln gießen aus den Lettern,<br />
Hör’ ich die Stunde der Erlösung schlagen,<br />
Und du auch wirst in solchen großen Tagen<br />
Die Welt nicht suchen mehr auf deinen Brettern.<br />
<br />
Gilt es, der Erde Götzen zu zerschmettern,<br />
Ich kenne dich, du wirst dein Leben wagen.<br />
Wer unsers Friedens drückend Joch getragen,<br />
Dem graut auch wahrlich nicht vor Sturm und Wettern.<br />
<br />
Bis dahin aber opfere dem Schönen<br />
So treu, wie jetzt, und heiße nicht despotisch<br />
Dein Herz zu früh desselben sich entwöhnen.<br />
<br />
So manche macht die Freiheit jetzt zelotisch,<br />
Daß sie, Barbaren gleich, die Kunst verhöhnen;<br />
Sei lieber goethisch, teurer Freund, als gotisch!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLVII.</span><br />
<br />
Nach langem Ringen ist der Tag gewichen;<br />
Ein reizend Weib im leichten Silberflor,<br />
Tritt Luna hinter dem Gebirge vor,<br />
Der Ostwind ist ihr neckend nachgestrichen.<br />
<br />
Und eine bunte Schar von wunderlichen<br />
Gestalten taucht vor meinem Blick empor,<br />
Sie kommen zaghaft, wie ein Mädchenchor,<br />
Und wie auf Zehen zu mir angeschlichen.<br />
<br />
Ein Rauschen naht von tausend, tausend Schwingen,<br />
Ich fühl’, wie Geister meine Stirne küssen<br />
Und mir die Hände legen auf das Haupt.<br />
<br />
Ich hör’ die Sterne aus den Lüften singen:<br />
„Wohl dem, den wir noch wachen Augs begrüßen,<br />
Der an die Nacht, die heilige, noch glaubt!“<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">XLVIII.  Hölderlin</span><br />
<br />
Den Klugen leiten sicher stets die Horen,<br />
Nur mit dem Genius spielen oft die Winde;<br />
Daß er, so Glück wie Unglück, früher finde,<br />
Wird er mit Schwingen in die Welt geboren.<br />
<br />
Doch bleibt ihm treu die Gottheit zugeschworen;<br />
Sie legt am bösen Tag dem armen Kinde<br />
Mit weicher Hand ums Aug des Wahnsinns Binde,<br />
Daß es nie sehe, was das Herz verloren.<br />
<br />
Die Götter haben freundlich dein gedacht,<br />
Die du so fromm gehalten einst in Ehren,<br />
Und lebend schon dich aus der Welt gebracht.<br />
<br />
Nichts Irdisches kann fürder dich versehren,<br />
Und reiner, denn ein Stern zum Schoß der Nacht,<br />
Wirst du zurück zur großen Mutter kehren.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IL.</span><br />
<br />
Trüg’ ich ein Schwert als Krieger um die Lenden,<br />
Ging’ ich als Landmann hinter einem Pfluge,<br />
Dann säß ich abends froh bei meinem Kruge,<br />
Um mit dem Tag mein Tagewerk zu enden.<br />
<br />
So aber, wenn sie sich zur ruhe wenden,<br />
Schweift mein Geist noch auf irrem Wanderzuge,<br />
Und meine Seele kreist in stetem Fluge,<br />
Ihr will kein Abend seinen Frieden spenden.<br />
<br />
Dem Himmlischen erbaun wir keine Schranken,<br />
Es folgt uns nach ins laute Weltgetriebe<br />
Und wird im Schlummer auch nicht von uns wanken.<br />
<br />
Kein Ort – daß ich vor ihnen sicher bliebe!<br />
Gleich Blitzen zücken um mich die Gedanken<br />
Und treffen mich selbst in dem Arm der Liebe.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">L.</span><br />
<br />
So redet nur! Ihr sollt mich nicht bekehren.<br />
Er ist in eurer Hütte nie gestanden,<br />
War euch nie weihend, segnend nie zuhanden,<br />
Mein Genius – ergab euch niemals Lehren.<br />
<br />
Was man nicht kennt, das mag man leicht entbehren.<br />
Doch mir geht ohne ihn mein Werk zuschanden,<br />
Indes die Nüchternen in allen Landen,<br />
Die Gottentfremdeten, die Schätze mehren.<br />
<br />
Behagt euch wohl im friedlichen Genuß,<br />
Das bißchen Witz, es bleib’ euch unbenommen,<br />
Das auf die Frone wie ein Sklave muß.<br />
<br />
Mir aber mag nur Zeus, der Donnrer, frommen,<br />
Zu meinem Werke muß ein Himmelsgruß,<br />
Ein heil’ger Sturm mein Herz erst überkommen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">LI. Byrons Sonett an Chillon</span><br />
(Bekanntlich haßte B. das Sonett.)<br />
<br />
Dein himmlisch Lied – Es hat schon manche Labe<br />
In schwarzen düstern Stunden mir bereitet,<br />
Und wie den Jüngling treulich du begleitet,<br />
So freute dein sich schon der wilde Knabe.<br />
<br />
Die Besten haben über deinem Grabe<br />
Wetteifernd Lorbeerkränze hingebreitet,<br />
Ach! wo ein Lob das andre niederstreitet,<br />
Wie wenig ist’s, was ich zu bieten habe!<br />
<br />
Wenn ich mich zu Sonettendichtern wende,<br />
Die auch die Reime sträubend nur verschlungen,<br />
Seh’ ich vor allem Goethes kleine Spende;<br />
<br />
Doch hat er nicht, wie du, den Groll bezwungen,<br />
Der seines Liedbes Anfang noch und Ende,<br />
Der noch die Freiheit im Sonett besungen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">LII. Grabschrift</span><br />
<br />
Sein oder Nichtsein ist hier keine Frage;<br />
Ich bin gewesen, was ich konnte sein.<br />
Kein Schelm und Schuft, bei Gott! ein Narr allein,<br />
Der auch sein Lämpchen brannt’ am hellen Tage.<br />
<br />
Kein Turner, aber doch von deutschem Schlage;<br />
Und wär’ mein Vers wie meine Hände, rein,<br />
So ruhete dies dichterlich Gebein<br />
Dereinst in einem stolzen Sarkophage.<br />
<br />
Ich nahm das Leben für ein Würfelspiel,<br />
Das keinem seine stete Gunst geschworen,<br />
Doch oft hatt’ ich der Augen noch zuviel;<br />
<br />
Ich trieb’s, ein Tor, wie tausend andre Toren,<br />
Und, glücklicher als weiland Freund Schlemihl,<br />
Hab’ niemals meinen Schatten ich verloren.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[1839 – 1840]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27179</link>
			<pubDate>Wed, 20 Dec 2023 00:28:48 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=27179</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">1839 – 1840</span><br />
<br />
Ich habe nie mein Elend mir vergoldet,<br />
Stets seine Dolche schärfer noch gespitzt<br />
Und blutig, blutig auf mein Herz geritzt;<br />
Ich habe nie den Reim als Arzt besoldet.<br />
<br />
O, daß ihr endlich es mir glauben wollet,<br />
Wie tief der Tod mir in der Seele sitzt,<br />
Wenn es in meinem Liede flammt und blitzt –<br />
Ihr reichet mir die Hand, statt daß ihr grollet!<br />
<br />
Ihr wisset ja: Gewitter machen kalt;<br />
So werd’ ich denn vor meinem Winter alt –<br />
Was griff ich auch so frühe in die Saiten?<br />
<br />
Allein – kein Menschenleben braucht’s zum Glück!<br />
Ich fühle oft, es ist ein Augenblick,<br />
In dem wir uns die Ewigkeit erstreiten.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">1839 – 1840</span><br />
<br />
Ich habe nie mein Elend mir vergoldet,<br />
Stets seine Dolche schärfer noch gespitzt<br />
Und blutig, blutig auf mein Herz geritzt;<br />
Ich habe nie den Reim als Arzt besoldet.<br />
<br />
O, daß ihr endlich es mir glauben wollet,<br />
Wie tief der Tod mir in der Seele sitzt,<br />
Wenn es in meinem Liede flammt und blitzt –<br />
Ihr reichet mir die Hand, statt daß ihr grollet!<br />
<br />
Ihr wisset ja: Gewitter machen kalt;<br />
So werd’ ich denn vor meinem Winter alt –<br />
Was griff ich auch so frühe in die Saiten?<br />
<br />
Allein – kein Menschenleben braucht’s zum Glück!<br />
Ich fühle oft, es ist ein Augenblick,<br />
In dem wir uns die Ewigkeit erstreiten.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
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