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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Ferdinand Freiligrath]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 14:52:26 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Flotten-Träume (6)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24679</link>
			<pubDate>Tue, 03 May 2022 09:22:02 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24679</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> Flotten-Träume</span><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">I.</span><br />
<br />
Sprach irgendwo in Deutschland eine Tanne:<br />
„O, könnt' ich doch als deutscher Kriegsmast ragen!<br />
O, könnt' ich stolz die junge Flagge tragen<br />
Des ein'gen Deutschland in der Nordsee Banne!<br />
<br />
Dann wär' ich Fähndrich, ha! Mann an Manne<br />
Blutrünst'ger Krieger deutsche Seeschlacht schlagen;<br />
Wo deutsche Segler, grimm und ohne Zagen,<br />
Den fremden Entrer hauen in die Pfanne!<br />
<br />
Dann lehnte wohl, die Brust von Stahl gekerbt,<br />
Ein Held an mir in des Gefechtes Gluten,<br />
An meinem Stamme schweigend zu verbluten!<br />
<br />
Indes mich jetzt das Blut des Wilddiebs färbt,<br />
des armen Wilddiebs, hinterrücks erschossen,<br />
Der mir zu Füßen hinsinkt in die Sprossen!“<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">II.</span><br />
<br />
Schwarz, Roth und Gold! Frei weht ihr auf den Stangen<br />
Und Masten jetzo, gürtend rings das Land!<br />
In tausend Wimpeln, einst verpöntes Band,<br />
Hat dir der Ocean selber umgehangen!<br />
<br />
Ständen jetzt, die Anno neunzehn sangen,<br />
Daß dich zerschnitten der Gewalt‘gen Hand;<br />
O, ständen jetzt, die man um dich verbannt,<br />
Verraths beschuldigt, ach! Und schnöd gefangen:<br />
<br />
O, ständen Alle jetzt auf diesen Höhen,<br />
Frisch, wie am Tag, da man auf Wartburg zog,<br />
Daß sie dich glühn in deinen Ehren sähen!<br />
<br />
Sie staunten wohl, und riefen: Hurrah hoch!<br />
Stoßt an, stoßt an! Wie sich die Dinge drehen.<br />
Der alte Ocean auch noch Demagog!<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">III.</span><br />
<br />
Wie unsre muth'gen Orlogsmänner heißen?<br />
Komm mit auf's Meer, ich will es dir verkünden!<br />
Da drüben der mit sechzig Feuerschlünden,<br />
Das ist „der Arndt!“ du siehst die Goldschrift gleißen!<br />
<br />
Hier die Fregatte, bauschig rings von weißen,<br />
Halbvollen Segeln, kämpfend mit den Winden -<br />
O Gott, ihr Name mahnt an alte Sünden! -<br />
„Die Sieben“ heißt sie! Mag kein Strick ihr reißen!<br />
<br />
Dort die Korvette, segelnd wie der Blitz,<br />
Es ist die „Hansa!“ Doch am Ufer diese,<br />
Stolz wie ein Schwan, „die Königin Luise!“<br />
<br />
Der Dreimast drüben ist „der alte Fritz!“<br />
Und hier voll Zorns der schlagbereite Kutter,<br />
Du ahnst es schon, das ist „der Doktor Luther!“<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IV.</span><br />
<br />
Und andre noch will ich dir rühmend zeigen;<br />
Sie kreuzten wohl, und kehren jetzt vom Zuge;<br />
Sie wehn heran mit majestät'schem Fluge;<br />
„Der Alexander Humboldt" führt den Reigen!<br />
<br />
Ha, sieh' den „Goethe" tief sein Bugspriet neigen!<br />
Ihm nach der „Schiller", auch mit tiefem Buge!<br />
„Die freie Presse" läßt mit gutem Fuge<br />
Leuchtende Kugeln in die Lüfte steigen!<br />
<br />
Die fernsten drüben kann ich nicht errathen!<br />
Laß ungenannt sie vor dem Winde laufen!<br />
Eins ist gewiß: sie haben tücht'ge Paten!<br />
<br />
Wir brauchen Namen wirklich nicht zu kaufen!<br />
Wir haben Männer, haben Tage, haben Thaten: -<br />
Mehr Schiffe nur! wir wollen sie schon taufen!<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">V.</span><br />
<br />
So seh' im Geist, ein trutzig Kriegsgeschwader,<br />
Ich Wacht sie halten, festiglich und stete,<br />
Wo weiland nur des Evers Wimpel wehte,<br />
Ein Burtehuder etwa oder Stader;<br />
<br />
Da naht der Feind, und mit ihm naht der Hader!<br />
Aufzischt gen Himmel die Signalrakete,<br />
Die Trommel wüthet, und an die Lafette<br />
Schlachtathmend tritt das rüst'ge Volk der Lader!<br />
<br />
Das Sprachrohr heischt: da birst mit tausend Schüssen<br />
Ihr Flammengruß aus den metall'nen Läufen;<br />
Umsinkt den Mast, das Tauwerk zuckt zerrissen!<br />
<br />
Grau ballt der Rauch sich, wirre, zorn'ge Streifen!<br />
Ein Ruck, und Schiff hat sich in Schiff verbissen -<br />
O ernste Schule, drinnen Männer reifen!<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VI.</span><br />
<br />
Doch - wenn zuerst in Meer- und Pulvernebel<br />
Wir also schwimmend Volk an Volk gerungen;<br />
Wenn eine Seeschlacht Lorbeern uns geschlungen<br />
Um unsre Lunten und um unsre Säbel:<br />
<br />
Drum seid gedenk! An Schiffen sitzen Schnäbel!<br />
Drauf, ihr Matrosen und Kajütenjungen!<br />
Den wucht'gen Hammer und das Beil geschwungen!<br />
Die Schnäbel ab! und bringt sie heim als Hebel!<br />
<br />
Als Hebel? - Ja! - Ihr, die mit heiterm Spähen<br />
Am Strand ihr jauchztet unsrer frischen Kühne,<br />
Und lächelnd ansaht unser salzig Rennen:<br />
<br />
Ihr Bannerherrn, wohin mit den Trophäen? -<br />
Sorgt für ein Forum, schaftt die Rednerbühne,<br />
Daß wir, wie Rom, das Beste schmücken können!<br />
<br />
 <br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> Flotten-Träume</span><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">I.</span><br />
<br />
Sprach irgendwo in Deutschland eine Tanne:<br />
„O, könnt' ich doch als deutscher Kriegsmast ragen!<br />
O, könnt' ich stolz die junge Flagge tragen<br />
Des ein'gen Deutschland in der Nordsee Banne!<br />
<br />
Dann wär' ich Fähndrich, ha! Mann an Manne<br />
Blutrünst'ger Krieger deutsche Seeschlacht schlagen;<br />
Wo deutsche Segler, grimm und ohne Zagen,<br />
Den fremden Entrer hauen in die Pfanne!<br />
<br />
Dann lehnte wohl, die Brust von Stahl gekerbt,<br />
Ein Held an mir in des Gefechtes Gluten,<br />
An meinem Stamme schweigend zu verbluten!<br />
<br />
Indes mich jetzt das Blut des Wilddiebs färbt,<br />
des armen Wilddiebs, hinterrücks erschossen,<br />
Der mir zu Füßen hinsinkt in die Sprossen!“<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">II.</span><br />
<br />
Schwarz, Roth und Gold! Frei weht ihr auf den Stangen<br />
Und Masten jetzo, gürtend rings das Land!<br />
In tausend Wimpeln, einst verpöntes Band,<br />
Hat dir der Ocean selber umgehangen!<br />
<br />
Ständen jetzt, die Anno neunzehn sangen,<br />
Daß dich zerschnitten der Gewalt‘gen Hand;<br />
O, ständen jetzt, die man um dich verbannt,<br />
Verraths beschuldigt, ach! Und schnöd gefangen:<br />
<br />
O, ständen Alle jetzt auf diesen Höhen,<br />
Frisch, wie am Tag, da man auf Wartburg zog,<br />
Daß sie dich glühn in deinen Ehren sähen!<br />
<br />
Sie staunten wohl, und riefen: Hurrah hoch!<br />
Stoßt an, stoßt an! Wie sich die Dinge drehen.<br />
Der alte Ocean auch noch Demagog!<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">III.</span><br />
<br />
Wie unsre muth'gen Orlogsmänner heißen?<br />
Komm mit auf's Meer, ich will es dir verkünden!<br />
Da drüben der mit sechzig Feuerschlünden,<br />
Das ist „der Arndt!“ du siehst die Goldschrift gleißen!<br />
<br />
Hier die Fregatte, bauschig rings von weißen,<br />
Halbvollen Segeln, kämpfend mit den Winden -<br />
O Gott, ihr Name mahnt an alte Sünden! -<br />
„Die Sieben“ heißt sie! Mag kein Strick ihr reißen!<br />
<br />
Dort die Korvette, segelnd wie der Blitz,<br />
Es ist die „Hansa!“ Doch am Ufer diese,<br />
Stolz wie ein Schwan, „die Königin Luise!“<br />
<br />
Der Dreimast drüben ist „der alte Fritz!“<br />
Und hier voll Zorns der schlagbereite Kutter,<br />
Du ahnst es schon, das ist „der Doktor Luther!“<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">IV.</span><br />
<br />
Und andre noch will ich dir rühmend zeigen;<br />
Sie kreuzten wohl, und kehren jetzt vom Zuge;<br />
Sie wehn heran mit majestät'schem Fluge;<br />
„Der Alexander Humboldt" führt den Reigen!<br />
<br />
Ha, sieh' den „Goethe" tief sein Bugspriet neigen!<br />
Ihm nach der „Schiller", auch mit tiefem Buge!<br />
„Die freie Presse" läßt mit gutem Fuge<br />
Leuchtende Kugeln in die Lüfte steigen!<br />
<br />
Die fernsten drüben kann ich nicht errathen!<br />
Laß ungenannt sie vor dem Winde laufen!<br />
Eins ist gewiß: sie haben tücht'ge Paten!<br />
<br />
Wir brauchen Namen wirklich nicht zu kaufen!<br />
Wir haben Männer, haben Tage, haben Thaten: -<br />
Mehr Schiffe nur! wir wollen sie schon taufen!<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">V.</span><br />
<br />
So seh' im Geist, ein trutzig Kriegsgeschwader,<br />
Ich Wacht sie halten, festiglich und stete,<br />
Wo weiland nur des Evers Wimpel wehte,<br />
Ein Burtehuder etwa oder Stader;<br />
<br />
Da naht der Feind, und mit ihm naht der Hader!<br />
Aufzischt gen Himmel die Signalrakete,<br />
Die Trommel wüthet, und an die Lafette<br />
Schlachtathmend tritt das rüst'ge Volk der Lader!<br />
<br />
Das Sprachrohr heischt: da birst mit tausend Schüssen<br />
Ihr Flammengruß aus den metall'nen Läufen;<br />
Umsinkt den Mast, das Tauwerk zuckt zerrissen!<br />
<br />
Grau ballt der Rauch sich, wirre, zorn'ge Streifen!<br />
Ein Ruck, und Schiff hat sich in Schiff verbissen -<br />
O ernste Schule, drinnen Männer reifen!<br />
 <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">VI.</span><br />
<br />
Doch - wenn zuerst in Meer- und Pulvernebel<br />
Wir also schwimmend Volk an Volk gerungen;<br />
Wenn eine Seeschlacht Lorbeern uns geschlungen<br />
Um unsre Lunten und um unsre Säbel:<br />
<br />
Drum seid gedenk! An Schiffen sitzen Schnäbel!<br />
Drauf, ihr Matrosen und Kajütenjungen!<br />
Den wucht'gen Hammer und das Beil geschwungen!<br />
Die Schnäbel ab! und bringt sie heim als Hebel!<br />
<br />
Als Hebel? - Ja! - Ihr, die mit heiterm Spähen<br />
Am Strand ihr jauchztet unsrer frischen Kühne,<br />
Und lächelnd ansaht unser salzig Rennen:<br />
<br />
Ihr Bannerherrn, wohin mit den Trophäen? -<br />
Sorgt für ein Forum, schaftt die Rednerbühne,<br />
Daß wir, wie Rom, das Beste schmücken können!<br />
<br />
 <br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[1843]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24670</link>
			<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 07:04:48 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24670</guid>
			<description><![CDATA[1843<br />
<br />
 <br />
<br />
Wo sind die Adler, die mit kühnem Feuer<br />
Aus unsern Wäldern auf zur Sonne flogen?<br />
Und die gesangreich prächt’ge Kreise zogen,<br />
Wohin entflohn die Schwäne doch vom Weiher?<br />
<br />
Wo sind die süßen Nachtigallen heuer?<br />
Und wo die Lerchen? Haben zorn’ge Wogen<br />
Um ihre Rückkehr neidisch uns betrogen?<br />
Zerbrach ein Sturmwind ihrem Flug das Steuer?<br />
<br />
Sie sind verstummt, ach! oder sind gestorben!<br />
Kein Adler mehr in deutschen Dichterhainen!<br />
Schwan, Lerche, Sprosser – hin sind ihre Tage!<br />
<br />
Ein neu Geschlecht doch haben wir erworben:<br />
Es brüstet sich mit gallischen Refrainen<br />
Ein Gimpel Berangers auf jedem Hage!<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[1843<br />
<br />
 <br />
<br />
Wo sind die Adler, die mit kühnem Feuer<br />
Aus unsern Wäldern auf zur Sonne flogen?<br />
Und die gesangreich prächt’ge Kreise zogen,<br />
Wohin entflohn die Schwäne doch vom Weiher?<br />
<br />
Wo sind die süßen Nachtigallen heuer?<br />
Und wo die Lerchen? Haben zorn’ge Wogen<br />
Um ihre Rückkehr neidisch uns betrogen?<br />
Zerbrach ein Sturmwind ihrem Flug das Steuer?<br />
<br />
Sie sind verstummt, ach! oder sind gestorben!<br />
Kein Adler mehr in deutschen Dichterhainen!<br />
Schwan, Lerche, Sprosser – hin sind ihre Tage!<br />
<br />
Ein neu Geschlecht doch haben wir erworben:<br />
Es brüstet sich mit gallischen Refrainen<br />
Ein Gimpel Berangers auf jedem Hage!<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Den ersten Frost des Winters...]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24669</link>
			<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 07:03:39 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24669</guid>
			<description><![CDATA[.<br />
<br />
<br />
Den ersten Frost des Winters hab’ ich gerne,<br />
Wenn unterm Fuß des Jägers knarrt der Schnee,<br />
Wenn auf die Felder krächzend zieht die Kräh’,<br />
Und wenn der Dammhirsch Reif trägt im Gehörne!<br />
<br />
Jetzt nach Paris! – Jüngst kehrt’ ich aus der Ferne<br />
In seine Mauern! Ernst aus ihrer Höh’<br />
Sahn Säul’ und Louvre, Nebel zog am Kai,<br />
Drin glommen rötlich Fackel und Laterne.<br />
<br />
Wie liebt’ ich diese graue Zeit! – die Seine<br />
Begrüßt ich jubelnd, die in ihrem Bette<br />
Wie eine Fürstin normandiewärts schwamm!<br />
<br />
Du ja warst in Paris! - Ho, eine Träne? –<br />
Daß sich ihr Herz so bald geändert hätte,<br />
Wie konnt’ ich es denn wissen auch, Madame?<br />
<br />
 <br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[.<br />
<br />
<br />
Den ersten Frost des Winters hab’ ich gerne,<br />
Wenn unterm Fuß des Jägers knarrt der Schnee,<br />
Wenn auf die Felder krächzend zieht die Kräh’,<br />
Und wenn der Dammhirsch Reif trägt im Gehörne!<br />
<br />
Jetzt nach Paris! – Jüngst kehrt’ ich aus der Ferne<br />
In seine Mauern! Ernst aus ihrer Höh’<br />
Sahn Säul’ und Louvre, Nebel zog am Kai,<br />
Drin glommen rötlich Fackel und Laterne.<br />
<br />
Wie liebt’ ich diese graue Zeit! – die Seine<br />
Begrüßt ich jubelnd, die in ihrem Bette<br />
Wie eine Fürstin normandiewärts schwamm!<br />
<br />
Du ja warst in Paris! - Ho, eine Träne? –<br />
Daß sich ihr Herz so bald geändert hätte,<br />
Wie konnt’ ich es denn wissen auch, Madame?<br />
<br />
 <br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Moderne Metamorphose]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24668</link>
			<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 07:02:32 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24668</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Moderne Metamorphose</span><br />
<br />
<br />
Es meldet uns die heilige Geschichte<br />
Wie Abraham den Sohn nahm bei den Ohren,<br />
Den er dem Herrn zum Opfer wähnt erkoren;<br />
Doch brach´ der Herr es gnädig in die Richte.<br />
<br />
Wo aber melden Klio, wo Gedichte,<br />
Daß eine Mutter grausam sich verschworen,<br />
Den Herzenssohn, den schmerzvoll sie geboren,<br />
Mit eigner Hand zu schleppen vor Gerichte?<br />
<br />
Der Neuzeit war die Blutthat aufbehalten;<br />
Das Messer zuckt, - o grausenhaftes Walten!<br />
Kannst, Mutter, Du im eignen Blute schalten?<br />
<br />
Doch, Götter! - welch ein Wunder ist geschehen!<br />
Den Sohn - im Unterrock alsbald wir sehen<br />
Als Primadonna nun auf Reisen gehen.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Moderne Metamorphose</span><br />
<br />
<br />
Es meldet uns die heilige Geschichte<br />
Wie Abraham den Sohn nahm bei den Ohren,<br />
Den er dem Herrn zum Opfer wähnt erkoren;<br />
Doch brach´ der Herr es gnädig in die Richte.<br />
<br />
Wo aber melden Klio, wo Gedichte,<br />
Daß eine Mutter grausam sich verschworen,<br />
Den Herzenssohn, den schmerzvoll sie geboren,<br />
Mit eigner Hand zu schleppen vor Gerichte?<br />
<br />
Der Neuzeit war die Blutthat aufbehalten;<br />
Das Messer zuckt, - o grausenhaftes Walten!<br />
Kannst, Mutter, Du im eignen Blute schalten?<br />
<br />
Doch, Götter! - welch ein Wunder ist geschehen!<br />
Den Sohn - im Unterrock alsbald wir sehen<br />
Als Primadonna nun auf Reisen gehen.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Linde bei Hirzenach]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24667</link>
			<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 07:01:25 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24667</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Linde bei Hirzenach</span><br />
<br />
<br />
Nur leis’ bewegt vom lauen Uferwinde,<br />
Roth noch vom Abend, dem erst halb verglühten,<br />
Dein friedlich Dörfchen friedlich zu behüten,<br />
Wie stehst du schön am Rheine da, 0 Linde!<br />
 <br />
Nun wird es Nacht! Nun eilt mit ihrem Kinde<br />
Die junge Bäurin unter deine Blüthen!<br />
Nun kühlst du auch, die sich am Tage mühten,<br />
Den alten Winzer und sein Hausgesinde!<br />
 <br />
Der Gute spricht von längst verfloss’nen Jahren;<br />
Er hat als Kind den Freiheitsbaum umsprungen,<br />
Und der warst du - so melden die Berichte.<br />
<br />
Nun spielt dein Wehn zahm mit des Greises Haaren<br />
Abtrünnige! Noch hast du nicht geschwungen<br />
Dein letztes Laub! Vorwärts geht die Geschichte!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Linde bei Hirzenach</span><br />
<br />
<br />
Nur leis’ bewegt vom lauen Uferwinde,<br />
Roth noch vom Abend, dem erst halb verglühten,<br />
Dein friedlich Dörfchen friedlich zu behüten,<br />
Wie stehst du schön am Rheine da, 0 Linde!<br />
 <br />
Nun wird es Nacht! Nun eilt mit ihrem Kinde<br />
Die junge Bäurin unter deine Blüthen!<br />
Nun kühlst du auch, die sich am Tage mühten,<br />
Den alten Winzer und sein Hausgesinde!<br />
 <br />
Der Gute spricht von längst verfloss’nen Jahren;<br />
Er hat als Kind den Freiheitsbaum umsprungen,<br />
Und der warst du - so melden die Berichte.<br />
<br />
Nun spielt dein Wehn zahm mit des Greises Haaren<br />
Abtrünnige! Noch hast du nicht geschwungen<br />
Dein letztes Laub! Vorwärts geht die Geschichte!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An Eduard Paulus]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24666</link>
			<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 07:00:31 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24666</guid>
			<description><![CDATA[An Eduard Paulus<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Antwort auf ein Sonett von Eduard Paulus, den der Dichter aufgefordert hatte, <br />
sich seinem Protest gegen den holländischen Nachdruck anzuschließen.</span><br />
<br />
<br />
So ist es recht! Noch einen wackern Schwaben<br />
zur lustgen Fehde wider Niederland!<br />
Willkommen, Paule! Gruß und Druck der Hand<br />
Laß dir gefallen von mir altem Knaben!<br />
<br />
Noch ist es Zeit! Auf denn, ins Feld zu traben!<br />
Nachdrücklich sei der Nachdruck heut berannt!<br />
Was gilt es, Freund? bald zappelt er im Sand, -<br />
Dann magst du forschen wiederum und graben.<br />
<br />
Magst deinen Alten ins Gebirg entfliehn,<br />
Durch alter Städte graue Tore ziehn,<br />
Auf Burgen stehn, ein sinniger Viator!<br />
<br />
So wehrst du Schwabens, mehrst du deinen Ruhm!<br />
Nur tief hinein in „Kunst und Altertum,“ –<br />
Baumeister, Dichter, Landeskonservator!<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[An Eduard Paulus<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Antwort auf ein Sonett von Eduard Paulus, den der Dichter aufgefordert hatte, <br />
sich seinem Protest gegen den holländischen Nachdruck anzuschließen.</span><br />
<br />
<br />
So ist es recht! Noch einen wackern Schwaben<br />
zur lustgen Fehde wider Niederland!<br />
Willkommen, Paule! Gruß und Druck der Hand<br />
Laß dir gefallen von mir altem Knaben!<br />
<br />
Noch ist es Zeit! Auf denn, ins Feld zu traben!<br />
Nachdrücklich sei der Nachdruck heut berannt!<br />
Was gilt es, Freund? bald zappelt er im Sand, -<br />
Dann magst du forschen wiederum und graben.<br />
<br />
Magst deinen Alten ins Gebirg entfliehn,<br />
Durch alter Städte graue Tore ziehn,<br />
Auf Burgen stehn, ein sinniger Viator!<br />
<br />
So wehrst du Schwabens, mehrst du deinen Ruhm!<br />
Nur tief hinein in „Kunst und Altertum,“ –<br />
Baumeister, Dichter, Landeskonservator!<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Noch zwei Sonette (2)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24665</link>
			<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 06:58:09 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24665</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Noch zwei Sonette</span><br />
<br />
<br />
I.<br />
 <br />
<br />
Von Nassau's Burg der edle Herr vom Steine<br />
Und noch ein Wackrer, derb und turnerfahren,<br />
Ein Bürgerkind mit langen Burschenhaaren<br />
Die fuhren einst zusammen auf dem Rheine.<br />
<br />
Wie war er grün von Wallnußlaub und Weine!<br />
Wie grau von Trümmern, die sonst Vesten waren!<br />
Anschaut' in seinem Spiegel sich, dem klaren<br />
Raubnest um Raubnest, schroff, in rost'ger Bräune!<br />
<br />
Dem Stein, wie billig, schwoll die Freiherrnader:<br />
„O Glück, ein Kind sich des Geschlechts zu wissen,<br />
Das also trotzig Quader hob auf Quader!"<br />
<br />
Der Andre drauf: „Meins hat sie abgerissen!<br />
Und das ist mein Stolz - doch darum kein Hader!" -<br />
Der Freiherr hat die Lippe sich gebissen.<br />
<br />
 <br />
<br />
II.<br />
 <br />
<br />
O, drückt' auch uns nur landlos ein Johann!<br />
Kein größer Heil, bei Gott, als solche Johne!<br />
Ihr wißt, wie Kühnheit zorniger Barone<br />
Die Freiheit Englands Jenem abgewann!<br />
<br />
Ein schlaffer König und ein feiger Mann,<br />
Schmachvoll vom Papste hielt er Land und Krone;<br />
Trieb sich umher auf blut'gem Wanderthrone,<br />
Zu gleicher Zeit ein Schwächling und Tyrann!<br />
<br />
So schafft' er sich und seinem Volke Noth,<br />
Bis jach ein Herr vor seinem Zelte scharrte,<br />
Bis ihn sein England wild die Stirne bot.<br />
<br />
O, wie beredt war dessen Kriegsstandarte!<br />
Geht mir mit „guten Fürsten!" - ein Despot<br />
Gab Englands Männern ihre große Charte!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Noch zwei Sonette</span><br />
<br />
<br />
I.<br />
 <br />
<br />
Von Nassau's Burg der edle Herr vom Steine<br />
Und noch ein Wackrer, derb und turnerfahren,<br />
Ein Bürgerkind mit langen Burschenhaaren<br />
Die fuhren einst zusammen auf dem Rheine.<br />
<br />
Wie war er grün von Wallnußlaub und Weine!<br />
Wie grau von Trümmern, die sonst Vesten waren!<br />
Anschaut' in seinem Spiegel sich, dem klaren<br />
Raubnest um Raubnest, schroff, in rost'ger Bräune!<br />
<br />
Dem Stein, wie billig, schwoll die Freiherrnader:<br />
„O Glück, ein Kind sich des Geschlechts zu wissen,<br />
Das also trotzig Quader hob auf Quader!"<br />
<br />
Der Andre drauf: „Meins hat sie abgerissen!<br />
Und das ist mein Stolz - doch darum kein Hader!" -<br />
Der Freiherr hat die Lippe sich gebissen.<br />
<br />
 <br />
<br />
II.<br />
 <br />
<br />
O, drückt' auch uns nur landlos ein Johann!<br />
Kein größer Heil, bei Gott, als solche Johne!<br />
Ihr wißt, wie Kühnheit zorniger Barone<br />
Die Freiheit Englands Jenem abgewann!<br />
<br />
Ein schlaffer König und ein feiger Mann,<br />
Schmachvoll vom Papste hielt er Land und Krone;<br />
Trieb sich umher auf blut'gem Wanderthrone,<br />
Zu gleicher Zeit ein Schwächling und Tyrann!<br />
<br />
So schafft' er sich und seinem Volke Noth,<br />
Bis jach ein Herr vor seinem Zelte scharrte,<br />
Bis ihn sein England wild die Stirne bot.<br />
<br />
O, wie beredt war dessen Kriegsstandarte!<br />
Geht mir mit „guten Fürsten!" - ein Despot<br />
Gab Englands Männern ihre große Charte!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Verkehrte Welt]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24664</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:42:49 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24664</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Verkehrte Welt</span><br />
<br />
<br />
Ein prächt´ger Kerl, der ritterlich Hahn!<br />
Auf seinem Hof, umringt von seinen Hennen,<br />
Die seinen Tritt, gleichwie sein Treten, kennen,<br />
wie kräht er muthig: "Wer was will, komm´ an!"<br />
<br />
Ein respektabler, kratziger Kumpan!<br />
Wie seine Weiber hastig ihn umrennen!<br />
Wie sie von Eifer, ihm zu dienen brennen!<br />
Er aber thut, als läg´ ihm gar Nichts dran.<br />
<br />
Wer ist gewillt, das Widerspiel zu schauen?<br />
Dort auf dem Hofe fünfundzwanzig Frauen,<br />
In ihrer Mitte Ein Gebieter nur!<br />
<br />
Und hier Gallina! Freudiglich und wacker<br />
Auf ihrem Nestlein sitzt sie mit Gegacker,<br />
und zwanzig Hähne machen ihr die Cour.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Verkehrte Welt</span><br />
<br />
<br />
Ein prächt´ger Kerl, der ritterlich Hahn!<br />
Auf seinem Hof, umringt von seinen Hennen,<br />
Die seinen Tritt, gleichwie sein Treten, kennen,<br />
wie kräht er muthig: "Wer was will, komm´ an!"<br />
<br />
Ein respektabler, kratziger Kumpan!<br />
Wie seine Weiber hastig ihn umrennen!<br />
Wie sie von Eifer, ihm zu dienen brennen!<br />
Er aber thut, als läg´ ihm gar Nichts dran.<br />
<br />
Wer ist gewillt, das Widerspiel zu schauen?<br />
Dort auf dem Hofe fünfundzwanzig Frauen,<br />
In ihrer Mitte Ein Gebieter nur!<br />
<br />
Und hier Gallina! Freudiglich und wacker<br />
Auf ihrem Nestlein sitzt sie mit Gegacker,<br />
und zwanzig Hähne machen ihr die Cour.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Nach dem Bade]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24663</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:41:00 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24663</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nach dem Bade</span><br />
<br />
<br />
Des Rheines Wellen eben erst entstiegen,<br />
Am offnen Fenster stand die Nachtigall;<br />
An Venus mahnend, die aus Fluthkrystall,<br />
Gleich ihr, sich hob zu ewgen Liebessiegen.<br />
 <br />
Ihr feuchtes Haar ließ sie im Winde fliegen;<br />
Lang floß es nieder, wie ein Wasserfall -<br />
Da sah sie plötzlich zu Trompetenschall<br />
Um´s Eckhaus dort ein Fähnlein Reiter biegen.<br />
<br />
Von ihren Rossen wirbelnd stieg der Dampf;<br />
So scharfen Trabens ging´s nach Grimlinghausen,<br />
als lockte sie ein ernstlichheißer Kampf.<br />
<br />
Da rief ein Pferd - nein, nicht doch, ein Husar!<br />
Hinauf zum Fenster im Vorüberbrausen<br />
Rief er: "Wie scheen! mit ufgeleestem Haar!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nach dem Bade</span><br />
<br />
<br />
Des Rheines Wellen eben erst entstiegen,<br />
Am offnen Fenster stand die Nachtigall;<br />
An Venus mahnend, die aus Fluthkrystall,<br />
Gleich ihr, sich hob zu ewgen Liebessiegen.<br />
 <br />
Ihr feuchtes Haar ließ sie im Winde fliegen;<br />
Lang floß es nieder, wie ein Wasserfall -<br />
Da sah sie plötzlich zu Trompetenschall<br />
Um´s Eckhaus dort ein Fähnlein Reiter biegen.<br />
<br />
Von ihren Rossen wirbelnd stieg der Dampf;<br />
So scharfen Trabens ging´s nach Grimlinghausen,<br />
als lockte sie ein ernstlichheißer Kampf.<br />
<br />
Da rief ein Pferd - nein, nicht doch, ein Husar!<br />
Hinauf zum Fenster im Vorüberbrausen<br />
Rief er: "Wie scheen! mit ufgeleestem Haar!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Künstlerlohn]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24662</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:39:55 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24662</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Künstlerlohn</span><br />
<br />
<br />
Als Lurley jüngst erwacht zu neuem Leben<br />
Und Alles rings umher in Zauber wiegt,-<br />
So mancher kam und sah und - ward besiegt,<br />
Haucht seine Seele aus vor ihr mit Beben.<br />
<br />
Ein Maler auch in´ s schöne Reich der Reben,<br />
Aus Sachsenland auf Hoffnungschwingen fliegt,<br />
Doch bald auch er zu ihren Füßen liegt;<br />
Nur Sie war seiner Kunst noch würd´ges Streben.<br />
<br />
Ihr Bild, in´ s wunde Herz ganz eingesogen,<br />
gab wundertreu er wieder in den Rahmen.<br />
O, Guter wie dein Herz dich doch belogen!<br />
<br />
Sie nahm so Bild, als Herz, und dankt gewogen;<br />
Dann dreht sie lachend um des Künstlers Namen<br />
Und sprach: flieg hin, woher Du kamst geflogen!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Künstlerlohn</span><br />
<br />
<br />
Als Lurley jüngst erwacht zu neuem Leben<br />
Und Alles rings umher in Zauber wiegt,-<br />
So mancher kam und sah und - ward besiegt,<br />
Haucht seine Seele aus vor ihr mit Beben.<br />
<br />
Ein Maler auch in´ s schöne Reich der Reben,<br />
Aus Sachsenland auf Hoffnungschwingen fliegt,<br />
Doch bald auch er zu ihren Füßen liegt;<br />
Nur Sie war seiner Kunst noch würd´ges Streben.<br />
<br />
Ihr Bild, in´ s wunde Herz ganz eingesogen,<br />
gab wundertreu er wieder in den Rahmen.<br />
O, Guter wie dein Herz dich doch belogen!<br />
<br />
Sie nahm so Bild, als Herz, und dankt gewogen;<br />
Dann dreht sie lachend um des Künstlers Namen<br />
Und sprach: flieg hin, woher Du kamst geflogen!<br />
<br />
 <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Henne und Hähnin]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24661</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:38:47 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24661</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Henne und Hähnin</span><br />
<br />
<br />
Du hättest dir zum Vorbild auserlesen<br />
Die Hähnin, die sich spreizt als Doppelhahn?<br />
Nothnagel sagt´s. Wie -? trat er in den Thran,<br />
Daß er so sehr verkannte Beider Wesen -?<br />
<br />
Nein! Du bist echte Henne stets gewesen,<br />
Doch Sie, mit Kamm und Sporn, ein Mann im Wahn,<br />
Wühlt keck mit ihres Schnabels spitzem Zahn<br />
In Haferspreu von Weltschmerz und von Thesen.<br />
<br />
Bleib du, mein Hühnchen, treu auf deinem Neste,<br />
Und lege viel der blanken, schmucken Eier!<br />
Poularden=Hahnenschrei klingt nicht auf´s Beste;<br />
<br />
Ich setz´ auf ihn im Wettkampf keinen Dreier<br />
Die Hühner, die ins Freie sich vermessen,<br />
Gieb Acht! Sie werden leicht vom Fuchs gefressen.<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
..]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Henne und Hähnin</span><br />
<br />
<br />
Du hättest dir zum Vorbild auserlesen<br />
Die Hähnin, die sich spreizt als Doppelhahn?<br />
Nothnagel sagt´s. Wie -? trat er in den Thran,<br />
Daß er so sehr verkannte Beider Wesen -?<br />
<br />
Nein! Du bist echte Henne stets gewesen,<br />
Doch Sie, mit Kamm und Sporn, ein Mann im Wahn,<br />
Wühlt keck mit ihres Schnabels spitzem Zahn<br />
In Haferspreu von Weltschmerz und von Thesen.<br />
<br />
Bleib du, mein Hühnchen, treu auf deinem Neste,<br />
Und lege viel der blanken, schmucken Eier!<br />
Poularden=Hahnenschrei klingt nicht auf´s Beste;<br />
<br />
Ich setz´ auf ihn im Wettkampf keinen Dreier<br />
Die Hühner, die ins Freie sich vermessen,<br />
Gieb Acht! Sie werden leicht vom Fuchs gefressen.<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
..]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die verzweiflungsvolle Baßgeige]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24660</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:37:15 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24660</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die verzweiflungsvolle Baßgeige</span><br />
<br />
<br />
Ein Künstler sang auf seinem Instrumente,<br />
Gallina! dir von Liebes-Weh und Lust.<br />
Es war so eng, so voll ihm in der Brust,<br />
Wie, von dem Füllsel, der gebrat`nen Ente.<br />
<br />
Er both sich selbst ihr an als Lebensrente,<br />
War halb schon seines Sieges sich bewußt;<br />
Doch ehe noch sein Liebessturm verpußt,<br />
Verfiel er eines Dämpfers Regimente.<br />
<br />
Verzweiflung packt den Aermsten bei dem Kragen;<br />
Er will hinab in Goar´s Flutgewirre,<br />
Ihn schnell zurück nach Ihlium zu tragen.<br />
<br />
Ob Freundschaft warnt, daß Lurley ihn nicht irre,-<br />
Er stürzt - in die Kajütt - und legt - welch´ Wagen! -<br />
Ein Butterbrot als Pflaster auf den Magen.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die verzweiflungsvolle Baßgeige</span><br />
<br />
<br />
Ein Künstler sang auf seinem Instrumente,<br />
Gallina! dir von Liebes-Weh und Lust.<br />
Es war so eng, so voll ihm in der Brust,<br />
Wie, von dem Füllsel, der gebrat`nen Ente.<br />
<br />
Er both sich selbst ihr an als Lebensrente,<br />
War halb schon seines Sieges sich bewußt;<br />
Doch ehe noch sein Liebessturm verpußt,<br />
Verfiel er eines Dämpfers Regimente.<br />
<br />
Verzweiflung packt den Aermsten bei dem Kragen;<br />
Er will hinab in Goar´s Flutgewirre,<br />
Ihn schnell zurück nach Ihlium zu tragen.<br />
<br />
Ob Freundschaft warnt, daß Lurley ihn nicht irre,-<br />
Er stürzt - in die Kajütt - und legt - welch´ Wagen! -<br />
Ein Butterbrot als Pflaster auf den Magen.<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der weibliche Saturn]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24659</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:35:48 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24659</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der weibliche Saturn</span><br />
<br />
<br />
Die Sonne stach mit sommerlichem Feuer,<br />
Da saßen wir, vom Bergesklettern matt,<br />
Hoch auf des Felsens moosßger Trümmerstatt,<br />
Ein Mahl zu halten unter dem Gemäuer.<br />
<br />
Zu anderm Guten hatten wir auch Eier.<br />
Gallina rief: "Wohl dem, der Eier hat!<br />
Ein Ei´chen noch! Ich bin der Nimmersatt!<br />
Geh´n macht App´tit!" - und schluckte wie ein Reiher.<br />
<br />
Da trat, im Antlitz unverstellten Gram,<br />
Gefertigter, der gern die Wahrheit stottert -<br />
Vor das Gedeck gallinae trat er hin<br />
<br />
Und als er sah mit Zürnen und mit Scham<br />
Die Schalen alle, die sie schon entdottert,<br />
Da sprach er dräuend: "Kindesmörderin!"<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der weibliche Saturn</span><br />
<br />
<br />
Die Sonne stach mit sommerlichem Feuer,<br />
Da saßen wir, vom Bergesklettern matt,<br />
Hoch auf des Felsens moosßger Trümmerstatt,<br />
Ein Mahl zu halten unter dem Gemäuer.<br />
<br />
Zu anderm Guten hatten wir auch Eier.<br />
Gallina rief: "Wohl dem, der Eier hat!<br />
Ein Ei´chen noch! Ich bin der Nimmersatt!<br />
Geh´n macht App´tit!" - und schluckte wie ein Reiher.<br />
<br />
Da trat, im Antlitz unverstellten Gram,<br />
Gefertigter, der gern die Wahrheit stottert -<br />
Vor das Gedeck gallinae trat er hin<br />
<br />
Und als er sah mit Zürnen und mit Scham<br />
Die Schalen alle, die sie schon entdottert,<br />
Da sprach er dräuend: "Kindesmörderin!"<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der verliebte Steuermann]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24658</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:34:36 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24658</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der verliebte Steuermann</span><br />
<br />
<br />
Der Palinur der Kölner Feuerschiffe -<br />
Sebastian Kimpel nennt ihn Sankt Goar,<br />
und rühmlich steuernd fährt er Jahr auf Jahr<br />
Durch Oberwesels und der Lurelei Riffe! –<br />
<br />
Er kennt den Rhein und seine Kniff und Pfiffe!<br />
Doch jüngst, o Wunder, schwebt er in Gefahr;<br />
Fast trieb sein Boot auf spitzer Felsen Schaar,<br />
So traumhaft lenkt´ er's mit zerstreuten Griffe.<br />
<br />
Die Passagiere schalten: "Mit Verlaub!<br />
Sebastian, ist das der Weg nach Caub?<br />
Eh´r, als zur Pfalz, führt dieser Cours nach China!"<br />
<br />
"Ja, Donnerwetter!" rief der Palinur,<br />
" Die sieben Jungfern! - einer dacht´ ich nur!<br />
Das kommt davon! Ich dacht an die Gallina!"<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der verliebte Steuermann</span><br />
<br />
<br />
Der Palinur der Kölner Feuerschiffe -<br />
Sebastian Kimpel nennt ihn Sankt Goar,<br />
und rühmlich steuernd fährt er Jahr auf Jahr<br />
Durch Oberwesels und der Lurelei Riffe! –<br />
<br />
Er kennt den Rhein und seine Kniff und Pfiffe!<br />
Doch jüngst, o Wunder, schwebt er in Gefahr;<br />
Fast trieb sein Boot auf spitzer Felsen Schaar,<br />
So traumhaft lenkt´ er's mit zerstreuten Griffe.<br />
<br />
Die Passagiere schalten: "Mit Verlaub!<br />
Sebastian, ist das der Weg nach Caub?<br />
Eh´r, als zur Pfalz, führt dieser Cours nach China!"<br />
<br />
"Ja, Donnerwetter!" rief der Palinur,<br />
" Die sieben Jungfern! - einer dacht´ ich nur!<br />
Das kommt davon! Ich dacht an die Gallina!"<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der neue Jakob]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24657</link>
			<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:33:06 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=24657</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> Der neue Jakob</span><br />
<br />
<br />
An blauen Seen durch klösterliche Hallen<br />
Im fernen Oestreich wandelt ein Poet;<br />
Auf seiner Stirn mit ernsten Lettern steht<br />
Ein ernstes Wort: "Ich bin der Lieb´ verfallen!"<br />
<br />
Auch ist es klar, er leidet an der Gallen!<br />
Tief liegt sein Aug´, und funkelt nimmer stet;<br />
Der Lippe Bartschmuck hat er grimm zerdreht,<br />
Mit Zittern liest er, was wir ahnend wissen.<br />
<br />
Da kommt ein Brief. Rasch wird er aufgerissen,<br />
Die kalten Blätter glüh´n von seinen Küssen,<br />
Mit Zittern liest er, was wir ahnend wissen.<br />
<br />
Dann ruft er aus: "Sie ist die 2te Staël!<br />
Sei sie nun sonsten Lea oder Rahel -<br />
In sieben Jahren ist sie mein Gemahel!"<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> Der neue Jakob</span><br />
<br />
<br />
An blauen Seen durch klösterliche Hallen<br />
Im fernen Oestreich wandelt ein Poet;<br />
Auf seiner Stirn mit ernsten Lettern steht<br />
Ein ernstes Wort: "Ich bin der Lieb´ verfallen!"<br />
<br />
Auch ist es klar, er leidet an der Gallen!<br />
Tief liegt sein Aug´, und funkelt nimmer stet;<br />
Der Lippe Bartschmuck hat er grimm zerdreht,<br />
Mit Zittern liest er, was wir ahnend wissen.<br />
<br />
Da kommt ein Brief. Rasch wird er aufgerissen,<br />
Die kalten Blätter glüh´n von seinen Küssen,<br />
Mit Zittern liest er, was wir ahnend wissen.<br />
<br />
Dann ruft er aus: "Sie ist die 2te Staël!<br />
Sei sie nun sonsten Lea oder Rahel -<br />
In sieben Jahren ist sie mein Gemahel!"<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>