<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Gerd Grimm]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 12:05:54 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Dame im Golfkostüm]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1225</link>
			<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 11:49:44 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1225</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/197.gif" loading="lazy"  alt="[Bild: 197.gif]" class="mycode_img" /><br />
<br />
Gerd Grimm: Dame im Golfkostüm (1950)<br />
<br />
<br />
<br />
Der Golfsport war ihr gänzlich unbekannt:<br />
so hatte sie sich anfangs arg geziert,<br />
bis sie, halb schüchtern und halb ennuyiert,  <br />
sich auf dem Grün des Platzes wiederfand. <br />
<br />
Madonna mit dem Schirm in ihrer Hand<br />
wusste sie nicht, wie man den Schläger führt: <br />
Verwundert schaute sie, leicht amüsiert<br />
dem Golfball nach, wie er im Loch verschwand.<br />
<br />
In dem Moment verstärkte sich das Licht,<br />
und sandte aus den Wolken einen Flug <br />
von Sonnenflecken auf ihr Sportkostüm,<br />
<br />
und ließ sie als leibhaftiges Gedicht<br />
in ihrem Lächeln weltfern und sublim<br />
die Rose sein, die sie ja längst schon trug.<br />
<br />
<br />
Mehr zu Gerd Grimm unter <a href="http://www.grimm-foundation.com" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">www.grimm-foundation.com</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/197.gif" loading="lazy"  alt="[Bild: 197.gif]" class="mycode_img" /><br />
<br />
Gerd Grimm: Dame im Golfkostüm (1950)<br />
<br />
<br />
<br />
Der Golfsport war ihr gänzlich unbekannt:<br />
so hatte sie sich anfangs arg geziert,<br />
bis sie, halb schüchtern und halb ennuyiert,  <br />
sich auf dem Grün des Platzes wiederfand. <br />
<br />
Madonna mit dem Schirm in ihrer Hand<br />
wusste sie nicht, wie man den Schläger führt: <br />
Verwundert schaute sie, leicht amüsiert<br />
dem Golfball nach, wie er im Loch verschwand.<br />
<br />
In dem Moment verstärkte sich das Licht,<br />
und sandte aus den Wolken einen Flug <br />
von Sonnenflecken auf ihr Sportkostüm,<br />
<br />
und ließ sie als leibhaftiges Gedicht<br />
in ihrem Lächeln weltfern und sublim<br />
die Rose sein, die sie ja längst schon trug.<br />
<br />
<br />
Mehr zu Gerd Grimm unter <a href="http://www.grimm-foundation.com" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">www.grimm-foundation.com</a>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Auftritt in großer Robe]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1221</link>
			<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 14:45:44 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1221</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/196.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 196.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
Gerd Grimm: Auftritt in großer Robe (1946)<br />
<br />
<br />
<br />
Auftritt in großer Robe! Symphonie<br />
aus Spitze, Tüll, Satin, Brokat, Chiffon!<br />
O Traum, o Rausch in Farben, Ton in Ton   <br />
entgrenzter Stoffkaskaden Poesie. <br />
<br />
Der Stil, die Eleganz, das schlanke Schwarz...<br />
Den Blickfang setzen, den frivolen Coup<br />
mit feinen, fast versteckten Dents de Loups -<br />
Wer zeigt nur, deutet an – und wer bewahrt’s?<br />
<br />
Vorüber schwebt sie. Schweigt. Gesicht und Hals<br />
sind stumm und weiß, ihr Mund ist allenfalls  <br />
ein Tupfer Rot wie Tropfen Bluts im Schnee -  <br />
<br />
und lächelt her: wie in geheimer Wendung<br />
verblasst auf einmal alle Stoff-Verschwendung<br />
vor dem bescheiden-raffinierten Dekolleté.<br />
<br />
<br />
Mehr zum Modezeichner Gerd Grimm unter <a href="http://www.grimm-foundation.com" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">www.grimm-foundation.com</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/196.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 196.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
Gerd Grimm: Auftritt in großer Robe (1946)<br />
<br />
<br />
<br />
Auftritt in großer Robe! Symphonie<br />
aus Spitze, Tüll, Satin, Brokat, Chiffon!<br />
O Traum, o Rausch in Farben, Ton in Ton   <br />
entgrenzter Stoffkaskaden Poesie. <br />
<br />
Der Stil, die Eleganz, das schlanke Schwarz...<br />
Den Blickfang setzen, den frivolen Coup<br />
mit feinen, fast versteckten Dents de Loups -<br />
Wer zeigt nur, deutet an – und wer bewahrt’s?<br />
<br />
Vorüber schwebt sie. Schweigt. Gesicht und Hals<br />
sind stumm und weiß, ihr Mund ist allenfalls  <br />
ein Tupfer Rot wie Tropfen Bluts im Schnee -  <br />
<br />
und lächelt her: wie in geheimer Wendung<br />
verblasst auf einmal alle Stoff-Verschwendung<br />
vor dem bescheiden-raffinierten Dekolleté.<br />
<br />
<br />
Mehr zum Modezeichner Gerd Grimm unter <a href="http://www.grimm-foundation.com" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">www.grimm-foundation.com</a>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Im tiefen Süden]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1173</link>
			<pubDate>Tue, 09 Sep 2008 08:28:57 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=1173</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/181.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 181.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Im tiefen Süden</span><br />
<br />
<br />
Im Süden tief. Als lebten sie am großen Fluss <br />
Urzeiten schon, die Tagelöhner in Baracken.<br />
Ihr Lebenslos: auf den Plantagen sich zu placken.<br />
Ein Hemd nur, Schuhe nie, doch Not im Überfluss<br />
<br />
und stets bedroht: Im Frühjahr Wasser, Sturm und Blitz.<br />
Oft kam die Flut und ließ die Hütte mächtig schwanken,<br />
Im Sommer Myriaden Mücken. Auf den Planken <br />
nur dieser Schaukelstuhl als kostbarster Besitz.<br />
<br />
Dort saß die Mutter oft, wenn sich der Wind erhob,<br />
durchs Uferschilf wie eine sanfte Flöte strich, <br />
da fiel die Angst von ihr, schien ihr die Welt nicht quälend.<br />
<br />
Zuweilen sprach sie vor sich hin ein Gotteslob,  <br />
und manchmal träumte ihr, dass ihre Hütte sich <br />
erhob und schwamm - als Arche über allem Elend.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/181.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 181.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Im tiefen Süden</span><br />
<br />
<br />
Im Süden tief. Als lebten sie am großen Fluss <br />
Urzeiten schon, die Tagelöhner in Baracken.<br />
Ihr Lebenslos: auf den Plantagen sich zu placken.<br />
Ein Hemd nur, Schuhe nie, doch Not im Überfluss<br />
<br />
und stets bedroht: Im Frühjahr Wasser, Sturm und Blitz.<br />
Oft kam die Flut und ließ die Hütte mächtig schwanken,<br />
Im Sommer Myriaden Mücken. Auf den Planken <br />
nur dieser Schaukelstuhl als kostbarster Besitz.<br />
<br />
Dort saß die Mutter oft, wenn sich der Wind erhob,<br />
durchs Uferschilf wie eine sanfte Flöte strich, <br />
da fiel die Angst von ihr, schien ihr die Welt nicht quälend.<br />
<br />
Zuweilen sprach sie vor sich hin ein Gotteslob,  <br />
und manchmal träumte ihr, dass ihre Hütte sich <br />
erhob und schwamm - als Arche über allem Elend.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Mädchen 1983]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=978</link>
			<pubDate>Wed, 07 May 2008 16:35:14 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=978</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/104.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 104.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Im Augen-Blick</span><br />
<br />
Als ob vom Mode-Fotografen animiert, <br />
der Bilder macht für ein Journal, sich ihm<br />
im Pulli unverstellt, spontan, ja fast intim,  <br />
urplötzlich zuzudrehen, scheu und raffiniert <br />
<br />
zugleich, zeigt dieses Mädchen ein Natur-Talent:   <br />
Gleich der Studentin aus dem Erstsemester,<br />
die kaum sich selbst, von andern gar nichts kennt, <br />
nur ihren Augen-Blicken traut, die plötzlich fester<br />
<br />
hinausgehn, stark, beharrlich, intensiv - <br />
scheint vieles an ihr fast wie ohne Gegenwehr,<br />
noch ganz vom Staunen vor der Außenwelt bestimmt.  <br />
<br />
Und wie mit einem Seelen-Objektiv,<br />
mit dem sie uns in ihre Augen-Blicke nimmt,<br />
schaut sie uns lange noch, sehr lange hinterher.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/104.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 104.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Im Augen-Blick</span><br />
<br />
Als ob vom Mode-Fotografen animiert, <br />
der Bilder macht für ein Journal, sich ihm<br />
im Pulli unverstellt, spontan, ja fast intim,  <br />
urplötzlich zuzudrehen, scheu und raffiniert <br />
<br />
zugleich, zeigt dieses Mädchen ein Natur-Talent:   <br />
Gleich der Studentin aus dem Erstsemester,<br />
die kaum sich selbst, von andern gar nichts kennt, <br />
nur ihren Augen-Blicken traut, die plötzlich fester<br />
<br />
hinausgehn, stark, beharrlich, intensiv - <br />
scheint vieles an ihr fast wie ohne Gegenwehr,<br />
noch ganz vom Staunen vor der Außenwelt bestimmt.  <br />
<br />
Und wie mit einem Seelen-Objektiv,<br />
mit dem sie uns in ihre Augen-Blicke nimmt,<br />
schaut sie uns lange noch, sehr lange hinterher.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: San Francisco]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=973</link>
			<pubDate>Mon, 05 May 2008 14:19:58 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=973</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/103.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 103.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">In the Ghetto</span><br />
<br />
Am Rand der Riesenstadt. Der Wohlstandstraum  <br />
an Zäunen von verfallnen Ghettoblöcken<br />
zerfleddert und verstreut in Schmuddelecken:<br />
Behausungen von Menschen sind dies kaum.<br />
<br />
Ein jeder Tag erneuert den sozialen Fluch: <br />
Kein Kind spielt, keine Katze. Gelb das Gras,<br />
Papier und Essensreste, Bruch von Glas.<br />
Der Himmel drüber wie ein angesengtes Tuch.<br />
<br />
Und zeigt sich in den Fensterhöhlen still,<br />
scheu, schemenhaft und selten ein Gesicht, <br />
ist dies fast eine ungeheuerliche Tat. <br />
<br />
Nur Elvis, wüst beschimpft als „weißer Müll“ ,<br />
umwirbt beharrlich noch sein Publikum als Licht- <br />
gestalt auf einem hilflos schreienden Plakat. <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
* Elvis wurde aufgrund seiner sozialen Herkunft des öfteren als „white trash“ (weißer Müll) denunziert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/103.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 103.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">In the Ghetto</span><br />
<br />
Am Rand der Riesenstadt. Der Wohlstandstraum  <br />
an Zäunen von verfallnen Ghettoblöcken<br />
zerfleddert und verstreut in Schmuddelecken:<br />
Behausungen von Menschen sind dies kaum.<br />
<br />
Ein jeder Tag erneuert den sozialen Fluch: <br />
Kein Kind spielt, keine Katze. Gelb das Gras,<br />
Papier und Essensreste, Bruch von Glas.<br />
Der Himmel drüber wie ein angesengtes Tuch.<br />
<br />
Und zeigt sich in den Fensterhöhlen still,<br />
scheu, schemenhaft und selten ein Gesicht, <br />
ist dies fast eine ungeheuerliche Tat. <br />
<br />
Nur Elvis, wüst beschimpft als „weißer Müll“ ,<br />
umwirbt beharrlich noch sein Publikum als Licht- <br />
gestalt auf einem hilflos schreienden Plakat. <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
* Elvis wurde aufgrund seiner sozialen Herkunft des öfteren als „white trash“ (weißer Müll) denunziert.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Stillleben mit Flaschen]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=956</link>
			<pubDate>Fri, 18 Apr 2008 15:21:01 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=956</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/097.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 097.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Stillleben mit Flaschen</span><br />
(St. Marie, 1976)<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">1. Fassung</span><br />
<br />
<br />
<br />
Die leeren Flaschen stolpern in den Blick,<br />
der weiterwill, doch hängen bleibt; Gebrüll<br />
von Mittagsglut steht hart auf diesem Müll:<br />
der Ausschnitt, das ist Wirklichkeit, kein Trick.<br />
<br />
Das Ende aller Zivilisation ist hier,<br />
die Autowracks, die keiner wegräumt, Schrott.<br />
Der einzige, der hier was holt, ist Gott.<br />
Als einzige Erlösung bleibt das Bier.<br />
<br />
So wars, als gestern nacht die Männer soffen, <br />
den Abglanz fühlten einer bessren Zeit:<br />
Jetzt liegen die Betrunknen in den Hütten.<br />
<br />
Fürs Alltagsleben gibt’s hier nichts zu hoffen,<br />
das weiß das alte Weib, das regungslos inmitten<br />
der Flaschen sitzt seit einer Ewigkeit. <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Stillleben mit Flaschen</span><br />
(St. Marie, Provence)<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2. Fassung</span><br />
<br />
Auf einem Zeltplatz in der Haut-Provence:<br />
Lavendelduft weht von den Feldern her.<br />
Zur Mittagszeit verliert sich der Verkehr,<br />
jetzt geht das Leben langsam, schläfrig, wie in Trance.<br />
<br />
Vom opulenten Picknick blieben nur die Flaschen,<br />
da jedermann es vorzog, sich nun abzukühlen.   <br />
So liegt man in den Zelten oder Wohnmobilen,<br />
lässt sich von keinem stören oder überraschen.<br />
 <br />
Gibt’s denn ein Foto von dem schönen Essen? <br />
Zu spät. Die Tafel aufgehoben. Ausgelassenheit<br />
und Stimmung längst passé. Und bald ists schon vergessen.<br />
 <br />
Viel später tauchte doch ein Foto auf. Wie groß<br />
war das Erstaunen über jene Nachbarin, die seinerzeit <br />
das Flaschenbild belebte, selber ahnungslos.<br />
<br />
<br />
Dirk Schindelbeck 2008]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/097.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 097.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Stillleben mit Flaschen</span><br />
(St. Marie, 1976)<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">1. Fassung</span><br />
<br />
<br />
<br />
Die leeren Flaschen stolpern in den Blick,<br />
der weiterwill, doch hängen bleibt; Gebrüll<br />
von Mittagsglut steht hart auf diesem Müll:<br />
der Ausschnitt, das ist Wirklichkeit, kein Trick.<br />
<br />
Das Ende aller Zivilisation ist hier,<br />
die Autowracks, die keiner wegräumt, Schrott.<br />
Der einzige, der hier was holt, ist Gott.<br />
Als einzige Erlösung bleibt das Bier.<br />
<br />
So wars, als gestern nacht die Männer soffen, <br />
den Abglanz fühlten einer bessren Zeit:<br />
Jetzt liegen die Betrunknen in den Hütten.<br />
<br />
Fürs Alltagsleben gibt’s hier nichts zu hoffen,<br />
das weiß das alte Weib, das regungslos inmitten<br />
der Flaschen sitzt seit einer Ewigkeit. <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Stillleben mit Flaschen</span><br />
(St. Marie, Provence)<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">2. Fassung</span><br />
<br />
Auf einem Zeltplatz in der Haut-Provence:<br />
Lavendelduft weht von den Feldern her.<br />
Zur Mittagszeit verliert sich der Verkehr,<br />
jetzt geht das Leben langsam, schläfrig, wie in Trance.<br />
<br />
Vom opulenten Picknick blieben nur die Flaschen,<br />
da jedermann es vorzog, sich nun abzukühlen.   <br />
So liegt man in den Zelten oder Wohnmobilen,<br />
lässt sich von keinem stören oder überraschen.<br />
 <br />
Gibt’s denn ein Foto von dem schönen Essen? <br />
Zu spät. Die Tafel aufgehoben. Ausgelassenheit<br />
und Stimmung längst passé. Und bald ists schon vergessen.<br />
 <br />
Viel später tauchte doch ein Foto auf. Wie groß<br />
war das Erstaunen über jene Nachbarin, die seinerzeit <br />
das Flaschenbild belebte, selber ahnungslos.<br />
<br />
<br />
Dirk Schindelbeck 2008]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Latina]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=951</link>
			<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 09:51:06 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=951</guid>
			<description><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/096.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 096.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Latina</span><br />
<br />
<br />
Latina, gerade den Kleidern entstiegen,<br />
den seidenen Strümpfen, der Bluse, dem Rock;<br />
wirft schwungvoll nach hinten das wilde Gelock<br />
der pechschwarzen Haare: ihr erstes Vergnügen.<br />
<br />
Ihr zweites: ihr Busen in seiner Kompaktheit,<br />
der voll sich erhebende Doppelvulkan.   <br />
Ihr drittes: die Nase, so stolz-himmelan:<br />
Latina, sie zeigt uns die ehrliche Nacktheit.  <br />
<br />
Was Latina nicht zeigt, ist ihr Feuer. Die Pose,<br />
die weiß sie zu halten, zu steigern, perfekt,<br />
als ob eine Marmorfigur in ihr steckt.<br />
<br />
So bist du, Latina. Dass keiner es wagt,<br />
dir an dein Geheimnis zu rühren, und sei’s auch nur lose - <br />
Denn in deiner Nacktheit ist alles gesagt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/096.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 096.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Latina</span><br />
<br />
<br />
Latina, gerade den Kleidern entstiegen,<br />
den seidenen Strümpfen, der Bluse, dem Rock;<br />
wirft schwungvoll nach hinten das wilde Gelock<br />
der pechschwarzen Haare: ihr erstes Vergnügen.<br />
<br />
Ihr zweites: ihr Busen in seiner Kompaktheit,<br />
der voll sich erhebende Doppelvulkan.   <br />
Ihr drittes: die Nase, so stolz-himmelan:<br />
Latina, sie zeigt uns die ehrliche Nacktheit.  <br />
<br />
Was Latina nicht zeigt, ist ihr Feuer. Die Pose,<br />
die weiß sie zu halten, zu steigern, perfekt,<br />
als ob eine Marmorfigur in ihr steckt.<br />
<br />
So bist du, Latina. Dass keiner es wagt,<br />
dir an dein Geheimnis zu rühren, und sei’s auch nur lose - <br />
Denn in deiner Nacktheit ist alles gesagt.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Straßenszene New York]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=948</link>
			<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 18:59:37 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=948</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm<br />
<br />
Straßenszene New York</span><br />
(1978)<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/094.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 094.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
Straßenszene in New York <br />
(2008)<br />
<br />
Geleert die Hochhausquader, die Verwaltungsblöcke,<br />
der Arbeitstakt der Stadt klingt aus; es steht Geruch<br />
von Angestellten in der Straßenschlucht. Die Ecke<br />
des Himmels über ihnen blakt wie graues Tuch.<br />
<br />
Gesichtspartikel, Leiber, wie vom Riesenstrom <br />
erfasst, die in den Feierabend weitertreiben,  <br />
ermüdet, schwer und ausgelaugt, Vertreter vom <br />
Geschlecht der Namenlosen, die stets unten bleiben<br />
<br />
den Leuchtreklamen ausgesetzt, die einen jeden<br />
von ihnen treffen, Bilder einer hellen Welt<br />
anpreisen, Mut und Abenteuer träufeln in die Seele.<br />
<br />
Und wie in Platons altem Gleichnis von der Höhle<br />
flirrt über allen Köpfen längst der Cowboy-Held:<br />
der schießt sich frei den Weg in das gelobte Eden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm<br />
<br />
Straßenszene New York</span><br />
(1978)<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/094.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 094.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
Straßenszene in New York <br />
(2008)<br />
<br />
Geleert die Hochhausquader, die Verwaltungsblöcke,<br />
der Arbeitstakt der Stadt klingt aus; es steht Geruch<br />
von Angestellten in der Straßenschlucht. Die Ecke<br />
des Himmels über ihnen blakt wie graues Tuch.<br />
<br />
Gesichtspartikel, Leiber, wie vom Riesenstrom <br />
erfasst, die in den Feierabend weitertreiben,  <br />
ermüdet, schwer und ausgelaugt, Vertreter vom <br />
Geschlecht der Namenlosen, die stets unten bleiben<br />
<br />
den Leuchtreklamen ausgesetzt, die einen jeden<br />
von ihnen treffen, Bilder einer hellen Welt<br />
anpreisen, Mut und Abenteuer träufeln in die Seele.<br />
<br />
Und wie in Platons altem Gleichnis von der Höhle<br />
flirrt über allen Köpfen längst der Cowboy-Held:<br />
der schießt sich frei den Weg in das gelobte Eden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Alaska]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=940</link>
			<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 15:36:34 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=940</guid>
			<description><![CDATA[Alaska (1979)<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/063.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 063.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
Alaska (2008)<br />
<br />
<br />
Kein Mensch wird ohne Not den Ort betreten,<br />
wo sich die Welt so krümmt, wo selbst der Tag,<br />
von einem gnadenlosen Eis-Planeten<br />
geschickt, am liebsten sofort wieder gehen mag.<br />
<br />
Hier krampft vor Schmerz das Holz. Der Frost ist radikal,<br />
der das Motorenöl verklumpt, den Müll. <br />
Kein Vogel in der Luft, kein menschliches Signal.<br />
Das Dorf wie tot. Und abgrundstill. <br />
<br />
Die Spiegelungen aber dauern ewig an,<br />
die Himmelsstücke in die Pfützen pressen,<br />
und monoton schleift Wind an Eisfiguren.<br />
<br />
Hier gibt es kein Erleben, kein Vergessen,<br />
hier decken Schlamm und Schnee die Lebensspuren, <br />
und nur die dürren Masten knistern dann und wann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Alaska (1979)<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/063.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 063.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
Alaska (2008)<br />
<br />
<br />
Kein Mensch wird ohne Not den Ort betreten,<br />
wo sich die Welt so krümmt, wo selbst der Tag,<br />
von einem gnadenlosen Eis-Planeten<br />
geschickt, am liebsten sofort wieder gehen mag.<br />
<br />
Hier krampft vor Schmerz das Holz. Der Frost ist radikal,<br />
der das Motorenöl verklumpt, den Müll. <br />
Kein Vogel in der Luft, kein menschliches Signal.<br />
Das Dorf wie tot. Und abgrundstill. <br />
<br />
Die Spiegelungen aber dauern ewig an,<br />
die Himmelsstücke in die Pfützen pressen,<br />
und monoton schleift Wind an Eisfiguren.<br />
<br />
Hier gibt es kein Erleben, kein Vergessen,<br />
hier decken Schlamm und Schnee die Lebensspuren, <br />
und nur die dürren Masten knistern dann und wann.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Zwei Frauen mit Hüten]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=939</link>
			<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 09:31:07 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=939</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm</span><br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/060.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 060.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Zwei Frauen mit Hüten</span><br />
<br />
Wer kennt all die Hüte, die Hutkreationen, <br />
gefältelt, gezwirbelt, gezupft und gedreht,<br />
zu Schmuck und Make-up als ein Premium-Paket,<br />
Phantasmagorien als Hut-Illusionen?  <br />
<br />
Die Stunden vorm Spiegel, wer kann sie belohnen?<br />
Das Aufsetzen dann, diese Kunst Silhouetten<br />
zu seidenen Türmen zu ziehen, als hätten<br />
Bordüren und Krempen nur Traum-Dimensionen...<br />
<br />
So geht es hinaus: wie die Damen sich neigen,<br />
dem Publikum Liebreiz und Anmut zu zeigen,<br />
mal scheu und mal huldreich, mal vornehm-subtil -<br />
<br />
auf einmal erfasst alle Reihen ein Knistern,<br />
verdrehen sich erste Gesichter schon lüstern<br />
und heimlich nach diesem entgrenzten Profil.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm</span><br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/060.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 060.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Zwei Frauen mit Hüten</span><br />
<br />
Wer kennt all die Hüte, die Hutkreationen, <br />
gefältelt, gezwirbelt, gezupft und gedreht,<br />
zu Schmuck und Make-up als ein Premium-Paket,<br />
Phantasmagorien als Hut-Illusionen?  <br />
<br />
Die Stunden vorm Spiegel, wer kann sie belohnen?<br />
Das Aufsetzen dann, diese Kunst Silhouetten<br />
zu seidenen Türmen zu ziehen, als hätten<br />
Bordüren und Krempen nur Traum-Dimensionen...<br />
<br />
So geht es hinaus: wie die Damen sich neigen,<br />
dem Publikum Liebreiz und Anmut zu zeigen,<br />
mal scheu und mal huldreich, mal vornehm-subtil -<br />
<br />
auf einmal erfasst alle Reihen ein Knistern,<br />
verdrehen sich erste Gesichter schon lüstern<br />
und heimlich nach diesem entgrenzten Profil.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Farbiger auf einem Parkplatz in New York]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=938</link>
			<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 07:18:38 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=938</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm</span><br />
<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/059.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 059.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Farbiger auf einem Parkplatz in New York</span> <br />
1982<br />
<br />
Die Ohnmacht und die Wut. Die Faust geballt,<br />
das Kinn gezeichnet. Oh, die weiße Rasse  <br />
versteht ihr Spielchen ungerührt und kalt. <br />
Da hilft kein Zeugnis, keine Extraklasse. <br />
<br />
Die Macht ist weiß, weiß wie das Geld der Bank,<br />
wie Fortschritt, Technik, Luxus und Erfolg -<br />
was irgend zählt, gehört nicht seinem Volk, <br />
das schwarz ist wie die Pfütze, der Gestank.     <br />
<br />
No Chance and never. Alles bleibt versteint,<br />
wie laut und wie energisch er auch pocht<br />
auf seine Rechte. Jede Macht den Weißen,<br />
<br />
deren Motoren seine Seele fast zerreißen,<br />
die unsichtbar sich aufbäumt vor dem Feind		 <br />
und hinter smarter Brille überkocht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm</span><br />
<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/059.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 059.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Farbiger auf einem Parkplatz in New York</span> <br />
1982<br />
<br />
Die Ohnmacht und die Wut. Die Faust geballt,<br />
das Kinn gezeichnet. Oh, die weiße Rasse  <br />
versteht ihr Spielchen ungerührt und kalt. <br />
Da hilft kein Zeugnis, keine Extraklasse. <br />
<br />
Die Macht ist weiß, weiß wie das Geld der Bank,<br />
wie Fortschritt, Technik, Luxus und Erfolg -<br />
was irgend zählt, gehört nicht seinem Volk, <br />
das schwarz ist wie die Pfütze, der Gestank.     <br />
<br />
No Chance and never. Alles bleibt versteint,<br />
wie laut und wie energisch er auch pocht<br />
auf seine Rechte. Jede Macht den Weißen,<br />
<br />
deren Motoren seine Seele fast zerreißen,<br />
die unsichtbar sich aufbäumt vor dem Feind		 <br />
und hinter smarter Brille überkocht.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Young Couple]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=937</link>
			<pubDate>Sun, 06 Apr 2008 15:09:26 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=937</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm </span><br />
(1911-1998)<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Young Couple</span><br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/057.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 057.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Am andern Morgen</span><br />
<br />
<br />
War da was gestern Abend? Alk, zuviel Alk,<br />
die schwüle Disco, Rauch, Musik und Schweiß,<br />
Lichtorgeln. Hände manschten Kerzentalg<br />
auf kleinen Tischchen. Plötzlich: geil und heiß <br />
<br />
das Blut. Zu Hause dann gevögelt, fast wie blöde,<br />
der Rest war Schweigen; irgendwann erschöpft<br />
in Schlaf gefallen; seltsam leer und öde<br />
erwacht am nächsten Morgen, seelisch zugeknöpft. <br />
<br />
Das Feuer aus, die Gier, die Lust. Der Fick<br />
voreilig, überflüssig. Selbstkritik:<br />
Was hat denn das gebracht? Schluss jetzt, es reicht - <br />
<br />
Und dennoch ist auf einmal nichts mehr wie<br />
zuvor. Schon der Gedanke: Wäre das doch nie<br />
passiert... Wie weiter? Kennt man sich? Vielleicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm </span><br />
(1911-1998)<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Young Couple</span><br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/057.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 057.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Am andern Morgen</span><br />
<br />
<br />
War da was gestern Abend? Alk, zuviel Alk,<br />
die schwüle Disco, Rauch, Musik und Schweiß,<br />
Lichtorgeln. Hände manschten Kerzentalg<br />
auf kleinen Tischchen. Plötzlich: geil und heiß <br />
<br />
das Blut. Zu Hause dann gevögelt, fast wie blöde,<br />
der Rest war Schweigen; irgendwann erschöpft<br />
in Schlaf gefallen; seltsam leer und öde<br />
erwacht am nächsten Morgen, seelisch zugeknöpft. <br />
<br />
Das Feuer aus, die Gier, die Lust. Der Fick<br />
voreilig, überflüssig. Selbstkritik:<br />
Was hat denn das gebracht? Schluss jetzt, es reicht - <br />
<br />
Und dennoch ist auf einmal nichts mehr wie<br />
zuvor. Schon der Gedanke: Wäre das doch nie<br />
passiert... Wie weiter? Kennt man sich? Vielleicht.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Straßenmusiker in New York]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=917</link>
			<pubDate>Thu, 27 Mar 2008 18:45:19 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=917</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm </span><br />
(1911-1998) <br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/024.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 024.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Straßenmusiker in New York </span>(1982)<br />
<br />
An hellen Sommernachmittagen, wenn Konturen<br />
der Riesenstadt sich unterm Abendhimmel schärfen,<br />
Passanten Schatten spitz wie Pappelreihen werfen,<br />
das Straßenpflaster glüht und glimmt wie von Glasuren <br />
<br />
aus letztem Zwielicht überkrustet, reißt der Strom  <br />
der Menschen, die noch streben in die Supermärkte,<br />
nicht ab. Kaum einer unter ihnen, der bemerkte,<br />
wie auf dem Pflaster plötzlich, fast wie ein Phantom <br />
<br />
ein Straßenmusiker sich quer zur Promenade <br />
platziert hat und Gitarre spielt. Doch die Akkorde<br />
verhallen kraftlos, und so zieht die Menschenhorde<br />
<br />
vorbei am für sich selbst nur spielenden Phantasten,<br />
dessen samtausgeschlagener Gitarrenkasten<br />
erleuchtet daliegt wie die leere Bundeslade.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm </span><br />
(1911-1998) <br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/024.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 024.jpg]" class="mycode_img" /><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Straßenmusiker in New York </span>(1982)<br />
<br />
An hellen Sommernachmittagen, wenn Konturen<br />
der Riesenstadt sich unterm Abendhimmel schärfen,<br />
Passanten Schatten spitz wie Pappelreihen werfen,<br />
das Straßenpflaster glüht und glimmt wie von Glasuren <br />
<br />
aus letztem Zwielicht überkrustet, reißt der Strom  <br />
der Menschen, die noch streben in die Supermärkte,<br />
nicht ab. Kaum einer unter ihnen, der bemerkte,<br />
wie auf dem Pflaster plötzlich, fast wie ein Phantom <br />
<br />
ein Straßenmusiker sich quer zur Promenade <br />
platziert hat und Gitarre spielt. Doch die Akkorde<br />
verhallen kraftlos, und so zieht die Menschenhorde<br />
<br />
vorbei am für sich selbst nur spielenden Phantasten,<br />
dessen samtausgeschlagener Gitarrenkasten<br />
erleuchtet daliegt wie die leere Bundeslade.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gerd Grimm: Junge Frau vorm Spiegel]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=908</link>
			<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 09:55:55 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=38">Dirk Schindelbeck</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=908</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm </span>1911-1998<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Junge Frau vorm Spiegel</span><br />
<br />
Ein Rest von alten Kindertagen, scheint’s, <br />
als kleine Nasen sich an Spiegeln pressten, <br />
den Zauberbildermacher auszutesten, <br />
liegt noch im Blick der jungen Frau, die eins <br />
  <br />
noch mit sich selbst nicht ist, noch prüft und schätzt,<br />
was ihr der Spiegel öffnet an Optionen,<br />
So dringt ihr Blick in tiefere Regionen <br />
des Spiegelabgrunds weiter vor. Doch jetzt,<br />
<br />
als ob sich eine völlig andere Person<br />
aus ihr herauslöst und sie kühl und fremd,<br />
ratlos zurücklässt vor der Spiegelwand - <br />
<br />
war dies die Zeit, die unberührt hiervon<br />
Gesicht und Gegenbild nicht wiederfand <br />
und unversehens blich ihr Baumwollhemd?<br />
<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/021.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 021.jpg]" class="mycode_img" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gerd Grimm </span>1911-1998<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Junge Frau vorm Spiegel</span><br />
<br />
Ein Rest von alten Kindertagen, scheint’s, <br />
als kleine Nasen sich an Spiegeln pressten, <br />
den Zauberbildermacher auszutesten, <br />
liegt noch im Blick der jungen Frau, die eins <br />
  <br />
noch mit sich selbst nicht ist, noch prüft und schätzt,<br />
was ihr der Spiegel öffnet an Optionen,<br />
So dringt ihr Blick in tiefere Regionen <br />
des Spiegelabgrunds weiter vor. Doch jetzt,<br />
<br />
als ob sich eine völlig andere Person<br />
aus ihr herauslöst und sie kühl und fremd,<br />
ratlos zurücklässt vor der Spiegelwand - <br />
<br />
war dies die Zeit, die unberührt hiervon<br />
Gesicht und Gegenbild nicht wiederfand <br />
und unversehens blich ihr Baumwollhemd?<br />
<br />
<br />
<img src="http://www.sonett-archiv.com/forum/images/attachments/021.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: 021.jpg]" class="mycode_img" />]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>