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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Karl Gottfried Ritter von Leitner]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 15:41:37 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Licht und Licht]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30106</link>
			<pubDate>Fri, 30 May 2025 04:01:57 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30106</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Licht und Licht</span><br />
<br />
<br />
Dein Grubenlicht, das mittels eines Schlages<br />
Sein Stahl hervor aus schlechtem Kiesel scheuchte,<br />
Erhellt dir sattsam – wie bisher dir deuchte –<br />
Die Wände deines eh’rnen Sarkophages.<br />
<br />
Doch selbstgenügsam stolzer Bergmann! Wag es<br />
Und steige mit der selbstgeschaffnen Leuchte<br />
Herauf aus deiner Felsgruft dunkler Feuchte<br />
Ans längstentwohnte Himmelslicht des Tages.<br />
<br />
O sieh, wie deiner Lampe Flammenlohe,<br />
die erst im Schoß der Nacht so siegesfrohe,<br />
Beim ersten Blick der Sonne muß ermatten.<br />
<br />
O sieh nur, sieh! – Die jüngst noch sonnenferne<br />
erschien gleich einem strahlenreichen Sterne,<br />
Anstatt der Strahlen wirft sie selbst nun – Schatten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Licht und Licht</span><br />
<br />
<br />
Dein Grubenlicht, das mittels eines Schlages<br />
Sein Stahl hervor aus schlechtem Kiesel scheuchte,<br />
Erhellt dir sattsam – wie bisher dir deuchte –<br />
Die Wände deines eh’rnen Sarkophages.<br />
<br />
Doch selbstgenügsam stolzer Bergmann! Wag es<br />
Und steige mit der selbstgeschaffnen Leuchte<br />
Herauf aus deiner Felsgruft dunkler Feuchte<br />
Ans längstentwohnte Himmelslicht des Tages.<br />
<br />
O sieh, wie deiner Lampe Flammenlohe,<br />
die erst im Schoß der Nacht so siegesfrohe,<br />
Beim ersten Blick der Sonne muß ermatten.<br />
<br />
O sieh nur, sieh! – Die jüngst noch sonnenferne<br />
erschien gleich einem strahlenreichen Sterne,<br />
Anstatt der Strahlen wirft sie selbst nun – Schatten.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Veilchen auf das Grab]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30105</link>
			<pubDate>Wed, 28 May 2025 07:39:58 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30105</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Veilchen auf das Grab<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">der jungen Mutter Josephine W**<br />
und ihres Kindes</span></span><br />
<br />
Kaum steigt vom heitern Spiel der Engel nieder<br />
Die süße Kleine auf die rauhe Erde;<br />
So nahet Leiden schon ihr und Beschwerde,<br />
Und sie entflieht zur alten Heimat wieder.<br />
<br />
Da rüttelt heißer Frost der Mutter Glieder,<br />
Daß frei von Banden bald die Seele werde,<br />
Die leise schon mit sehnender Gebärde,<br />
Dem Flüchtling nach, erhebet ihr Gefieder.<br />
<br />
Und sieh! — der treue Gatte steht in Trä'nen.<br />
Sie ist hinweg! — und nur im Blauen oben<br />
Schwebt noch das Goldgewölk, das sie erhoben.<br />
<br />
Nun trauern wohl, die hier nach ihr sich sehnen,<br />
Sie aber hält ihr teu'res Kind, entzücket,<br />
Das Neugefund'ne — an das Herz gedrückte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Veilchen auf das Grab<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">der jungen Mutter Josephine W**<br />
und ihres Kindes</span></span><br />
<br />
Kaum steigt vom heitern Spiel der Engel nieder<br />
Die süße Kleine auf die rauhe Erde;<br />
So nahet Leiden schon ihr und Beschwerde,<br />
Und sie entflieht zur alten Heimat wieder.<br />
<br />
Da rüttelt heißer Frost der Mutter Glieder,<br />
Daß frei von Banden bald die Seele werde,<br />
Die leise schon mit sehnender Gebärde,<br />
Dem Flüchtling nach, erhebet ihr Gefieder.<br />
<br />
Und sieh! — der treue Gatte steht in Trä'nen.<br />
Sie ist hinweg! — und nur im Blauen oben<br />
Schwebt noch das Goldgewölk, das sie erhoben.<br />
<br />
Nun trauern wohl, die hier nach ihr sich sehnen,<br />
Sie aber hält ihr teu'res Kind, entzücket,<br />
Das Neugefund'ne — an das Herz gedrückte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Jungfrauen Gang zum Grabe]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30104</link>
			<pubDate>Mon, 26 May 2025 06:50:13 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30104</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der Jungfrauen Gang zum Grabe</span><br />
<br />
Im frühen Morgenrot des ersten Maien<br />
Sah' ich zwei Jungfrau'n nach den Gräbern gehen,<br />
Der Erde großes, heil'ges Auferstehen<br />
Schien unbeachtet von den stillen Zweien.<br />
<br />
Sie trugen Blumen, diese Ihr zu weihen,<br />
Die ausgerungen mit des Lebens Wehen;<br />
Auch konnt' ich Tränen in den Augen sehen,<br />
Der Toten wohl die liebsten Spezereien.<br />
<br />
Doch wie sie rasch auf neu begrünten Wegen<br />
Sich näherten mit sehnsuchtvollem Eilen,<br />
Sah'n eine Lilie sie am Grabe weilen.<br />
<br />
Die nickte hold den Kommenden entgegen,<br />
Dem Engel gleich, in lichten Schneegewanden,<br />
Und sagte: Die ihr sucht, ist längst erstanden!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der Jungfrauen Gang zum Grabe</span><br />
<br />
Im frühen Morgenrot des ersten Maien<br />
Sah' ich zwei Jungfrau'n nach den Gräbern gehen,<br />
Der Erde großes, heil'ges Auferstehen<br />
Schien unbeachtet von den stillen Zweien.<br />
<br />
Sie trugen Blumen, diese Ihr zu weihen,<br />
Die ausgerungen mit des Lebens Wehen;<br />
Auch konnt' ich Tränen in den Augen sehen,<br />
Der Toten wohl die liebsten Spezereien.<br />
<br />
Doch wie sie rasch auf neu begrünten Wegen<br />
Sich näherten mit sehnsuchtvollem Eilen,<br />
Sah'n eine Lilie sie am Grabe weilen.<br />
<br />
Die nickte hold den Kommenden entgegen,<br />
Dem Engel gleich, in lichten Schneegewanden,<br />
Und sagte: Die ihr sucht, ist längst erstanden!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der alte Gott]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30103</link>
			<pubDate>Fri, 23 May 2025 23:48:54 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30103</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der alte Gott</span><br />
<br />
Zum Gott jetzt haben mit gelehrten Brauen<br />
Sie "All" und "Ich" und was weiß ich? gemacht.<br />
Und beten nicht zu ihm? Wozu erdacht<br />
Ist dann ein Gott, auf den sie nicht vertrauen?<br />
<br />
Er ist's doch, dem sie ihre Tempel bauen,<br />
Der sie im Elend stärkt, im Glück bewacht,<br />
Aus Zweifelsqual erlöst und aus der Nacht<br />
Des Grabes rettet — Nicht? Mich faßt ein Grauen!<br />
<br />
O laßt am alten, treuen Gott mich halten,<br />
Zu dem ich hoffend darf die Hände falten,<br />
Und "Vater" rufen, wie ein Kind es ruft;<br />
<br />
Der all' mein Haar gezählt und jede Zähre,<br />
Der gegen Tod und Teufel steht zur Wehre<br />
Und siegreich aufsprengt meiner Toten Gruft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Der alte Gott</span><br />
<br />
Zum Gott jetzt haben mit gelehrten Brauen<br />
Sie "All" und "Ich" und was weiß ich? gemacht.<br />
Und beten nicht zu ihm? Wozu erdacht<br />
Ist dann ein Gott, auf den sie nicht vertrauen?<br />
<br />
Er ist's doch, dem sie ihre Tempel bauen,<br />
Der sie im Elend stärkt, im Glück bewacht,<br />
Aus Zweifelsqual erlöst und aus der Nacht<br />
Des Grabes rettet — Nicht? Mich faßt ein Grauen!<br />
<br />
O laßt am alten, treuen Gott mich halten,<br />
Zu dem ich hoffend darf die Hände falten,<br />
Und "Vater" rufen, wie ein Kind es ruft;<br />
<br />
Der all' mein Haar gezählt und jede Zähre,<br />
Der gegen Tod und Teufel steht zur Wehre<br />
Und siegreich aufsprengt meiner Toten Gruft.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Das Bildnis]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30102</link>
			<pubDate>Thu, 22 May 2025 08:35:06 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30102</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Das Bildnis</span><br />
<br />
Sie sind's, sie sind's die Augen meiner Schönen,<br />
Die schmachtend, selbst gemalt mich noch besiegen;<br />
Ein heimlich Küßchen scheint ihr Mund zu wiegen,<br />
Und Schmeichelworte, deucht mir, hör' ich tönen.<br />
<br />
Ja! dieses Bild kann jedes Spiegels höhnen;<br />
Sein trüber Schatten würde leichter triegen.<br />
O könnte dankend an die Brust ich fliegen<br />
Dir, Maler! — Stern von allen Musensohnen!<br />
<br />
Jedoch, — hm, hm! — je mehr ich mich besinne,<br />
Und nachzugrübeln ob der Sach' beginne,<br />
Jemehr durchschaut mein scharfer Blick den Schleier.<br />
<br />
Sieh doch! So also lachte sie, so strahlte<br />
Das Sternenauge ihr, als er sie malte<br />
Der junge Kleckser? — Ei! hol' ihn der Geier!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Das Bildnis</span><br />
<br />
Sie sind's, sie sind's die Augen meiner Schönen,<br />
Die schmachtend, selbst gemalt mich noch besiegen;<br />
Ein heimlich Küßchen scheint ihr Mund zu wiegen,<br />
Und Schmeichelworte, deucht mir, hör' ich tönen.<br />
<br />
Ja! dieses Bild kann jedes Spiegels höhnen;<br />
Sein trüber Schatten würde leichter triegen.<br />
O könnte dankend an die Brust ich fliegen<br />
Dir, Maler! — Stern von allen Musensohnen!<br />
<br />
Jedoch, — hm, hm! — je mehr ich mich besinne,<br />
Und nachzugrübeln ob der Sach' beginne,<br />
Jemehr durchschaut mein scharfer Blick den Schleier.<br />
<br />
Sieh doch! So also lachte sie, so strahlte<br />
Das Sternenauge ihr, als er sie malte<br />
Der junge Kleckser? — Ei! hol' ihn der Geier!]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An ihre verklärten Geschwister]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30101</link>
			<pubDate>Tue, 20 May 2025 07:24:16 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30101</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An ihre verklärten Geschwister<br />
über deren Tod sie sich sehr grämte</span><br />
<br />
Dort sitzt sie träumerisch im Sternenlichte<br />
In Thränen einsam, mit erblich'nen Wangen,<br />
Die Haare läßt sie los hernieder hangen,<br />
Zu matt, daß sie die schön Verworr'nen schlichte.<br />
<br />
Sie lächelt still', als ob sie im Gesichte<br />
Die Lieben säh', die ihr voraus gegangen,<br />
Und dieses Lächeln macht mich tief erbangen,<br />
Daß jenen zu sie sternen-aufwärts flüchte.<br />
<br />
O winket, winket nicht, ihr Glanzgestalten!<br />
Nicht könnte sie mein schwacher Arm erhalten,<br />
Wollt' ihrer Sehnsucht Flug empor sie heben.<br />
<br />
Um Gott! - winkt nicht! - Der Engel viel umschweben<br />
Ihr Sel'gen, euch in heil'gen Palmenhainen,<br />
O gönnt auf rauher Erde mir - den Einen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An ihre verklärten Geschwister<br />
über deren Tod sie sich sehr grämte</span><br />
<br />
Dort sitzt sie träumerisch im Sternenlichte<br />
In Thränen einsam, mit erblich'nen Wangen,<br />
Die Haare läßt sie los hernieder hangen,<br />
Zu matt, daß sie die schön Verworr'nen schlichte.<br />
<br />
Sie lächelt still', als ob sie im Gesichte<br />
Die Lieben säh', die ihr voraus gegangen,<br />
Und dieses Lächeln macht mich tief erbangen,<br />
Daß jenen zu sie sternen-aufwärts flüchte.<br />
<br />
O winket, winket nicht, ihr Glanzgestalten!<br />
Nicht könnte sie mein schwacher Arm erhalten,<br />
Wollt' ihrer Sehnsucht Flug empor sie heben.<br />
<br />
Um Gott! - winkt nicht! - Der Engel viel umschweben<br />
Ihr Sel'gen, euch in heil'gen Palmenhainen,<br />
O gönnt auf rauher Erde mir - den Einen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Weltansicht]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30100</link>
			<pubDate>Tue, 08 Oct 2024 08:47:57 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30100</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Weltansicht</span><br />
<br />
Bin ich mit dir, du Fraue mein, entzweyet,<br />
Und däucht getrübt mir deines Bildes Reine;<br />
Den Besten wähn', - ob ich darob auch weine, -<br />
Ich dann von argen Mängeln nicht befreyet.<br />
<br />
Doch schwebst du licht, von Zweifeln nicht entweihet,<br />
Auf Fittichen vor mir im Heil'gen-Scheine,<br />
Dann blüht um mich ein Paradies, ich meine<br />
Im Lasterkreis von Engeln mich umreihet.<br />
<br />
So, wenn Gewölk der Sonne Glanz verdunkelt,<br />
Verwelkt auch des Rubines Feuerrose,<br />
Und selbst des Diamanten Blitz verblühet;<br />
<br />
Doch, wenn ihr heilig Licht entschleyert funkelt,<br />
Dann strahlt es rings, und als Juwele sprühet<br />
Und flammt der staubgetrübte Thau im Moose.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Weltansicht</span><br />
<br />
Bin ich mit dir, du Fraue mein, entzweyet,<br />
Und däucht getrübt mir deines Bildes Reine;<br />
Den Besten wähn', - ob ich darob auch weine, -<br />
Ich dann von argen Mängeln nicht befreyet.<br />
<br />
Doch schwebst du licht, von Zweifeln nicht entweihet,<br />
Auf Fittichen vor mir im Heil'gen-Scheine,<br />
Dann blüht um mich ein Paradies, ich meine<br />
Im Lasterkreis von Engeln mich umreihet.<br />
<br />
So, wenn Gewölk der Sonne Glanz verdunkelt,<br />
Verwelkt auch des Rubines Feuerrose,<br />
Und selbst des Diamanten Blitz verblühet;<br />
<br />
Doch, wenn ihr heilig Licht entschleyert funkelt,<br />
Dann strahlt es rings, und als Juwele sprühet<br />
Und flammt der staubgetrübte Thau im Moose.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Wiedersehen]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30099</link>
			<pubDate>Sun, 06 Oct 2024 05:46:48 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30099</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Wiedersehen</span><br />
<br />
Vom Scheiden hab' ich manches Lied gesungen,<br />
Auf Trauerklängen mich voll Wehmuth wiegend;<br />
Doch ist, der Worte Sprödigkeit besiegend,<br />
Noch keines mir vom Wiederseh'n gelungen.<br />
<br />
Wenn sie voll Jubel kommt einher gesprungen,<br />
Die Wangen hoch entglüht, die Locken fliegend,<br />
Und ach! dem wilden Wonnesturm erliegend,<br />
Stumm weinend, hält den Weinenden umschlungen;<br />
<br />
O wer vermag die Seligkeit zu nennen,<br />
Zu der zwey treue Herzen dann entbrennen?<br />
Nur Engellippen sängen solch Entzücken.<br />
<br />
Dem Menschen ist nur Schmerz und Sehnsucht eigen,<br />
Und wenn sich ihm die Himmel offen zeigen,<br />
Darf er's verrathen nur mit stummen Blicken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Wiedersehen</span><br />
<br />
Vom Scheiden hab' ich manches Lied gesungen,<br />
Auf Trauerklängen mich voll Wehmuth wiegend;<br />
Doch ist, der Worte Sprödigkeit besiegend,<br />
Noch keines mir vom Wiederseh'n gelungen.<br />
<br />
Wenn sie voll Jubel kommt einher gesprungen,<br />
Die Wangen hoch entglüht, die Locken fliegend,<br />
Und ach! dem wilden Wonnesturm erliegend,<br />
Stumm weinend, hält den Weinenden umschlungen;<br />
<br />
O wer vermag die Seligkeit zu nennen,<br />
Zu der zwey treue Herzen dann entbrennen?<br />
Nur Engellippen sängen solch Entzücken.<br />
<br />
Dem Menschen ist nur Schmerz und Sehnsucht eigen,<br />
Und wenn sich ihm die Himmel offen zeigen,<br />
Darf er's verrathen nur mit stummen Blicken.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die schlummernde Entzweyte]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30098</link>
			<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 22:04:46 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30098</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die schlummernde Entzweyte</span><br />
<br />
Sie schläft; - der zarte Mund, die lieben, blassen,<br />
Gegrübten Wangen lächeln süßen Frieden.<br />
Nicht hätt' ich einst den frommen Scherz gemieden,<br />
Erweckend sie, und küssend zu umfassen.<br />
<br />
Doch ach! - seit ihre Huld mich strenge hat verlassen,<br />
Blüht nimmermehr mir solches Glück hiernieden,<br />
Mit ihr entzweyt, und von mir selbst geschieden,<br />
Bekämpfe ohne Sieg' ich Lieb' und Hassen.<br />
<br />
Wohl leidet sie mit mir, die gute Seele! -<br />
Und blickt, daß nicht zu grausam sie mich quäle,<br />
Noch oft nach mir gar lieb und freundlich hold.<br />
<br />
Und wenn auch flüchtig, - solcher Schmach zu dienen, -<br />
Den alten Stolz empört, - ach! Aug' und Mienen<br />
Erbetteln doch den kleinen Gnadensold.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die schlummernde Entzweyte</span><br />
<br />
Sie schläft; - der zarte Mund, die lieben, blassen,<br />
Gegrübten Wangen lächeln süßen Frieden.<br />
Nicht hätt' ich einst den frommen Scherz gemieden,<br />
Erweckend sie, und küssend zu umfassen.<br />
<br />
Doch ach! - seit ihre Huld mich strenge hat verlassen,<br />
Blüht nimmermehr mir solches Glück hiernieden,<br />
Mit ihr entzweyt, und von mir selbst geschieden,<br />
Bekämpfe ohne Sieg' ich Lieb' und Hassen.<br />
<br />
Wohl leidet sie mit mir, die gute Seele! -<br />
Und blickt, daß nicht zu grausam sie mich quäle,<br />
Noch oft nach mir gar lieb und freundlich hold.<br />
<br />
Und wenn auch flüchtig, - solcher Schmach zu dienen, -<br />
Den alten Stolz empört, - ach! Aug' und Mienen<br />
Erbetteln doch den kleinen Gnadensold.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Nachtwache]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30096</link>
			<pubDate>Mon, 30 Sep 2024 07:33:35 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30096</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nachtwache</span><br />
<br />
Still geht der Mond, und Schlaf und Frieden gleiten<br />
Aus silberlichten Wolken tröstend nieder,<br />
Nur ich, - ich wache, sinne, klage wieder,<br />
Und meiner Hand erzittern leis die Saiten.<br />
<br />
Ach! sie, nach der's mich zieht in ferne Weiten,<br />
Sie schloß wohl, auch die ros'gen Augenlieder.<br />
O ruhe sanft! mit weichem Goldgefieder<br />
Mög' zaub'risch dich ein schöner Traum umbreiten.<br />
<br />
Ein liebes Bild soll kosend dich umwehen,<br />
Ein Jünglingsbild; - doch meines nicht, zu sehen<br />
Sollst du den schon vielleicht Erwählten meinen.<br />
<br />
Dann wird sich süß dein banges Sehnen stillen,<br />
Ein selig Lächeln wird die Lippen füllen,<br />
Und lächelst du nur, will ich gerne weinen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Nachtwache</span><br />
<br />
Still geht der Mond, und Schlaf und Frieden gleiten<br />
Aus silberlichten Wolken tröstend nieder,<br />
Nur ich, - ich wache, sinne, klage wieder,<br />
Und meiner Hand erzittern leis die Saiten.<br />
<br />
Ach! sie, nach der's mich zieht in ferne Weiten,<br />
Sie schloß wohl, auch die ros'gen Augenlieder.<br />
O ruhe sanft! mit weichem Goldgefieder<br />
Mög' zaub'risch dich ein schöner Traum umbreiten.<br />
<br />
Ein liebes Bild soll kosend dich umwehen,<br />
Ein Jünglingsbild; - doch meines nicht, zu sehen<br />
Sollst du den schon vielleicht Erwählten meinen.<br />
<br />
Dann wird sich süß dein banges Sehnen stillen,<br />
Ein selig Lächeln wird die Lippen füllen,<br />
Und lächelst du nur, will ich gerne weinen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[In der Alpenhütte]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30095</link>
			<pubDate>Sat, 28 Sep 2024 08:09:19 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30095</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">In der Alpenhütte</span><br />
<br />
Noch seh' ich dich, von stiller Huld umfangen,<br />
Im engen Hüttchen an der Alpe Rain,<br />
Der Senninn Kind vor dir im Wiegenschrein<br />
Mit rosigen, vom Schlaf gemahlten Wangen.<br />
<br />
Du hobst es auf, und deine Arme schlangen<br />
Entzückt es an die Brust, du kos'test sein,<br />
Und sangest leis', und küßtest, - lieb und klein,<br />
Die Händchen ihm, die spielend mit dir rangen.<br />
<br />
Ich wußte nicht, wie selig mir geschehen,<br />
Es war, als sey in armer Hirten Hütte<br />
Zum zweyten Mahl ein Wunder uns erschienen.<br />
<br />
So schönes, Heil'ges hatt' ich nie gesehen!<br />
Jungfräulichkeit in jedes Reitzes Blüthe,<br />
Und Mutterzärtlichkeit in Aug' und Mienen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">In der Alpenhütte</span><br />
<br />
Noch seh' ich dich, von stiller Huld umfangen,<br />
Im engen Hüttchen an der Alpe Rain,<br />
Der Senninn Kind vor dir im Wiegenschrein<br />
Mit rosigen, vom Schlaf gemahlten Wangen.<br />
<br />
Du hobst es auf, und deine Arme schlangen<br />
Entzückt es an die Brust, du kos'test sein,<br />
Und sangest leis', und küßtest, - lieb und klein,<br />
Die Händchen ihm, die spielend mit dir rangen.<br />
<br />
Ich wußte nicht, wie selig mir geschehen,<br />
Es war, als sey in armer Hirten Hütte<br />
Zum zweyten Mahl ein Wunder uns erschienen.<br />
<br />
So schönes, Heil'ges hatt' ich nie gesehen!<br />
Jungfräulichkeit in jedes Reitzes Blüthe,<br />
Und Mutterzärtlichkeit in Aug' und Mienen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Beruf zum Minnesang]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30094</link>
			<pubDate>Thu, 26 Sep 2024 08:13:55 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30094</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Beruf zum Minnesang</span><br />
<br />
Mit Rosen am Barett, gleich einem Freyer,<br />
Entstieg ein Harfner jüngst dem dunklen Blauen,<br />
Der Ulrich war's von Lichtenstein, der Frauen<br />
Berühmter Sänger, noch der Nachtwelt theuer.<br />
<br />
"Wie du daheim im schönen Lande Steyer,<br />
Sang freudig in der Vorzeit fernsten Grauen<br />
Der Frauen Lob ich schon in diesen Gauen;<br />
So sing' auch du zu deiner Holden Feyer."<br />
<br />
Er sprach's, und reichte freundlich im Entschweben<br />
Die eig'ne Harfe mir. Ich wagte lange<br />
Zu rühren nicht der edlen Saiten Gitter;<br />
<br />
Da riß es jäh mich mächtig hin zum Sange.<br />
Der hohe Meister möge nun vergeben,<br />
Wenn Lehrlingshand entweiht die heil'ge Zither.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Beruf zum Minnesang</span><br />
<br />
Mit Rosen am Barett, gleich einem Freyer,<br />
Entstieg ein Harfner jüngst dem dunklen Blauen,<br />
Der Ulrich war's von Lichtenstein, der Frauen<br />
Berühmter Sänger, noch der Nachtwelt theuer.<br />
<br />
"Wie du daheim im schönen Lande Steyer,<br />
Sang freudig in der Vorzeit fernsten Grauen<br />
Der Frauen Lob ich schon in diesen Gauen;<br />
So sing' auch du zu deiner Holden Feyer."<br />
<br />
Er sprach's, und reichte freundlich im Entschweben<br />
Die eig'ne Harfe mir. Ich wagte lange<br />
Zu rühren nicht der edlen Saiten Gitter;<br />
<br />
Da riß es jäh mich mächtig hin zum Sange.<br />
Der hohe Meister möge nun vergeben,<br />
Wenn Lehrlingshand entweiht die heil'ge Zither.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[In Pisa (2)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30107</link>
			<pubDate>Sat, 31 Aug 2024 06:08:44 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30107</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> In Pisa</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Krankheit</span><br />
 <br />
Wild braust Südwestwind; spukhaft im Kamine<br />
Erwacht ein Wimmern; Tür und Fenster streben<br />
Aus Füg’ und Angel; ein gespenstisch Leben<br />
Durchtobt das Haus, als würd’ es zur Ruine.<br />
<br />
Aufflackert jäh des Krankenbetts Gardine<br />
Scheu flackt das Lampenlicht, als wollts entschweben;<br />
Und, daß dein Lebensflämmchen selbst ein Beben<br />
erfaßt, verrät mir deine Leidensmiene.<br />
<br />
Nun legt der Aufruhr sich in Haus und Gassen,<br />
Glatt wieder fließt der Arno und gelassen;<br />
Nur deiner Adern Flut noch jagt im Sturme.<br />
<br />
Ich sitze still bei dir; doch tönt vom Turme<br />
Zu San Pietro hohl der Ruf der Glocken –<br />
Zuckt bang mein Herz, daß mir die Pulse stocken.<br />
 <br />
 <br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tod</span><br />
<br />
Zu Ende ging die Nacht, am Äthersaume<br />
Brach matt die Dämmrung an; doch du, die immer<br />
Mit Ungeduld ersehnt des Tages Schimmer,<br />
Lagst teilnahmslos in deiner Kissen Flaume.<br />
 <br />
Da zuckte leis dein mund, umher im Raume<br />
Wie grüßend wandtest du des Auges Flimmer,<br />
Riefst teure Namen, froh, als trät ins Zimmer<br />
Manch lieber Gast längst nur erblickt im Traume.<br />
<br />
Entzückt vernahmst du sel’ge Harmonien,<br />
Sahst hold vor dir verklärte Blumenwiesen,<br />
Und lächelnd dann entwalltest du auf diesen. –<br />
<br />
Ich aber lag gebrochen auf den Knien,<br />
Die Arme nachgestreckt mit glühndem sehnen,<br />
Und flehte fruchtlos: Bleib! mit tausend Tränen.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> In Pisa</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><br />
Krankheit</span><br />
 <br />
Wild braust Südwestwind; spukhaft im Kamine<br />
Erwacht ein Wimmern; Tür und Fenster streben<br />
Aus Füg’ und Angel; ein gespenstisch Leben<br />
Durchtobt das Haus, als würd’ es zur Ruine.<br />
<br />
Aufflackert jäh des Krankenbetts Gardine<br />
Scheu flackt das Lampenlicht, als wollts entschweben;<br />
Und, daß dein Lebensflämmchen selbst ein Beben<br />
erfaßt, verrät mir deine Leidensmiene.<br />
<br />
Nun legt der Aufruhr sich in Haus und Gassen,<br />
Glatt wieder fließt der Arno und gelassen;<br />
Nur deiner Adern Flut noch jagt im Sturme.<br />
<br />
Ich sitze still bei dir; doch tönt vom Turme<br />
Zu San Pietro hohl der Ruf der Glocken –<br />
Zuckt bang mein Herz, daß mir die Pulse stocken.<br />
 <br />
 <br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tod</span><br />
<br />
Zu Ende ging die Nacht, am Äthersaume<br />
Brach matt die Dämmrung an; doch du, die immer<br />
Mit Ungeduld ersehnt des Tages Schimmer,<br />
Lagst teilnahmslos in deiner Kissen Flaume.<br />
 <br />
Da zuckte leis dein mund, umher im Raume<br />
Wie grüßend wandtest du des Auges Flimmer,<br />
Riefst teure Namen, froh, als trät ins Zimmer<br />
Manch lieber Gast längst nur erblickt im Traume.<br />
<br />
Entzückt vernahmst du sel’ge Harmonien,<br />
Sahst hold vor dir verklärte Blumenwiesen,<br />
Und lächelnd dann entwalltest du auf diesen. –<br />
<br />
Ich aber lag gebrochen auf den Knien,<br />
Die Arme nachgestreckt mit glühndem sehnen,<br />
Und flehte fruchtlos: Bleib! mit tausend Tränen.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Blumen am Fenster (2)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30097</link>
			<pubDate>Wed, 21 Aug 2024 08:13:42 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=30097</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Blumen am Fenster<br />
<br />
1.</span><br />
<br />
Seit grauer Zeit klang mancher Harfe Gold<br />
Vom Mayenmond in fröhlichen Ergüssen,<br />
Und seinen Blumen, wie der Traub', den Küssen,<br />
War stets das heit're Volk der Sänger hold.<br />
<br />
Doch euch, die ihr in böser Elfen Sold<br />
So üppig sproßt am Fenster meiner Süßen,<br />
Euch kann ich nicht mit Freundesworten grüßen<br />
Nach altem Brauch, - wie gern' ich auch gewollt.<br />
<br />
Was berget ihr, voll neidischem Bemühen,<br />
Mit dichtem Laubgehäg' und hohen Ranken,<br />
Was sehnend sucht mein liebendwirrer Blick?<br />
<br />
Er späht umsonst! Ach! - Fort, ihr mögt verblühen!<br />
Entraffe sie, o Nord! - ich will dir's danken.<br />
Was raubt ihr mir mein still-unschuldig Glück! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2.</span><br />
<br />
Wie öd ist mir, seit dort die Blumen prangen!<br />
Süßtrunken irrte sonst, - wie eine Bien'<br />
Um Rosen, wie die Lerch' um das Karmin<br />
Des Frühgewölks, - mein Blick um ihre Wangen.<br />
<br />
Ach! Alles, selbst das selige Erbangen<br />
Im Wechselspiel mit ihrem Aug' ist hin! -<br />
Fürwahr! ich tilge selbst dieß freche Grün,<br />
Will nicht der Sturm nach seiner Beute langen.<br />
<br />
Ich tödten euch, ihr Blumen? - Nie, o nie!<br />
Blüht lustig fort! - Du Nacht bethaue sie,<br />
Und halte mild den rauhen Hauch zurück.<br />
<br />
Wie könnt' ich doch den Engelblick ertragen,<br />
Wenn sie betrübt, doch sanft mich würde fragen:<br />
Was raubst du mir mein still-unschuldig Glück? -]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Blumen am Fenster<br />
<br />
1.</span><br />
<br />
Seit grauer Zeit klang mancher Harfe Gold<br />
Vom Mayenmond in fröhlichen Ergüssen,<br />
Und seinen Blumen, wie der Traub', den Küssen,<br />
War stets das heit're Volk der Sänger hold.<br />
<br />
Doch euch, die ihr in böser Elfen Sold<br />
So üppig sproßt am Fenster meiner Süßen,<br />
Euch kann ich nicht mit Freundesworten grüßen<br />
Nach altem Brauch, - wie gern' ich auch gewollt.<br />
<br />
Was berget ihr, voll neidischem Bemühen,<br />
Mit dichtem Laubgehäg' und hohen Ranken,<br />
Was sehnend sucht mein liebendwirrer Blick?<br />
<br />
Er späht umsonst! Ach! - Fort, ihr mögt verblühen!<br />
Entraffe sie, o Nord! - ich will dir's danken.<br />
Was raubt ihr mir mein still-unschuldig Glück! <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2.</span><br />
<br />
Wie öd ist mir, seit dort die Blumen prangen!<br />
Süßtrunken irrte sonst, - wie eine Bien'<br />
Um Rosen, wie die Lerch' um das Karmin<br />
Des Frühgewölks, - mein Blick um ihre Wangen.<br />
<br />
Ach! Alles, selbst das selige Erbangen<br />
Im Wechselspiel mit ihrem Aug' ist hin! -<br />
Fürwahr! ich tilge selbst dieß freche Grün,<br />
Will nicht der Sturm nach seiner Beute langen.<br />
<br />
Ich tödten euch, ihr Blumen? - Nie, o nie!<br />
Blüht lustig fort! - Du Nacht bethaue sie,<br />
Und halte mild den rauhen Hauch zurück.<br />
<br />
Wie könnt' ich doch den Engelblick ertragen,<br />
Wenn sie betrübt, doch sanft mich würde fragen:<br />
Was raubst du mir mein still-unschuldig Glück? -]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>