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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Ernst Ludwig Rochholz]]></title>
		<link>https://sonett-archiv.com/forum/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-archiv.com/forum]]></description>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 15:38:52 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Dem Genius und Ideal (10)]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=26109</link>
			<pubDate>Wed, 29 Nov 2023 08:23:39 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=26109</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Dem Genius und Ideal<br />
<br />
1.</span><br />
<br />
Es weht ein hehrer Laut aus allen Landen,<br />
Und Lieder opfern alle Ewigkeiten,<br />
Denn eine Harfe schwamm im Strom der Zeiten,<br />
Die hochbegeisterte Rhapsoden fanden.<br />
<br />
Unwissend, ob ich einer der Gsandten,<br />
Die im Gesange zarte Wunder deuten,<br />
Schlug ich erkühnt in jene goldnen Saiten,<br />
Die Unvergänglichen den Lorber wanden.<br />
<br />
Dein frommer Ernst zwar hat es mir verboten,<br />
Daß ich der Welt das Reinste übergebe,<br />
Die heil'ge Jugendfülle jenen Todten;<br />
<br />
Verzeih' mir, wenn ich doch erglühend strebe,<br />
Dich zu umjubeln mit der Liebe Oden.<br />
Daß Deine Schönheit noch Aeonen lebe.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2.</span><br />
<br />
Zwei Frühlinge berosen unser Leben,<br />
Die Freundschaft und der Liebe Schwärmereien;<br />
Wie aber, wenn die Kronen dieser Maien<br />
Vereint den höchsten Lenzesausdruck geben?<br />
<br />
Bald welkt die Liebe an den morschen Stäben<br />
Der Leidenschaft, und wenn nach sorgenfreien<br />
Ergüssen Jahre unser Haupt beschneien,<br />
Schwankt auch die Freundschaft gleich verdorrten Reben.<br />
<br />
Der Jüngling aber paart die Frühlingsfalter:<br />
Geizloser Jugend jauchzende Gefühle<br />
Mit Heldenliebe aus dem Mannesalter.<br />
<br />
Du führest mich zu diesem hohen Ziele,<br />
Nun säuseln meine wonnevollen Psalter<br />
Um Deins Leibes zarte Blumenspiele.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">3.</span><br />
<br />
Du staunst, daß meine Jugend schon gedichtet,<br />
Und weißt, wie liederreich die Schwalben waren,<br />
Bevor sie noch zum kecken Meerbefahren<br />
Ihr buntgeflaumtes Ankerpaar gelichtet.<br />
<br />
Der Buhle Mai trägt, wie ich Dir berichtet,<br />
Den Flammenkranz von Rosen in den Haaren,<br />
Sahst Du, wie viel er auch der Unfruchtbaren,<br />
Bevor er diese Krone flocht, vernichtet?<br />
<br />
Solch strenge Auswahl ward mir zum Exempel,<br />
Daß ich, von Schrankenlosen unbestochen,<br />
Frühzeit'gen Sängen gab der Reinheit Stempel;<br />
<br />
Denn ach, es sind Vandalen eingebrochen<br />
In unsrer Heldensprache reinen Tempel!<br />
Wohlauf, mein Lied, du willst sie unterjochen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4.</span><br />
<br />
Glaubst Du, daß Dichtung mit den Worten spielet<br />
Und kleinlich hascht nach bunten Redensarten?<br />
Das Wort erwacht, das auf der Seele zarten<br />
Traumlagern schlief, sobald die Seele fühlet.<br />
<br />
Wie milde Mailuft in den Fahnen wühlet,<br />
So flattern dann der Poesie Standarten<br />
Am Herzensalter gottergebner Barden,<br />
Bis die Begeistrungsbrände sich verkühlet.<br />
<br />
Wenn länger zwar die Musenzwerge toben,<br />
So nascht vielleicht ein Schwarm der Bilderdiebe<br />
Von Dem, was unbegreiflich Dich erhoben.<br />
<br />
Jedoch die Armuthsschnuppe flackert trübe,<br />
Indeß, wenn sie dieß Lied sich unterschoben,<br />
Ein um so schöneres erschafft die Liebe.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">5.</span><br />
<br />
Was soll ich wählen unter tausend Uebeln,<br />
Denn jede neue Wahl nährt neue Schlangen;<br />
Soll ich Dich anzusehn mich unterfangen,<br />
Und soll ich's nicht, wer hilft es mir ergrübeln?<br />
<br />
Und dennoch steht in uraltheil'gen Bibeln,<br />
Wie Jonathan zum Hirtensohn gegangen,<br />
Wie sie mit keuschen sonnenrothen Wangen<br />
Durchblätterten der Freundschaft Blumenfibeln,<br />
<br />
Um jenen Felsen, dem die Morgenrosen<br />
Des Tags das jugendliche Haupt umweben,<br />
Hörst Du der Echo leise klagen kosen?<br />
<br />
Wir sind die Beiden, denn Auroren schweben<br />
Um Deine stolze Jugend, und im losen<br />
Verhaltnen Gram muß ich den Sang anheben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">6.</span><br />
<br />
Wohl viele Freunde magst du lieber haben,<br />
Doch einer will Dich stumm um Liebe flehen,<br />
Die Schwüre, die in seinem Herzen stehen,<br />
Kann man mit seinem Herzen zur begraben.<br />
<br />
Er kennt nicht Deiner Neigung kleinste Gaben,<br />
Nicht einmal Deines Athems leises Wehen,<br />
Sein höchster Wunsch muß ewig irregehen,<br />
Und doch liebkos't sein Traum Dich holden Knaben.<br />
<br />
Er glaubte oftmals, daß die liebevollen<br />
Gemüther, welcher ähnlicher Empfindung,<br />
Sich leise mit dem Namen rufen sollen;<br />
<br />
Doch schwand ihm bald die täuschende Erfindung,<br />
Dr nun sich, weil es so die Götter wollen,<br />
Verzehrt in thränenvoller Ueberwindung.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">7.</span><br />
<br />
Nur Wahrheit gib mir, gern will ich entsagen!<br />
Spricht doch die Rose, die dem Lenz entsprossen,<br />
So klar von seiner Brust, die sie genossen,<br />
Vom zarten Blüthenleib, der sie getragen.<br />
<br />
Was soll des Auges Perle stets Dich fragen,<br />
Was fragt das Lied, das stürmisch sich ergossen,<br />
Was gieß ich Blumen, welche nie erschlossen,<br />
Was schließ ich Pforten, die schon zugeschlagen?<br />
<br />
Bist Du die Seele, die mein Schmerz bekümmert,<br />
Warum so lang denn bist Du ausgeblieben,<br />
Ist's etwa nur ein Schein, der mir so schimmert?<br />
<br />
O, wenn mein Wonnekahn, vom Sturm getrieben,<br />
An Deiner Härte altem Riff zertrümmert,<br />
Ich muß Dich dennoch und unendlich lieben!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">8.</span><br />
<br />
Die Nachtgestirne alle sind nur Funken,<br />
Die, wenn Du hauchst, zu Sonnen sich entzünden;<br />
Was schirmst Du Deine Blumen vor den Winden?<br />
Vor Deinem Odem wanken alle trunken.<br />
<br />
Läßt Du den Mond mit Deiner Liebe prunken,<br />
So wird er sich in Liebesfülle ründen,<br />
Denn, seit ihm Deine Wangen spröd entschwinden,<br />
Sind ihm die sehnsuchtsbleichen eingesunken.<br />
<br />
Kommt Dir die Lust, im großen Meer zu baden,<br />
Die Wogen bauen Dir kristallne Brücken,<br />
Und jeder Delphin will Dich auf sich laden.<br />
<br />
Doch, willst Du Dich mit Edelsteinen schmücken,<br />
So reiht sich Stern zu Stern an einem Faden,<br />
Um Deinen schlanken Hals verliebt zu drücken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">9.</span><br />
<br />
Wär' ich der Hirtenknabe auf den Wiesen,<br />
Bei seinem Lämmervolk der lust'ge Bube, <br />
Wie fröhlich ging ich aus der Bauernstube,<br />
Um lächelnd den erwachten Tag zu grüßen.<br />
<br />
Wenn aber Qualen mich zum Freund erkiesen,<br />
Geht bei des Trostes ewigem Verschube<br />
Mein Wunsch allein nach jener dunklen Grube,<br />
Wo auch die Qualen mit vermodern müssen.<br />
<br />
Der Hoffnung träumte einst von Liebesauen,<br />
Drauf sprach sie freundlich, meinen Schmerz zu mildern:<br />
Dort wirst Du Deine Friedenshütten bauen!<br />
<br />
Doch diese Zukunft sah mein Blick verwildern,<br />
Der seiner Jugend Trost nun zu erschauen,<br />
Auch sie durchschweift mit lauter Thränenbildern.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">10.</span><br />
<br />
Nie hat sich bloße Freundschaft so erhoben,<br />
Wie Hellas sah in seinen Dioskuren;<br />
Dieß ist das Erbe geistiger Naturen,<br />
Das ungeschmälert bleibt, wenn Stürme toben.<br />
<br />
Wer wird den Schwur als eine Dichtung loben,<br />
Den Phylades sich und Orestes schwuren?<br />
Die Liebe glüht ja noch auf unsern Fluren<br />
Gleich einem Flämmchen jener Himmelsgloben.<br />
<br />
Wer hoch in den unendlichen Orkanen<br />
Das Boot verläßt, um herrlich zu verderben,<br />
Dem Einzigen den Rettungsweg zu bahnen:<br />
<br />
Der lebt, und läßt ihn auch der Delphin sterben!<br />
Der Ungefesselte schwingt Freiheitsfahnen,<br />
Und will doch um die Liebesfessel werben.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">...</span><br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Dem Genius und Ideal<br />
<br />
1.</span><br />
<br />
Es weht ein hehrer Laut aus allen Landen,<br />
Und Lieder opfern alle Ewigkeiten,<br />
Denn eine Harfe schwamm im Strom der Zeiten,<br />
Die hochbegeisterte Rhapsoden fanden.<br />
<br />
Unwissend, ob ich einer der Gsandten,<br />
Die im Gesange zarte Wunder deuten,<br />
Schlug ich erkühnt in jene goldnen Saiten,<br />
Die Unvergänglichen den Lorber wanden.<br />
<br />
Dein frommer Ernst zwar hat es mir verboten,<br />
Daß ich der Welt das Reinste übergebe,<br />
Die heil'ge Jugendfülle jenen Todten;<br />
<br />
Verzeih' mir, wenn ich doch erglühend strebe,<br />
Dich zu umjubeln mit der Liebe Oden.<br />
Daß Deine Schönheit noch Aeonen lebe.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2.</span><br />
<br />
Zwei Frühlinge berosen unser Leben,<br />
Die Freundschaft und der Liebe Schwärmereien;<br />
Wie aber, wenn die Kronen dieser Maien<br />
Vereint den höchsten Lenzesausdruck geben?<br />
<br />
Bald welkt die Liebe an den morschen Stäben<br />
Der Leidenschaft, und wenn nach sorgenfreien<br />
Ergüssen Jahre unser Haupt beschneien,<br />
Schwankt auch die Freundschaft gleich verdorrten Reben.<br />
<br />
Der Jüngling aber paart die Frühlingsfalter:<br />
Geizloser Jugend jauchzende Gefühle<br />
Mit Heldenliebe aus dem Mannesalter.<br />
<br />
Du führest mich zu diesem hohen Ziele,<br />
Nun säuseln meine wonnevollen Psalter<br />
Um Deins Leibes zarte Blumenspiele.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">3.</span><br />
<br />
Du staunst, daß meine Jugend schon gedichtet,<br />
Und weißt, wie liederreich die Schwalben waren,<br />
Bevor sie noch zum kecken Meerbefahren<br />
Ihr buntgeflaumtes Ankerpaar gelichtet.<br />
<br />
Der Buhle Mai trägt, wie ich Dir berichtet,<br />
Den Flammenkranz von Rosen in den Haaren,<br />
Sahst Du, wie viel er auch der Unfruchtbaren,<br />
Bevor er diese Krone flocht, vernichtet?<br />
<br />
Solch strenge Auswahl ward mir zum Exempel,<br />
Daß ich, von Schrankenlosen unbestochen,<br />
Frühzeit'gen Sängen gab der Reinheit Stempel;<br />
<br />
Denn ach, es sind Vandalen eingebrochen<br />
In unsrer Heldensprache reinen Tempel!<br />
Wohlauf, mein Lied, du willst sie unterjochen!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4.</span><br />
<br />
Glaubst Du, daß Dichtung mit den Worten spielet<br />
Und kleinlich hascht nach bunten Redensarten?<br />
Das Wort erwacht, das auf der Seele zarten<br />
Traumlagern schlief, sobald die Seele fühlet.<br />
<br />
Wie milde Mailuft in den Fahnen wühlet,<br />
So flattern dann der Poesie Standarten<br />
Am Herzensalter gottergebner Barden,<br />
Bis die Begeistrungsbrände sich verkühlet.<br />
<br />
Wenn länger zwar die Musenzwerge toben,<br />
So nascht vielleicht ein Schwarm der Bilderdiebe<br />
Von Dem, was unbegreiflich Dich erhoben.<br />
<br />
Jedoch die Armuthsschnuppe flackert trübe,<br />
Indeß, wenn sie dieß Lied sich unterschoben,<br />
Ein um so schöneres erschafft die Liebe.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">5.</span><br />
<br />
Was soll ich wählen unter tausend Uebeln,<br />
Denn jede neue Wahl nährt neue Schlangen;<br />
Soll ich Dich anzusehn mich unterfangen,<br />
Und soll ich's nicht, wer hilft es mir ergrübeln?<br />
<br />
Und dennoch steht in uraltheil'gen Bibeln,<br />
Wie Jonathan zum Hirtensohn gegangen,<br />
Wie sie mit keuschen sonnenrothen Wangen<br />
Durchblätterten der Freundschaft Blumenfibeln,<br />
<br />
Um jenen Felsen, dem die Morgenrosen<br />
Des Tags das jugendliche Haupt umweben,<br />
Hörst Du der Echo leise klagen kosen?<br />
<br />
Wir sind die Beiden, denn Auroren schweben<br />
Um Deine stolze Jugend, und im losen<br />
Verhaltnen Gram muß ich den Sang anheben.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">6.</span><br />
<br />
Wohl viele Freunde magst du lieber haben,<br />
Doch einer will Dich stumm um Liebe flehen,<br />
Die Schwüre, die in seinem Herzen stehen,<br />
Kann man mit seinem Herzen zur begraben.<br />
<br />
Er kennt nicht Deiner Neigung kleinste Gaben,<br />
Nicht einmal Deines Athems leises Wehen,<br />
Sein höchster Wunsch muß ewig irregehen,<br />
Und doch liebkos't sein Traum Dich holden Knaben.<br />
<br />
Er glaubte oftmals, daß die liebevollen<br />
Gemüther, welcher ähnlicher Empfindung,<br />
Sich leise mit dem Namen rufen sollen;<br />
<br />
Doch schwand ihm bald die täuschende Erfindung,<br />
Dr nun sich, weil es so die Götter wollen,<br />
Verzehrt in thränenvoller Ueberwindung.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">7.</span><br />
<br />
Nur Wahrheit gib mir, gern will ich entsagen!<br />
Spricht doch die Rose, die dem Lenz entsprossen,<br />
So klar von seiner Brust, die sie genossen,<br />
Vom zarten Blüthenleib, der sie getragen.<br />
<br />
Was soll des Auges Perle stets Dich fragen,<br />
Was fragt das Lied, das stürmisch sich ergossen,<br />
Was gieß ich Blumen, welche nie erschlossen,<br />
Was schließ ich Pforten, die schon zugeschlagen?<br />
<br />
Bist Du die Seele, die mein Schmerz bekümmert,<br />
Warum so lang denn bist Du ausgeblieben,<br />
Ist's etwa nur ein Schein, der mir so schimmert?<br />
<br />
O, wenn mein Wonnekahn, vom Sturm getrieben,<br />
An Deiner Härte altem Riff zertrümmert,<br />
Ich muß Dich dennoch und unendlich lieben!<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">8.</span><br />
<br />
Die Nachtgestirne alle sind nur Funken,<br />
Die, wenn Du hauchst, zu Sonnen sich entzünden;<br />
Was schirmst Du Deine Blumen vor den Winden?<br />
Vor Deinem Odem wanken alle trunken.<br />
<br />
Läßt Du den Mond mit Deiner Liebe prunken,<br />
So wird er sich in Liebesfülle ründen,<br />
Denn, seit ihm Deine Wangen spröd entschwinden,<br />
Sind ihm die sehnsuchtsbleichen eingesunken.<br />
<br />
Kommt Dir die Lust, im großen Meer zu baden,<br />
Die Wogen bauen Dir kristallne Brücken,<br />
Und jeder Delphin will Dich auf sich laden.<br />
<br />
Doch, willst Du Dich mit Edelsteinen schmücken,<br />
So reiht sich Stern zu Stern an einem Faden,<br />
Um Deinen schlanken Hals verliebt zu drücken.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">9.</span><br />
<br />
Wär' ich der Hirtenknabe auf den Wiesen,<br />
Bei seinem Lämmervolk der lust'ge Bube, <br />
Wie fröhlich ging ich aus der Bauernstube,<br />
Um lächelnd den erwachten Tag zu grüßen.<br />
<br />
Wenn aber Qualen mich zum Freund erkiesen,<br />
Geht bei des Trostes ewigem Verschube<br />
Mein Wunsch allein nach jener dunklen Grube,<br />
Wo auch die Qualen mit vermodern müssen.<br />
<br />
Der Hoffnung träumte einst von Liebesauen,<br />
Drauf sprach sie freundlich, meinen Schmerz zu mildern:<br />
Dort wirst Du Deine Friedenshütten bauen!<br />
<br />
Doch diese Zukunft sah mein Blick verwildern,<br />
Der seiner Jugend Trost nun zu erschauen,<br />
Auch sie durchschweift mit lauter Thränenbildern.<br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">10.</span><br />
<br />
Nie hat sich bloße Freundschaft so erhoben,<br />
Wie Hellas sah in seinen Dioskuren;<br />
Dieß ist das Erbe geistiger Naturen,<br />
Das ungeschmälert bleibt, wenn Stürme toben.<br />
<br />
Wer wird den Schwur als eine Dichtung loben,<br />
Den Phylades sich und Orestes schwuren?<br />
Die Liebe glüht ja noch auf unsern Fluren<br />
Gleich einem Flämmchen jener Himmelsgloben.<br />
<br />
Wer hoch in den unendlichen Orkanen<br />
Das Boot verläßt, um herrlich zu verderben,<br />
Dem Einzigen den Rettungsweg zu bahnen:<br />
<br />
Der lebt, und läßt ihn auch der Delphin sterben!<br />
Der Ungefesselte schwingt Freiheitsfahnen,<br />
Und will doch um die Liebesfessel werben.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">...</span><br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An Ihre Majestät die Königin Carolina von Bayern]]></title>
			<link>https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=26108</link>
			<pubDate>Wed, 08 Nov 2023 08:09:36 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-archiv.com/forum/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-archiv.com/forum/showthread.php?tid=26108</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An Ihre Majestät die Königin <br />
Carolina von Bayern</span><br />
<br />
<br />
Erhab'ne! zu den Buchten Deiner Seen<br />
Zog jünst ein Schwan auf zarten Wohllautsschwingen,<br />
Der schien sein kindliches Gemüth zu zwingen,<br />
In wunderschönen Klagen zu vergehen.<br />
<br />
Als da geheimnißvoll, wie luft'ge Feen<br />
Die Töne lispelten, dann Todesringen<br />
Lang kämpfend drohte starr uns zu verschlingen,<br />
Da durften wir erschüttert Dich umstehen.<br />
<br />
Nimm doppelt Dank, du Freundlichste der Frauen,<br />
Denn als das Ohr geschwelgt in Tönen hatte,<br />
Schien auch der Blick ein Liebes-Bild zu schauen.<br />
<br />
Uns war's, als stünde nah' bei Dir Dein Gatte,<br />
Dann aber wieder zu den Sonnen-Auen<br />
Entschwand der hohe königliche Schatte.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An Ihre Majestät die Königin <br />
Carolina von Bayern</span><br />
<br />
<br />
Erhab'ne! zu den Buchten Deiner Seen<br />
Zog jünst ein Schwan auf zarten Wohllautsschwingen,<br />
Der schien sein kindliches Gemüth zu zwingen,<br />
In wunderschönen Klagen zu vergehen.<br />
<br />
Als da geheimnißvoll, wie luft'ge Feen<br />
Die Töne lispelten, dann Todesringen<br />
Lang kämpfend drohte starr uns zu verschlingen,<br />
Da durften wir erschüttert Dich umstehen.<br />
<br />
Nimm doppelt Dank, du Freundlichste der Frauen,<br />
Denn als das Ohr geschwelgt in Tönen hatte,<br />
Schien auch der Blick ein Liebes-Bild zu schauen.<br />
<br />
Uns war's, als stünde nah' bei Dir Dein Gatte,<br />
Dann aber wieder zu den Sonnen-Auen<br />
Entschwand der hohe königliche Schatte.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
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