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John Keats "Written on a Summer Evening"
#1
GB 
Written on a Summer Evening
(By John Keats)

The church bells toll a melancholy round,
Calling the people to some other prayers,
Some other gloominess, more dreadful cares,
More harkening to the sermon's horrid sound.
Surely the mind of man is closely bound
In some blind spell: seeing that each one tears
Himself from fireside joys and Lydian airs,
And converse high of those with glory crowned.
Still, still they toll, and I should feel a damp,
A chill as from a tomb, did I not know
That they are dying like an outburnt lamp, -
That 'tis their sighing, wailing, ere they go
Into oblivion -that fresh flowers will grow,
And many glories of immortal stamp.


Geschrieben an einem Sommerabend
(Übertragung nach John Keats)

In düstrer Ruhe schallt der Glocken Ton,
zur Andacht rufen sie der Menschen Schar.
zu andren Klagen, jeder Freude bar,
zum widerwärt'gen, trübendem Sermon.

So ist der Geist des Menschen festgebunden,
die Blindheit trifft ihn vor der eignen Wonne,
des Herdes Glück, der Lust in klarer Sonne;
ach, jene sind's, die nie den Ruhm gefunden-

Noch immer höre ich die Glocken schallen.
Ich sollte Kälte fühlen, Grabeshauch,
der Kerzen auslöscht, wenn sie sterbend fallen.

Sie seufzen, klagen, doch sie stürzen auch
hinein ins Nichts, dort blüht bald Blum' und Strauche,
dort werden Ruhm und ew'ges Leben wallen.
Gliding o'er all, through all,
Throug Nature, Time, and Space,
As a Ship on the waters advancing,
The voyage of the soul - not life alone,
Death, many deaths I'll sing.
(Walt Whitman)
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#2
Hallo Salamandra,
schön, mal wieder etwas von dir zu lesen. Offenbar war der gute Keats vom Glockenklang nicht sehr angetan!

Ab dem zweiten Quartett nimmt deine Übersetzung jedoch eine etwas andere Wendung, finde ich. Da bist du jetzt noch strenger als Keats selbst. Denn er weist ja nun darauf hin, dass die Menschen sich vom heimischen Herd und ihren sonstigen Freuden losreißen, um zur Kirche zu gehen, nicht, dass sie ihre Freuden überhaupt nicht erkennen können.

Und in den Terzinen gewinnt Keats dann ja wieder die Oberhand, wenn er sagt, er "sollte" Kälte und Grabeshauch spüren, *wenn er nicht wüsste*, dass sie gleich vergehen, wie eine ausgebrannte Lampe und dass der laute Klang ja schnell vorübergeht und dann die Blumen wieder blühen.
Oder hast du das anders interpretiert?
Insgesamt wirkt deine Fassung mir etwas gar zu niederdrückend. Vielleicht kannst du da noch ein wenig nachpolieren, denn ein tragfähiges Gerüst hast du ja erstellt.

LG Silja
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#3
Liebe Silja!

Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe deutlich, was du meinst.
Ich nehme an, ich hatte mich beim Übertragen ein wenig zu sehr von meiner eigenen, damals gegenwärtigen Stimmung mitreißen lassen.

Ich werde mich aber noch einmal über den Text setzen und versuchen, das auszubessern.

Liebe Grüße,
Salamandra!
Gliding o'er all, through all,
Throug Nature, Time, and Space,
As a Ship on the waters advancing,
The voyage of the soul - not life alone,
Death, many deaths I'll sing.
(Walt Whitman)
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#4
Die Kirchenglocken künden ihre Trauer,
berufen Gläubige zu anderem Gebet,
zu einem Dunkeln, das zur Furcht ersteht
zu einer Predigt voller grausem Schauer.
Der Menschengeist ist schwach vor jener Mauer,
es scheint ein Bann, dem keiner widersteht,
vor dem Diskurs mit Höherem vergeht,
und alle Freuden sterben. Rauer, rauer

erklingt ihr Schall, ich sollte Kälte spüren,
so kalt wie aus der Gruft – wenn ich nicht wüsste
dass sie gleich ausgebrannten Leuchten schwinden-
dies Seufzer sind, die sie ins Jenseits führen,
und dass wir neue Blumen, Glorien finden
die die Unsterblichkeit ins Leben küsste.
Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
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