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Schöpfung
#1
Und schließlich kam ein Engel hergestürzt,
weil doch im Himmel nichts vollkommen wäre,
und er verließ das wolkig-ungefähre -
Von Schweiß und Nektar war die Welt gewürzt

und von Geräusch erfüllt war'n die Gefilde.
Bald faßt er Fels, bald seidig weichen Mohn,
betastet den geschmeidig weichen Ton
und formt den Klumpen neu nach seinem Bilde.

Und alles was noch Geist war, ferner Dunst,
das sollte nun der Erde Vielfalt mehren.

Einst war ein Traum, aus dem die Stoffe sind,
dann wurde aus belebter Erde Kunst

und für das Innere der Dinge blind,
versuchte er die Steine wachsen lehren.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
Hallo Zaunkönig,
dieses Sonett ist nicht zum schnell mal lesen und schön finden geschrieben. 2 Flaschen Bier Bedenkzeit und es lässt sich immer noch nicht vollständig fassen. Nicht weil es zu kryptisch ist, sondern tiefschichtig. Fast jede Zeile öffnet eine Gedankenkette. Du scheust dich nicht, eine neue (mir sympathische) Interpretation der Schöpfung des Menschen zu liefern. Vollkommenheit ist langweilig und dadurch unvollkommen, deshalb haben die Menschen ja das Paradies verlassen, um dann später mit viel Mühen die Lebensumstände selber paradiesischer zu gestalten, in aller Unvollkommenheit. Das ganze Sonett steigert sich und gewinnt an Kraft bis zur super Conclusio.
Nur das "schließlich" scheint mir vom Sinn und Klang störend, rein gefühlsmässig. Das "Und" am Anfang (auch häufiger Satzanfang der biblischen Schöpfungsgeschichte) impliziert, das dieses Sonett Teil einer Schilderung ist. Die Erschaffung des Menschen war ja auch der Abschluss. Aber in deiner Version war es ja eher der Anfang (weil des Meschen Geist noch unvollkommen) und deshalb scheint es mir zu abschließend. Aber das ist Ansichtsache.
So, nun muss ich morgen zu Lidl traben, das 3. Bier ist alle. Wenn der Geist arbeitet soll das Fleisch nicht darben. Nochmal ein Lob an dich!
Uli
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#3
Hallo ZaunköniG,

es fließt seidenweich! Ich habe es gestern nur überflogen, um mich nicht beeinflussen zu lassen, da mir zu meiner Überraschung die Ähnlichkeit der Thematik ins Auge sprang - ich arbeitete gerade an einem Sonett (siehe Thread darüber).
Die Aufteilung in den Terzinen finde ich auch folgerichtig und daher obligat. Eine interessante Perspektive.

LG Friedrich
Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
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#4
Hallo Uli,

ja, vielschichtig soll es natürlich sein, aber vielleicht ist es doch etwas kryptisch geraten.
Ich spiele zwar mit Motiven der Genesis, aber in meinem Sonett geht es nicht um die Erschaffung des Menschen, sondern um den Dualismus Natur und Kunst. Unvollkommen bleiben die menschlichen Schöpfungen, weil er (der Mensch) für das Innere der Dinge blind ist, also für das Geheimnis des Lebens, des Seins. Die zweite Schöpfung (Kunst) ist bestenfalls ein Abbild der ersten (Natur).

Hallo Friedrich,

meinst du das Indigo-Sonett? Vielleicht stehe ich etwas auf dem Schlauch, aber so enge Verbindung sehe ich da nicht. Du verwendest doch völlig eigenständige Bilder aus einem anderen Kontext.


LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#5
Hallo ZaunköniG,

ja - die Bildebene ist grundverschieden - doch (siehe Antwort in "Indigo") der Inhalt ist es, weiter betrachtet, nicht. Du beleuchtest aus meiner Sicht den spezielleren Aspekt "Schöpfung / Schöpfung des Menschen (Kunst)", bei meiner Darstellung kommt mehr ein allgemeinerer Blickwinkel "Schöpfung / Geschöpftes (Mensch) als potenzieller Schöpfer" zum Tragen.

LG Friedrich
Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
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