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Abgerechnet mit Ruinen
#1
Er floh ins Mutterland der Morgenröte
wo er ein Schlachthaus fand das Sauen führten,
das sie mit Mord und Schauprozess regierten,
so lebte er statt Freiheit seine Nöte,
verschluckte sich und würgte an der Kröte,
wenn andere das Unrecht blind negierten,
devot verleugneten, gehorsam stets lavierten,
dem Wort der Unterdrückung treu „Den töte,

der nicht für dich ist“. In der „Selbstzensur“
erklärte er . „Mein großer Fehler war
für Rot zu sein“. Nach seinem Tod erfuhr
man es, doch spät. Wer sagt, dies sei nicht wahr
bleibt stets das Schaf, das selbst noch vor der Schur
stets „four legs good“ blökt. Jahr für Jahr für Jahr.
Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
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#2
Hallo Sneaky,

Ich kann nicht viel mit diesem Text anfangen, da mir auch nach längerem Überlegen rätselhaft bleibt, auf welches Land, welche Situation sich dein Sonett bezieht.
Ein Schlachthaus, das Sauen führten, das erinnert an Animal Farm, was ja eine Alegorie auf Nazideutschland war, aber auch auf andere Despoten passt, die aus dem Volk kamen und das Unrecht ihrer Adligen Vorgänger noch in den Schatten stellten.
Zum Mutterland der Morgenröte fällt mir aber kein Land ei, auf das diese Alegorie passt oder gepasst hätte.
Der Begriff als solcher ist mir zunächst fremd (eine Bildungslücke?) Assoziationen kommen mir zu Japan (Land der Aufgehenden Sonne), das aber auch in weiterem Sinne kaum als Diktatur bezeichnet werden kann, und nach meinem Wissen auch kein nennenswertes Flüchtlingsland darstellt.
Die andre Assoziation ist die "Goldene Morgenröte", eine rechtsradikale Partei in Griechenland. Dort gibt es zwar ein Flüchtlingsproblem, aber jene Partei ist trotz starkem Zulauf noch weit von der Macht entfernt.
Bleiben die aktuellen Kriesenherde Syrien und Ägypten. Beide haben vermulich nennenswerte Mengen an Palästinensern im Land, aber dort finde ich keinen Bezug zur Morgenröte.

es grüßt ein euinigermaßen ratloser
ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
Hallo Zaunkönig,

dann bringen wir mal Lichts ins -kryptische - Texten. Der Titel sollte an sich schon als Hinweis wirken: Auferstanden aus Ruinen ist bzw. war die Nationalhymne der DDR. Der Text stammt von Johannes Becher, der aus Nazideutschland fliehen musste. Er ging ins Exil in die UDSSR, die damals von Stalin regiert wurde. Animal Farm ist eine Allegorie auf die UDSSR nach dem Tod Lenins, keine auf Nazideutschland.

Becher ist sowas wie eine Dichterikone der damaligen DDR gewesen, hat aber in seinem "poetische Selbstzensur" mit dem Kommunismus in der Sowjetunion und DDR und seiner früheren Stalinverehrung (vgl. "Danksagung zum Tod Stalins") abgerechnet. Das kam allerdings erst 1988, also kurz vor der Wende an die Öffentlichkeit.

Ich hoffe, damit ist der Schleier weg.

lG

Sneaky
Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
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#4
Hallo Sneaky,

Die Farm der Tiere hatzten wir in der Schule gesehen und waren uns damals ziemlich einig, dass es um Nazideutschland geht. Von den Lehrern wurde nicht widersprochen, denn die Kernaussage, dass der Knecht, der zum Herren wird mitunter brutaler ist als der "geborene Herr" trifft natürlich auf Hitler oder Robbespiere und andere genauso zu. Aber du hast recht, es geht um die UDSSR.

So fügen sich nun einige Puzzleteile zusammen. "Mutterland der Morgenröte" kenne ich allerdings nicht als Formel für die UDSSR oder Rusland.
Und ein Hinweis auf Johannes Becher täte dem Text vermutlich ganz gut, sei es im Korpus, sei es als Widmung, sei es als Fußnote.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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