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1912 Frido Witte, Heinrich Vogeler und die Modersohns bei Heinrich Breling
#1
Frido Witte, Heinrich Vogeler und die Modersohns bei Heinrich Breling


I.

"Ein liebes, schmeichelhaftes Wort zu spenden,
fällt ja nicht schwer. Es wär auch nicht gelogen.
Und so mit warmen Worten überzogen
zu seinen Bildern an den Stubenwänden,

kann er uns unsre Bitte kaum verwehren."
Wie Vogeler und Witte sich nun nah'n,
reift zwischen ihnen der geheime Plan,
den alten Mann zu rühmen und zu ehren,

um in sein Heiligstes, sein Atelier,
geführt zu werden. Es bedurfte viel
Geduld. Da war der alte Heinrich eigen,

denn unvollendetes schon vorzuzeigen,
war seine Sache nicht. Ihn über'n Klee
zu loben, bringt die beiden doch ans Ziel.




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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
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II.


Verlegen und noch immer zögerlich
schloss er die Ateliertür letztlich auf.
Man hört sie Knarren und nur kurz darauf:
"Du nicht, Louise! Nein! Ich will das nicht!"

Die Tochter hatte einen Blick riskiert,
man könnte sagen, den sie sich erschlich.
Ihr alter Herr war völlig außer sich,
verärgert - und vor allem irritiert.

Dies Chaos und so viel Unausgereiftes...
doch die Besucher sind ganz angetan.
Vereint gelingt 's ihn zu beschwichtigen.

Es sind ja alles Künstler. - Er begreift es
und reuig schaut er nun Louise an.
Sie darf das Atelier besichtigen.


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Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
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III.

Die Orden, Uniformen und Musketen
versammelt an den Wänden, doch verstaubt,
wie alle Requisiten, - und man glaubt
in längst vergangne Zeiten einzutreten.

Die Freunde werden alsbald still. Jetzt gilt's
zu spürn die Aura dieser Wunderkammer.
Dies alles nicht zu seh'n, - es wär ein Jammer!
Im Hausrock und mit abgewetztem Filz

macht sich der Hausherr beinah unsichtbar,
fühlt sich verlegen zwischen den Voyeuren.
Nun will er ihre Freude auch nicht stören.

Nur überredet, hat er 's nicht gewollt,
doch andrerseits, er weiß es, es ist wahr:
klammheimlich ist er auch ein wenig stolz.





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#4
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IV.


Im Atelier blieb keine Ecke frei:
Die kleinen, großen Leinwände und Rahmen
nahm Breling in die Hand. Sie alle kamen
eins nach den andern auf die Staffelei.

Soldatisches und Pferde. Und Portraits,
teils klassisch, - bei den neueren die Wandlung
der Farbpalette und der Lichtbehandlung
mit locker-breitem Strich, frei nach Courbets

Maxime vom rein Malerischen. Drechselnd
ein Bredenauer in der Werkstatt, blond
wie Engelshaar im Bild die Hobelspäne.

Breling erklärt, die Arbeiten schnell wechselnd,
Motiv und Technik, diese oder jene...
und selbst die schnellsten Skizzen sind gekonnt.



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