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Jerusalemer Klatsch
#1
Der Vater war ein Durchschnittsmensch, ein Schreiner,
nicht frömmer als die meisten andern waren,
in seine Frau verliebt (noch immer, nach den Jahren) -
doch munkelt man, sein Sohn sei gar nicht seiner.

Er war nicht dumm, der junge Radikale
aus diesem Kaff – war wirklich recht belesen.
Nein – kriminell ist er wohl nicht gewesen.
Er setzte nur so seltsame Signale.

Und sein Cousin, bei dem er manchmal steckte,
war durchgeknallt und war in einer Sekte,
hat seinen Kopf durch eine Frau verloren.

Er provozierte. Soll sich nicht beklagen.
Jetzt haben sie ihn an das Kreuz geschlagen.
Die Liebe hat er bis zuletzt beschworen.
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#2
Hallo Sonettista,

Dieses Kopfschütteln über über den suspekten Wanderprediger dürfte tatsächlich die häufigste Reaktion gewesen sein, auch wenn damals wie heute nur die lautesten Stimmen publik werden. Dein Ansatz gefällt mir gut, nur am Ende ist es für mich nicht ganz stimmig. Die Aussage in Z 12, daß es ihm doch eigentlich recht geschieht, steht für mich im Widerspruch zur Letzten, wo er bis zuletzt die Liebe beschwor. Man könnte es als naiv bezeichnen, aber so jemandem gönnt man den Tod nicht. Ein gangbarer Weg wäre, daß du die Liebe durch eine "fixe Idee" oder ähnliches ersetzt, oder du machst deutlich, daß hier mehrere Sprecher zu Wort kommen.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#3
Dank fürs schnelle Lesen und Kommentieren!
Ich möchte das genau so lassen - weil ich meine, daß im richtigen befremdeten Tonfall ("der spricht immer von Liebe") genau dieser Satz möglich ist.
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#4
Klar, als Rezitatorin kannst du dem Satz jeden beliebigen Tonfall geben,
aber findest du nicht, daß auch das geschriebene Wort eindeutig sein sollte?

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#5
Nicht unbedingt. Ich lasse dem Leser die Freiheit, den letzten Satz als plötzliches Aufleuchten von Verständnis oder als süffisantes Hochziehen der Augenbrauen zu verstehen.
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