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Otto-Peters, Luise
#1
Luise Otto-Peters
1819 – 1895


Am Schluß des Jahres 1849


Die Glocken hallen dumpf am Jahresende,
In diesen schweren unheilvollen Zeiten
Ins Grab die deutsche Freiheit zu geleiten -
Ach! ohne Hoffnung daß ihr Los sich wende!

Gefängnis, Flucht und Tod - das ist die Spende
Für Alle, die dem Vaterland sich weihten,
Dem Volke Recht und Einheit zu erstreiten,
Daß es zu einem Reiche sich verbände!

Und doch, und doch! - Die Freiheit kann nicht sterben
Ein Volk, das sich so opferfroh gezeigt,
Kann nicht für immer, kann nicht ganz verderben!

Und wenn auch jetzt der Hoffnung Saat verblüht -
Wir säten doch - das Volk wird einst noch erben
Um was wir kämpfen und noch nicht erreicht.
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#2
Die Familie


O selig, wer den stillen Bord gefunden
Und fröhlich schaffend weilt im Kreis der Seinen,
Die sich am heim’schen Herde gern vereinen,
Von treuer Liebe trautem Arm umwunden.

Gesegnet sind des Hauses Feierstunden,
Die mit dem Abendsterne mild erscheinen!
Der Gatte küßt die Gattin, herzt die Kleinen,
Und alle fühlen jubelnd sich verbunden.

Ein heilig Band! o mög’ es fest sich schlingen
Um alle, die sich gleichen Namens nennen,
Und Lieb’ um Liebe sich entgegenbringen!

Doch soll das Haus nicht von der Menschheit trennen,
Es darf in ihm ihr Mahnwort nicht verklingen:
Man wird die Saat an ihrer Frucht erkennen.
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#3
Dem toten Gatten

I.

Aus Deinem Kerker klangen mir einst Lieder
Voll Liebeslust und wollten mich bereden,
Selbst hinter Eisengittern sei ein Eden,
Weil ich Dir Rosen warf durch sie hernieder.

Als endlich wurde Dir die Freiheit wieder,
Da ward ein Paradies von uns betreten,
In dem der Liebe holde Geister wehten,
Vereinigt klangen unsre Jubellieder.

Vereinigt dienten wir des Hauses Laren,
In süßer Liebe und im heil'gen Streben
Vereinigt auch für eine Welt zu leben.

Wie wir im Unglück treu geblieben waren
Dem Schwur: der Freiheit Fahne zu entfalten,
So haben wir ihn auch im Glück gehalten.
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#4
II.

Noch einmal sprangen auf die Kerkerpforten,
Die um den freisten Geist sich einst geschlossen,
Zu neuer Freiheit führen neue Sprossen -
Und »Sterben« heißt es mit den Alltags-Worten.

So wie ein Wintersturm aus kaltem Norden
Den Blumen naht mit tötenden Geschossen,
So kam der Tod, das Glück, das wir genossen,
Mit einem einz'gen Schlage hinzumorden.

Jetzt bist Du frei und jetzt bin ich gefangen,
Gefangen noch, allein auf öder Erde,
Die Du verließt, mein herlicher Gefährte!

Und möcht' ich Dir wie einst am Herzen hangen,
Mit Blumen schmücken Deine kahle Zelle,
So leg ich sie auf Deines Grabes Schwelle.
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#5
III.

Du hast im Kerker nicht den Mut verloren,
Du wußtest es, daß Gott mit Dir geblieben,
Mir und der Freiheit galt Dein freudig Lieben,
Der Völkerfreiheit, der Du Dich verschworen.

Wir fühlten für einander uns geboren
Und hatten uns der Ewigkeit verschrieben -
Mich hat kein Kerker, hat kein Grab vertrieben,
Steh' ich auch weinend jetzt an seinen Thoren.

Mit Schwert und Leyer standest Du im Leben,
Im Dienst der Freiheit, bist in ihm gestorben
Und hast des Helden Lorbeerkranz erworben.

Und ruht das Schwert - die Leyer kann ich heben,
Am Grabe selbst steh ich erinnrungstrunken,
Denn unsre Lieb' ist nicht in ihm versunken!
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#6
Du weißt, wie ich in meiner Kindheit Tagen,
Die wie ein Märchen traumdurchwebt verronnen,
Ein hohes Bild den Dichtern abgewonnen,
Die mich erquickt mit ihren Heldensagen.

Ein Ritter, der die Laute bald geschlagen,
Und bald das Schwert geführt, kühn und besonnen,
Mit goldnem Haar und blauer Augen Bronnen -
Es war Dein Bild, das ich in mir getragen!

Wie ich Dich sah - da stand es vor mir wieder
Verwirklicht waren die Heroen-Lieder,
Die ich als Spiel der Phantasie verklagt.

Fast sank die stolze Jungfrau vor Dir nieder,
Und daß Du selbst ihr Deine Lieb' gesagt,
Das hatte sie zu denken nie gewagt!
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#7
Entsetzt lag ich vor Deinen Eisengittern,
Weil ich umsonst gestrebt Dich zu erretten,
Indes sie Dich auf hartem Pfühle betten.
Trank ich den Kelch der Leiden still, den bittern.

Doch hört ich auf zu bangen und zu zittern,
Wallfahrend zog ich zu den Kerkerstätten,
Und Liebes-Rosen wandt ich in die Ketten,
Und Sonnenaufgang folgte den Gewittern.

Ein neuer Himmelsruf war mir ergangen:
Den Heldenkämpfer, der so lang gefangen.
Empor ob allem irdschen Leid zu heben,

Ich durft ihn aus dem Kerker nicht befreien,
Ich durfte mehr: den Kerker selber weihen,
Dem Dichtergeiste neue Schwingen geben.
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#8
Mir ist so froh, mir ist so leicht zu Sinnen,
Und doch trennt uns des strengen Kerkers Gitter,
Und zeigt mir ganz, wie das Geschick so bitter,
Das mich nach kurzem Gruße treibt von hinnen.

Das ist die Macht im selig süßem Minnen,
Wie es mit Dir mich eint, mein holder Ritter!
Da wird der Schmerz zum fliehenden Gewitter
Von dem die Fluren Segen nur gewinnen!

Der Himmel über uns er bleibt uns offen,
Die Sonne bleibt in ihrem Glanze thronen,
Und Märzenluft, die kündet Frühlingszeit!

Drum laß nicht ab vom Gottvertraun und Hoffen
Der Liebe schönste Paradieseszonen
Erwarten uns noch so viel Qual und Leid!
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#9
O sage nicht, daß draußen Lenz und Leben
Und Glück und Freiheit ihr Panier entfalten,
Ich sah die Welt sich anders ganz gestalten
Seit diese Kerkermauern Dich umgeben!

Laß mich auf Flügeln an Dein Gitter schweben -
Die Menschheit ist was wir von ihr gehalten;
Hoch ob uns allen herrscht des Schöpfers Walten,
Der heute stürzt und morgen kann erheben!

Doch über allen Hader unermessen,
Der noch die Welt zerwühlt mit spitzen Waffen
Vom Sonnenaufgang bis zum Niedergange:

Ward doch das ew'ge Werde nicht vergessen,
Das jedem Herzen seine Welt erschaffen.
"Ich liebe Dich!" spricht es im Jubelklange.
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