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William Blake: Night
#4
Nacht


Der Sonnenball versinkt im West
Es strahlt der Abendstern.
Die Vögel rasten still im Nest,
doch ich bin mir so fern.
Der Mond, blütengleich:
aus himmlischem Reich
gibt er sein stilles Glück
an die Mainacht zurück.

Lebt wohl, mein Feld, mein Hain, mein Hag:
Das Herdenglück ist pur
wo Lamm bei Lamm sanft grasen mag
in einer Engelsspur,
die Segnungen spendet
und Glück, das nicht endet.
Die Knospe, die Blüte,
der Schlaf sind behütet.

Sie schaun in jedes Schlafquartier
der Vögel, halten Warm
in ihrer Höhle jedes Tier
und halten fern den Harm;
und seh'n sie es Weinen,
so lull'n sie es ein,
es zum Schlaf zu verleiten,
wachend ihnen zur Seiten.

Steht Wölfen mal nach Blut der Willen,
so beten sie und werden
den Durst nur durch Gebete stillen
und schützen ihre Herde.
Doch wohl mit Bedacht
haben Engel gemacht,
dass die Sanften erwerben
neue Welten als Erben.

Des Löwen Blick, rot unterlaufen,
nun golden weinen darf
vor Mitleid muss er seufzen, schnaufen
und wacht nun selbst beim Schaf,
Spricht: "Die Wut muss vergehen
und enden die Wehen.
Der Herr wem er mag
gibt den ewigen Tag.

Mein Lamm, nun bin ich bei dir, Amen!
Ich ruhe als der deine,
dedenke dem, mit deinem Namen
und grase mit dir, weine.
Geläutert durchs Leben
soll mein Haupt sich erheben
und golden entfachen
das Lamm zu bewachen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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Nachrichten in diesem Thema
William Blake: Night - von Josef Riga - 14.01.2015, 16:14
RE: William Blake: Night - von ZaunköniG - 15.01.2015, 02:32
RE: William Blake: Night - von Sneaky - 15.01.2015, 21:18
RE: William Blake: Night - von ZaunköniG - 16.01.2015, 01:38

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