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Die Aschenpfründe
#5
Hallo ZaunköniG,

ich bin Dir sehr dankbar, dass du mit diesem Hinweis etwas angesprochen hast, was mir persönlich bei meiner Textarbeit sehr am Herzen liegt:

(10.09.2013, 19:54)ZaunköniG schrieb: Du neigst dazu nicht nur viel Vorwissen vorauszusetzen, sondern auch, dass der Leser eigene gedankliche Volten mitmacht, ohne dass du sie im Text erläuterst, das macht diesen und viele andere Gedichte schwer zugänglich.

Es ist der Anspruch an mich, nicht an den Leser oder Zuhörer. ZB iversuche ich diesen meinem Publikum am Beginn meiner Lesungen in einem Bild näherzubingen (siiehe vertiefende Erläuterung auf meiner Website):

Mir geht es um Stimmungen in ihrer ganzen Bandbreite. Es geht um Berührung und die ausgelöste Empfindung, im konkreten Sonett zB um Last und Belastung. Jemandem, den dies auf diese Weise berührt und dabei auch bei ihm diese Empfindungen auslöst, steht es frei, eigenen Assozitionen nachzugenen oder (danach) vielleicht tiefer in den Text einzudringen. Es macht für mich einfach keinen Sinn, den Leser/den Zuhörer kopfschüttelnd vor meinem Text ausgesperrt zu sehen, wenn er mit dem Lesen oder Hören meines Textes die Bereitschaft signaliisiert, sich auf ihn einzulassen. Ein tieferes Eindringen in den Text kann nur erhofft, aber keineswegs erwartet werden. Und deshalb versuche ich, durch oft sehr unterschiedliche, immannete Wort-, Text- und Bedeutungsebenen ein sehr dichtes Gefüge im Inneren des Textes zu schaffen.

Meine Texte verstehe ich als ene Landschaft, die sich dem Wanderer nie sofort offenbart und erschließt. Damit steht ihm offen, das wahrzunehmen, wonach ihm gerade ist, auch wenn er das Empfinden hat, die Umgebung - aus welchen Gründen auch immer - so schnell wie möglich verlassen zu müssen. Es bleibt dies seine Entschieidungshohoheit und die muss unangetastet bleiben.

Zum Themenkreis Hölle, Limbus (Vorhölle), Fegefeuer, Garten Eden und Himmel, ihrer Verortung, ihrem Beziehungsgefüge und ihrer Perzeption in Religion, Mythologie und Kunst wäre vielleicht noch zu ergänzen, dass sein tiefer, differenzierter Nachhall offenbar die gesamte Wahrnehmungswirklichkeit durchdringt. Die oft sehr unterschiedliche Wahnehmung, was als gesichert was als hypothetisch im Raum steht oder was abgelenht wird, schafft ein Kaleidoskop unterschiedlichster Erlösungswege. Erlösung wovon? Der Ebsünde? Einer Kollektiv- oder Individualschuld? Der konkrete Umgang mit diesen Fragen hat tiefere Auswirkungen im gesellschaftlichen Kontext, als oft angenommen wird.

Wieder eine pointierte Frage in diesem Zusammenhang:
Ist es in der heutigen Lebenswirklichkeit mit seinen Informationsmöglichkeiten noch ehtisch und moralisch vertretbar, ein Aktienportfolio zu besitzen und davon gedankenlos eine Dividende abzuschöpfen? Dies betrifft auch die sogenannten "Ethik-Aktien", denn ein Blcik auf die aufgelisteten Unternehmungen wirft so manche Frage auf...

Der Limbus (Vorhölle), der zwar kein (katholisches) Dogma ist, sondern als eine glaubensmögliche Theorie angesehen wird, steht aber symptomatisch für die Herausforderung: Wo haben die jeweils "Andersgläubigen" (resp. die Vorreiter der eigenen Religion) ihr Auskommen und ihren (zeitweiligen) Platz in der eigenen Glaubenswirklichkeit? Lässt sich dies mit einem Gottesbegriff einer universalen, allmächtigen, liebenden Gottheit vereinbaren? Vor allem, wenn die Kinder seiner Schöpfung nach seinem Ebenbild geschaffen sind? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang wirklich der sogenannte freie Wille?

Die handeldnden Personen in der "Göötlichen Komödie" (ua Vergil) haben aus der Sicht Dantes und der damalig herrschenden Auffassung über den Konnex der jenseitigen Bereiche ihren entsprechenden Platz. Niemand befindet sich ohne Grund hier oder dort. Das ist auch das faszinierende, komplexe Gesamtbild das Dante hier entwirft, die Bedingheiten "konkret" in diesen gewaltigen und zugleich berührenden Bildern, die das Geschenen unmittelbar erleb- und nachfühlbar machen.

LG Friedrich
Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
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Die Aschenpfründe - von Friedrich - 08.09.2013, 21:57
RE: Die Aschenpfründe - von ZaunköniG - 10.09.2013, 17:17
RE: Die Aschenpfründe - von Friedrich - 10.09.2013, 18:37
RE: Die Aschenpfründe - von ZaunköniG - 10.09.2013, 19:54
RE: Die Aschenpfründe - von Friedrich - 11.09.2013, 13:19
RE: Die Aschenpfründe - von ZaunköniG - 13.09.2013, 16:39

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