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Delmira Agustini: Amor
#5
Hallo Gitano,

Wie in meinem letzten Post angedeutet, erwischt mich die Diskusion gerade auf dem falschen Fuss, soll heißen in einem ungünstigen Moment. Mit einer erneuten Nachdichtung wird es also noch dauern, aber ein paar inhaltliche oder poetische Fragestellungen kann man ja schon mal vorab zu klären versuchen


gitano schrieb:Yo lo soñé impetuoso, formidable y ardiente;
hablaba el impreciso lenguaje del torrente;
Era un amor desbordado de locura y de fuego,
Rodando por la vida como en eterno riego.

Z3:
Sie war /es war eine überschäumende, verrückte Liebe und von Feuer (feurige)
...da steht nix von See etc..
Z4:
rollend für das Leben wie in ewiger Bewässerung
singemäß / figurativ:
aufbrausend für das Leben wie ein ewiger Strom (von Wasser)

gitano schrieb:Z1 von "Amor" ist ein schönes Beispiel:

ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer(toll, enorm) und ardiente= brennend ,heftig ,flammend ,mit glühendem Eifer ,inbrünstig ,glühend ,verzehrend ,heiß, feurig

"adiente" hat je nach >Zusammenhang über 10!! Bedeutungen.
Die beste Übersetzung ergibt sich erst aus dem Zusammenhang..hier auf die Stromschnellen bezogen ...

UND: hier steht "Yo lo soné"...lo steht für "es" ...hier steht nix von einer "ihr"
und ist zu verstehen im Sinne von "ich träumte dies von ihr" oder" ich träumte es" . Im Deutschen heißt es dann verkürzt und verallgemeinert; ich träumte

somit wäre Z1 eher:
Ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer und im glühenden Eifer
und Z2:
sie sprach mit verschwommener (Aus-)Sprache/Stimme von dem (aus dem) Strom, Sturzbach, Wildwasser ,Flut, Schwall

bemerkst Du den Unterschied?
"Sie" ist Verkörperung der Titelfigur "Amor" ,,Liebe"...eine Traumfigur die zum LI spricht.


Mir ist noch nicht ganz klar, ob diese Verkörperte Titelfigur als männlich (Gott Amor) oder weiblich wie die deutsche "Liebe" angesprochen wird, halte die richtige Zuordnung aber für wichtig, gerade weil dies Gefühl personifiziert wird.
Auch ist mir nicht ganz klar ob in der ersten Zeile der eigene Traum so heftig und feurig ist, oder die geträumte Figur.

gitano schrieb:diese Kultur gibt in Sachen Hingabe an scheinbar seichte Dinge (nach westlichen Maßstäben) einfach Vollgas!...und so sind viele dieser Erscheinungen expressiv - aber trotzdem sehr genau zutreffend!! --ausformuliert!...und vertragen sich überhaupt nicht mit "Understatement"!

Was ist denn ein seichtes Ding? Doch nicht etwa die Liebe?
Gerade die europäische Romantik und Neoromantik haben da Maßstäbe gesetzt, denke da nur an die Symbolik der "Blauen Blume" in der deutschen Romantik oder die "Dinggedichte eines Rilke z.B. den Marmorkarren. Die Motive Delmiras sind doch eher elementar oder archetypisch.

gitano schrieb:Das Metrum ist in "Amor" nach akzentuierter Auffassung schon sehr verrückt: (2 Daktyleen, gefolgt von Trochäen, 15 Silben, weibliche Kadenz) soetwas wirst Du in deutscher Sprache in einem Sonett kaum finden...Die Südländer gehen einfach spielerischer mit der Grundform um.

Meine Annäherung der Betonungsverhältnisse...nicht immer eindeutig
Z1
-/v/v-/vv-v/-v-v/-/v-v
Z2
v-v/-?/vv-v/-v-v/v/v-v/

da bemerke ich doch eine große Ähnlichkeit ...in einigen wenigen Teilen alternierend.

2 Daktylen, gefolgt von Trochäen... Das klingt doch interessant, nach einer Temposteigerung innerhalb der Verszeile.
Ist das ein wiederkehrendes Muster? Zumindest die zweite Zeile hast du anders notiert.


gitano schrieb:Ich würde ersteinmal anraten eine Linearübertragung mit den Metaphern und Bildbezügen zu machen. Vielleicht klingt die dann auch schon recht gut...dies erscheint mir aber das Wichtigste zu sein.
Ich würde sogar soweit gehen, die Verse in der Linearübertragung stehen zu lassen mal hintereinander weg zu lesen...vielleicht braucht man gar nicht mehr tun (wenn die Längen stimmen)
Auf keinen Fall würde ich die 15 Silbenlänge in das maß eines Endecasillabo zwingen!

Warum nicht?: Bildsprache, Gestus, Melodie (wenn auch nur fragmentiert) etc. würden nicht mehr zum Rhythmus passen.
Sprachlich kann man mehr Platz immer füllen...Verknappung ist schwerer
Auch mein erster Versuch ist immerhin 6-hebig und damit länger als ein Endecasillabo, eben weil sonst noch mehr vom Inhalt hinten runter gefallen wäre.
Ich will es mir aber auch nicht zu einfach machen.
Deine gescheute Verknappung ist doch ein wesentliches Merkmal von Dichtung!
Wenn meine Fassung etwas zu sperrig oder hölzern wirkt, habe ich wohl nicht alles richtig gemacht und es mag auch am verkürzten Vers liegen. Eine mindestens genauso große Gefahr sehe ich aber in der Verwässerung des Verses durch unnötige Füllsel. Nun, - über das endgültige Metrum ist das letzte Wort noch nicht gesprochen...

Liebe Grüße
ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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Delmira Agustini: Amor - von ZaunköniG - 28.01.2012, 12:34
RE: Delmira Agustini: Amor - von gitano - 29.01.2012, 19:37
RE: Delmira Agustini: Amor - von ZaunköniG - 30.01.2012, 13:18
RE: Delmira Agustini: Amor - von gitano - 30.01.2012, 21:31
RE: Delmira Agustini: Amor - von ZaunköniG - 02.02.2012, 13:46
RE: Delmira Agustini: Amor - von gitano - 03.02.2012, 23:04
RE: Delmira Agustini: Amor - von ZaunköniG - 04.02.2012, 12:22
RE: Delmira Agustini: Amor - von ZaunköniG - 05.02.2012, 13:44

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