21.06.2021, 14:42
Zur Feier
Ein Kytharöde singt zur Hochzeitsfeier:
So holder Hymenäos, Argos’ Sohn,
Wo Töchter Attikas, vor altem Thron
Der Demeter, sich wiegten nach der Leier,
Erschienen Jünglinge, als kecke Freier,
Poseidon lehrte sie des Schwachen Hohn:
Für Seegefahr, ergriffen sie, zum Lohn,
Die Mädchen und zerzausten ihre Schleier.
So stolzer Hymenäos, kühner Retter,
Du pfeiltest, ein Apollo, in den Troß:
Die Räuber schreckten weg, wie böses Wetter.
Wo goldenes Geschoß ihr Blut vergoß,
Verehrt dich Attika: der Braut als Better
Zu gutem Hochzeitsbund, bleib uns Genoß!
Ein Zug
Für meine Schwester Edith
Sehr fromme Frauen ziehen fort zum Meere
- Von Demeter ergriffen, weich gehüllt -.
Ein Wünschen, das Durchbangte lang erfüllt,
Beseligt sie, zu ihrer Göttin Ehre,
Geweihtes Sagen, aus des Herzens Schwere,
Das Kummer krümmt, sich im Gemüt verknüllt,
Emporzurufen, wo die Sturmsee brüllt:
Und alter Hang zum Hades birgt die Lehre.
Sehr fromme Frauen schauen ihre Tiefe;
Die Triebe welkten, flattern durch den Herbst,
Es wird, als ob uns Zukunftheil beriefe:
Ereigne dich, wo du dein Scheitern erbst,
Zur Gottheit sinnt man urverschwiegne Briefe,
Sie hält geheim, was du in Klippen kerbst!
Kap Kolias
Geweihtes Kap gewährt den Frauen Staunen.
Es staunt vor hohen Wogen sich der Zug.
Ein Pilger ruht durch eigner Brust: Genug!
Gesang verklärt der Brandung schweres Raunen,
Des Meeres Ernst lebendigt tausend Launen;
Wer sich beherrscht, erkennt es: ohne Trug.
Besteht ein Mensch, der keinen Zwist vertrug?
Gib Stürmen Kriegers Antwort durch Posaunen!
Hier gilt es kaum, das Meer zu übertönen.
Wo überwand sich je Gewalt ein Herz?
Du sollst Bewegtheiten in dich erschönen!
Vollbring dein Schweigen: o es bleib aus Erz!
Nur nun. Du hörst der Hölle bloßes Stöhnen:
Sich draus gewöhnen, steigerst geisterwärts.
Aphrodite
Aus tausend Brüsten aufgeschäumten Meeres
Erperlt der Aphrodite seltnes Licht:
Sie schwebt am Mittag schattenlos im Licht,
Du sahst noch nie – gegeistert – ein so hehres
Gebild, das dir vom Weibe spricht: begehr es!
O Liebe, für und gegen dich in Pflicht,
Erfahr ich Milde, find ich mein Gericht?
Ich weiß von Ewigkeit: uns nun ein schweres
Geheimbewalten altershoher Ehen.
Aus ihnen kommt der Himmel zu uns her:
Den Frommen bloß gebührt ein Leib als Lehen;
Nach Schicksalsernten funkle dein Begehr!
Von Scham des Blutes laßt euch keusch beweben,
Bleibt blaß! Das Auge blaut auf reinem Meer.
Die Erscheinung
Geliebtes Bild, du sollst bei mir erwarmen:
Du Weib und Wesen, weil in mich verliebt!
Ihr Wunder wäret nicht, wenn ihr verbliebt;
Und doch, mein Weib, noch halt ich dich in Armen.
Geheime Nacht bist herzlich: Stern-Erbarmen.
Auf einmal weinst du: wer uns Hilfe gibt?
Wie Freude durch der Triebe Schwermut siebt:
Ich kann nach deinem Kuß nicht mehr verarmen!
Mein Vater: Gott! Mir graut vor Deiner Güte.
Wo unverlangt, kam über uns das Glück.
Nun stütz mich Weib, daß ich dein Gut behüte!
Gewähr mir auch, daß Wonne dich berück!
Ersprühtes Wünschen wurde Glut zur Blüte:
An mich schenkst du, was Gott dir gab, zurück.
Geliebte
Geliebte, nimm uns hin mit schweren Schwächen!
Ich bin bloß Mensch aus eigner Leidenschaft:
Auf deinen Flechten goldet mir geborgne Kraft,
Als schlürft ich Glut aus hold besonnten Bächen.
Mit freien Augen glückt dir das Versprechen
Zu jüngster Wonne, die zu dir mich rafft;
Durch deine Sachtheit lieb ich mich in Haft
Und mag aus keinen Zartgewinden brechen.
Geliebte, laß mich knien zu deinen Füßen;
Vergrab so warm die Hand im spröden Haar:
Ein Blick empor mag unsern Himmel grüßen!
Wer weiß, ob einst die Seele ruhig war?
Wohl schwand sie sanft aus allzu trauten, süßen
Gefühltheiten in Fremde und Gefahr.
Beruf
Für Toni Sussmann
Geliebte Menschen, schwach durch alte Plagen,
Ihr seid von Gott enttäuscht und seiner Welt:
Wie brauch ich euch und unser Himmelszelt!
Ein Weib vernimmt nur des Entblößten Klagen!
Du mußt – gesamt – die Sternenherkunft tragen,
O Mensch, du bist vor Mühsal nie zerschellt:
Fürs Weib zu sorgen, bleibt dem Mann Entgelt,
Denn Frieden freut ihn nicht, er hofft aufs Wagen!
Ein Menschentum fordern heile Leidenschaften.
Was Hingesonnenheit im Nächsten liebt,
Verlangt nach Künstlertum, zu wunderhaften
Erbauungen der Seele, die zerstiebt,
Wenn Triebe nicht um edle Mahnung haften:
Verbleib der Hilflosen, die Pflichten gibt!
Hellas
Für Lukas Peterich
In Hellas ward die Gottheit hold gestaltet;
Auf Meer und Inseln sehne dich hinaus!
Nie faßt dich dort vor Menschen alter Graus:
Sie haben sich zur Sonne stolz entfaltet.
Gesang, der treu – durch die Besinnung – schaltet,
Geleite dich um dein vertrautes Haus!
Gemüt, bald wird dir wohl bei Windgebraus:
Du spürst, wie Herzensblut im Grauen waltet.
Der Krieger tritt gefaßt zum schönen Weibe:
Die Leidenschaften wägt ein großes Maß,
Daß Anmut ernstgeübten Leibern bleibe!
Bei Spielen, die kein kühnes Lied vergaß,
Erblickst du Jünglinge mit heller Scheibe:
Sie adeln Wettstreit, als geglückten Spaß.
An Pindar
Des Barden Ruhm vollendest du beim Ringen
Gebräunter Jünglinge um holden Preis,
Bescherst dem Herrlichsten gesungnes Reis,
Nach Wettkampf und des Läufers Sieg-Erspringen.
Wie lieblich deines Staunens Silben klingen,
Wenn ein Gedichteter erschaudernd weiß:
Zu blutendem Erinnern perlt mein Schweiß,
Von mir kann Kunde kühn zu Kriegern dringen!
Um Hellas funkeln, Pindar, deine Sorgen,
Apollo lodert dir als Gott und Held:
Im Jüngling strahlt uns dein gepriesner Morgen.
Des Edlen Leib verklärt dir frei die Welt:
In seltnen Menschen bleibt ihr Stolz geborgen,
Ein Herz Behältnis für das Himmelszelt.
Der Sieger
Für Lukas Peterich
Athen bejauchzt seinen berauschten Sieger,
Dem in Olympia Ruhmestat gelang;
Von Lauf und Ringen kündet leicht der Gang:
Er glich, beim Hinsprung, Ikaros dem Flieger.
Wohl wünschte kühn sein Volk: die Glieder schmieg er,
Gewandter als ein Dorer ihn beschlang,
Um Gegners Nackenpracht, durch Kampfesschwang,
Und überwältige ihn wie ein Tiger!
Erjubelnde, auf vollen Marmorstufen,
Umpreisen den Gekrönten mit Gesang:
Begrüßt doch Glückliche gewognes Rufen!
Auch für Athen verlangt ihn nach Empfang:
Ergreiste, die zu seiner Ehre schufen,
Umhalst ein Arm, der Lehrern Sieg errang.
An Anakreon
O Lober des Dyonisos, Preiser des Weines,
Anakreon, Sänger so holder Gestalt,
Ich huldige auch des Bacchos’ naher Gewalt:
Ach, gliche dem Lied deiner Gottfeiern meines!
Entblitzte der Liebe ein hingefunkt-reines
- Urfrommend, doch eignes – Gedicht mir, so alt
Wie Weisen entzündeter Weltengehalt:
Gelänge Erfülltsein Gehülltsein des Scheines!
Anakreon, Sehnsuchten singender Seher,
Dein Weh überwellt uns ein inselndes Meer:
Du pochst an die Pforten Verliebter; nicht eher
Entweiche vom Weltweg, als bis der Begehr
Nach flammenden Herzen veratmet! Beweher
Erglühender, wettre auf Wolken einher!
O Sonne
Alice Berend zugeeignet
O birg in kühnem Leben Sonnenstunden,
Dein Wesen bleib um Wonne hold in Sorgen;
Die Sonne schenkt sich fordernd: borg zu borgen,
Laß eignen Überschwang durch Gold umrunden!
Wie froh gekühlte Sommermonde munden!
In Weinesröte loht ein stolzer Morgen
Der ewigen Erwachtheit traut geborgen:
Sein Tag in uns singt alte Sonnenkunden.
O Sonne, meine Seele sei ein Garten,
Berühre sacht der Triebe zartes Sprühen:
Ein Mensch ist lenzgewohnt, weil voll Erwarten!
O Sonne, weil behutsam um mein Mühen:
Wir fühlen freudig ferne Feuerfahrten,
Die, fruchtbar durch den Geist, dür dich erglühen!
Wesen
Alice Berend zugeeignet
Aus Sonne ist mein Wesen hergesponnen:
Empfohlen ward ein Leib in seine Hut,
Und er gedeiht, denn eifrig quillt das Blut,
Mein Auge nun hat fromm sein Glück begonnen.
Der Sonne zu, bin ich aus Haft entronnen,
In der umwurzelt Gott auf uns beruht;
Jetzt seh ich Ihn: sein Blick bewahrt mich gut,
Drum Welt, dir hab ich goldnen Preis gewonnen!
Dem Baum verwandt, mit seinen Frühjahrstrieben,
O Mensch, bin Sonne ich und dann ihr Regen;
Ein Heimatwind wird unsre Wipfel lieben.
Wie Schatten mag sich Demut um dich legen:
Doch Sonnenkünder, der so kühn geblieben,
Lebendiger, besorg der Söhne Segen!
Die Göttin im Garten
Begegne der Göttin der Liebe im Garten!
Sie sei dir das sonniglich sorgsame Weib!
Sie wolkte vom Meere – verhüllt war der Leib –
Und trat zu den Pflanzen, die bang ihrer harrten.
Nun hegt sie uns treu, nach fremdhaften Arten:
Seid freudig und fromm, daß lang sie verbleib,
Die Feinde der Leute beim Dorfe vertreib,
Wir sollten sie morgens, im Taublau, erwarten!
Verehrt sie und haltet im Hühnerhof Tauben;
Auch Schildkröten liebt ihre Sachtheit im Grün;
Genügsamkeit lobt, wenn sich Büsche belauben!
O wüßtet ihr, wie sie euch hilft beim Bemühn,
So würden wir fürstliche Obstopfer klauben!
Sie bleibt uns ja nah, bis die Trauben erglühn.
Die Göttin beim Volk
O bleib beim Volk, geliebte Aphrodite!
Zur Vorstadt und Gehöften schickst du Tauben:
Wenn stadtwärts Wagen mit Berauschten stauben,
Befügst du sie in freudvolle Gebiete.
Du bietest Mädchen an, auf schnelle Miete,
Besänftigst Stürmische in dichten Lauben,
Daß sich Verwegne keine Jungfrau rauben:
Erfreut sei, wer vor Schenkelsäulen kniete!
Du bist beim Volk: drum lebt es nun zufrieden.
Wer staunte nicht, wie du dein Reich erweiterst,
In allen Gauen ist dir Gunst beschieden!
Geliebte Göttin, da du uns erheiterst,
Entschweb mir nicht, verweile sanft hienieden:
Herbeigeschiffte, bleib, daß du nicht scheiterst!
An Sappho
berühmte Sappho, Künderin des Feuers
Verzückter Liebe um ein schlankes Wesen,
Du hast so zarte Silben sacht erlesen,
Verklärter sang zu sein des Abenteuers,
Das hin, vor des Umarmungsungeheuers
Gewalt, dich streckte: ich bin Weib gewesen!
Du mußtest aus dem Rausch zu Mut genesen:
Nun segle ewig, Brecherin des Steuers!
Des Weibes Leidenschaft durchschwärmt der Meere
Felshalsendes Bestürmen, dann Zerstäuben,
Und gischtet steil geschmettert in die Leere.
O, wie die Sehnsüchte sich brünstig sträuben,
Zermalmt zu sinken, durch der Mahnung Schwere:
Zu Herzens Ehre sollst du Lust betäuben!
Ums Mond-Meer
Vernarrter Alp – ob Mond? – in kühler Liebe,
Zerdrückst du das Gewölk und wühlst ums Meer.
Gewogne Unholde beträum ich schwer
Und reck mich schräg: wie ich in Schwebe bliebe?
Mein Schlaf, jetzt stiebt verwünschtes Schwirrgetriebe:
Uns rührt gegeilter Wünschlein Schlupfbegehr,
Sie flimmern flink zum frischen Schwesternheer:
Nun schöpft im Schlamm, bald bleibt ein Aal im Siebe!
Du mußt die Haschsucht nach dem Lichtloch strecken!
Dort oben; doch es sinkt mir, wie gewohnt –
- Voll Wolken schon – wer wird es hold verstecken?
O Wonnewogen, wie sichs wohlig lohnt,
Euch – kraus in Krägen – bloß im Hemd, zu necken:
O Mond, von Menschlein werd ich toll umwohnt.
Die Göttin der Gestirne
Für Will Frieg
Wir müssen, als Mond, zu der Sternen-Vertrauten,
- Uns funkelnde Göttin – den Aufschwung beflügeln,
Gehimmelter Weltwunsch entwand sich aus Zügeln,
Die blitzlich in schlingernde Schiefen zerblauten.
Erblick du dich, Schmachter, bei Perlen und Rauten!
Wenn bändernde Bäche den Heimschlich erklügeln,
Entgeister, mit gleißendem Mondglanz, den Hügeln
- Wohl Mündungen zu – wo sich Sehnsuchten stauten!
Wir müssen, als Mond, zu der Sternengeliebten,
Die Urbrunst zur kommenden Sonne beschwichtigt:
So spür, wie ihr kränkelnde Möndchen entstieben!
Wenn bloß uns ein Herz junge Weisung berichtigt,
So schweift mich Beruf durch die sternsteilen Bauten,
Wo ernst wir die Braut, vor den Müttern, erschauten!
An Homer
Gedichteter, noch mächtiger, weil freier
Als der Kronide, Herr im großen Meer,
Umplätschre uns, Besänftiger: Homer,
Dir sei, in Hellas, blauer Tag die Feier!
Drei Musen lobten, zu Apollos Leier,
Der Männer heldenhaften Kampfbegehr,
Athena bracht ihn dem Achajerheer
Und dachte, bei Atriden glüh, gedeih er!
Homer, du hast Achill zur schlacht erkoren,
Warst seine Stimme durch der Zelte Flucht,
Ein Schrei der Seherin vor Ilions Toren;
Dein Rufen schürte der Verwegnen Wucht,
die Ruhm, in heilem Sang zum Tod, erkoren:
Dann ruhtest du – wie Meer – in runder Bucht.
Mein Meer
----------------------- Sapientum templa serena.
----------------------- Lucretius
Mein Meer, Millionen holde wesen pochen
Um stummes Eiland aus verloschnem Traum;
Wie wälzen sie sich schwer und wispern kaum:
Du hast den Seelen Stille doch versprochen!
Beschäumte Tiger kommen angekrochen,
Auch tolle Hunde, mit dem Maul voll Schaum,
Des Hades Brut entbäumt sich Plutos Zaum
Und wütet, Wüsten wild zu unterjochen!
Enttauche nun, erstauntes Wunderschauen:
Gekrümmte Rhythmen spannt das steile Zelt,
Die Sonne singe leicht und frei im Blauen!
Wie zart und durchsichtig wird meine Welt!
Gewelle ihrer Meere faßt Vertrauen,
Daß einst der letzte Möwenschrei zergellt.
An Plato
Florens Christian Rang zugeeignet
Es trafen sich die Sonnen auf der Stirne,
Die Plato schwer zur innern Hut geneigt;
Er wußte, durch des Leibes Blutbusch zweigt
Ursprünglichkeit des Herzens, bis zum Firne
Krystallhafter Gestalten überm Hirne,
Zu dem sich der Erbrachtheit Spiegel zeigt:
Dann, unter Kühle, wo die Preisung schweigt,
Erklingt der Gang ergöttlicher Gestirne.
Ihr Himmeln wandelte unter Platanen,
Da Plato, du den alten Staat entwarfst!
Kein Mann erschritt Vollzug so klug den Ahnen,
Als er, der sich besonnen hat; du darfst,
Zu steigen, Liebendlebende ermahnen!
Ergreif uns Herr, der du Gesetze harfst!
Meine Erde
Der Freundin Toni Sussmann
Zu große Sonne fand ich auf den Wegen,
Uns holde Erde, hin zur offnen See;
In deinen Grotten schrie ich auf, vor Weh,
Doch bald betraf mich sachter Sternensegen.
Mir bleibt an später Wiederkunft gelegen:
Das Leben lieb ich, wo ich Kinder seh,
Auch Wald und Wesen – ach, zumal das Reh;
Wann dürft ich traumreich meinen Garten hegen?
Du sollst, bei Blumen, dich für Sterne sammeln,
Wir sind noch für die Erde fast zu jung,
Vermögen kaum, Versprechen wahr zu stammeln!
Warum die Furcht vor unserm Hadessprung?
Vor Sternendrachen mag ich mich verrammeln,
O Mutter, gib mir tief Beruhigung!
An Phaidros
Rudolf Pannwitz zugeeignet
Geliebtes Traumbild, über mir in Schwebe,
Vielleicht mein Zwilling, sternhin abgeneigt
Von diesem Wesenswuchs, der sich verzweigt,
Doch fromm macht, daß der Blick sich dirzu hebe,
Ich weiß wohl, wie ich flehend elend lebe!
Ein Bruderflug, der immer steiler steigt,
Mich bald als Ares, ein Gestirn, umreigt,
Entkreist, weil ich dem Schmachten mich ergebe.
Auf seinem Boden weilt der stolze Bauer,
Bringt bloß den Göttern hohe Opfer dar,
Durch ihn empfängt die Erde Halt zur Dauer.
Dein Phaidos flog davon und glaubt dem Aar.
das Herz bestimmte dir Gesang der Trauer:
Doch blieb ich, wo ich seltsam selig war.
Pegasus
Für Carl Schmidt
Auf großen Wogen, Sohn der Gorgo, fliege,
Beschwingtes Roß, ins Tagesgold empor!
Ich blicke hin, aus buntem Bogentor
Der Sonne, nach bedrohtem Wolkensiege:
Die Nebel perlen ihr, als Himmelsstiege,
Erschreckt und rasch zu Tal: sie fruchtet vor.
Doch Pegasus, nun strahl als Meteor,
Entzückt mein Blut zum sang im Sonnenkriege!
Wir folgen dir durchs Flügeln unsrer Ruder:
Ein Glückender, Berufer, stürz dir nach!
Ich traue ihm durch Glauben an den Bruder.
Erlieblichung der Schwester aus der Schmach
Gelingt dem Irdischen: den Urfluch lud er
Auch seinem Herzen auf, das Mut versprach.
An die deutsche Sprache
Ein mächtiger Mond überwältigt Gestalten,
In Stummheit um schauderndes Spüren gebaut,
Gebeut ihnen: Sagt! Und da hört ich den Laut
Der Vorfahren freundlich im Wunderwald walten.
Ich seh Zugedichtete Ansprachen halten:
Woher an das Ich, daß ihm hingebannt graut?
Bald lispelts durch Finsternis lieblich und traut:
Was wolkt, als ob Sprachen ums Mondwort sich ballten?
Ich lächle bloß einer: da stürzt sich ihr Segen
Aufs Fühlen aus Glück, daß ich Mensch bin, herab.
Dann tret ich dem Monde bekennend entgegen:
Er schirrt ein Gespann mir, zu rhythmendem Trab!
Der Fron frei entdacht, übertrumpft mich Sich-Regen
Geschilderter jäh: ihre Reden sind knapp
An die Heimat
Geliebte Heimat, bleiches Bild im Winde,
Olivenhain in der Zypressen Hut,
Beseeltes Meer, so voll Bestürmungsglut,
Betrau mit Wohllaut mich – zum Angebinde
Dem eingehändigten, dir fremden Kinde!
Du sinnst wie eine Mutter, leuchtend, gut;
Italia, dirzu strahlt der Stern im Blut,
Sein Hoffen blickt dich an, so bleib gelinde!
Zu hoher Sonne sprossen meine Triebe.
Gesund im Süden, steh ich stark an Wuchs:
Blieb Süße auch Besinnung bloß an Liebe!
Gelänge mir, als Zier des Krönungsschmucks,
Der hell auf deinen schwarzen Flechten ruht,
Ein Lied, voll Funkelglut, durch dunklen Mut!
Aus Verlorenheit
Meinem Vater
Gelobtes Land der Eltern mir, des sanges,
Einst wähnt ich mich verträumt an deinen Rhein,
Erzählte Nordgold, dort gehört zu sein:
Ein Horn so vollen Sonnenüberschwanges,
Das altes Licht, aus Magierhand am Ganges,
- Auf Gletscher überstülpt – zu Urgedeihn
Aus Finsternis, euch fordern sollte und befrein,
Beschloß ich deutsch zu bringen: wohl gelang es!
Noch weil’ ich fort, im Morgenland, beim Wogen
Beseelter See um Hellas’ hohen Strand!
Verheißungen, ihr habt noch nie getrogen:
Ein Donnern holt uns bald! Dann schwankt die Wand.
Wer griff zum Blitz? Von Lichtschwertern beflogen,
Ersprüht das Reich. Umfaß uns Flammenband!
Den Griechen
Das Inselmeer zertrümmert eine Sonne,
In zärtlicher Umblauung, jeden Tag,
Beschenkt mit ihren Splittern Wald und Hag,
Beschert auch uns Verwundertheit und Wonne.
Der Mann durchgoldet froh die kühle Tonne
Mit Saft, der Plage mundendem Ertrag:
Er stärke ihn vom Palikaren-Schlag,
Die Söhne auch, als kommende Kolonne!
Reicht heitre Griechensonne mir im Becher!
Der Trank ist stark: ihr Gastlichen habt Dank!
Zu euch gehört der Fremdling bald als Zecher.
Des Weines Heimat feiern wir mit Sang.
Sein Gott war kühn und ein beherzter Sprecher:
Von Freiheit kündet uns der tolle Schwank.
Wunsch
Ich schlürfe Freude aus des Freundes Schale,
Dir, Sonne, bring ich kühnes Feuer dar;
Aus wo-gebundner, ungenannter Schar,
Verkünden wir dein Lob, in offenem Saale.
Du lädst uns sorglos ein zu freiem Mahle,
Wir nahen: Wachsame beim Lichtaltar.
Dir dankt, zur Hochzeit, das beglückte Paar,
Im Auge funkt Beschluß vom Herzensstrahle:
Wir schwanken nicht zurück vor deinem Fordern,
Erglühte Hüter deiner Huld zu sein!
Bewährt ich, dir zu taugen, mich bei Vordern!
Durch eigne Güte, Sonne, sind wir dein:
Du sollst mein Lied zum Morgengruß beordern,
Am Mittag mag des Mannes Mut gedeihn!
---------------------------- Halimus, im Frühjahr 1923
Ein Kytharöde singt zur Hochzeitsfeier:
So holder Hymenäos, Argos’ Sohn,
Wo Töchter Attikas, vor altem Thron
Der Demeter, sich wiegten nach der Leier,
Erschienen Jünglinge, als kecke Freier,
Poseidon lehrte sie des Schwachen Hohn:
Für Seegefahr, ergriffen sie, zum Lohn,
Die Mädchen und zerzausten ihre Schleier.
So stolzer Hymenäos, kühner Retter,
Du pfeiltest, ein Apollo, in den Troß:
Die Räuber schreckten weg, wie böses Wetter.
Wo goldenes Geschoß ihr Blut vergoß,
Verehrt dich Attika: der Braut als Better
Zu gutem Hochzeitsbund, bleib uns Genoß!
Ein Zug
Für meine Schwester Edith
Sehr fromme Frauen ziehen fort zum Meere
- Von Demeter ergriffen, weich gehüllt -.
Ein Wünschen, das Durchbangte lang erfüllt,
Beseligt sie, zu ihrer Göttin Ehre,
Geweihtes Sagen, aus des Herzens Schwere,
Das Kummer krümmt, sich im Gemüt verknüllt,
Emporzurufen, wo die Sturmsee brüllt:
Und alter Hang zum Hades birgt die Lehre.
Sehr fromme Frauen schauen ihre Tiefe;
Die Triebe welkten, flattern durch den Herbst,
Es wird, als ob uns Zukunftheil beriefe:
Ereigne dich, wo du dein Scheitern erbst,
Zur Gottheit sinnt man urverschwiegne Briefe,
Sie hält geheim, was du in Klippen kerbst!
Kap Kolias
Geweihtes Kap gewährt den Frauen Staunen.
Es staunt vor hohen Wogen sich der Zug.
Ein Pilger ruht durch eigner Brust: Genug!
Gesang verklärt der Brandung schweres Raunen,
Des Meeres Ernst lebendigt tausend Launen;
Wer sich beherrscht, erkennt es: ohne Trug.
Besteht ein Mensch, der keinen Zwist vertrug?
Gib Stürmen Kriegers Antwort durch Posaunen!
Hier gilt es kaum, das Meer zu übertönen.
Wo überwand sich je Gewalt ein Herz?
Du sollst Bewegtheiten in dich erschönen!
Vollbring dein Schweigen: o es bleib aus Erz!
Nur nun. Du hörst der Hölle bloßes Stöhnen:
Sich draus gewöhnen, steigerst geisterwärts.
Aphrodite
Aus tausend Brüsten aufgeschäumten Meeres
Erperlt der Aphrodite seltnes Licht:
Sie schwebt am Mittag schattenlos im Licht,
Du sahst noch nie – gegeistert – ein so hehres
Gebild, das dir vom Weibe spricht: begehr es!
O Liebe, für und gegen dich in Pflicht,
Erfahr ich Milde, find ich mein Gericht?
Ich weiß von Ewigkeit: uns nun ein schweres
Geheimbewalten altershoher Ehen.
Aus ihnen kommt der Himmel zu uns her:
Den Frommen bloß gebührt ein Leib als Lehen;
Nach Schicksalsernten funkle dein Begehr!
Von Scham des Blutes laßt euch keusch beweben,
Bleibt blaß! Das Auge blaut auf reinem Meer.
Die Erscheinung
Geliebtes Bild, du sollst bei mir erwarmen:
Du Weib und Wesen, weil in mich verliebt!
Ihr Wunder wäret nicht, wenn ihr verbliebt;
Und doch, mein Weib, noch halt ich dich in Armen.
Geheime Nacht bist herzlich: Stern-Erbarmen.
Auf einmal weinst du: wer uns Hilfe gibt?
Wie Freude durch der Triebe Schwermut siebt:
Ich kann nach deinem Kuß nicht mehr verarmen!
Mein Vater: Gott! Mir graut vor Deiner Güte.
Wo unverlangt, kam über uns das Glück.
Nun stütz mich Weib, daß ich dein Gut behüte!
Gewähr mir auch, daß Wonne dich berück!
Ersprühtes Wünschen wurde Glut zur Blüte:
An mich schenkst du, was Gott dir gab, zurück.
Geliebte
Geliebte, nimm uns hin mit schweren Schwächen!
Ich bin bloß Mensch aus eigner Leidenschaft:
Auf deinen Flechten goldet mir geborgne Kraft,
Als schlürft ich Glut aus hold besonnten Bächen.
Mit freien Augen glückt dir das Versprechen
Zu jüngster Wonne, die zu dir mich rafft;
Durch deine Sachtheit lieb ich mich in Haft
Und mag aus keinen Zartgewinden brechen.
Geliebte, laß mich knien zu deinen Füßen;
Vergrab so warm die Hand im spröden Haar:
Ein Blick empor mag unsern Himmel grüßen!
Wer weiß, ob einst die Seele ruhig war?
Wohl schwand sie sanft aus allzu trauten, süßen
Gefühltheiten in Fremde und Gefahr.
Beruf
Für Toni Sussmann
Geliebte Menschen, schwach durch alte Plagen,
Ihr seid von Gott enttäuscht und seiner Welt:
Wie brauch ich euch und unser Himmelszelt!
Ein Weib vernimmt nur des Entblößten Klagen!
Du mußt – gesamt – die Sternenherkunft tragen,
O Mensch, du bist vor Mühsal nie zerschellt:
Fürs Weib zu sorgen, bleibt dem Mann Entgelt,
Denn Frieden freut ihn nicht, er hofft aufs Wagen!
Ein Menschentum fordern heile Leidenschaften.
Was Hingesonnenheit im Nächsten liebt,
Verlangt nach Künstlertum, zu wunderhaften
Erbauungen der Seele, die zerstiebt,
Wenn Triebe nicht um edle Mahnung haften:
Verbleib der Hilflosen, die Pflichten gibt!
Hellas
Für Lukas Peterich
In Hellas ward die Gottheit hold gestaltet;
Auf Meer und Inseln sehne dich hinaus!
Nie faßt dich dort vor Menschen alter Graus:
Sie haben sich zur Sonne stolz entfaltet.
Gesang, der treu – durch die Besinnung – schaltet,
Geleite dich um dein vertrautes Haus!
Gemüt, bald wird dir wohl bei Windgebraus:
Du spürst, wie Herzensblut im Grauen waltet.
Der Krieger tritt gefaßt zum schönen Weibe:
Die Leidenschaften wägt ein großes Maß,
Daß Anmut ernstgeübten Leibern bleibe!
Bei Spielen, die kein kühnes Lied vergaß,
Erblickst du Jünglinge mit heller Scheibe:
Sie adeln Wettstreit, als geglückten Spaß.
An Pindar
Des Barden Ruhm vollendest du beim Ringen
Gebräunter Jünglinge um holden Preis,
Bescherst dem Herrlichsten gesungnes Reis,
Nach Wettkampf und des Läufers Sieg-Erspringen.
Wie lieblich deines Staunens Silben klingen,
Wenn ein Gedichteter erschaudernd weiß:
Zu blutendem Erinnern perlt mein Schweiß,
Von mir kann Kunde kühn zu Kriegern dringen!
Um Hellas funkeln, Pindar, deine Sorgen,
Apollo lodert dir als Gott und Held:
Im Jüngling strahlt uns dein gepriesner Morgen.
Des Edlen Leib verklärt dir frei die Welt:
In seltnen Menschen bleibt ihr Stolz geborgen,
Ein Herz Behältnis für das Himmelszelt.
Der Sieger
Für Lukas Peterich
Athen bejauchzt seinen berauschten Sieger,
Dem in Olympia Ruhmestat gelang;
Von Lauf und Ringen kündet leicht der Gang:
Er glich, beim Hinsprung, Ikaros dem Flieger.
Wohl wünschte kühn sein Volk: die Glieder schmieg er,
Gewandter als ein Dorer ihn beschlang,
Um Gegners Nackenpracht, durch Kampfesschwang,
Und überwältige ihn wie ein Tiger!
Erjubelnde, auf vollen Marmorstufen,
Umpreisen den Gekrönten mit Gesang:
Begrüßt doch Glückliche gewognes Rufen!
Auch für Athen verlangt ihn nach Empfang:
Ergreiste, die zu seiner Ehre schufen,
Umhalst ein Arm, der Lehrern Sieg errang.
An Anakreon
O Lober des Dyonisos, Preiser des Weines,
Anakreon, Sänger so holder Gestalt,
Ich huldige auch des Bacchos’ naher Gewalt:
Ach, gliche dem Lied deiner Gottfeiern meines!
Entblitzte der Liebe ein hingefunkt-reines
- Urfrommend, doch eignes – Gedicht mir, so alt
Wie Weisen entzündeter Weltengehalt:
Gelänge Erfülltsein Gehülltsein des Scheines!
Anakreon, Sehnsuchten singender Seher,
Dein Weh überwellt uns ein inselndes Meer:
Du pochst an die Pforten Verliebter; nicht eher
Entweiche vom Weltweg, als bis der Begehr
Nach flammenden Herzen veratmet! Beweher
Erglühender, wettre auf Wolken einher!
O Sonne
Alice Berend zugeeignet
O birg in kühnem Leben Sonnenstunden,
Dein Wesen bleib um Wonne hold in Sorgen;
Die Sonne schenkt sich fordernd: borg zu borgen,
Laß eignen Überschwang durch Gold umrunden!
Wie froh gekühlte Sommermonde munden!
In Weinesröte loht ein stolzer Morgen
Der ewigen Erwachtheit traut geborgen:
Sein Tag in uns singt alte Sonnenkunden.
O Sonne, meine Seele sei ein Garten,
Berühre sacht der Triebe zartes Sprühen:
Ein Mensch ist lenzgewohnt, weil voll Erwarten!
O Sonne, weil behutsam um mein Mühen:
Wir fühlen freudig ferne Feuerfahrten,
Die, fruchtbar durch den Geist, dür dich erglühen!
Wesen
Alice Berend zugeeignet
Aus Sonne ist mein Wesen hergesponnen:
Empfohlen ward ein Leib in seine Hut,
Und er gedeiht, denn eifrig quillt das Blut,
Mein Auge nun hat fromm sein Glück begonnen.
Der Sonne zu, bin ich aus Haft entronnen,
In der umwurzelt Gott auf uns beruht;
Jetzt seh ich Ihn: sein Blick bewahrt mich gut,
Drum Welt, dir hab ich goldnen Preis gewonnen!
Dem Baum verwandt, mit seinen Frühjahrstrieben,
O Mensch, bin Sonne ich und dann ihr Regen;
Ein Heimatwind wird unsre Wipfel lieben.
Wie Schatten mag sich Demut um dich legen:
Doch Sonnenkünder, der so kühn geblieben,
Lebendiger, besorg der Söhne Segen!
Die Göttin im Garten
Begegne der Göttin der Liebe im Garten!
Sie sei dir das sonniglich sorgsame Weib!
Sie wolkte vom Meere – verhüllt war der Leib –
Und trat zu den Pflanzen, die bang ihrer harrten.
Nun hegt sie uns treu, nach fremdhaften Arten:
Seid freudig und fromm, daß lang sie verbleib,
Die Feinde der Leute beim Dorfe vertreib,
Wir sollten sie morgens, im Taublau, erwarten!
Verehrt sie und haltet im Hühnerhof Tauben;
Auch Schildkröten liebt ihre Sachtheit im Grün;
Genügsamkeit lobt, wenn sich Büsche belauben!
O wüßtet ihr, wie sie euch hilft beim Bemühn,
So würden wir fürstliche Obstopfer klauben!
Sie bleibt uns ja nah, bis die Trauben erglühn.
Die Göttin beim Volk
O bleib beim Volk, geliebte Aphrodite!
Zur Vorstadt und Gehöften schickst du Tauben:
Wenn stadtwärts Wagen mit Berauschten stauben,
Befügst du sie in freudvolle Gebiete.
Du bietest Mädchen an, auf schnelle Miete,
Besänftigst Stürmische in dichten Lauben,
Daß sich Verwegne keine Jungfrau rauben:
Erfreut sei, wer vor Schenkelsäulen kniete!
Du bist beim Volk: drum lebt es nun zufrieden.
Wer staunte nicht, wie du dein Reich erweiterst,
In allen Gauen ist dir Gunst beschieden!
Geliebte Göttin, da du uns erheiterst,
Entschweb mir nicht, verweile sanft hienieden:
Herbeigeschiffte, bleib, daß du nicht scheiterst!
An Sappho
berühmte Sappho, Künderin des Feuers
Verzückter Liebe um ein schlankes Wesen,
Du hast so zarte Silben sacht erlesen,
Verklärter sang zu sein des Abenteuers,
Das hin, vor des Umarmungsungeheuers
Gewalt, dich streckte: ich bin Weib gewesen!
Du mußtest aus dem Rausch zu Mut genesen:
Nun segle ewig, Brecherin des Steuers!
Des Weibes Leidenschaft durchschwärmt der Meere
Felshalsendes Bestürmen, dann Zerstäuben,
Und gischtet steil geschmettert in die Leere.
O, wie die Sehnsüchte sich brünstig sträuben,
Zermalmt zu sinken, durch der Mahnung Schwere:
Zu Herzens Ehre sollst du Lust betäuben!
Ums Mond-Meer
Vernarrter Alp – ob Mond? – in kühler Liebe,
Zerdrückst du das Gewölk und wühlst ums Meer.
Gewogne Unholde beträum ich schwer
Und reck mich schräg: wie ich in Schwebe bliebe?
Mein Schlaf, jetzt stiebt verwünschtes Schwirrgetriebe:
Uns rührt gegeilter Wünschlein Schlupfbegehr,
Sie flimmern flink zum frischen Schwesternheer:
Nun schöpft im Schlamm, bald bleibt ein Aal im Siebe!
Du mußt die Haschsucht nach dem Lichtloch strecken!
Dort oben; doch es sinkt mir, wie gewohnt –
- Voll Wolken schon – wer wird es hold verstecken?
O Wonnewogen, wie sichs wohlig lohnt,
Euch – kraus in Krägen – bloß im Hemd, zu necken:
O Mond, von Menschlein werd ich toll umwohnt.
Die Göttin der Gestirne
Für Will Frieg
Wir müssen, als Mond, zu der Sternen-Vertrauten,
- Uns funkelnde Göttin – den Aufschwung beflügeln,
Gehimmelter Weltwunsch entwand sich aus Zügeln,
Die blitzlich in schlingernde Schiefen zerblauten.
Erblick du dich, Schmachter, bei Perlen und Rauten!
Wenn bändernde Bäche den Heimschlich erklügeln,
Entgeister, mit gleißendem Mondglanz, den Hügeln
- Wohl Mündungen zu – wo sich Sehnsuchten stauten!
Wir müssen, als Mond, zu der Sternengeliebten,
Die Urbrunst zur kommenden Sonne beschwichtigt:
So spür, wie ihr kränkelnde Möndchen entstieben!
Wenn bloß uns ein Herz junge Weisung berichtigt,
So schweift mich Beruf durch die sternsteilen Bauten,
Wo ernst wir die Braut, vor den Müttern, erschauten!
An Homer
Gedichteter, noch mächtiger, weil freier
Als der Kronide, Herr im großen Meer,
Umplätschre uns, Besänftiger: Homer,
Dir sei, in Hellas, blauer Tag die Feier!
Drei Musen lobten, zu Apollos Leier,
Der Männer heldenhaften Kampfbegehr,
Athena bracht ihn dem Achajerheer
Und dachte, bei Atriden glüh, gedeih er!
Homer, du hast Achill zur schlacht erkoren,
Warst seine Stimme durch der Zelte Flucht,
Ein Schrei der Seherin vor Ilions Toren;
Dein Rufen schürte der Verwegnen Wucht,
die Ruhm, in heilem Sang zum Tod, erkoren:
Dann ruhtest du – wie Meer – in runder Bucht.
Mein Meer
----------------------- Sapientum templa serena.
----------------------- Lucretius
Mein Meer, Millionen holde wesen pochen
Um stummes Eiland aus verloschnem Traum;
Wie wälzen sie sich schwer und wispern kaum:
Du hast den Seelen Stille doch versprochen!
Beschäumte Tiger kommen angekrochen,
Auch tolle Hunde, mit dem Maul voll Schaum,
Des Hades Brut entbäumt sich Plutos Zaum
Und wütet, Wüsten wild zu unterjochen!
Enttauche nun, erstauntes Wunderschauen:
Gekrümmte Rhythmen spannt das steile Zelt,
Die Sonne singe leicht und frei im Blauen!
Wie zart und durchsichtig wird meine Welt!
Gewelle ihrer Meere faßt Vertrauen,
Daß einst der letzte Möwenschrei zergellt.
An Plato
Florens Christian Rang zugeeignet
Es trafen sich die Sonnen auf der Stirne,
Die Plato schwer zur innern Hut geneigt;
Er wußte, durch des Leibes Blutbusch zweigt
Ursprünglichkeit des Herzens, bis zum Firne
Krystallhafter Gestalten überm Hirne,
Zu dem sich der Erbrachtheit Spiegel zeigt:
Dann, unter Kühle, wo die Preisung schweigt,
Erklingt der Gang ergöttlicher Gestirne.
Ihr Himmeln wandelte unter Platanen,
Da Plato, du den alten Staat entwarfst!
Kein Mann erschritt Vollzug so klug den Ahnen,
Als er, der sich besonnen hat; du darfst,
Zu steigen, Liebendlebende ermahnen!
Ergreif uns Herr, der du Gesetze harfst!
Meine Erde
Der Freundin Toni Sussmann
Zu große Sonne fand ich auf den Wegen,
Uns holde Erde, hin zur offnen See;
In deinen Grotten schrie ich auf, vor Weh,
Doch bald betraf mich sachter Sternensegen.
Mir bleibt an später Wiederkunft gelegen:
Das Leben lieb ich, wo ich Kinder seh,
Auch Wald und Wesen – ach, zumal das Reh;
Wann dürft ich traumreich meinen Garten hegen?
Du sollst, bei Blumen, dich für Sterne sammeln,
Wir sind noch für die Erde fast zu jung,
Vermögen kaum, Versprechen wahr zu stammeln!
Warum die Furcht vor unserm Hadessprung?
Vor Sternendrachen mag ich mich verrammeln,
O Mutter, gib mir tief Beruhigung!
An Phaidros
Rudolf Pannwitz zugeeignet
Geliebtes Traumbild, über mir in Schwebe,
Vielleicht mein Zwilling, sternhin abgeneigt
Von diesem Wesenswuchs, der sich verzweigt,
Doch fromm macht, daß der Blick sich dirzu hebe,
Ich weiß wohl, wie ich flehend elend lebe!
Ein Bruderflug, der immer steiler steigt,
Mich bald als Ares, ein Gestirn, umreigt,
Entkreist, weil ich dem Schmachten mich ergebe.
Auf seinem Boden weilt der stolze Bauer,
Bringt bloß den Göttern hohe Opfer dar,
Durch ihn empfängt die Erde Halt zur Dauer.
Dein Phaidos flog davon und glaubt dem Aar.
das Herz bestimmte dir Gesang der Trauer:
Doch blieb ich, wo ich seltsam selig war.
Pegasus
Für Carl Schmidt
Auf großen Wogen, Sohn der Gorgo, fliege,
Beschwingtes Roß, ins Tagesgold empor!
Ich blicke hin, aus buntem Bogentor
Der Sonne, nach bedrohtem Wolkensiege:
Die Nebel perlen ihr, als Himmelsstiege,
Erschreckt und rasch zu Tal: sie fruchtet vor.
Doch Pegasus, nun strahl als Meteor,
Entzückt mein Blut zum sang im Sonnenkriege!
Wir folgen dir durchs Flügeln unsrer Ruder:
Ein Glückender, Berufer, stürz dir nach!
Ich traue ihm durch Glauben an den Bruder.
Erlieblichung der Schwester aus der Schmach
Gelingt dem Irdischen: den Urfluch lud er
Auch seinem Herzen auf, das Mut versprach.
An die deutsche Sprache
Ein mächtiger Mond überwältigt Gestalten,
In Stummheit um schauderndes Spüren gebaut,
Gebeut ihnen: Sagt! Und da hört ich den Laut
Der Vorfahren freundlich im Wunderwald walten.
Ich seh Zugedichtete Ansprachen halten:
Woher an das Ich, daß ihm hingebannt graut?
Bald lispelts durch Finsternis lieblich und traut:
Was wolkt, als ob Sprachen ums Mondwort sich ballten?
Ich lächle bloß einer: da stürzt sich ihr Segen
Aufs Fühlen aus Glück, daß ich Mensch bin, herab.
Dann tret ich dem Monde bekennend entgegen:
Er schirrt ein Gespann mir, zu rhythmendem Trab!
Der Fron frei entdacht, übertrumpft mich Sich-Regen
Geschilderter jäh: ihre Reden sind knapp
An die Heimat
Geliebte Heimat, bleiches Bild im Winde,
Olivenhain in der Zypressen Hut,
Beseeltes Meer, so voll Bestürmungsglut,
Betrau mit Wohllaut mich – zum Angebinde
Dem eingehändigten, dir fremden Kinde!
Du sinnst wie eine Mutter, leuchtend, gut;
Italia, dirzu strahlt der Stern im Blut,
Sein Hoffen blickt dich an, so bleib gelinde!
Zu hoher Sonne sprossen meine Triebe.
Gesund im Süden, steh ich stark an Wuchs:
Blieb Süße auch Besinnung bloß an Liebe!
Gelänge mir, als Zier des Krönungsschmucks,
Der hell auf deinen schwarzen Flechten ruht,
Ein Lied, voll Funkelglut, durch dunklen Mut!
Aus Verlorenheit
Meinem Vater
Gelobtes Land der Eltern mir, des sanges,
Einst wähnt ich mich verträumt an deinen Rhein,
Erzählte Nordgold, dort gehört zu sein:
Ein Horn so vollen Sonnenüberschwanges,
Das altes Licht, aus Magierhand am Ganges,
- Auf Gletscher überstülpt – zu Urgedeihn
Aus Finsternis, euch fordern sollte und befrein,
Beschloß ich deutsch zu bringen: wohl gelang es!
Noch weil’ ich fort, im Morgenland, beim Wogen
Beseelter See um Hellas’ hohen Strand!
Verheißungen, ihr habt noch nie getrogen:
Ein Donnern holt uns bald! Dann schwankt die Wand.
Wer griff zum Blitz? Von Lichtschwertern beflogen,
Ersprüht das Reich. Umfaß uns Flammenband!
Den Griechen
Das Inselmeer zertrümmert eine Sonne,
In zärtlicher Umblauung, jeden Tag,
Beschenkt mit ihren Splittern Wald und Hag,
Beschert auch uns Verwundertheit und Wonne.
Der Mann durchgoldet froh die kühle Tonne
Mit Saft, der Plage mundendem Ertrag:
Er stärke ihn vom Palikaren-Schlag,
Die Söhne auch, als kommende Kolonne!
Reicht heitre Griechensonne mir im Becher!
Der Trank ist stark: ihr Gastlichen habt Dank!
Zu euch gehört der Fremdling bald als Zecher.
Des Weines Heimat feiern wir mit Sang.
Sein Gott war kühn und ein beherzter Sprecher:
Von Freiheit kündet uns der tolle Schwank.
Wunsch
Ich schlürfe Freude aus des Freundes Schale,
Dir, Sonne, bring ich kühnes Feuer dar;
Aus wo-gebundner, ungenannter Schar,
Verkünden wir dein Lob, in offenem Saale.
Du lädst uns sorglos ein zu freiem Mahle,
Wir nahen: Wachsame beim Lichtaltar.
Dir dankt, zur Hochzeit, das beglückte Paar,
Im Auge funkt Beschluß vom Herzensstrahle:
Wir schwanken nicht zurück vor deinem Fordern,
Erglühte Hüter deiner Huld zu sein!
Bewährt ich, dir zu taugen, mich bei Vordern!
Durch eigne Güte, Sonne, sind wir dein:
Du sollst mein Lied zum Morgengruß beordern,
Am Mittag mag des Mannes Mut gedeihn!
---------------------------- Halimus, im Frühjahr 1923
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.

