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I2I
#1
------I2I

Es sammelt sich ein Pulk vorm Eye To Eye;
Der Freitagabend ist ein Fix-Termin,
for Fun mal lässig um die Häuser ziehn;
Die Poser prüfen noch ihr Konterfei,
Sie schlagen sich die Falten aus den Jacken.
Der Schaulauf kann beginnen: Rituale
Reviere und Rivalen - und Kabbale:
Das wird nix mit Kartoffeln und Kanaken.

Unschlüssig lehnt ein Typ an der Laterne.
Er war ihr auch schon früher aufgefallen,
mit Augen wie ein Bollywood-Idol.

Sie spielt den eignen Film ab, allzu gerne
sieht sie ihn an. Sie ließ sich gerne fallen...
war das ein Lächeln? Das gefällt ihr wohl.



.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
Hallo Zaunkönig,

eigene Erfahrungen verarbeitet? Das mit den Kartoffeln und Kanaken habe ich nicht verstanden. Mir fällt zu dieser Wort-Verbindung nur die Geschichte aus meiner Jugend ein, als sich ein arabischer Student auf unserer Etage immer (ironisch-liebevoll) darüber aufregte, dass meine Mutter wieder mal Kartoffeln kochte. Das tat sie oft und in großen (Vorrats-)Mengen, denn wir waren arme Leute, und diese Knollen sind nun einmal ein billiges Grundnahrungsmittel. Ahmed rief dann zu uns herüber: "Ria, was kochst du denn schon wieder so viele Kartoffeln? Hast du eine Großküche, oder was?" Das war noch die "gute alte" Schweinsbraten- und Sonntagshuhnära, lange vor dem omnipräsenten Pasta- und Pistazienterror der Jetztzeit, wo das Exotische gewöhnlich und das Gewöhnliche bereits exotisch geworden ist. Hast du mal ein Gedicht über die aktuelle Flüchtlingskrise geschrieben? Wie wär's mit Ein-Wanderer über dem Nebelmeer?

Gruß
Josef
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#3
Hallo Josef,

Deutsche, bzw Mitteleuropäer insgesammt werden von arabischen Jugendlichen oft abfällig als Kartoffeln bezeichnet. Ein Begriff wie Krauts oder Spaghettifresser, Kümmeltürke etc.
Habe ich selbst schon so gehört.
Zur aktuellen Flüchtlingskrise habe ich noch nichts gemacht, aber eigentlich ist es das alte Thema vom Fremdenhass und Überfremdungsangst vs. Gastfreundschaft und Multikulti.
Direkt Tagespolitisch würde ich das Thema auch nicht angehen wollen.

Eigene Erfahrungen nur insofern, dass man sich als Autor nie ganz aus seinen Geschichten heraushalten kann.
Da spielt natürlich die ein oder andere Erfahrung und Beobachtung mit rein, aber autobiografisch ist der Text nicht.

Gruß
ZaunköniG
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#4
Nun der Auftakt zu einem weiteren Sonettenkranz....



I2I

01 Amy


War das ein Lächeln? Das gefällt ihr wohl, -
doch wer ist die da? Sie scheint ihm vertraut.
Das dunkle Haar, die makellose Haut...
Es kreist der mitgebrachte Alkohol.

Die Kleine, ist sie nicht noch fast ein Kind?
Nun löst sie sich. Hat er sie weggeschickt?
und nochmal trifft sie zufällig sein Blick. -
Ein scheues "Hi!" vielleicht?, doch eh sie sich besinnt

ist die Gelegenheit auch schon vorbei.
Ein "Hi!" - und dann? was soll sie ihm denn sagen?
und viel zu viele Leute stehn ringsum.

Sie fühlt sich klein, nicht hübsch genug und dumm,
auch seine Clique ist nun aufgeschlagen.
Es sammelt sich ein Pulk vorm Eye to Eye.



02 Sharam

Es sammelt sich ein Pulk vorm Eye To Eye.
Mit Bier und Wodka wird schon vorgeheizt.
Sharam gefällt das nicht. Laut und gereizt
bevor es richtig losgeht, ein Geschrei
um Nichts. Den Eltern hat er es versprochen:
Na klar, passt er auf seine Schwester auf.
Na klar sind sie um 12 zuhaus, darauf
sein Ehrenwort. So geht es schon seit Wochen.

Die Schwester fällt ihm kurz noch in den Arm;
Die Daumen hoch - sie ist schon ganz schön straight.
Und dann verschwindet sie zu ihrem Date.
Die Kumpels kommen, machen gleich Alarm,
Hey altes Haus, komm lass uns einen ziehn. -
Der Freitagabend ist ein Fixtermin.



03 Leyla

Der Freitagabend ist ein Fixtermin
für Leyla seit der letzten Klassenfahrt
als Bo, verwegen mit Dreitagebart
am Lagerfeuer klampfte und auf Knien
die halbe Klasse lauschte. zugewunken
hat er ihr und sie setzte sich dazu.
Es fühlte sich an wie ein Rendezvous
und hinterher war'n alle sturzbetrunken.

er hat den Schmelz im Blick - er ist so süß!
Unendlich lang schon himmelt sie ihn an.
Das muss er doch mal merken! immerhin,
dass man sich nur verschämt von Ferne grüßt,
das war mal. Sie gehört zur Crew. Man kann
for Fun, mal lässig um die Häuser zieh'n.



04 Boris

For Fun mal lässig um die Häuser ziehn
und Plane machen und davon erzählen. -
Ein erster Gig scheint sich herauszuschälen...
...und um die Ecke schlendert sein Cousin:

"Ah! Mathe pauken! Bo du bist ein Maulheld.
Glaubst du, die Kleine hier kann was zeigen?
Nun rührt euch! Weiter feiern! ich kann schweigen.
Wir wollen ja nicht, dass man dich für faul hält."

Im Hintergrund verhaltenes Gekicher,
Ach, ginge doch der Spuk hier schnell vorbei.
Bo hat 'nen neuen Songtext, aber sicher
wird der ein andermal viel besser passen.
Das Tor geht auf, Gedränge an den Kassen,
Die Poser prüfen noch ihr Konterfei.



05 Warmlaufen

Die Poser prüfen noch ihr Konterfei
und gehn dabei bewusst robust zu Werke.
Die Gruppen schätzen ihre Mannschaftsstärke;
Man patrouilliert in Formation vorbei
an Girls, die sich besonders lässig geben
und tauscht die coolsten Anmachsprüche aus.
"Du machst mich ganz schön an, du wilde Maus!"
"Ja du mich auch - und noch ein schönes Leben!"

Die Chicas sind ganz anders anzupacken.
Der nächste sucht sein Glück, die selbe Story,
und geht ein Mädel ganz frontal an: "Sorry,
wenn ich sabber, doch du bist echt lecker!"
Sie feixen später über das Gemecker
und schlagen sich die Falten aus den Jacken.



.
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#5
(19.08.2017, 08:49)ZaunköniG schrieb: I2I


5 Warmlaufen


Die Poser prüfen noch ihr Konterfei
und gehn dabei bewusst robust zu Werke.
Die Gruppen schätzen ihre Mannschaftsstärke;
Man patrouilliert in Formation vorbei
an Girls, die sich besonders lässig geben
und tauscht die coolsten Anmachsprüche aus.
"Du machst mich ganz schon an, du wilde Maus!"
"Ja du mich auch - und noch ein schönes Leben!"

Die Chicas sind ganz anders anzupacken.
Der nächste sucht sein Glück, sie selbe Story,
und geht ein Mädel ganz frontal an: "Sorry,
wenn ich sabber, doch du bist echt lecker!"
Sie feixen später über das Gemecker
und schlagen sich die Falten aus den Jacken.
schöne Milieustudie, ZkG. gut beobachtet und lebendig beschrieben. das Falten-aus-den-Jacken-schlagen bei gleichzeitigem Feixen, finde ich besonders gelungen: da läuft richtiges Kopfkino an. gefällt mir.

Gruß
Alcedo

-> Überschrift => 05 Warmlaufen

-> Z7 => „ganz schön an“

-> erstes Terzett => „die selbe Story“
Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
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#6
Hallo Alcedo,


Nachdem ich in den ersten 4 Teilen die Hauptfiguren vorgestellt habe, wird es Zeit, dass die Handlung in Schwung kommt.
Freut mich wenn das "Kopfkino" bei dir so ankommt. Du darfst dich auf die Fortsetzung freuen.

Bei deinen Korrekturen: Dreimal ja.
Da hatte ich wohl zu schnell getippt. Verdammte Ungeduld....


Gruß
ZaunköniG
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#7
I2I

06 Origami-Osborne


Sie schlagen sich die Falten aus den Jacken
und Bo spendiert 'ne Runde Osborne-Cola:
"Ich geb' ein' aus, doch nur für Selbstabholer!"
Man hört nicht, doch man ahnt ein leises Knacken.

Der Alk wird unterm Tisch hineingemixt.
Das kann mal gut geh'n, aber nicht auf Dauer. -
Die Umgangsformen werden alsbald rauer,
Die Sprücheklopfer sind wie angefixt.

was Spaß war, wird allmählich unbequem
und zeitigt eine frühe Rote Karte.
Nur Bo, der sich den gröbsten Unfug sparte,
knickt wie in Trance, zum Ach-wievielten Male
aus Kaugummipapier ein Diadem.
Der Schaulauf hat begonnen: Rituale...


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#8
(20.08.2017, 09:19)ZaunköniG schrieb: I2I

06 Origami-Osborne


Sie schlagen sich die Falten aus den Jacken
und Bo spendiert 'ne Runde Osborne-Cola:
"Ich geb' ein' aus, doch nur für Selbstabholer!"
Man hört nicht, doch man ahnt ein leises Knacken.

Der Alk wird unterm Tisch hineingemixt.
Das kann mal gut geh'n, aber nicht auf Dauer. -
Die Umgangsformen werden alsbald rauer,
Die Sprücheklopfer sind wie angefixt.

was Spaß war, wird allmählich unbequem
und zeitigt eine frühe Rote Karte.
Nur Bo, der sich den gröbsten Unfug sparte,
knickt wie in Trance, zum Ach-wievielten Male
aus Kaugummipapier ein Diadem.
Der Schaulauf hat begonnen: Rituale...

hallo ZaunköniG

trefflich war auch der Binnenreim in Z2 (bei 05) gewesen, der an der Stelle (bewusst/robust) eine Straffung des Metrums, eine martialische Untermalung bewirkt, die stimmig im Militaria-Vokabular ausläuft: „Mannschaftsstärke“, „Man patrouilliert in Formation“, „geht (…) frontal an“, „und schlagen sich“. steht alles da.

der Stier auf der Osborne-Cola-Dose, jetzt in 06, passt da noch gut dazu, aber mit dem Kickervokabular („frühe rote Karte“) fällst du mir hier ziemlich unschön aus dem Rahmen. das passt für mich nicht und mindert mir das Lesegefallen und das ansonsten so stimmige Gesamtbild.

als sehr schön empfand ich aber den (in der Überschrift angekündigten) zarten Ausreisser im letzten Zeilendoppel: den origamifaltenden Diademerschaffer, ist es doch eine äußerst poetische Entsprechung für die „Kindersoldaten“, für die in Schach gehaltene seelische Zartheit dieser Halbstarken. deshalb würde ich auch vorschlagen hier auch optisch dieses Couplet mit einer Leerzeile abzusetzen.

Gruß
Alcedo

=> Was Spaß war ... oder Komma nach "angefixt"

Vorschlag:

was Spaß war, wird allmählich unbequem
und zeitigt eine frühe Rote Karte.
Der Schaulauf hat begonnen: Rituale...
Nur Bo, der sich den gröbsten Unfug sparte,

knickt wie in Trance, zum Ach-wievielten Male
aus Kaugummipapier ein Diadem.

07 Übergabe

Aus Kaugummipapier, das Diadem,
bekommt die Erste, die …



.
Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
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#9
Hallo Alcedo,

Die Halbstarken geben sich martialisch, aber letztlich ist es ein Spiel, das mit der Roten Karte jäh beendet, - oder zumindest unterbrochen wird. Der Bruch, den du beim Lesen empfindest, empfinden die Kids bestimmt noch stärker Wink

Deine Umstellungen klingen ganz gut, allerdings müsste ich dafür auch das Meistersonett im Kopfposting umschreiben. Ob das ohne gröbere Verrenkungen möglich ist? Aber gegen eine andere Typographie spricht erstmal nichts.
Apropos Kopfposting: Ich sehe gerae, dass ich dort eine andere Zeitform für den beginnenden Schaulauf gewählt hatte. Das sollte ich noch vereinheitlichen.



06 Origami-Osborne

Sie schlagen sich die Falten aus den Jacken
und Bo spendiert 'ne Runde Osborne-Cola:
"Ich geb' ein' aus, doch nur für Selbstabholer!"
Man hört nicht, doch man ahnt ein leises Knacken.

Der Alk wird unterm Tisch hineingemixt.
Das kann mal gut geh'n, aber nicht auf Dauer. -
Die Umgangsformen werden alsbald rauer,
Die Sprücheklopfer sind wie angefixt;
was Spaß war, wird allmählich unbequem
und zeitigt eine frühe Rote Karte.

Nur Bo, der sich den gröbsten Unfug sparte,
knickt wie in Trance, zum Ach-wievielten Male
aus Kaugummipapier ein Diadem.
Der Schaulauf kann beginnen: Rituale...



.
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#10
07 - Rituale

Der Schaulauf kann beginnen: Rituale.
Wer hat Instinkt, wann sich der Auftritt lohnt?
Das Marken-T-Shirt grell, figurbetont,
wetteifert mit versnobter Edelschale
und jede Geste ist ein Filmzitat.
Die Mädels sitzen eng für sich im Rund:
Sie lästern über Hühnerbrüste und
das baggertechnische Prekariat,
die Hippster, Russlanddeutschen und die Kurden,
die miteinander nie vertrauter wurden,
als sich geschnitten und gehasst zu fühlen. -

Sharam bewegt sich zwischen allen Stühlen;
Früh steuert dieser Abend aufs Finale:
Reviere und Rivalen und Kabbale.



.
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#11
hallo ZaunköniG

gelungene, sehr schöne (weil weiterhin lebendiges Kopfkino) Weiterführung deiner Milieustudie. das hab ich sehr gern gelesen.
einzig diese Zeile haute mich inhaltlich raus: „das baggertechnische Präkariat,“
das mit dem baggertechnischen Adjektiv verstehe ich nicht und „Präkariat“ finde ich unpassend, weil wertend.

vielleicht kannst du stattdessen etwas über eine Line von Kollegah einbauen oder so.
oder ein Lästern über die Kurdistan-Halskette aus billigem rotem Gold, des jungen Kurden und fragte mich dabei ob Sharam wohl Kurde ist.
oder dann später sowas halt.
dann hier was andres.

Gruß
Alcedo
Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
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#12
Hallo Alcedo,

Schön dich wieder hier zu haben.

"Baggern" oder "Angraben" bedeutet umgangssprachlich offensives Flirten, gern auch die dreiste Variante wie in I2I 7. Eigentlich hielt ich das für einen verbreiteten Ausdruck. Aber vielleicht doch wieder nur regional?
Dass sowas nicht unbedingt gut ankommt bei den Mädels, ist wohl klar. Insofern ist das Prekariat bewusst wertend, weil sie beim Flirten offenbar noch nichts gelernt und nicht verstanden haben.

Liebe Grüße
ZaunköniG
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#13
achso, da hatte ich ja Tomaten auf den Augen. hatte ich nicht kapiert, sorry.
wahrscheinlich weil ich beruflich mit Baggertechnik und Bohrgeräten zu tun habe.
aber „anbaggern“ ist mir natürlich geläufig.

bin gerne hier, ZaunköniG, und lese hier regelmässig. nur dieser olle Facebook-Daumen stört mich. sonst nichts.


Gruß
Alcedo
Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
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#14
I2I

8 - Showdown



Reviere und Rivalen und Kabale:
Das überschüssige Testosteron
verbalisiert sich bald zu "Hurensohn"
und "Wichser". Sharam wird's zu blöd: "Ich zahle!"

Er muß hier raus, um etwas Luft zu schnappen.
Sein Platz wird schnell besetzt: Zusätzlich Stress
macht dort ein Eddingherz mit "A+S".
Sharam und Amy? Nee, das darf nicht klappen.

Die Meute also hinterher; Sharam,
der gar nicht weiß wie ihm geschieht, ist bald
umzingelt. Der verbalen Schlamm-
schlacht, folgen Tätlichkeiten. einer knallt
ihm eine, dass die Lippe platzt: "Du Spacken,
das wird nix mit Kartoffeln und Kanaken!"



9 - Leyla und Bo

"Das wird nix mit Kartoffeln und Kanaken. -
was willst du deinen Eltern denn erzählen?"
Bo spricht heut Klartext: Sich nur fortzustehlen
an jedem Wochenende, - nee, das packen
wir wir nicht. - und außerdem bist du zu jung!"

Er weiß es also! Leyla ist schockiert
und Scham steigt in ihr auf. Was war passiert?
was hat sie falsch gemacht. Mit einem Sprung
ist sie verschwunden.
------------------------ Bo soll sie nicht auch
noch heulen sehn. Die Nacht der tausend Sterne
hat einen kalten Glanz. Statt Hirn in Brause,
hat sie sein Wort wie eine Faust im Bauch.

Und Bo? Geht er auch vor der Zeit nach hause?
Unschlüssig steht ein Typ an der Laterne.



10 - Brüderchen und Schwesterchen.

Unschlüssig steht ein Typ an der Laterne.
Das Wochenende nichts als Stressvermeidung?
Wozu? Noch ringt Sharam mit der Entscheidung.
Er machts für Leyla. - Er sieht sie so gerne,
wenn sie sich hübsch macht, beinah stottert, wenn
sie sich aufs Treffen freut. So leicht zerstreut
ist seine eigne Traurigkeit. Doch heut'
ist alles anders: Seine Schwester flennt
und läuft an ihm, stur ohne Gruß vorbei.

Ok, das war's dann mit dem Eye-to-Eye!

Ein Grüppchen Mädels lässt die Korken knallen,
feiert die Sternennacht mit Piccolo.
Ach Amy prostet Sharam zu, - oh Oh!
- - Er war ihr auch schon vorher aufgefallen!



11 - Amy & Sharam.

Er war ihr auch schon früher aufgefallen;
Die Kleine will wohl nichts mehr von ihm wissen.
Jetzt also gilt 's! Sie pfeift auf ihr Gewissen
und aller Zweifel schickt sich abzuprallen.

Ein Hi!? Zu lange Grübeln tut nicht gut.
Sie muss nur zufällig vorübergehen.
Ein Hi! dann wird der Rest von selbst entstehen.
Dies Haar! Der Blick! Die Lippen! - Ist das Blut?

Sharam sieht Amy als sie vor ihm steht
zum ersten Mal. - Ja doch, - ok. - es geht ...
und lässt 's doch gern gescheh'n. Sanft wie ein Kuss
tupft sie die Wunde ab. So muss es wohl
doch Schicksal sein: Der ganze Kerl ein Gruß,
mit Augen wie ein Bollywood Idol.



12 - Anabell

Mit Augen wie ein Bollywood-Idol
schaut Samy von der Leinwand. Anabell
taucht ab in einen Chartsclip aus Pastell
und Flitter. Eine Runde Aperol

und schon entbrennt ein Wettstreit in der Clique,
wer Samys größter Fan sei. Fast textsicher
schwankt ihr Gesang von Grölen zu Gekicher;
Sie tauschen miteinander kesse Blicke,

nur Anabell sitzt still dabei und träumt
sich in ein funkelnd neues Samba-Dress.
Unschuldig ist die Liebe aus der Ferne.

Sie kritzelt Eddingherzen: "A&S",
doch wirkt nach außen ziemlich aufgeräumt.
Sie spielt den eignen Film ab, allzu gerne.



13

Sie spielt den eignen Film ab, allzu gernen
und sieht nicht, was um sie herum geschieht.
Die Clique parodiert ihr Lieblingslied;
frustriert pult Boris Sonnenblumenkerne
und schnippt die Schalen untern Tisch. Noch lange
könnt' er so über retouchierte Pracht ätzen:
"Was macht denn in den Rockcharts dieser Schmachtfetzen?"
Doch um ihn ist die Party voll im Gange.

Süß wabert Trockennebel durch den Raum,
umschmeichelt diesen Schwiegermuttertraum
in spe, und Boris kommt es vor, als ballen
sich alle Muckersünden jetzt und hier.
Ganz anders Anabell: Welch ein Pläsier,
sieht sie ihn an. Sie ließ sich gerne fallen...



14 - Happy End

Sieht sie ihn an? Sie ließ sich gerne fallen -
und fällt mit Regelmäßigkeit daneben.
So sollte es doch sein, das wahre Leben,
wenn die Gefühle aufeinanderprallen,

von zweien, die sich lieben?! - Schluss und Aus!
Der Produzent ist ein Opportunist:
Der Clip schließt ab, wo es am schönsten ist.
So nimmt sie ihre Lehre mit nach haus,

dass alles nur ein gutes Ende nimmt,
wenn man es schon zur guten Zeit beendet.
Die Küchenweisheit klingt ein wenig hohl,
doch wieder muss sie eingesteh'n: sie stimmt.
Da sieht sie Bo, der sich grad zu ihr wendet:
War das ein Lächeln? Das gefällt ihr wohl.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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