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Wider den Vorwurf des Manierismus
#1
Wider den Vorwurf des Manierismus

I


Wonach die Kritiker nur gieren?
Man sieht die Dichtkunst schon entkernt;
Wer hat sein Handwerk nicht gelernt?
Der Sonettist hat halt Manieren.

Auf die Gefahr, das ich vergrätze,
wer mich eh’ stumm lieber hätt’
sag ich hier deutlich: das Sonett
ist mehr als seine blanken Sätze:

Schreit nur lauter, wie, warum,
und was ihr glaubt, was ihr so seht.
Euch bleiben alle Dinge stumm,

weil ihr sie einfach nicht versteht.
Wir basteln nicht am Wort herum;
Man spürt doch, wo es richtig steht.


II

Was gibt es schönres als Sonette?
Wer sagt, Sonette engten ein,
dem ist der Wortschatz nur zu klein,
der scheut mit Grund des Verses Glätte.

Sonette sind, ums klar zu sagen,
nichts acht- und formlos abgedrucktes,
nichts unvergoren hingespucktes,
weil sie quer im Magen lagen.

Wer heute an den Formen sägt,
hat bald auch allen Sinn verschwendet.
Der Topf ist’s, der das Wasser prägt

Das Maß, wenn es geschickt verwendet,
jeden Inhalt überträgt.
Sonette sind halt formvollendet.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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