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1861 Heinrich Breling am Totenbett der Oma Schröder
#1
Heinrich Breling am Totenbett der Oma Schröder


Mit ernstem Ausdruck, beinah pastoralem,
hat Papa Heinrich zu sich herbefohlen:
Er solle auch Papier und Bleistift holen,
um heute, jetzt gleich jemanden zu malen.

Er hat die Miene nicht sofort verstanden,
doch hatte er so'n komisches Gefühl,
als wehte ihm dürch seinen Magen kühl
ein Atem, der wem anders kam abhanden.

So war's dann auch: Die Schrödersche war tot,
lag aufgebahrt in stickig-enger Kammer.
Er sollt' sie malen vor der letzten Ruh.
Zum Angedenken. Aber seine Not
sah niemand. Keine Bitte, kein Gejammer
half. Hinter ihm sperrt man die Türe zu.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
II.

Der Riegel fällt hart zu und Stille legt
sich auf die alten Dielen. Heinrich weint
beinah. Ein kühler Lufthauch geht. Es scheint,
als ob sie sich von Geisterhand bewegt:

Ein Zucken in den Schatten um den Mund;
Hebt sich nochmal die Brust? Nein, es ist nichts,
als nur ein Spiel unsteten Kerzenlichts.
Kein Spuk, es gibt für alles einen Grund!

Kein Fluch, der ungebet'ne Gäste trifft,
und ungebeten ist er ja auch nicht.
Sieh hin! und denke dir, dass sie nur döst.

Zieh Strich um Strich.... Es ist nur ein Gesicht
dort auf der Bahre. Ruhig für den Stift
und bring 's zuende. Dann bist du erlöst.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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