Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Kriegssonette
Schlacht an der Hallue

So kräftig fühlte Faidherbe schon sich wieder,
Daß er zur Offensive überging.
Manteuffel achtet nicht den Feind gering,
Vorgehend ordnet er des Heeres Glieder.

Schon auf dem Marsche sang es Siegeslieder,
Faidherbe in guter Stellung es empfing
An der Hallue. doch froh und guter Ding
Warf es zuletzt den Uebermächtigen nieder.

Zwar widerstand der Franken rechter Flügel –
Hier ward in sieben Stunden nichts erreicht –
Bei Querrieux der linke aber weicht.

„Malheur! Malheur!“ – so stürmte fröhlich vor
Der Dreiunddreißiger lustiges, tapferes Korps –
Und wieder gab’s für die Franzosen Prügel.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Ein Vorposten vor Paris in einer Decembernacht


Ein kalter Wind weht stürmisch aus Nordost,
Die Dörfer und die Fluren eingeschneit,
Rings um die riesige Weltstadt weit und breit
Wird Alles starr und starrer durch den Frost.

In dunkler Nacht, als Ihr die Augen schloßt,
Vorposten steht der Füsilier; die Zeit
Vertreibt ihm schneller der Gedanke heut,
Was wohl als Christkind bringen wird die Post.

O sendet ihm die reichsten Liebesgaben:
Wurst, Speck und Schinken, Cognac und Cigarren –
Laßt ihn am Christfest nicht vergeblich harren!

Doch wollt Ihr recht des Kriegers Herz erlaben,
So schickt ihm nicht blos Wäsche, Strümpfe, Schuh –
Die Liebe leg’ ihr süßes Wort hinzu!



.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Weihnachtsfeier bei den Vorposten vor Paris

Bei Baucresson steht eine Riesentanne,
Die haben in der heiligen Weihenacht
Zum Christbaum ausgeschmückt mit großer Pracht
Vorposten, daß das Heimweh sie verbanne.

Da wurde weich so manchem harten Manne –
Die Thräne stahl sich in das Auge sacht,
Er hat an Weib und Kind daheim gedacht:
„Wie geht’s wohl meinem Hans und meiner Anne?“

Und als das Licht des Baumes strahlt und schimmert,
Hat Mont Valérien schnell mit Granaten
Begrüßt die weihnachtsfeiernden Soldaten.

Die haben wenig sich darum gekümmert –
Rings um Paris um tausend Weihnachtsbäume
Versenkten Krieger sich in Heimathsträume.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Die Feldpost kommt

Die Feldpost kommt – sie hat durch Feindes Land,
Von Franktireurs gehetzt, verfolgt, bedroht,
Entgangen der Gefangenschaft mit Noth,
Befördert, was von Hause ward gesandt.

Die Briefe wandern jetzt von Hand zu Hand,
Und manche bleiche Wange färbt sich roth
Bei süßem Wort, das innige Liebe bot,
Das weiten Weg zu treuem Herzen fand.

Gewiß – der Dienst der Feldpost ist beschwerlich,
In dem fanatisirten Land gefährlich;
Doch trägt sie auch in sich den schönsten Lohn.

Sie eilt von Bataillon zu Bataillon,
Theilt aus und nimmt in sicheren Verschluß
Mit manchem Brief den letzten Gruß und Kuß.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Der Weihnachtsabend in der Heimath

Der Vater fehlt, der sonst den Baum geschmückt;
Sonst, wenn das liebe, schöne Christfest nahte,
Ging mit der Mutter heimlich er zu Rathe
Und hat dann Geld ihr in die Hand gedrückt.

Sie kaufte, was die Kinderschaar entzückt:
Ein Körbchen für Marie vom feinsten Drahte,
Ein Pferd für Karl, die Puppe für Beate –
Wie war die liebe kleine Welt beglückt!

Heut fehlt der Vater – in den Krieg gezogen,
Verwundet in des Kampfes wildem Wogen –
Der gute Vater ist vielleicht schon todt.

Daheim die Seinen aber leiden Noth.
O, wenn Euch strahlt des Christbaums helles Licht,
Vergeßt des braven Kriegers Kinder nicht!


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Am 25. Dezember

1.


„Und Friede sei auf Erden!“ – goldnes Wort,
Wann wirst du wahr? wann endet all der Jammer,
Den im Palast und in des Armen Kammer
Des Menschen Streit hervorruft immerfort?

Statt Eintracht – Krieg! Kein Einklang, kein Akkord!
Noch immer wirft kriegslustig Thor den Hammer,
Und immer neu erstehen Kriegsentflammer –
Wann unter Menschen endet denn der Mord?

„Und Friede sei auf Erden!“ – Wie ein Hohn
Ertönt das Wort bei der Geschütze Brüllen –
Wird nie der Menschheit Sehnsucht sich erfüllen?

„Und Friede sei auf Erden!“ – Ewiger Frieden
Wird dann erst sein der Menschenwelt beschieden,
Wenn die Vernunft besteigt der Götter Thron.


2.

Die Bruderliebe muß den Frieden bringen,
Und Liebe ist nicht bei dem Götterglauben:
Seit Troja fiel, die Götter sich erlauben
Entzweit zu sein bei kriegerischen Dingen.

Sie hetzen selbst zum Kampf und blutigem Ringen,
Sie raufen selbst sich mit und tödten, rauben,
Und wem da hilft des stärkern Gottes Schnauben,
Wird seinem Gotte ein Te deum singen.

Ist es denn anders in der Welt der Christen?
Mit ihren Göttern ziehen sie zu Felde,
Und Gott und Mensch zu blutigem Kampf sich rüsten.

Der ewige Friede kommt wohl nicht in Bälde,
Der ewige Friede wird erst sein auf Erden,
Wenn all die Göttergläubigen Menschen werden.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Der Sieg im Mont Cenis

Doch groß in Allem, riesig ist die Zeit:
Bewundernswerth die Siege unsrer Waffen,
Noch größer, was der Geist mit seinem Schaffen
Vollbringt in Werken für die Ewigkeit.

Dort dehnt sich eine Felswand meilenbreit –
Der Geist vollendet im Zusammenraffen
Der Kraft, mit seinem Denken, kühnem, straffen,
Ein Werk des Friedens in der Völker Streit.

„Und Friede sei auf Erden!“ – Frohe Kunde!
Der Mont Cenis durchbohrt! Nicht länger scheiden
Wird er die Völker, die verwandten beiden.

Nun heißt es auf dem ganzen Erdenrunde:
„Wie reich die Zeit an großen Siegen war –
Das ist der größte Sieg in diesem Jahr!


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren
Manteuffel verfolgt die französische Nordarmee
und erreicht Bapaume


Kein Weihnachtsfest! Der Krieger muß verzichten,
Er darf des Festes holden Dienst nicht theilen,
Er darf nicht lieben, darf nicht Wunden heilen,
Muß selber Wunden schlagen, muß vernichten.

Manteuffel’s Heer hat ernste, schwere Pflichten,
Es darf nicht rasten, darf sich nicht verweilen –
Dem flüchtige´n Feinde gilt es nachzueilen
Und seine Reihen immermehr zu lichten.

Es drang bereits am ersten Weihnachtstage
Vor bis Albert; am zweiten ward erreicht
Bapaume – der Feind noch weiter nordwärts weicht.

Was Faidherbe auch von seinem Siege sage –
Ist er denn siegreich nach Arras gefloh’n?
Spricht seine Flucht der Prahlerei nicht Hohn?


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 3 Gast/Gäste
Forenfarbe auswählen: