Themabewertung:
- 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
|
Verfallen
|
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
Verfallen
I.
Ein warmer Mantel Worte soll sich um uns falten,
gewoben aus Erinnern, Wünschen und Verstehen.
Was kann man geben? Ich geb dir mein Herz zum Lehen,
Werben wider das Entfernen und erkalten.
Ich will dich weiter um mich, so wie in mir sehen,
um deinen Blick, drei Worte, deine Hand anhalten.
Spürst du denn nicht, was diese Stunden für mich galten?
Wie meine Innereien durcheinanderwehen?
Wie viele Liebesbriefe schrieb ich in den Staub
Wie viel verdarben mir noch ungesagt im Mund.
So viele Hoffnung ist mir in den Sand geflossen.
Sie ist mir still versickert, hinterließ mich taub.
Verstummt seh ich zurück auf unfruchtbaren Grund.
Ach, Soviel Liebe ist vergebens ausgegossen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
II.
Ein warmer Mantel Worte soll sich um uns falten.
Mir geht’s, so scheu’ nicht vor semantischer Umschlingung,
nur um Bekenntnis und Bezeugung statt Bezwingung.
Das erste Wort, fast stumm, gemessen und verhalten,
ist doch für alle weiteren die Vorbedingung.
Und es soll gelten, so wie alle Taten galten.
Die Näherungen sind nicht länger aufzuhalten;
Sie enden durch Verfehlung oder mit Durchdringung.
Ich schuf ein Gleichnis, aber die Vergleiche hinken.
Ein Mißverständnis hat mich allzu oft verschaukelt;
so rühr mich an; die falschen Bilder wär’n vergessen.
Ich bin ja schon dabei, die Götzen abzuschminken,
die mir ´ne allzu flache Seele vorgegaukelt,
Und doch so schwer mein Herz und meine Augen nässen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
III.
Gewoben aus Erinnern, Wünschen und Verstehen
umschließt der Mantel uns eng, wohligwarm und bündig.
Nimm mich beim Wort, vertraue mir und du wirst fündig,
und wo noch Doppeldeutigkeiten fortbestehen;
So nimm sie an: Das Leben ist halt doppelgründig.
Sieh mich an, und du wirst einen Menschen sehen;
komm mir entgegen, und ich werde mit dir gehen.
Küß mich nur einmal und die Liebe würde mündig.
Der Abendwind scheint mir die Antwort zuzufächeln,
Und sollte mich die schwarze Nacht zur Neige trinken;
Das Wort bleibt wahr und wert, verhalten und gemessen.
Der Mond hat Weisung zunehmend für dich zu lächeln;
Er von der rechten Seite – ich wach’ dir zur linken;
So nimm es an, geb ich von meinem Herz zu essen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
IV.
Was kann man geben? Ich geb’ dir mein Herz zum Lehen.
Mein Bild von dir war frei und falsch, die Täuschung chronisch.
Ich hielt die Werte, Ideale für kanonisch.
Ist’s Glaube? oder Leichtsinn? Liebe erst verstehen
und vergehen. Unsre Bahnen laufen konisch
aufeinander zu, ein Schnitt, - und weitergehen.
Die Berührung löst sich... „auf ein Wiedersehen...“
Ich hätt’ dich weiterlieben können, auch platonisch.
Du liebtest mich nicht wieder, doch ich hielt dich wert,
und daß du mich schätzt, daß es wahre Freundschaft sei;
ein anderer Gedanke galt mir ausgeschlossen.
Hab’ deine Windungen für Schmiegsamkeit geehrt,
doch mein Entgegenlieben blieb dir Schmeichelei.
Mit klarem Blick war’n helle Träume aufgeschossen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
V.
Ein Werben wider das Entfernen und Erkalten.
Ist’s schon zu spät? Es gehn uns Tür’n um Türen zu.
Es treibt uns weiter auseinander, was ich tu,
Schon sind mir Wünsche von den Hoffnungen gespalten
Die Tauben wissen was ich fühl „Wo Ruh? Wo Ruh?“
Was nutzt es, neue Worte, neue Gesten zu gestalten;
Wie soll ich mich, wie kann ich mich denn noch verhalten?
Und nochmal lade ich dich ein zum Rendezvous
Nimm an! Mein Gruß begleitet dich auf Schritt und Tritt
Er soll dir wohlig in die Nachtgedanken sinken,
Und hast du meinen Traum am Morgen schon vergessen,
Dann hör, was dir der Kibitz rät: „Geh mit! Geh mit!“
Es grüßen dich die Nachtigallen, Spatzen, Finken.
Nimm an mein Wort; Verwirf dein Zweifeln und Ermessen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
VI.
Ich will dich weiter um mich, so wie in mir, sehen;
Ich harre weiter, Tag für Tag, auf ein Bekenntnis,
doch: Durft ich fragen? Mit uns hat’s wohl die Bewendnis,
daß nur mein Schweigen Gold wär, doch du sollst verstehen,
was mich bewegt, und hab ich auch für dich dich Verständnis;
Die Frage steht im raum, und auch bei Licht besehen:
Wir müssen reden können, vor uns zu bestehen.
Und wird auch schuldlos dein Bekenntnis zum Geständnis,
mit dem du nur ein neues Mißverständnis schüfst;
dein „Ja“ nur Lüge wär, und auch dein „Nein“ nur Lügen,
ein „Morgen“ Lüge, „Nie“ nur lügen, alles Possen...
Ich hoffe, daß du die Alternativen prüfst.
Mit gutem Willen wird sich Wort, wie Schweigen fügen,
Und was uns auseinandertrieb wär längst zerflossen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
VII.
Um deinen Blick, drei Worte, deine Hand anhalten
trat ich an, ich war so frei, nun hilft kein Klagen;
Dein Ja blieb aus, Dein Schweigen schnürt mir meinen Kragen.
Was soll ich sagen? Viel zu viele Worte prallten
unverstanden von dir ab. Zuerst nur Fragen,
Im zweiten Satz, dir meinen Irrtum vorzuhalten.
Die letzten Verse, um mein Scheitern zu verwalten.
So viele ungesagte ballten sich im Magen,
die fähig wären, mehr als Schweigen zu verletzten,
die meine Liebe langsam, Wort für Wort vergiften.
Ach, so viel Liebe ist vergebens ausgegossen.
Die Antwort ging daneben. Ein Vorüberschwätzen.
Sie läßt uns unverstanden auseinanderdriften,
so all die Heimlichkeiten, Halbwahrheiten, all die Possen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
VIII.
Spürst du denn nicht, was diese Stunden für mich galten?
Spürst du nicht auch, was jedes mal mit mir geschieht,
den Vers der in mir anklingt und mein stilles Lied?
Ich hab dir viel gesagt und vieles vorenthalten.
Ein altvertrautes Bild, das mir entgegensieht:
Im Zug, als ich versuche deinen Blick zu halten,
Die Wagen schneller über Gleis und Weichen knallen,
doch du bliebst Ruhepolin, nur die Landschaft flieht.
Uns dann: Ein andres Bild, Ein andrer Ort, Wir hatten
viel geredet, fühlten uns so nah, vertraut.
Es flackerte das Kerzenlicht beim Abendessen.
Nur der Moment: Es tanzten deine Wimpernschatten,
Nur der nochmal, Die Mauern, die sich aufgebaut,
die wir nicht glaubten und nicht wollten wär’n vergessen.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
Beiträge: 36.776
Themen: 28.896
Registriert seit: Jan 2007
IX.
Wie meine Innereien durcheinander wehen,
Ich dachte, daß du’s weißt, ich hielt dich für verständig.
Du sahst und hörtest mich und fühltest beiderhändig,
und alle Poren wollten sich nach außen drehen.
Ich glaubte, ich erfaßte dich, doch allzu wendig
entglittst du mir; ich höre auf, dich zu verstehen.
Zu blaß blieb die Vision um vor dir zu bestehen.
Alles endet, aber wir sind mannigendig.
Zu fern, als daß zum Glück die kleine Geste reiche.
Kein unbeschwertes Fallen mehr, Ein harter Sturz,
Entferntes Frieren, bis der Wortfluß kalt gerann.
Zu kalt: Selbst dein Umarmen scheint nicht mehr das gleiche.
Wo ist dein Blick? Du siehst mich an, doch siehst zu kurz.
Nimm meine Liebe nicht nur hin, komm, nimm sie an.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
|
Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste