29.08.2024, 08:00
Drei Sonette
I.
Was wol die schwerste sei von allen Plagen,
Die Götterzorn dem Liebenden kann schicken?
Mit zweien Worten wag' ich's auszudrücken:
Auf stumme Bitte schweigendes Versagen.
Ein Nein thut weh, doch läßt es sich ertragen,
Wird es versüßt von mitleidsvollen Blicken;
Doch kalt und stumm mit Eis die Glut ersticken,
Das macht zuletzt das treue Herz verzagen.
Bedenk' es wohl: es flieht die rasche Stunde,
Nie wird, was du versäumt, dir wiederkehren,
Und ungestillt verblutet sich die Wunde.
Drum laß, o Herz, ein andres Wort dich lehren,
Es heißt – und also küss' es mir vom Munde: -
Auf stumme Bitte lächelndes Gewähren.
II.
Es ist die Lieb' ein Kind, nach Kinderweise
Lehnt sie die Wange gern an liebe Wangen,
Läßt gern von weichen Armen sich umfangen,
Spielt gern in duft'gen Locken lind und leise.
Auch liebt sie, gleich den Kindern, süße Speise;
Hat sie zu küssen einmal angefangen,
So bleibt sie fest am Purpurmunde hangen,
Gleich wie ein Stern sich wiegt in ew'gem Gleise.
Und doch, wiewohl ein Kind in allen Stücken,
Erträgt sie muthig Kummer und Beschwerden
Und würgt, ein Herkules, der Feinde Tücken.
Es ist kein Held, kein König ist auf Erden,
Der nicht, demüth'ger Sclav', sich müßte bücken
Vor dieses Kindes lächelnden Geberden.
III.
Und läßt du, daß die Lieb' ein Kind ist, gelten,
So muß sie auch als Kind sich dürfen zeigen;
Drum wenn sie plaudert, heiße sie nicht schweigen,
Und weint sie, tröste sie, so weint sie selten.
Auch sollst du nicht Verschwenderin sie schelten;
Holdsel'ger Leichtsinn ist der Kindheit eigen,
Sie liebt, sich zu den Sternen zu versteigen,
Und spielt, als wären Kiesel es, mit Welten.
Doch ist auch nichts, was Lieb' nicht kann entbehren,
Freiwillig, die Geliebte zu beglücken
Und ihres Herzens Wunsch ihr zu gewähren;
Sie läßt die Rose, ohne sie zu pflücken,
Den Becher läßt sie, ohne ihn zu leeren,
Und selbst das Elend wird ihr zum Entzücken.
I.
Was wol die schwerste sei von allen Plagen,
Die Götterzorn dem Liebenden kann schicken?
Mit zweien Worten wag' ich's auszudrücken:
Auf stumme Bitte schweigendes Versagen.
Ein Nein thut weh, doch läßt es sich ertragen,
Wird es versüßt von mitleidsvollen Blicken;
Doch kalt und stumm mit Eis die Glut ersticken,
Das macht zuletzt das treue Herz verzagen.
Bedenk' es wohl: es flieht die rasche Stunde,
Nie wird, was du versäumt, dir wiederkehren,
Und ungestillt verblutet sich die Wunde.
Drum laß, o Herz, ein andres Wort dich lehren,
Es heißt – und also küss' es mir vom Munde: -
Auf stumme Bitte lächelndes Gewähren.
II.
Es ist die Lieb' ein Kind, nach Kinderweise
Lehnt sie die Wange gern an liebe Wangen,
Läßt gern von weichen Armen sich umfangen,
Spielt gern in duft'gen Locken lind und leise.
Auch liebt sie, gleich den Kindern, süße Speise;
Hat sie zu küssen einmal angefangen,
So bleibt sie fest am Purpurmunde hangen,
Gleich wie ein Stern sich wiegt in ew'gem Gleise.
Und doch, wiewohl ein Kind in allen Stücken,
Erträgt sie muthig Kummer und Beschwerden
Und würgt, ein Herkules, der Feinde Tücken.
Es ist kein Held, kein König ist auf Erden,
Der nicht, demüth'ger Sclav', sich müßte bücken
Vor dieses Kindes lächelnden Geberden.
III.
Und läßt du, daß die Lieb' ein Kind ist, gelten,
So muß sie auch als Kind sich dürfen zeigen;
Drum wenn sie plaudert, heiße sie nicht schweigen,
Und weint sie, tröste sie, so weint sie selten.
Auch sollst du nicht Verschwenderin sie schelten;
Holdsel'ger Leichtsinn ist der Kindheit eigen,
Sie liebt, sich zu den Sternen zu versteigen,
Und spielt, als wären Kiesel es, mit Welten.
Doch ist auch nichts, was Lieb' nicht kann entbehren,
Freiwillig, die Geliebte zu beglücken
Und ihres Herzens Wunsch ihr zu gewähren;
Sie läßt die Rose, ohne sie zu pflücken,
Den Becher läßt sie, ohne ihn zu leeren,
Und selbst das Elend wird ihr zum Entzücken.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.

