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Wie es war - ZaunköniG - 06.01.2026 Wie es war I. Streulicht der Werbung verscheucht uns die Sterne. Wir dachten uns gerne zurück aus der Stadt auf ein Land das noch Leben und Ruhezeit hat, genossen die Kirschen und weitspuckten Kerne. Wir hätten so gern anneinander geglaubt, daß ein Zauber auf Zuruf zu bändigen sei und ein ganzes Jahr blüht aus geheiligtem Maigrund. Doch drang sich alsbald die Erkenntnis ins Haupt, daß die Sonne nur strahlte damit sie uns blende, der Wind um die Wildrosenhecke her tollte, nur bis er bald andre Gefährtinnen fände, der lauwarme Herbsttag zuletzt mit uns grollte. Das Spiel ist vorbei, alle Träume zuende. Es kam wie es war und es ging wie es wollte. . RE: Wie es war 02 - ZaunköniG - 20.01.2026 II. Es kam wie es war und es ging wie es wollte und nimmt alle Pläne zurück mit ins Dunkel. Im Morgengrau stirbt letztes Eulengemunkel und nur mein Orakel auch weiterhin schmollte. Wir süßten das Sein mit Gedichten und Datteln und weihten den Wein uns dem andern zu geben. Wir wünschten uns Liebe und waren im Leben schon über die Zeit uns ein Flugpferd zu satteln, doch kam mir die Angst vor der Zukunft, worin mir Geschick und Gemeinsamkeit schlicht und gemein sind, die Angst, daß ich irgendwann dich nicht erinner und nur jetzt kein falsches Versprechen ans Bein bind. Die Liebe kennt keine Verlierer, Gewinner: Ein freies Gefühl, wie Gefühle zu sein sind. RE: Wie es war 03 - ZaunköniG - 30.01.2026 III. Ein freies Gefühl, wie Gefühle zu sein sind beschlich mich des nachts völlig unvorbereitet, beglich meine Sehnsucht in bar und geleitet am Morgen ein zeitlos erwachendes Kleinkind. Wir hatten einander in allem vertraut und wir fragten nicht weiter nach Anlaß und Gründen uns mit unsrem leuchtenden Stern zu verbünden. Wir hatten auf Götter und Geister gebaut. Wir hörten die Büchse ein erstes Mal krachen. verletzt und verlor´n warn wir, doch wir verzeih´n blind. Ganz klar, daß ich mit einem siegenden Lachen noch dieses Mal einen verwunschenen Hain find. Der Wunsch in besänftigter Welt zu erwachen durchweht uns die Körper, vertraut wie der Heimwind. RE: Wie es war 04 - ZaunköniG - 01.02.2026 IV. Durchweht uns die Körper vertraut wie der Heimwind die Vorstellung uns noch mal neu zu beginnen, so können wir nicht der Gewißheit entrinnen, daß unsere Träume so treu wie geheim sind. Es wär nichts als Zufall, wenn sie sich heut träfen. Ich scheu mich mein Licht in die Winde zu werfen. Mein Astralleib besteht nur aus Nebel und Nerven und klammert sich inwendig fest an die Schläfen. Wir warn nach Gemeinsamkeit dürftig und süchtig, erdrückten sie als sie sich einstellen sollte, beeilten uns alles zu ändern, warn tüchtig dabei zu vollführn was das Glück von uns wollte. Das Glück das uns band war so gierig wie flüchtig. Es stiftet nur Unruh bevor es sich trollte. RE: Wie es war 05 - ZaunköniG - 17.02.2026 V. Es stiftet nur Unruh, bevor es sich trollte, das Wunder das aus allen Wolken erstrahlt und es zuließ, daß wir in das Morgen gemalt was auch immer ein Mensch von dem anderen wollte. Die Wünsche vermehrten sich alegorhythmisch und münden in schier übergroßem Verlangen bis ich mich klammheimlich urplötzlich beim Bangen erwische und sch vorsichtshalber den Kitt misch. Die Umstände waren uns dieses Mal gütig. Wir haben zu viele Gedanken geklittert. Vielleicht am Beginn einfach zu übermütig sind uns viel zu schnell unsre Stirnen zerknittert, begegnen einander chamäleonblütig, zwei Schritte nach vorn, einen rückwärts gezittert RE: Wie es war 06 - ZaunköniG - 19.02.2026 VI. Zwei Schritte nach vorn, einen rückwärts gezittert verloren wir bald jede Richtung und Ziele, verfolgen wie einsame Wale die Siele, die seicht, sich obwohl sie die Meere gewittert dich Freiheit und Lebensraum vorgestellt hatten, sich nicht mehr an weitere Zukunft gewöhnen. Wir wollten das Leben hier abschließend krönen und nicht einen kleinlichen Fehler gestatten. Wir haben uns selbst in die Fallen verstrickt, denn wir wollten uns wortlos verstehen und necken. Ich fühle nicht was du im Herbstlaub erblickt und du hörst nicht was ich in der Abendluft schmecke. Wir sehn nur, daß wir nicht einander geschickt, betrachten wir uns zögernd von halber Strecke. RE: Wie es war 07 - ZaunköniG - 21.02.2026 VII. Betrachten wir uns zögernd von halber Strecke, dann ahnen wir wie unsre Zukunft bestellt ist. Ein Blick der im Zwischenraum wortlos zerschellt ist und Angst raubt die Träume, die wärmende Decke. Noch sehn wir verträumt aneinander vorbei und es sind doch nur zwei Schritte Schweigen dazwischen. Bemüht unsre Spuren der Angst zu verwischen entfernen wir uns und gehen wieder entzwei, verbringen die Nacht unsern Tagtraum zu morden umkreisen uns, stolpern an jeglicher Ecke und sind uns aus Vorsicht noch fremder geworden. Daß ich mich schon bald vor mir selber erschrecke verleiht mir kein Treu- oder Tapferkeitsorden. Zu spät, daß ich dich aus den Alpträumen wecke. RE: Wie es war 08 - ZaunköniG - 23.02.2026 VIII. Zu spät, daß ich dich aus den Alpträumen wecke: Du hast sie längst mit in den Tiefschlaf genommen. Zwei Irrlichter sind mit den Sternen verschwommen. Daß ich mir mit derlei den Himmel beflecke, verführt daß ich Schuld oder Gläubiger suche. Ich glaube die Angst kam verfrüht und verfehlt, hat mich doch bis zur innersten Zelle beseelt, bis ich alles was kommt nur noch flieh und verfluche. Du drehst dich und hast jede Richtung verloren. Wir sind in die älteste Falle geschlittert. Wir hatten uns gar nicht zu vieles geschworen und doch ist uns so viel Vertrauen zersplittert, das uns aus nichts andrem als Hoffnung geboren. Dein Lidstrich verwischt, wäßrig, tränenverwittert. RE: Wie es war 09 - ZaunköniG - 25.02.2026 IX. Dein Lidstrich verwischt, wäßrig tränenverwittert, begehrt er den fühllosen Stein zu beneiden, doch muß sich mit quellenden Lidern bescheiden, bemüht, daß die Augenpartie nicht verbittert. Ängste und Müdigkeit stürzen mich bleiern zurück aus dem Kreis unter manchen zu jeden. Was wollten wir nicht alles tun und bereden, sind stets das Gemeinte bemüht zu verschleiern. Wir wollten was anlag nur etwas vertagen und merkten zu spät das wir alles verjähren. Wir wollten doch nicht wieder jammern und klagen, begannen den Jammer für uns zu verklären. Der Anblick des Glücks schlug uns hart auf den Magen. Wir lassen die edelsten Tropfen vergären. RE: Wie es war 10 - ZaunköniG - 27.02.2026 X. Wir lassen die edelsten Tropfen vergären. Zunehmend schmeckt uns Gewonnenes bitter und heimlich erflehn wir ein klares Gewitter, doch so leicht ist unser Spiel nicht mehr zu klären. Uns bringen die Schwüre nur drückende Zinsen, wir können einander die Schuld nicht verrechnen. Der Kaffeesatz hieß uns nichts gutes im blechnen Geschirr und wir lasen uns Weisheit aus Binsen. Uns hält nur die Angst vor dem nächsten Kapitel. Wir sind uns mehr Irrlicht als leuchtender Stern. Wir fallen der Nacht in ihr schwärzestes Drittel. Was du nicht verstehst und was ich nicht mehr lern: Was du mir erzählst und was ich dir vermittel. Wir weinen nicht Wein, wir entführn uns von Fern. RE: Wie es war 11 - ZaunköniG - 01.03.2026 XI. Wir weinen nicht Wein, wir entführn uns von Fern, Erinnerung in Raum und Zeit zu bewahren. Ihr Licht überdauert die Sterne in Jahren. Ich weiß es doch fühls nicht, ich leugne und lern. Wir wollten im Himmel die Zukunft erfahren, doch sehn nur vergangenes in tausend Sonnen, die irgends aus aschkalten Stäuben geronnen, dem Flugsand aus längst ausgebrannten Quasaren. Viel gutes und böses liegt unter der Erde. Ich denk an die Zeiten aus uralten Maren. Wir zeugen einander in Wort und Gebärde, bekennen und binden uns selber den Bären. Vorm Schicksal liegt unkommentiert die Beschwerde. Zu müßig, so spät noch die Schulden zu klären. RE: Wie es war 12 - ZaunköniG - 03.03.2026 XII. Zu müßig, so spät noch die schulden zu klären. Wir hätten viel mehr, würden wir uns genügen. Wir grübeln zu viel und viel denken heißt lügen, sich selbst gegenüber, die Welt zu beschweren. Wir übten so fleißig die Zunge zu schärfen, daß uns nicht das kleinste Detail mehr entging und wir klitterten sorgfältig jegliches Ding. Wir haben einander doch nichts vorzuwerfen und was und verbindet das ist doch noch weit mehr als das, was uns trennt, sehn den Weg und verklär’n, beharren, daß Glück für uns bald an der Zeit wär. Wir wünschen ´nen leichteren Tag, doch erschwer’n. Den Alpträumen folgt irgendwann eine Lightmare. Uns leuchtet Vergebung, wir geben so gern. RE: Wie es war 13 - ZaunköniG - 05.03.2026 XIII. Uns leuchtet Vergebung, wir geben so gern, bemühen uns nachträglich Vorsatz zu bessern. Wir läutern die Laster in Königsgewässern, vergelten den Glauben mit Hohn und verheern. Die Schutzengel woll´n auf dem Narrenschiff meutern, und sind doch auch selbst in Not nicht mitzusinken. Zurück bleibt ein Gruß und verhaltenes Winken. Wir bauen ein Luftschloß aus rauchenden Kräutern. Wie ungeschickt ich manche Möglichkeit händel, die Chancen vertue. Und all die konträren Versuche, das ich unsre Fäden verbändel Wir beten vor imaginären Altären, wir wünschen uns Weihrauch, zerreiben Lavendel. Wir werben um das, was wir selbst gerne wären. RE: Wie es war 14 - ZaunköniG - 07.03.2026 XIV. Wir werben um das, was wir selbst gerne wären. Wir waren des anderen Träumer und Traum und bedeuten im gleichen Maß Inhalt und Raum, doch entflohen zu schnell allem nur ungefähren, verstanden kein Wort aus dem Hintergrundrauschen. Zu vieles bedacht heißt: Die Liebe betrogen, den Anfang vertan und nur Schlüsse gezogen aus angst das wir haptische Täuschungen tauschen, zersieden das Hautsalz, zerreiben den Zunder. Begehre den Geist und den Körper, bekehr ’n auch heute nicht zu meinem Ratschlag, der runder und hoffe, daß ich nicht das wundern verlern, mich doch immer wieder verwundet verwunder. Streulicht der Werbung verscheucht uns den Stern. RE: Wie es war 15 - ZaunköniG - 09.03.2026 XV. Es kam wie es war und es ging wie es wollte, ein freies Gefühl, wie Gefühle zu sein sind durchweht unsre Körper, vertraut wie der Heimwind. Es stiftet nur Unruh bevor es sich trollte Zwei Schritte nach vorn, einen rückwärts gezittert betrachten wir uns zögernd von halber Strecke. Zu spät, daß ich dich aus den Alpträumen wecke. Dein Lidstrich verwischt, wäßrig, tränenverwittert. Wir lassen die edelsten Tropfen vergären, wir weinen nicht Wein, wir entführn uns von Fern. Zu müßig so spät noch die Schulden zu klären. Uns leuchtet Vergebung, wir geben so gern und werben um das was wir selbst gerne wären. Streulicht der Werbung verscheucht uns den Stern. |