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Grund genug für ein Gedicht - Druckversion

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Grund genug für ein Gedicht - ZaunköniG - 02.01.2026

Grund genug für ein Gedicht

Grund genug für ein Gedicht,
lange noch kein Fordergrund.
Leg mir auf dein Lippenrund.
Zünde mich, doch zunder nicht.

Nimm mich in Gewissenhaft,
fahr mir in die Nachtmär heute,
sei mein Jäger, meine Beute.
Nimm mir alles, gib mir Kraft.

Alles leg ich in die Schale,
doch mein Traum bleibt unerschwinglich.
Wieviel Bleibe ich auch zahle,

bleibt mein Geistreich uneindinglich.
Auf den Lippen bleibt das schale
ungesagte Wort für dich.


.


RE: Grund genug für ein Gedicht I. - ZaunköniG - 22.01.2026

I.

Zuversicht verfloß im Sande,
gestrandet liegt im Tau das Floß,
verlandet blieb das Meer und bloß
totes Holz reibt sich am Rande.

Duverzicht scheint mir abstrakter.
Lies in meines Blickes Buch.
So undenkbar mein Glückgesuch?
Dein Fall geht lange nicht ad acta.

Mit meinem Fährfloß aufgelaufen,
barfuß vor dem Schwurgericht,
bargesichtig vor den Stufen,

bekenne ich, ich kenn dich nicht,
verfallen selbstgelegten schlaufen.
Grund genug für ein Gedicht.


RE: Grund genug für ein Gedicht II. - ZaunköniG - 24.01.2026

II.

Grund genug für ein Gedicht:
Solang schon, wie ich den Vers such’
so lange ist er schon Versuch,
doch der Vers gelingt mir nicht.

Am Ende bleibt nur die Gewißheit,
viel eicht vielleicht unsern Maßstab.
Wie leicht fiel viel Vielleicht ab.
Viel Leicht liegt nicht mehr bereit.

Wieviel Unvermeintliches
drängt sich in den Vordergrund,
nimmt erlebtes und verflicht es

zum Ereignishorizont.
Ist es mir auch Leid, so ist es
lange noch kein Fordergrund.


RE: Grund genug für ein Gedicht III. - ZaunköniG - 26.01.2026

III.

Lange noch kein Fordergrund;
kein Recht auf Glück kann für mich sein.
Fehllos ist’s ein Fehllos, mein
unsagbares Wort vom Bund.

Gib mir Anlaß dich zu hassen;
anders wirst du mich nicht los
und mir bleibt nur dein Nichtlos:
Nicht genug Grund dich zu lassen,

wo ich auf kleiner Flamme loder.
Nächtlich reibt sich mein Traum wund,
wandet Wunder, strandet wo der

Abend wird zum Morgenschwund.
Verschwinde, haß mich, leid mich, oder
leg mir auf dein Lippenrund.


RE: Grund genug für ein Gedicht IV. - ZaunköniG - 28.01.2026

IV.

Leg’ mir auf dein Lippenrund,
und ich trag dich fortan sternwärts.
Ob es jemals wird – und währt es?
Der Gedanke Tumichwund.

Ich werd nich aufhör’n aufzuhören.
Mach, bevor ich hier vereise,
Ende meiner Winterreise,
den Träumen, die mich nächtlich stören.

Komm, nimm mich in deinen Arm;
gib mir wieder Zuversicht,
nur ein Stück von deinem Charme.

Ende Schweigen, bring mir Licht.
Ich halte dein Bild in mir warm.
Zünde mich, doch zunder nicht.


RE: Grund genug für ein Gedicht V. - ZaunköniG - 03.02.2026

V.

Zünde mich, doch zunder nicht.
Der mich in die Wüste sand,
den Stein der Waisen für mich fand,
wächst mir aus, nimmt mir die Sicht.

Kein langer Weg von Bis nach Seit.
Für mich eine Halbjahreslänge.
Wenn der Weg zurück gelänge...
Vorbei die unbeschwerte Zeit.

In mir wächst der Andere.
Was man an Sicht mit Teilung schafft,
Wie weit ich gehe, wandere,

und er und ich mit seiner Kraft,
nur – wenn ich mich verändere,
nimm mich in Gewissenhaft.


RE: Grund genug für ein Gedicht VI. - ZaunköniG - 05.02.2026

VI.

Nimm mich in Gewissenhaft.
Nimm mich jederzeit beim Wort.
Nimm mich mit an deinen Ort.
Nimm mir nicht die Leidenschaft.

Gib mir etwas deiner Zeit.
Wieviel Warten hinter mir;
wie lang ist es noch zu dir?
Komm zu mir, ich bin bereit.

Was wär wert, noch zu berichten,
wenn mir Kraft und Mühe scheuten.
Soll ich aufgeben? Mitnichten!

Jede Nacht die Geistermeuten;
schreib mir gute Nachtgeschichten.
Fahr mir in die Nachtmär heute.


RE: Grund genug für ein Gedicht VII - ZaunköniG - 07.02.2026

VII.

Fahr mir in die Nachtmär heute,
enter mein Erfindungsreich,
bevor ich meine Segel streich’
was ich später nur bereute.

Und wenn ich mich zu dir versteige,
was ich auch für Worte schuf,
zwischen Ruf und Wiederruf:
Dein Bild geht mir nie zur Neige.

So hoffnungslos mein Hoffnungslos?
Sag mir was ich dir bedeute.
Ist die Chance auch nicht groß;

Kein Tag, den ich je bereute.
Wenn ich dich halt’, laß mich nicht los.
Sei mein Jäger, meine Beute.

.


RE: Grund genug für ein Gedicht - Detlef - 08.02.2026

Hier steckt eine interessante Tiefe drin🤔
Gefällt mir sehr😎
Herzlichst 
Detlef


RE: Grund genug für ein Gedicht VIII. - ZaunköniG - 09.02.2026

VIII.

Sei mein Jäger, meine Beute,
alles, was ich mir ersann.
Wer sagt, daß es nicht gutgeh’n kann?
Was kümmern mich die andern Leute.

Gib mir heute, dann und wann,
genügend Zeit, mich zu erklären.
Kann die Sehnsucht ewig währen?
Ich glaub, es fängt schon wieder an.

Wieviel Rosen ich dir pflück’,
wieviel Leid es mir verschafft...
Komm mit mir ein kleines Stück,

wo ich nur an dir verhaft’.
Ich und Du, das wäre Glück.
Nimm mir alles, gib mir Kraft.


RE: Grund genug für ein Gedicht IX. - ZaunköniG - 11.02.2026

IX.

Nimm mir alles, gib mir Kraft.
Nur zu schreiben wird mir müßig,
find mein Unverhältnis mäßig.
Sei allnächtlich Fabelhaft!

Mir gehn die bunten Worte aus.
Je länger ich von Liebe schreibe,
Papier in meiner Hand zerreibe,
desto mehr Wort fällt mir aus.

In Hoffnung wollt’ ich den Vers tauchen,
doch geblieben ist der fahle
Ausdruck, kaum noch zu gebrauchen,

endet, wie am Ufer Wale.
Laß die Sehnsucht nicht verrauchen,
alles leg ich in die Schale.


RE: Grund genug für ein Gedicht - ZaunköniG - 12.02.2026

(08.02.2026, 13:48)Detlef schrieb: Hier steckt eine interessante Tiefe drin🤔
Gefällt mir sehr😎
Herzlichst 
Detlef

Hallo Detlef,

Ja, tief empfunden war es damals, aber ich habe inzwischen zwiespältige Gefühle bei meinen älteren Texten. Es war vielleicht nicht alles schlecht, aber ich erkenne mich nach fast 30 Jahren kaum noch wieder in diesen Versen. Es waren Texte einer früheren, jüngeren Version von mir.Wie in meinem Neujahrspost "Gute Vorsätze" angekündigt, werde ich diese älteren Sonette aus den 90er und Nuller- Jahren nun dennoch nach und nach posten - einfach damit ich sie alle zusammen an einem Ort habe.

Trotzdem schön, wenn sie gefallen.

LG ZaunköniG


RE: Grund genug für ein Gedicht X. - ZaunköniG - 13.02.2026

X.

Alles leg ich in die Schale,
doch erhalte nur Verzicht.
Kein Brief von dir, Anruf, Bericht;
sprachlos schon so viele Male.

Was mich treibt, ich weiß es nicht.
Alles andre wär gelogen.
Spann mir deinen Lippenbogen,
mach mir meine Augen licht.

Hoffnungslos, schwer ohnegleichen –
Nimm dir etwas Zeit und bring mich
heut zur Ruh – kein Wort zu streichen.

Ein Blick, ein Tag mit dir wär ziemlich...
Versuch dich ständig zu erreichen,
doch mein Traum bleibt unerschwinglich.