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Bevor du mich zum Alltag weckst - Druckversion

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Bevor du mich zum Alltag weckst - ZaunköniG - 02.01.2026

Bevor du mich zum Alltag weckst

Verschlafen schwebt der Staub durchs Zimmer
trägt dein Bild weit in den Tag.
Was kein Mond kein Gott verbarg
sei mein Gefühl für jetzt und immer.

Komm! Wir gehen hin wo der Pfeffer wächst
nach Feuerland und noch viel weiter
du die Sphinx ich goldner Reiter!
Bevor du mich zum Alltag weckst

komm mit mir zum Meeresgrund
in die Gefilde meiner Lust.
Flieg mit mir zum Himmel und

an Orte die niemand gewußt.
Mein Blautraum wird lebendig und
verwächst mit meiner warmen Brust.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst I - ZaunköniG - 20.01.2026

I.

Zwischen Zeit liegt Peristan.
In jeder Zeile schläft ein Traum
und überall wirkt Zwischenraum.
Wo andre nur den Umriß sahn

öffnet sich ein Nebenkosmos
im Kaleidoskop. Von Sinnen
taumelnd träum ich weiter binnen
meines Schlafromans. Gewinnlos

aller Klassen aller Ränge.
Wer noch träumen kann hat immer
Glück in sich und alle Klänge.

So richtig wach werd ich heut nimmer
so hoch ich meine Sonne hänge.
Verschlafen schwebt der Staub durchs Zimmer.

.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst II - ZaunköniG - 22.01.2026

II.

Verschlafen schwebt der Staub durchs Zimmer.
In Raum und Zeit vokale Laute.
Wem auch heut der Himmel blaute –
jede Wolke falsches Komma.

Die Farbe Blau der Abend schiebt
die Sonne in den schmalen Spalt
hinterm Wald. Von Ferne hallt
die Nacht. Die Zeit die längst versiebt

fällt senkrecht in den Horizont.
Was mir keine Frist vermag:
Dein Bild hält meine Nacht bewohnt.

Was keine Dunkelheit verbarg:
Der Traum von deinem Licht (gewohnt)
trägt dein Bild weit in den Tag.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst III - ZaunköniG - 24.01.2026

III.

Trag dein Bild weit in den Tag.
In den Wolken holographisch:
Erinnerung. Wie lange kann ich
zehrn von einem Bild. Ich mag

keinen Wimpernschlag vermissen.
Es kann nicht sein was nicht sein darf.
Die Trennung sauber klingenscharf.
Statt Verbinden nur Verblassen.

Nein  sicher ist dir auch nicht leichter.
Viel Zeit uns schon zu Füßen lag...
Der Gedanke: Bis hier reicht er.

Frag was nachkommt. Ja  ich wag!
Beschienen ist von triefem Leuchter
was kein Mond kein Gott verbarg.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst IV - ZaunköniG - 26.01.2026

IV.

Was kein Mond kein Gott verbarg:
Dein Bild war Träger mancher Träume.
In den Himmel wuchsen Bäume
ungezähmter Phantasie. So stark

wirkt heut Entblößung manchen Wunders.
Es fehlte nie an Zeichen doch
befürchtet hab ichs immernoch.
Gewißheit ist da noch ganz anders.

Kann man den geliebten Menschen
wirklich restlos kennen in der
Blende starker Bande? Wenn schon

so nicht dann verstehn. Nun schlimmer
wäre Ungeliebtes. Bleibt zu Wünschen:
Sei mein Gefühl für jetzt und immer.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst V - ZaunköniG - 28.01.2026

V.

Sei mein Gefühl für jetzt und immer.
Mich bannt Vermutung deiner Nähe:
Anders alles wenns so wäre.
Clematis – all die andern Klimmer

wachsen auf in langen Schatten
doch bald über sie hinaus.
Sei mein Gefühl laß uns heraus
aus diesen kalten dunklen Stätten.

Mit Phantasie sind wir bestückt.
Nicht daß du nur die Zeiten streckst.
Ich weiß bestimmt daß es uns glückt.

Der Tag ist unser. Gut versteckst
du mich in deiner Welt. Verrückt!
Komm wir gehn hin wo der Pfeffer wächst.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst VI - ZaunköniG - 30.01.2026

VI.

Komm wir gehn hin wo der Pfeffer wächst
erfinden uns das Dach der Erde
auf daß dein Eden Wahrheit werde
wo du alle Früchte schmeckst.

Komm wir setzen uns im Beiboot ab
flaggen bunt das Narrenschiff.
Neptun winkt uns an sein Riff
von leuchtender Korall. Ich hab

dein Mal im maritimen Herzen.
So viel kanns gar nicht regnen heiter
versprühn wir Tag wie Wunderkerzen

die jedes dunkle Zeichen scheitern.
Reiten wir bevor wir stürzen
nach Feuerland und noch viel weiter.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst VII - ZaunköniG - 01.02.2026

VII.

Nach Feuerland und noch viel weiter
zieht sich mein Fluß gezähmter Träume.
Schier in die Wolken wuchsen Bäume
Phantasie die Himmelsleiter.

Hoffnungsgrün läßt sich nicht neu säen.
Unser Lied von Billy Joel
klingt wider aller Kenntnis hohl.
Was sagt dir heute „hundertneunzehn“?

Alle Himmel sind entgeistert.
Der Traumfluß zwischen uns wird breiter
wehrt die Überfahrt. Es zeustert

jeder leise Lufthauch leider.
Gebrannt die Helden doch geläutert:
Du die Sphinx  ich goldner Reiter.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst VIII - ZaunköniG - 03.02.2026

VIII.

Du die Sphinx ich goldner Reiter:
Dein blondes Bild wär doch gelacht
wenns das schon wär hätt nie gedacht
der Weg ging einmal nicht mehr weiter.

Wir wollten uns niemals belügen
doch Träumen wird gestattet sein.
Nur unser Traum holt uns nicht ein
fällt ab von uns wie tote Fliegen.

Noch erfüllst du mich lauwarm.
Auch wenn du dich schon mehr versteckst
gedenk ich dem was von dir kam.

Noch ehe du ein Ende steckst
nimm mich nochmal in den Arm
bevor du mich zum Alltag weckst.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst IX - ZaunköniG - 05.02.2026

IX.

Bevor du mich zum Alltag weckst
und Regen spült den Vortag fort
laß mich genießen jedes Wort
bevor du es zu Boden streckst.

Mach dir nie Gewissensbisse.
Es hat seine Berechtigung.
Ich geb dir nur Bestätigung
egal wie ich dich auch vermisse.

Dein Bild war Träger mancher Träume.
Nächtens liebe ich mich wund
füll stetig neue Zwischenräume.

Dein Angedenken halt ich bunt.
Bevor ich Taglicht anberaume:
Komm mit mir zum Meeresgrund!


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst X - ZaunköniG - 07.02.2026

X.

Komm mit mir zum Meeresgrund.
Zu lange leb ich beduin.
Sei es drum sei mein Ruin
doch mach mir meine Nächte bunt.

Schief in die neue Zeit gelehnt
das Wochenende auszuweiden
Regenwetter umzuwerten
gelingt nicht mehr. Nun ungeschönt

liegt das Morgendämmern da.
Verübter Gegenwartsverlust
macht jede Regung noch abstrakter.

Hast du mich jemals gewußt?
War dir je ein Blick gewahr
in die Gefilde meiner Lust?


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst XI. - ZaunköniG - 09.02.2026

XI.

In die Gefilde meiner Lust
ergießen sich die leeren Tage.
In das Meer verschwimmt die Klage:
Menschvertrauen nun Verlust

von weiten Teilen Illusion.
Mein Wellenschlag bleibt uferlos.
Alle Hoffnung scheint zu groß
unerfüllt meine Passion.

In Sonetten freien Versen
tut sich ein Gedanke kund
verliere mich auf weiten Reisen.

Halte die Erinnerung bunt.
Verführe mich zu neuen Weisen
flieg mit mir zum Himmel und...


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst XII - ZaunköniG - 11.02.2026

XII.

Flieg mit mir zum Himmel und
wir enden mit dem Feuerwerk.
Eingebrannt bleibt der Vermerk
von unsrer Zeit: Ein Tumichwund.

Meine Sehnsucht oxidiert
doch jede Nacht putz ich die Sterne.
In unerreichbar weite Ferne
rückt was je mit uns passiert.

Du hast mir die Welt metaphert
doch die Bilder sind verrußt.
Jede neue Stunde puffert

ab was Wesen war von meiner Lust.
Jeder Tagtraum, Wunsch versickert
an Orte die niemand gewußt.


RE: Bevor du mich zum Alltag weckst XIII - ZaunköniG - 13.02.2026

XIII.

An Orte die niemand gewußt
entführtest du mir meine Traume.
Hell erleuchtet alle Räume
verschwiegne Zimmer meiner Brust.

Zwischen Wirklichkeit und Wahrheit
liegt ein Spalt. Es ist zu spät.
Die heutige Realität
duldet keine Zweisamkeit.

Ich werde dich auch weiter lieben.
Ohne dich werd ich nicht rund.
Mir bleibt nicht mehr als Schnee zu schieben.

Nachts bleibt meine Welt gesund
erholt sich von den Schicksalshieben.
Mein Blautraum wird lebendig und...