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Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 10 In meinem Spiegel - ZaunköniG - 11.02.2024 In meinem Spiegel Dornröschen Dornröschen gleicht, solang er selbst am Leben, Des wahren Dichters Kunst in unsern Zeiten, solang Mäcen’ nicht ihre Schritte leiten, Nicht Fürsten sie an Höf’ und Throne heben. Das stärkste Können heut’, das reinste Streben Begräbt der Dornbusch seichter Wirklichkeiten, Ein Gönner muß – als Prinz – ihn erst durchschreiten, Das Licht des Tags der lichten Maid zu geben. O meine Kunst, Dornröschen, seit zehn Jahren Dir selbst nur blühend, doch der Welt verloren, Wann kommt dein Prinz und zeigt dich seinem Volke? Mir ist, als rief’ ein Gott mir aus der Wolke: Verzehrt dich Sehnsucht schon nach weißen Haaren? Dein Prinz – er ist noch nicht einmal geboren! . RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 10/02 - ZaunköniG - 02.01.2025 Ganymedes Von aller Knaben schönstem lehrt die Mythe, Den Eltern hab’ ein Adler ihn entwendet, Den einst der Gott der Götter ausgesendet, Für ihn zu rauben diese Menschenblüte. Denn um die Gunst des Herrlichen sich mühte, Der sonst sie seine Frauen bloß gespendet, Vor eines Knaben Schönheit stand geblendet, Der sonst in Liebe nur zum Weib erglühte. Das durfte einst die Gottheit selber wagen, Vor jenem schönen Volke der Hellenen, Das noch als Muster gilt in unsern Tagen. Und rufst du heute: Liebe jedem Schönen! So fehlt nicht viel, daß sie ans Kreuz dich schlagen Und dich mit Dorn und Ketzermütze krönen. RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 10/03 - ZaunköniG - 30.01.2025 Narkissos Ein Wunderwerk an Angesicht und Leibe, Läßt doch umsonst von Fraun du dich umwerben, Selbst Echo muß im Durst nach dir verderben, Denn keine Liebe hegt dein Herz zum Weibe. Da blickst ins wasser du zum Zeitvertreibe Und schaust dein Bild, und – o der Qual, der herben! – In Sehnsucht nach dir selber mußt du sterben, Daß nur der Blum’ dereinst dein Name bleibe. Dir gleicht, Narziß, das seltsame Geschlechte Der Männer, die in Schönheit nur versunken Von Jünglings Art, doch nicht der Weiber Knechte. O laß, Kultur, in ihren Liebesfunken Die Duldung wehn, gib ihnen Menschenrechte, Sonst sterben sie, an eigner Schönheit trunken! |