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Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09 F. W. dem jugendlichen Geigenvirtuosen - Druckversion +- Sonett-Forum (https://sonett-archiv.com/forum) +-- Forum: Sonett-Archiv (https://sonett-archiv.com/forum/forumdisplay.php?fid=126) +--- Forum: Sonette aus germanischen Sprachen (https://sonett-archiv.com/forum/forumdisplay.php?fid=394) +---- Forum: Deutsche Sonette (https://sonett-archiv.com/forum/forumdisplay.php?fid=398) +----- Forum: Autoren K (https://sonett-archiv.com/forum/forumdisplay.php?fid=625) +------ Forum: Ottokar von Kraft (https://sonett-archiv.com/forum/forumdisplay.php?fid=704) +------ Thema: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09 F. W. dem jugendlichen Geigenvirtuosen (/showthread.php?tid=29809) |
Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09 F. W. dem jugendlichen Geigenvirtuosen - ZaunköniG - 11.02.2024 F. W. dem jugendlichen Geigenvirtuosen Am ersten Abend in sein Gedenkbuch Wir, denen heut’ dein göttlich Spiel erklungen, Wir danken dir vereint aus meinem Munde, Wir danken dir aus tiefstem Herzensgrunde, Du großes Kind, das männer selbst bezwungen. Denn von des Alltags Staub emporgerungen Hat auch der Kleinste sich zu dieser Stunde, Du hattest selbst den Seichtling heut’ im Bunde, Das Schwerste, was dem Künstler je gelungen. Doch mich ergriff dein Lied wie Himmelslabe, Wie einen Älpler, dem in fremden Landen Vom Hochland singt ein Knab’ am Hirtenstabe. Hab’ Dank für all, was meine Sinn’ empfanden, Du meines Geisteshochlands Hirtenknabe, Den höchsten Künstlerdank: Du bist verstanden! . RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09/02 - ZaunköniG - 18.09.2024 Mit meinen Gedichten Dir ward die neidenswerteste der Gaben Vom Schicksal in der Wiege schon gespendet: Du wardst aus Himmels Räumen uns gesendet, Mit hehren Weisen jedes Herz zu laben. Nur Eines mangelt heute noch dem Knaben, Doch das den wahren Künstler erst vollendet: Im Reich des Denkens bist du noch verblendet, Nicht kannst du deine eig’ne Welt noch haben. Drum laß dies Buch aus reifern Freundes Händen Dir nach und nach das Licht der seinen spenden, Verweb’ es mit dem Zauber deiner Lieder; Und bracht’ es näher dich dereinst dem Ziele, Dann komm auf’s neu’ mit deinem Saitenspiele Und gib in Tönen mein Geschenk mir wieder! RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09/03 - ZaunköniG - 03.12.2024 Mit meiner Photographie Als mich dein Bild zum erstenmal entzückte, Was war es, das mich mächtig zu dir zwang? Was war es, das bei deiner Saiten Klang Wie Grüße geist’ger Heimat mich beglückte? Und als zum Abschied ich die Hand dir drückte, Was war es, das urplötzlich dich durchdrang? Was wie du sagst, in Glückes Überschwang Dir wie ein Funke durch die Glieder zückte? War’s nichts als kurze, flücht’ge Traumverblendung, Die in dem Rausche zweier Künstlerstunden Uns allzu rasch, drum allzu leicht verbunden? War’s nicht die Ahnung gleicher Priestersendung, die wahlverwandte Geister hier entzündet, Und einen Bund fürs Leben uns begründet? RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09/04 - ZaunköniG - 29.12.2024 Daheim Wenn angelockt von deines Leibes Prangen Ich allzu zärtlich, Freund, mich dir erzeige, Wenn ich mein Haupt zu deinem Haupte neige, Zu streiten selig deine Sammetwangen, Wenn ich mit Armen wonnig dich umfangen Und selbst im Kuß die süße Not nicht schweige: Dann auf, Geliebter! Rasch ergreif’ die Geige, Und spiel mir auf von Liebeslust und –Bangen! Beim ersten Vollklang deiner Himmelslieder Verstummt mit eins die Dirne Sinnlichkeit Und stöhnt gekettet mir zu Füßen nieder, Indes mein Geist, entrückt der Zeitlichkeit, Von dannen schwebt auf strahlendem Gefieder Zu Ätherhöhen reinster Geistigkeit. RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09/05 - ZaunköniG - 11.12.2025 Mein Drang zu dir Oft frag’ ich mich: was ist zu dir mein Lieben? Ist’s nur ob deines Spiels die Gunstbezeugung? Antiker Freundschaft holde Doppelneigung? Ist’s wahre Lieb’, was mich zu dir getrieben? Sind’s Dichterphantasien, die bald zerstieben? Ist’s bloß der Seelen himmlische Verzweigung? sind’s Lüste, denen besser wär’ Verschweigung? So frag’ ich oft. Was ist zu dir mein Lieben? Ach, alles, nichts! Mein Drang zu dir ist ethisch, Rein Herzenstrieb, und Schauens Wonn’ ästhetisch, Und geistig, engelsrein, und heischend physisch, Und keusch, und taubenmild, und wild ekstatisch, Und Anbetung, und Griechenliebe attisch, Und Künstlerrausch, und Aufschwung dionysisch! RE: Sonette - in 12 Runden zu 14 Gedichten - 09/06 - ZaunköniG - 29.12.2025 Über Nacht mein Gast Des Augenblicks vergess’ ich nie im Leben, Als, ledig halb von samtner Kleider Zwang, Der Liebling auf die schönen Kniee sank, Den schönern Geist zum Himmel zu erheben. Ich stand, der Menschen seligster, daneben, Berauscht mein Wesen wie vom Nektartrank, Es faßte mich ein keuscher Wonnedrang, den nachzufühlen Künstlern nur gegeben. Zwei Menschenkinder beugten hier das Knie: Das eine, in der Unschuld holdem Wähnen, vor einem Gott der kind’schen Phantasie, Das andre, Nachgebor’ner der Hellenen, Vor dieser wunderbaren Harmonie Des Seelenschönen und des Körperschönen. |