Sonett-Forum

Normale Version: Sommer-Haiku
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Warmer Sonnentau
süßlich lockt die Vergängnis
bis zum Untergang

2. Version

warmer Sonnentau
mit Verlockung behaftet
süß der Untergang.



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Messingglanz im Teich
Ein kreischender Wetterhahn
verscheucht die Fische

Alter Lokschuppen
Ahornschößlinge im Gleis
rostroter Schotter

Löwenzahnschirmchen
tanzen mir um die Nase
verdrehn mir den Kopf
Zum Erbrechen satt
klebt der Sommer auf der Haut.
Komm! lass alles raus!
Bewegung im Schlick!
Ein Kind mit Kescher im Arm
Froschlaich am Knöchel


Bläschen steigen auf
Ein Moderlieschen gründelt
verschwindet im Schlick


Geknickte Binsen
Zwei Libellen herzen sich
Ringe im Wasser
Würziger Heuduft
Im Schatten der Zypressen
hechelnde Hunde



Auf dem Handrücken
die zerriebene Mücke:
Sie juckt mich nicht mehr.



gewürfeltes Stroh
Staubfahne über dem Feld
Traktorengeräusch



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schaukelnde Falter
auf der blühenden Minze
vom Nektar berauscht
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Sommerverächter
Vor dem flackernden Bildschirm
wie hypnotisiert


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Keine Nachdichtung, aber von Bashos Ritter-Haiku inspiriert:



Bienenschwarm im Mohn
Helm und Orden im Erdreich
Das Feld der Ehre



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Schwankes Blütenmeer
Der Admiral dreht auf Lee
sein buntes Segel



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Tropfnasses Röhricht
Nieselfahnen vor der Au
Stoische Störche


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Gleißende Gleise
Sie kündigen mir singend
einen Fernzug an


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Die Linden blühen
üppiger als je zuvor
doch tragen kaum Laub


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Chiffren an der Wand,
wo bis in den Mai hinein
noch wilder Wein wuchs.



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Vor meinen Füßen
springen die Grillen ins Feld.
Leis raschelts im Stroh.


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Wind geht durch das Laub:
Tausend Varianten Grün
rahmen den Himmel.


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Zum Glockenläuten
hebt ein Vogelzwitschern an:
Preiset den Himmel!


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Der Wind täuscht die Haut
über die Sonne hinweg
und über die Zeit.



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Wie Schmetterlinge
tanzen die Lindenblüten
noch einmal aufwärts.


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Flackerndes Blattwerk
Die Linde im Gegenlicht
Tausendgüldenbaum


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Scherbenreflexe
verschmelzen im Schotterbett
mit Flugrost und Heu


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Salzwasserstimmen
preisen frische Krabben an.
gepult in Tunis



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Vor dem Gewitter
leuchten die Sonnenblumen
für ein letztes Mal


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Trichter an Trichter
hinterlässt das Spatzenvolk
im geharkten Beet



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schwach illuminiert
weiche Wolkenkonturen.
von dort kommt der Wind


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skeptische Frösche.
Sie hadern mit dem Regen.
Die Mücken sind fort.


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