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Normale Version: George, Stefan: Neuländische Liebesmahle (2)
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Stefan George
1868 - 1933


Neuländische Liebesmahle


Die kohle glüht. mit dem erkornen rauche
Beträufle sie! der guss verfliegt und zischt.
Dass er uns in die dichten wolken tauche
Wo frommer wunsch mit süsser gier sich mischt!

Lass auf dem lüster viele herzen flammen
Mit schwerem qualme wie in heilgem dom
Die hände legen schweigsam wir zusammen
Zu träumen einen melodienstrom!

Kein zarter anhauch! nein in jenen chören
Wird jungfräulicher flaum den einklang stören
Wie künsten – aber falsch – ergeben haar.

Wirf neue körner auf die opferschale!
Dass blonder wirbel unsern sinnen male
Die wissensvolle müd und wunderbar.



Den blauen atlas in dem lagerzelt
Bedecken goldne mond- und sternenzüge
Auf einen sockel sind am saum gestellt
Die malahit- und alabasterkrüge.

Drei ketten eine kupferampel halten
Die unser stirnen falben schein verhehlt
Uns hüllen eines weiten burnus falten
Und – dass uns nicht ein myrthenbüsches fehlt!

Bald hören wir des tranks orakellaut
Auf teppichen aus weichem haar gesponnen.
Der knabe wohl mit jedem wink vertraut

Verbeugt sich würdig vor dem hospodar . .
Mir dämmert wie in einem zauberbronnen
Die frühe zeit wo ich noch könig war.


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